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Die Wahrheit · 1906-10-05 · Heft 39 (5.10.1906) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 39 (5.10.1906)
Date
1906-10-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 39. yi a n n, Advokat, EL 8, H. Hauptmann EL 2; M. Schwarz- Saybusch (für Waisen) EL 25; Teplitz: Frau Franziska Rindskopf LEL 400, Frl. Melanie Rindskopf K 50 (beide für Siedlce); Julius Schönhause r-Wischan E 5; hiezu die bereits ausgewiesenen EL il.399i87, zusammen bis 1. Oktober E 13.298 87. Weitere Spenden werden erbeten und dankend bestätigt im Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien". I., Weihburggasse 10, zwischen 9 und 1 Uhr vormittags oder mittels Postsparkassenkonto Nr. 8152. Wien. (V er e i n zur H e b un g d e r G e w e r b e in Wi en.) Am Montag, den 8. Oktober d. I., 3 Uhr nachmittags, unternimmt der Verein unter Führung seines Präsidenten B r o d eine Exkursion nach dem k. u. k. Haus-, Hof- und Staats-Archiv, I., Minoritenplatz und von dort den korporativen Besuch des Wiener Kunstgewerbe-Vereines, I., Schäuflergasse 2. Zusammenkunft l/»3 Uhr, Cafe Medak, „Wiener Künstler-Cafe, I., Franzensring 18. Die LP. T. Mitglieder werden ersucht, Vereinsabzeichen anzulegen. Damen und Gäste willkommen. Wien. (I ü d i sch e G es e lls ch afts r e i s e nach P a l ä stin a.) Mit gespanntem Interesse sieht man im Judentume der jüdischen Gesellschaftsreise nach Palästina entgegen, welche vom Zionisttschen Zentralverein in Wien veranstaltet wird und am 22. Oktober von Wien abgeht. Die Reiseroute geht via Budapest, Bukarest, Konstanza per Eisenbahn, von dort per Schiff nach Konstantinopel, wo die Ausflügler von einem direkt für diese Reise adaptterten eleganten Dampfer erwartet werden. In Jaffa, Jerusalem, in den Kolonien und in Beyrouth treffen die dortigen Juden große Vorbereitungen zum feierlichen Empfange ihrer Glaubensbrüder aus dem Westen. Die Anmeldungen zu dieser Reise werden vom Zionistischen Zentralverein in Wien, IX., Türkenstraße 9. entgegengenommen. Prag. Montag, den 1. Oktober ist Hofrat Dr. Alois Zucker, ordentlicher Profeffor an der böhmischen Universität in Prag, einer der hervorragendsten modernen Rechtslehrer, im 65. Lebensjahre plötzlich gestorben. Während des Spazierganges wurde er von einem Unwohlsein befallen und verschied bald darauf. Bis vor einigen Jahren nahm Hofrat Zucker auch am polittschen Leben hervorragenden Anteil und war ein angesehenes Mitglied der altczechischen Partei. Das Leichenbegängnis fand am 3. Oktober auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe unter ungemein zahlreicher Beteiligung statt. Troppau. „Al taschlichenu l’es sikno.“ Dieses am Jom Kippur wiederholt ergreifend und mit tiefer Inbrunst vorgetragene tieffinnige Gebet hat die löbliche Repräsentanz der hiesigen Kultusgemeinde in der schönsten und edelsten Weise aufgefaßt und beherzigt, indem sie in der am 30. September stattgehabten Ausschußsitzung die angesuchte Pensionierung dreier hier im Amte ergrauter Beamter in edler und nachahmenswerter beschlossen hat. Die drei Beamten, die Herren Rabbiner Dr A. Blüh, welcher 28 Jahre, der II. Kantor Jacob Herz, welcher 41 Jahre und der gewesene Oberlehrer der aufgelösten jüdischen Volksschule, Marcus Blatt, der 39 Jahre ununterbrochen in der hiesigen Gemeinde gewirkt hat, haben um ihre Pensionierung angesucht, und der Gesamt-Ausschuß hat nun beschloffen, allen drei Herren nicht nur ihre bis jetzt bezogenen vollen G e h ä l t e r als Pension zu bewilligen, sondern allen drei Herren j auch die bezogenen Personal-Zulagen zu belassen und dadurch eine Mehrausgabe von 2500 EL jährlich bewilligt, als das Pensionsnormale der hiesigen Gemeinde bestimmt, so daß der Gesamt-Betrag für die Pension der drei Herren ca. 8000 LE jährlich beträgt. Für unsere nicht gar zu große Gemeinde gewiß eine Opferwilligkeit und ein humanes, rühmenswertes Vorgehen, das alle Anerkennung verdient und nicht eindringlich genug so mancher Großgemeinde als edles Beispiel dienen sollte. Unserer Kultus- Repräsentanz sei hier der besondere Dank und Anerkennung ausgesprochen für ihr gerechtes und nachahmenswertes Vorgehen bei der Pensionierung ihrer Beamten. Sie hat dadurch nicht nur allein die Beamten geehrt und hocherfreut, sondern sich selbst ein Ruhmesblatt in den Annalen der hiesigen Kultusgemeinde eingefügt. Den anderen Gemeinden möchten wir zurufen; „Gehet hin und tut das Gleiche!" Saaz, 1. Oktober. In den letzten Tagen erhielten wir neuerlich einen Beweis dafür, welche tteffliche Acquisition die israelitische Kultusgemeinde Saaz an ihrem neuen Oberkantor Herrn Josef Reiner gemacht hat, welcher am 1. Juli l. I. aus Karlstadt (Kroatien) wo er gleichfalls als Oberkantor mehrere Jahre fungiert hatte, hieher gekommen war. Herr Oberkantor Reiner, welcher das Wiener Konservatorium mtt Auszeichnung absolviert und daselbst eine seltene künstlerische Reife erlangt hat, besitzt nicht nur ein eminentes kantorales Wissen, sondern ist auch ein ganz vorzüglicher Sänger, dessen künstlerischen Gesangsvorträgen die mächtige, klangvolle und dabei ungemein sympatische Stimme bestens zu statten kommt. Obschon Herr Oberkantor Reiner mit deni Festgottesdienste am Kaisers Geburtstage sich hier bestens eingeführt hat, sahen doch die Mitglieder der hiesigen Kultusgemeinde den hohen Feiertagen, an welchen der neue Oberkantor die Feuerprobe seiner Leistungsfähigkeit zu bestehen hatte, mit ganz besonderem Interesse entgegen. Und Oberkantor Reiner hat an diesen hohen Feiertagen durch seine ausgezeichneten, gesanglichen und kantoralen Leistungen selbst die höchstgespannten Erwartungen übertroffen. Er hat durch seinen seelenvollen Gesang und seinen herzbewegenden Borttag an diesen Festtagen, besonders aber am Abend-^iz und beim Mußasgebete am -,-,23 c*' den Gottesdienst weihevoll gestaltet und die vielen Hunderte andächtig lauschenden Tempelbesucher zur tiefen Andacht erhoben. Czeruowitz. Nach dreiwöchentlichem Krankenlager ist der Rabbi von Sadagora, Israel Friedmann. Montag, den 1. d. M., um 10 Uhr abends gestorben. Die Beerdigung fand schon am nächsten Tage früh morgens statt. '.TS'X'j'n Berlin. Fern von Berlin und in stiller Zurückgezogenheit begingen vor kurzem Herr Prof. Dr. Berliner und Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. Der Kaiser ließ aus .diesem Anlasse dem Jubelpaare mit einem huldvollen Schreiben die Ehejubiläumsmebaille überreichen. Berlin. In Begleitung des Geheimrat Professor, v. Berg mann, der bekanntlich zur Untersuchung des Sultan nach Könstantinopel berufen wurde, befand sich auch dessen Assistent Dr. Richard Bier. Beim Abschied überreichte der Sultan Herrn Dr. Bier den Großkordon des Osmanie- Ordens, nachdem dieser erst vor kurzem den Medjldje-Orden erster Klasse, die Liakat (pour le merite) in Gold und die Jmtaz-Medaille erhaltest hat. Ferner ließ der Sultan mehrere Kisten mit Geschenken in das Hotel für die beiden Aerzte schicken. Als Dr. Bier zum erstenmal in Konstantiuopel war, wo er zwei Monate verweilte, wurde er ebenfalls mit Titeln und Geschenken förmlich überhäuft. Der Sultan ernannte ihn zum Honorar- Professor an der „Hamidie", überließ ihm eine eigene Dacht zu Fahrtest in den Bosporus und verehrte ihm zwei kostbare Buchära-Teppiche stnt» ein goldenes Zigarren-Etui. Beinr Abschied machte der Sultan ihm den Vorschlag als sein Leibarzt mit einem jährlichen Gehalt von 60.000 Franks in Konstantinopel zu verbleiben, was Herr Dr. Bier aber ablehnen mußte. Dr. Richard Bier wurde 1865 in Münster geboren. Er ist ein Enkel des erst vor kurzem im hohen Alter verstorbenen Rabbiners Philipp Heidenheim in Sondershausen. Seine Studien hat er in Münster und Würzburg gemacht. 1895 kam er an die Universitätsklinik nach Berlin als Volontär und bald darauf wurde er zum Assistenten des Herrn Geheimrats von' Bergmann ernannt, den er auf seinen verschiedenen Reisen nach Rußland, der Türkei usw. fast stets begleitet hat. Berlin. Die Entscheidung über die Erweiterung der Bürgerrechte der Juden ist, wie der Petersburger Korrespondent des Bureau Lassan von maßgebender Seite erfährt, in negativem Sinne ausgefallen. Eine Erweiterung ihrer Rechte wird nicht eher stattfinden, als „bis die jüdische Jugend Rußlands einen mehr gesetzliebenden Geist beweist". Die Juden haben auf Gewährung größerer Freiheiten nicht zu rechnen. Frankfurt a. M. Ueber den Judenfriedhof am Börneplatz hatte die „Frankfurter Zeitung" geschrieben, daß derselbe bis 1928. vertraglich im Besitz der israelitischen Gemeinde bleiben würde. „Dann wird sich zeigen," so hieß es weiter, „ob dem Friedhof das gleiche Schicksal beschieden sein wird, wie dem berühmten. Prager 'Judenfriedhof, der vor kurzem der Altstadterneuerung weichen mußte." Zur Richtigstellung dieser Notiz teilt das „Komitee zur Erhaltung und Wiederherstellung der Grabdenkmäler auf dem alten israelitischen Friedhof am Börneplatz" mit, daß das Jahr 1928 keinerlei Aenderung an dem Besitzrecht der Gemeinde herbeiführen wird; es ist der Gemeinde nur bis zu diesem Jahre nicht gestattet, eine Veränderung oder Bebauung des Friedhofes vorzunehmen. Das wohlerworbene, volle Eigentumsrecht der israelitischen Gemeinde ist schon durch eine Urkunde vom 15. Oktober 1316 ausdrücklich beglaubigt. Menschlicher Voraussicht nach wird die Gemeinde niemals sich dieses Besitzes entäußern, noch Veränderungen oder Bebauungen auf der Stätte dieses einzigartigen Kulturdenkmals vornehmen oder dulden. Eine Straßendurchführung ist, nachdem der Plan zur Erschließung jener Gegend der Altstadt fertig gestellt ist und die neue Straße längs des Friedhofes vorüber führt, ausgeschlossen. Gerade diese erwähnten Umstände geben dem vor zwei Jahren gebildeten Komitee die sichere Grundlage für ein erfolgreiches Wirken, das dahin zielt, vor allem den ungefähr 7000 Grabsteine enthaltenden Friedhof nach Möglichkeit unversehrt den kommenden Zeiten pietätvoll zu überliefern und ferner der Geschichts- und Kunstforschung, der sich auf dieser altehrwürdigen Stätte ein so gewaltiges und verheißungsvolles Studienfeld bietet, die Wege zu ebnen. Zum Schluß teilt das Komitee mit, daß. von seinen bisherigen umfangreichen Vorarbeiten demnächst der Oeffentlichkeit Kenntnis gegeben werden soll. Hamburg. (Hamburg-Amerika Linie.) Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdampfern finden statt: Nach N e w- York: Die Postdampfer: Kaiserin Auguste Victoria 27./9., Patticia 29./9., Schnellpostdampfer Deutschland 4./10., die Postdampfer: Pretoria 6./10., Amerika 11./10., Graf Waldersee 13./10., Blücher 18./10., Armenia 20./10., Kaiserin Auguste Victoria 25./10., Pennsylvania 27./10. Nach Boston: Die Postdampfer : Silvia 29./9., Badenia 11./10. Nach Baltimore: Die Postdampfer: Silvia 29./9., Badenia 11./10. Nach Philadelphia: Die Postdampfer: Pallanza 1./10., Barcelona 11./IO. Nach Westindien: Die Postdampfer: Caledonio 27./9., Assyria 1./10, Schwarzburg 8./10., Scotia 12./10., Patagonia 15./10. Nach Mexiko: Die Postdampfer: Syria 29./9., Hispania 3 /IO., Eger (ab Antwerpen) 3./10., Fürst Bismarck 14./10., St. Jan 18./10. Nach Montreal: Postdampfer Hanseat 29./9. Nach Neworleans: Postdampfer Rapallo 6./10. Nach O st a s i e n: Die Postdampfer: Andalusia 30./9., Ambria 10./10., Hohenstaufen 20./10., Christiania 25./10. A r a b i s ch - P e r s i s ch e r D i e n st: Die Postdampfer: Savoia iab Marseille) 2./10., Hungaria 14./10. Jerusalem. An Stelle des verstorbenen Großrabbiners E l j a s ch e r ist Rabbi Jakob Meir zum Chacham Baschi von Jerusalem gewählt worden. Die Aschkenasim beteiligten sich nicht an der Wahl und sollen dieselben in Konstantinopel Schritte eingeleitet haben, um ihren eigenen offiziellen Vertreter zu wählen. Der Feiertage halber erscheint die nächste Nnwrner am 19. Oktober. iassim aassflajEgfcj

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