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Die Wahrheit · 1906-10-05 · Heft 39 (5.10.1906) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 39 (5.10.1906)
Date
1906-10-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 39. Die Wahrheil Leite 7. sehenes Mitglied in der damals noch kleinen Kultusgemeinde und später war er durch viele Jahre Tempelvorsteher. Ein in und um Troppau wohlbekannter Hausierer, namens Reich, erhielt nun einmal vom Herrn Marburg den Auftrag, bei seinen Einkäufen in Brünn einen schönen Seidentallis für denselben zu besorgen, und elfterer kaufte in der Erwartung, daß noch ein zweites Kultnsmitglied auf einen solchen Seidentallis reflektieren werde, zwei Talleßim ein. Aber der Seidentallis des Herrn Marburg übte, trotzdem derselbe ein vorzügliches Stück war und auch eine zierliche Goldborte hatte, keine Anziehungskraft auf ein anderes Tempelmitglied, und so blieb der zweite Tallis lange Zeit im Besitze des Herrn Reich, bis endlich dessen Frau für denselben Verwendung wußte. Herr Reich war nämlich der Hoflieferant des Barons in Stablowitz, nahe von Troppau, und diesem bot er auf Anraten seiner Frau den Seidentallis als modernen Seidenshawl an. Der Baron, der zu Reich vollstes Vertrauen besaß — dessen Sohn wurde auch später Herrschaftsarzt in Stablowitz — kaufte wirklich den eigenartigen Shaivl und reservierte sich denselben 'für den nahen Herbst. Eines schönen Tages kam der Herr Baron von Stablowitz - in die Werkstütte des Herrn Steingraber nach Troppau und bestellte bei diesem ein Siegel mit dem freiherrlichen Wappen. Herr Steingraber mußte ins Schloß kommen, um das oberhalb des Schloßtores prangende Familienwappen genau zu zeichnen und nach diesem Muster das Petschaft korrekt zu gravieren. Nachdem dies geschehen war, lud der Baron Herrn Steingraber ein, seinen Park zu besichtigen, der wegen seiner prachtvollen Anlagen weit und breit berühmt war. In der reichen und prächtigen Flora, die sich da dem entzückten Auge Steingrabers darbot. bemerkte er auch eine Partie schön entwickelter Palmen (Lulows), und diese bewundernd, konnte der fromme Jude sich nicht zurückhalten, den Herrn Baron um ein Exemplar dieser Lulows zu bitten. ..Mit Vergnügen, Herr Steingraber! ■ Was wollen Sie mit dieser Palme beginnen?" „Wir benötigen diese Pflanze, um in den jetzt kommenden Laubhüttenfesten dieselbe mit ins Gotteshaus zu bringen." „Mein Gärtner wird eine der schönsten Palmen für Sie schneiden und Sie erhalten rechtzeitig dieselbe ins Haus gestellt." Fröhlichen Gemütes reiste Herr Steingraber nachhause und fühlte sich außerordentlich glücklich, für die Sukothtage bereits mit einem herrlichen Lulow versorgt zu sein. Es nahte die Herbstzeit. Ungarn hatte etne reiche und gelungene Schafschur, der Wollhandel war in diesem Jahre ebenfalls sehr rege und die Wollzufuhr nach Brünn, Bielitz und Troppau eine überraschend lebhafte. Dafür gab es eine bedeutende Mißernte in Eßrogim, und selbst für teures Geld war ein tadelloses Exemplar schwer erhältlich. Die Troppauer Wollmesse war gekommen und von Vag- Ujhely hatten der reiche Wollhändler L. mit seinem Kompagnon, wie seit vielen Jahren, die Nestauration Steingraber als Gäste aufgesucht. Herr L. hörte nun, daß Herr Steingraber von einem Baron einen schönen Lulow für die Sukkothtage zum Geschenk erhalten habe, und fragte ihn, wo er in diesem Jahre den Eßrog hernehmen werde. * „Dies' macht mir wirklich große Sorge, lieber Herr L.," erwiderte Herr Steingraber. „Sorgen Sie nicht! Wir kommen jetzt zur Wollmesse nach Brünn und ich will bedacht sein. Ihnen, wenn noch so teuer erhältlich, einen Eßrog zu besorgen." Herr Steingraber war einer großen Sorge entlastet. Der Wollmarkt zu Brünn war gleichfalls zur Zufriedenheit der Wollhändler ausgefallen, und ihrem Versprechen gemäß, kauften L. & Comp, einen ausgewählten Eßrog für 30 Gulden Konventions-Münze und verständigen Herrn Steingraber in Troppau von dem Ankauf. Nach Bäg-Ujhely zurückgekehrt, trat aber bei der Abrechnung zwischen diesen Herren eine gewaltige Disharmonie ein, so daß es zu einem Gesellschäftsbruch kam. wobei der Fond und der erbrachte Verdrehst gleichmäßig geteilt wurden, und Herr L., welcher ein besonders aufgeregter Mann war, teilte auch den Eßrog und sandte seinem Kvmpagnön den halben Eßrog. Kurz vor Jom-Kippur gab der Baron von Stablowitz seinem Schloßgärtner Ordre, ein schönes Palmenexemplar abzuschneiden, und rüstete zur Fahrt nach Troppau. Der Morgen war sehr kühl, der Herbst hatte bereits seinen Einzug gehalten, und der Baron ließ sich den vom Herrn Reich gekauften Shawl reichen, nahm den vom Gärtner abgeschnittenen Lulow und fuhr, selbst die Rosse lenkend, mit dem Tallis umhüllt und den Lulow in der Hand, zu Herrn Steingraber nach Troppau. Als die hohe Gestalt des Barons, mit dem Tallis umhüllt und den Lulow in der Hand, unverhofft ins Zimmer trat, fiel Herr Steingraber vor Schrecken in Ohnmacht und mußte zu Belte gebracht werden: der Tallis des Barons hatte ihn so in Aufregung versetzt. Erst als man ihm den schönen, fehlerfreien Lulow zum Bette reichte, beruhigte er sich allmählich. Am Nachmittage brachte der Postbote zwei kleine Palette von Bag-Ujhely. Herr Steingraber war über die prompte Sendung der Herren L. & Comp, freudig überrascht. Doch welch neuer Schrecken! Im ersten Paket war ein halber Eßrog zu finden n;.d im zweiten die andere Hälfte. Welch zerstörter Jomtow! Der Herr Marburg und der Baron von Stablowitz hatten schöne seidene Talleßim, der Herr Steingraber einen prachtvollen Lulow, und die Gemeinde Troppau mußte wegen des geschäftlichen Zwistes in Vag-Ujhely ohne Eßrog die Sukkothtage begehen._Albert Lö w. Verschiedene Nachrichten. Wien. Vom Vorstände der. israelitischen Kultusgemeinde Wien wird hiemit bekanntgegeben, daß am Schemiui-Azeres, Donnerstag, den 11. Oktober d. I., im Saale des Hotel „Post", I., Fleischmarkt 16 und im Saale des Hotel „Zentral", II., Taborstrvßd 6, um ' ,9 Uhr vormittags, anläßlich der Maskir-Andachten feierliche Gottesdienste abgehalten werden. Die Veranstaltung dieser Gottesdienste erfolgt zur Abhaltimg des großen Andranges zum „Maskir" in den Gemeindetenrpeln. Der Eintritt ist frei. Karten werden nicht ausgegeben. Wien. Der Kultusvorstand bringt zur Kenntnis, daß die Wählerliste für die diesjährigen Wahlen in den Kultusvorstand zur Einsicht der Gemeindeangehörigen in der Kanzlei der Kultusgemeinde, I. Seitenstettengaffe 4, II. Stock aufliegt. Reklamationen wegen Auslassung wahlberechtigter oder Aufnahme von nicht wahlberechtigten Personen sind innerhalb 14 Tagen vom heutigen Tage ab schriftlich in der Kanzlei der Kultusgemeinde einzubrnigen. Wien, den 3. Oktober 1906. Wien. Donnerstag, den 4. d. M. (1. Tag Sukkoth), l/,12 Uhr vormittags, findet im Tempel der türkisch-israelitischen Gemeinde anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Sultan Abdul Hamid ein Festgottesdienst statt. Wien. Die Einschreibungen für den Unterricht an der Bibel- und Talmudschule der israel. Kulttisgemeinde Wien, II.. Tempelgasse 3, finden Montag, den 8. Oktober und Dienstag, den 9. Oktober d. I., jedesmal von 5—6 Uhr nachmittags im obgenannten Schullokale statt. Wien. Der Verein „Tefilas-Haneorim" veranstaltet am diesjährigen Sukkothfeste einen Gottesdienst für die Jugend in der Bibelschule, II., Tempelgasse 3. Der Gottesdienst findet morgens um */,9 Uhr statt, abends zur selben Zeit, wie der in den Gemeinderempeln. Wien. (Jüdisches M u s e u m.) Die Sammlungen des jüdischen Museums, Praterstraße 23, werden kommenden Samstag. 6. d. M. 11 Uhr vormittags, für den allgemeinen Besuch eröffnet, und sind dieselben während der ganzen Winter-Saison allwöchentlich Samstag und Sonntag, jedesmal von 11 bis 1 Uhr zugängig. Wien. (SpeudenfürdieOpferderJudenmassakres in R n ß l a n d.) Die „Israelitische Allianz zu Wie n" erhielt weiters folgende Spenden: Wien: Benjamin Sew den Jsac Z e w i X 250 (für Witwen und Waisen). A. L. (für Siedlce> X 200. k. k. Kommerzialrat Leopold Hutter X 100, I. Lichtmeß' Söhne X 100, Sandor F l a s ch n e r X 50, D o r n b a ch e r B e t h a u s i p e n d e S. H. X 50, I. K. X 50. P. F. X 50, R. W. X 40. Alexander Deutsch X 30. L. P. E i s e u st e l u X 20, Josef Flesch üür Waisen) X 20, M. Herczka L Co. X 20, Sigmund Planer X 20 (für Waisen), Dr. Max Roth (für Siedlce) X 20, Saul Wahl (für Siedlce- X 20, Anonym X 10, Isidor Lichte nstern X 10, B. X 6, Carola S e r e ffisch X 6, Rudolf und Siegfried Fuchs (für Siedlce) X 5, Philipp und Kathi F l e s ch (aus der Sparbüchse für Waisen) X 4, A. E. Rosenz w e i g X 4, L. T. X 2; B v s k o w i tz : Lazar Storch X 4, Salo Storch, Musikprofessor, Wien X 2 (beide für Siedlce); Adolf Roger- Bndapest (für Siedlce) X 10, Neujahrsipende - Brünn X 4, Regine Hacke l-Czernowitz (Sammlungsergebnis für Siedlce) X30; I ar o m e r: Dr. Lederer X 50. Alois L i p a X 50. Alfred Schick X 20, E. M e i s l X 20, Josef M ü u z e r X 20, L. F e l i x X 20, Gustav Schick X 10, Julius H o st o w s k i X 10, B. Trailer X 10, I. F r a n k e n st e i n X 10, I. M ü l l e r X 5, M ü l l e r jr. X 2. Münzer jr. X 2,. Seiner X2, Pollak XI, Knöpfel macher X 1, (5. Winternitz (Josefstadt) X 10, I. Sch i ck (Josefstadt) X 10, I. Nettl (Böhm.-Skalitz) X 5, M. Lustig (Simric) X 4; Irma Herz- Przemysl (für Siedlce) X 10; S a n o k: Dr. Efraim Wald-

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