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Die Wahrheit · 1906-10-19 · Heft 40 (19.10.1906) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 40 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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akrchsit Redaktion 11. Adiniiiistralion: Wien, II/, Nvvaragasse 27. Telephon Nr. der Druckerei 15302. Inserate Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Abonnementsn. Jniertiousbeträge sind in Wien zahlbar und klagbar. nakhänglge Aeitschnft für nterejfen. Erscheint jeden Kreitn g. Motto : „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ |j jj Aerngspvei»: j| Ganzjährig ... St " Halbjährig . ft. 12 - II <> - i Für CttltttSbr'iiinte: >^»„zjährig . . . ft in - Fi'ir Ansimrd. Ganzjäbrig . . . n Mark ri Rubel oder lü FcS. Ur. 40. Wien» 19. Oktober 1906 Inhalt: Wiener Knltuswahlen. — Zur Kultuswahl. — Zur Präsidentenwahl in der Budapester Gemeinde. — Die Juden und die russische Revolution — „Der Dornbusch" — Verschiedene Nachrichten. — Zum Artikel -“i .*W]7ö — Ausruf. Die geehrten Kerren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. Oktober öegonnene 4. Ouartat ersucht, damit die regelmäßige Zusendung des ML'attes keine Unterbrechung erleide. Wierteljährig Kr- 3.—. Probenummern stehen zur Verfügung. _ Die Wedaktion. Wiener Knitnsmahlen. Es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, daß ein großer Teil der Gemeindemitglieder den Vorgängen innerhalb der Kultusgemeinde nur wenig oder gar kein Interesse entgegenbringt, und nur so ist es zu erklären, daß so oft irgend eine, selbst die Mittelmäßigkeit nicht weit überragende Persönlichkeit, die an der Leitung der Gemeinde Anteil genommen, vom Schauplatze abtritt, über die Unersetzlichkeit derselben geklagt wird und geeigneter Ersatz Schwierigkeiten bereitet. Ein Vergleich mit Einst und Jetzt oder die Erörterung der Frage, wer und was an dem Umschwung der Verhältnisse Schuld trägt, würde an der Tatsache wenig ändern, vielmehr muß das Streben aller, denen das Wohl der Gemeinde am Herzen liegt, dahin gerichtet sein, den allgemeinen Indifferentismus zu brechen und kein Mittel unversucht zu lassen, die abseits Stehenden zur tätigen Mitwirkung heranzuziehen. Eine Gelegenheit hiefür bieten eben jetzt die in nächster Zeit stattfindenden Ersatz- und Neuwahlen in den Kultusvorstand. In der am 7. d. M. stattgefundenen Vorstandssitzung wurde der Wahltermin für die allgemeine Kurie für den 2. Dezember und für die Kurie der Höherbesteuerten für den 11. Dezember festgesetzt. In ersterer sind 5 Er s a tz w ah len für die verstorbenen Vorstandsmitglieder: Kais. Rat Moritz Hirsch, (mit 4-jähriger Mandatsdauer) Salomon R o s n e r, Baurat Fleischer, Gottlieb T a u s s i g, Dr. Isidor Schnabl (mit 2-jähriger Mandatsdauer) und 7 Neuwahlen für die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder: Dr. Alfred Berger, Hermann Eltbogen. Emanuel Hoffmann. Dr. Gustav Kohn (I. Vizepräsident), Kais. Rat Wilhelm Pollak, Dr. Maximilian Steiner. Dr. Alfred Stern (sämtliche mit 6-jähriger Funktionsdauer) vorzunehmen. In der Kurie der Höherbesteuerten finden 2 E r s a tz w a h l e n für den verstorbenen Rudolf Auspitz und. stir den zurückgetretenen Theodor Ritter von Taussig, und Neuwahlen für die beiden turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Moritz B. E i s s l e r, und Dr. Arthur Knranda statt. Die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder werden fast ausnahmslos wieder kandidieren und da es durchwegs Männer sind, die das Vertrauen der Gemeinde in hohem Maße besitzen, ersprießliche und verdienstvolle Arbeit geleistet haben, ist ihre Wiederwahl vollkommen sicher. Nur einer derselben, Kultusvorsteher Hermann E l t b o g e n, soll die Absicht haben, seine Kandidatur nicht mehr anzumelden, doch nehmen wir auch in diesem Falle an, daß er von seinen Freunden und Gesinnungsgenossen in und außerhalb des Vorstandes zu einer Wiederbewerbung veranlaßt werden wird. Für diese Gruppe von Mandaten ist also keine besondere Wahlagitation zu erwarten, hingegen dürste es etwas lebhafter bei den Ersatzwahlen werden, wo neue Männer aus den Schauplatz treten. Bevor wir nun im allgemeinen über die Eignung zum Kultusvorsteher gewisse Prinzipien aufstellen, müssen wir einige Bemerkungen über die Ausgaben der Kultusgemeinde vorausschicken. Seit einigen Jahren wird bei uns viel Politik gemacht und diese auch in die Gemeindestube gebracht. Gewiß, eine Kultusgemeinde hat mehr zu sein als eine bloße Steuervorschreibungs-Maschine, aber Reichsrat spielen wollen wir nicht. ..Politisch Lied, garstig Lied", das gilt ganz besonders für unsere Gemeinde. Einmal soll sie für alles Mögliche, auch außerhalb ihres Wirkungskreises Liegende Sorge tragen, und ein andermal wird ihr wieder der Vorwurf gemacht, daß sie alles in ihre Wirkungssphäre zu ziehen sucht und dadurch natürlich ihre Kräfte zersplittert. Demgegenüber muß man sich Vorhalten, daß unsere Gemeinden in erster Linie Kultusgemeinden sino. Pflege der Religion, Pflege des Gottesdienstes, Darbietung der Möglichkeit, daß jeder Jude für seine religiösen Bedürfnisse möglichste Befriedigung finde, Hilfe den Armen und Arbeitslosen in der Gemeinde, Pflege des jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühles, das sind die wichtigsten Agenden der Kultusgemeinde. Und um diese gewiß nicht geringen Aufgaben zu erfüllen, bedürfen wir Männer von Kopf und Herz. Wir brauchen Männer, die mit feinem Verständnis auf alle Strömungen der Zeit lauschen und denen die Bedürfnisse aller Schichten der Bevölkerung nicht ftemd sind; Männer, die sowohl ihre eigenen Fähigkeiten nicht überschätzen, als auch die der Gemeinde jeweilig zu Gebote stehenden geistigen und materiellen Kräfte genau abzuwägen wissen, um sie zum Wohle derselben richtig verwerten zu können; Männer der Tat, nicht Männer der Phrase; Männer, die nicht, hart nach unten und biegsam nach oben, nur dem

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