Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 40 (19.10.1906)
- Date
- 1906-10-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063316-3063356--04488-3071334- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Lene 4. Die Wahrheit ’Jic. 40. h Augenblicke dienen, sondern charakterfest gegenüber allen Personen und Verhältnissen, treu und unentwegt jene Ziele vor Augen haben, welche den erhabenen Traditionen des Judentums entsprechen und deren Erfüllung Pflicht eines jeden jüdischen Gemeinwesens ist — mit einem Worte Männer, die wirklich Führer und nicht die Geführten sind.! Wenn wir mit solchem Maßstabe die neuen Bewerber um I das Mandat eines Kultusvorstehers messen, werden wir auch j die richtigen Männer finden, die berufen und geeignet sind, dieses hervorragende jüdische Gemeinwesen zu leiten. Zur Knltnswahl?) Löbliche Redaktion! Wir bitten Sie, nachfolgende heute überreichte Eingabe in Würdigung der Wichtigkeit des Gegenstandes in Ihrem werten Blatte abzudrucken: . - „Dringend, wegen sonstiger Frustrierung dieser Eingabe. Löbliches Vertreterkollegium! Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien hat in der „Wiener Zeitung" publiziert, daß die Wählerliste für die diesjährigen Wahlen zur Elusicht in der Kultuskanzlei aufliegt und Reklamationen innerhalb 14 Tagen vom 3. Oktober d. I. schriftlich daselbst einzubringen sind. Nun wurden Stimmen laut, jene Fristbestimmung sei dahin auszulegen, daß schon am 17. Oktober die Frist abläuft. Wenn jedoch erwogen wird, daß in die Zeit vom 3. bis 17. Oktober mchi weniger als vier Jomim Towim und zwei Sabbate fallen, an welchen Tagen (nebst den Sonntag-Nachmittagen) in der Kultusgemeindekanzlei überhaupt nicht amtiert wird, daß also die Einsichtnahme der Wählerliste, diese Voraussetzung jeder Reklamation, nur an acht beziehungsweise sieben Tagen möglich wäre, wenn ferner erwogen wird, daß die gleichen Verhältnisse wegen der stets im Herbst stattfindenden Wahlen immer wiederkehreu, dann ist es klar, daß unter den in der hieramtlichen Publikation genannten 14 Tage nur Werktage gemeint sind, und sohin die Reklamationsfrist erst am 23. Oktober abläuft. Wir bitten daher, die Richtigkeit dieser unserer Auffassung zur allgemeinen Darnachachtung durch die unverzügliche amtliche Publizierung in der dieswöchentlichen Nummer der Wiener jüdischen Blätter zu bestätigen. Bei diesem Anlasse sei uns gestattet, auf einen schweren Uebelstand der bisherigen Wahlen hinzuweisen, den zu beheben es diesmal noch Zeit ist: Die Kultuswähler des II. und XX. Bezirkes sind, je nachdem ihr Familienname mit einem der Buchstaben A—K oder aber L—Z beginnt, durch die Wählerliste der Wahlsektion Tempelgasse oder aber Leopoldsgasse zugeteilt. Es ist offenkundig, daß dieser Modus eine arge Belästigung der Wähler bedeutet, die zum Beispiel oft aus der Pratergegend an dem Wahllokal Tempelgasfe vorbei zum Wahllokal Leopoldsgasse oder aber von der Brigittenau her an dem Wahllokal Leopoldsgasse vorbei zum Wahllokal Tempelgasse müssen wählen gehen. Dieser, die Wahlbeteiligung stark schädigende Uebelstand wird auf die einfachste Art dadurch behoben, daß die Wähler des Bezirksgerichtsspreugels Leopoldstadt I (links der Taborstraße) dem Wahllokale Leopoldsgasse und jene des Bezirksgerichtssprengels Leopoldstadt II (rechts der Taborstraße) dem Wahllokale Tempelgasse zugewiesen werden. Durch die Arbeit weniger Stunden kann die geschriebene Wählerliste zur Drucklegung in obskizziertem Sinne bereitgestellt werden. Für das zionistische Wahlkomitee: Dr. Paul Weisengrün m. p. Dr. Egon M. Zweig m. p." Hiezu sei noch bemerkt, daß die in dem Wahlstatut vorgesehene vierzehntägige Reklamationsfrist, als zum Schutze der *) Die Veröffentlichung der obigen, bereits vorige Woche vom zionistischen Wahlkomilä uns zugesandten Eingabe konnte der Feiertage halber bei uns erst diese Woche erfolgen. Gleichzeitig sei niitgeteilt, daß die Eingabe vom Kultusvorstande abschlägig beschieden wurde. (Die Red.) Wählerschaft statuiert, natürlich nur ein Minimum darstellt und im Bedarfsfall ohneweiters verlängert werden kann. Mit vorzüglicher Hochachtung für das zionistische Wahlkomitee: Dr. Paul W e i s e n g r ü n. Dr. Egon M. Zweig. Zur Präsidentenwahl in der Kndapester Gemeinde. (Schluß.) Nach dem Bekanntwerden, daß die Pester isr. Religionsgemeinde behufs Vornahme der nötigen Ergänzungswahlen eine außerordentliche Generalversammlung für den 14. d M. einberufen hat, begab sich eine Deputation der W e i ßpartei unter Führung des Reichstagsabgeordneten Dr. . Wilhelm Vazsonyi Zum Hofrat Berthold Weiß, um ihn dringendst zu bitten, seine Abdizierung von der Präsidentenkandidatnr im Interesse seiner Partei, sowie im Interesse der Gemeinde 'zurückzuziehen. Hofrar Weiß empfing seine „lieben Freunde" mit gewohnter Liebenswürdigkeit, bedauerte aber ihren Wunsch nicht erfüllen zu können, da er um des lieben Friedens willen, an dem bereits erfolgten Rücktritt festhalten müsse. Hierauf lud Dr. V a z s o n y i die hervorragendsten Männer der W e i ßpartei zu sich, um ihnen mitzmeilen, daß Hosrat Weiß nicht zu bewegen sei, die Kandidatar auf die Präsidentenwürde wieder anzunehmen, was mit allergrößtem Bedauern zur Kenntnis genommen wurde. Einige beantragten, entgegen dem Willen des Hofrates Weiß müsse die Weißpartei den Kampf fortsetzen und den Sieg erringen. Dementgegen warnten wieder .Andere, nichts gegen den Willen des Hofrates zu unternehmen, da dies auch im Falle eines Sieges unfruchtbar bliebe, weil Hofrat Weiß sein gegebenes Wort in Ehren halten und die auf ihn entfallene Wahl derzeit nicht annehmen würde. — Dr. Vazsonyi berief nun die frühere Berthold Weißpartei zu einer Konferenz, welche in einem separaten, ziemlich großen Saale des Cafe Fanto auf der Andrassystraße unter dem Vorsitz des.Dr. Glasz statlgesunden hat. Die zahlreich Erschienenen hörten den Bericht des Vorsitzenden an, welcher eine längere Debatte hervorrief. Zur Sache sprachen: kön. Rat Dr. Sigmund Adler, Rechtsanwalt Dr. Emanuel R o z s a v ö l g y i, Bernhard E l e k, Karl B i r o, Stadtrepräsentant Koloman Dozod u. A. Reichstagsabgeordneter Dr. Wilhelm Vazsonyi teilt den Anwesenden mit, Hofrat Berthold Weiß habe ihn sowohl mündlich wie schriftlich ersucht, in seinem Namen die Erklärung abzugeben , daß er derzeit unter keinen Umständen die Kandidatur zum Präsidenten an nehmen würde. Redner bittet daher die Partei, den Kampf unter dem Namen Weiß nicht fortzusetzen, sondern vielmehr dahin zu wirken, daß jenes Programm, welches Berthold Weiß vertreten hatte, verwirklicht werde. Die Konferenz beschloß im Sinne der Ausführungen des Redners. Auf Antrag Dr. Vazsonyls wurde ein Komitö mit der Aufgabe entsendet, von diesem Beschlüsse der Konferenz die Weinmannpartei zu verständigen. Es wurden der Gegenpartei folgende Bedingungen gestellt: Die zwei Hauptstützen des Weißffchen Programms: der Kultus und der Unterricht, vornehmlich die Tempelbaufrage und die Erbauung eines jüdischen Gymnasiums, müssen von der W e i n m a n npartei angenommen und in der Präsidentenrede des Hofrates Dr. Weinmann öffentlich als zu dessen Programm gehörig ausgesprochen werden. Ferner muß Dr. Wilhelm Grauer in den Vorstand und Dr. Emanuel Rozsavölgyi in den Ausschuß der Gemeinde kommen. Geht die Partei darauf ein. so ist der Friede geschlossen, wo nicht wird der Kampf fortgesetzt. Die W einm a nnPartei hat diese Propositionen bereitwilligst angenommen, und in einer unter Vorsitz des Direktors S z e k e l y im Pruuksaale der Gemeinde abgehaltenen Repräsentantenversammlung wurde Ministerialrat Dr. Ludwig Bcrllai gebeten, die Leitung der Konferenz zu übernehmen. Dr. Ba l lai begrüßte die in stattlicher Zahl Erschienenen, gab seiner Freude > Ausdruck, daß der Friede in der Gemeinde wieder hergestellj sei, was hauptsächlich jenem Manne zu verdanken sei, der im Interesse des Friedes selbst seinen Namen aus der Wahl-