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Die Wahrheit · 1906-09-28 · Heft 38 (28.9.1906) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 38 (28.9.1906)
Date
1906-09-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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gebracht hat, liegt eben in Verhältnissen, die außerhalb der menschlichen Gewalt stehen. Inden ans den verschiedensten Ländern begegnen sich in Palästina; sie haben keine gemeinsame Sprache außer derjenigen ihrer Väter, und so sind sie gezwungen, diese zu reden. Sie dient außerdem als einigendes Moment, indem sie die Unterschiede der Länder und vor allem die Unterschiede zwischen den Äschkenasim und den Sephardim aushebt, zwei Abteilungen des Volkes, die sich in der Vergangenheit nicht gelieöt haben. Man erblickt auf jüdischen» Münzen wieder hebräische Worte, und die Schulsprache ist. hebräisch; die hebräischen Schulbücher, die in Jerusalem herausgegeben werden, sind genau so gut, wie die besten anderer Länder." Zum Religionsunterricht zurückkehrend, bemerken wir, daß die israelitische Jugend derart herangebilder werden muß, daß sie sich in allen Lagen und Verhältnissen des wechselvollen Lebens, besonders aber in der kaleidoskopartigen Gegenwart, den schönen, reinen Gottesglanben, den der Mosaismns lehrt, bewahren und an ihm sesthalten soll. Von der Wichtigkeit des Religionsunterrichtes durchdrungen, brachten im Jahre 1791 die ungarischen Landesvüter einen von echt liberalem Geiste durchwehten Gesetzentwurf ein, welcher folgenden Wortlaut hat: ..Nachdem die Aufgabe einer jeden öffentlichen Erziehung die Vorsorge dafür ist, was sich auf die Bildung der Seele, der Intelligenz und des Körpers der Jugend bezieht, bildet sich die Seele auf zweierlei Arten, und zwar durch die Religionslehre, doetrina religionis, und die Sittenlehre, pkilosophia moriun. Die Hauptaufgabe der öffentlichen Erziehung muß daher die Religionslehre sein, die aus den reinen Quellen welcher Religion immer und abgesondert vorvorzutragen ist, in der Weise jedoch, daß die Religionslehre zwischen den verschiedenen Konfessionen nicht Haß und Zwietracht stiften, sondern vielmehr in die Herzen der Mitbürger schon in zarter Jugend die Gefühle gegenseitiger Liebe und Freundschaft einimpfen möge." Genau dasselbe hat Herr Hofrat Weisz in feinem Programm ausgenommen. Die Schuljugend benötigt vor allem die moralische Kenntnis der Moseslehre, dadurch wird ihr die Liebe zum Judentum eingeimpft, und sie wird nicht so leicht von ihrem Väterglauben lassen. Sie muß das Profetenwort beherzigen: „Ich, der Ewige, habe dich berufen zum Heile, und deine Hand gefaßt und dich gebildet, und dich eingesetzt zum Bunde für das Volk, zum Lichte der Nationen. Der Ewige begehrt um seiner Gnade willen, daß groß werde die Lehre und herrlich." (Jes. 42, 6. u. 21.) Darum ist die Kenntnis des.Gotteswortes unumgänglich nötig, weil es klar und wahr ist und daher auch geglaubt werden kann. Die Moseslehre predigt von der unendlichen Liebe Gottes. Moses empfing das Gesetz vom heiligen wahrhaftigen Gott, dem Ewig-Einzig- Einen, und dieses Gottesgesetz ist ein ewiges,, unabänderliches, das nie außer Kraft gesetzt werden darf. Es erhebt uns aus den Niederungen des Alltagslebens in die lichte Höhe, des Reingeistigen und bringt uns unserem Gotte nahe. Eben darum ist der Religionsunterricht so wichtig, denn er ist bestimmt und berufen, die Jugend für Gott zu erziehen, was nie genug betont werden kann. .. S.- (Wird fortgesetzt.) Die russischen Juden und die : Aeyoi«tioii >v:' r- Ein überraschendes Urteil Hhex hie jüdischen Revolutionäre in Rußland fällt ein gelegentlicher Korrespendent in der „Times." Er sagt von sich selbst, er» sei bisherwD r.e i n g e n o mme n gewesen gegen die »Juden, überhaupt, die er in der Kapkolonie. in Indien,-in den britischen-Inseln, in Rußland habe beobachten können. Er sagt ferner, daß'.er fein Vorurteil noch jetzt, «nicht immer ganz überwinden könne, Bei den: geheimen Quellen der russischen Revolution sei er wieder-auf Juden gestoßen; -er-habe «Wartet, dort-Juden zu sinden und in Anbetracht.der-unge- >"!n!- - ■; j-... > Ij ,p. ’ . .., V , f heuerlichen, ihnen von der russischen Regierung zugefügten Leiden angenommen, sie würden diese Quellen noch vergiften. Aber er habe im Gegenteil gerade.da-Hochachtung vor den jüdischen Revolutionären gewonnen. Er habe bei diesen größere Intelligenz, weitgehenderen Idealismus, bereitwilligere Hingabe im Dienste der Ideale und Personen als unter den auf gleicher Stufe stehenden christlichen Revolutionären gefunden. Ich habe gesehen — so etwa schreibt der Gewährsmann. der „Times" — wie die Leidenschaften einer „orthodoxen" Versammlung gebändigt wurden durch die gemäßigte Rede eines Juden.- Ich werde lange unter dem Eindruck einer Szene stehen, deren Zeuge ich auf einem Meeting in der letzten Woche gewesen bin. In der Wohnung eines Arbeiters standen dicht gedrängt Männer und. Frauen, alle Feuer und Flamme in revolutionärem Rausch, und ein ehrwürdig aussehender Jude, der unter unzähligen Ungerechtigkeiten gelitten hatte, die sein Herz jedoch nur in geringem Maße beeinflilßt zu haben schienen, ermahnte sie zu Liebe und Wohltun, spornte sie zu edlem Ziel und für edles Tun an. In Petersburg hatten mir Beamte gesagt, ich würde mein Interesse an der Revolution verlieren, sobald ich entdeckt haben würde, bis zu welchem Umfange sie von Juden beeinflußt werde. Nun ich habe die Entdeckung gemacht. Die Beamten übertreiben nicht, den Einfluß der Juden. Diese haben nicht nur ihren eigenen „Bund," sondern - auch die Oktobristen, die Kadetten, die Sozialdemokraten, die Sozialrevolutionäre werden zum Teil geleitet und kontrolliert, und durchweg bald mehr, bald.weniger beeinflußt von den Juden, die eine Stellung gewonnen haben, die in keinem Verhältnis zu ihrer Anzahl steht, alles dank der Intelligenz, Energie und Solidarität, durch welche die Rasse sich auszeichnet. Die russische Duma hat nur eine Schuld, die Rußland niemals ganz wird tilgen können, anerkannt, als sie in ihren Debatten, den Forderungen der Juden den..Vortritt selbst vor denen: der Bauern einräumte. Aber meine Entdeckung hat mein Interesse an der Revolution und meine Hoffnung für sie nicht nur -nicht vermindert, sondern ganz im Gegenteil bedeutend vermehrt. Trotz meiner Vorurteile, die noch immer das Bestreben zeigen, sich geltend zu machen, ist mir durch die Erfahrung, die nicht angefochten werden kann, klar geworden und wird mir mit jedem Tage klarer, daß die I u d e it imstande sind, der Revolution zu geben, was ihr fehlt: intellektuelle Aufklärung, sittlichen und geistigen Imst u l s, sowie ein hohes Ziel. Das will die Regierung. nicht glauben, und sie. trifft mit besonders harten Strafen alle Juden/ denen nachgewiesen ist oder die nur im Verdacht stehen, an der revolutionären Bewegung teilgenommen zu haben. Einige,meiner Bekanntschaften der letzten . Woche sind auf geheimnisvolle Weise verschwunden, und doch weiß ich,, daß sie auf.-die Vereinigungen, zu denen sie. gehörten, einen mäßigenden-. Einfluß .ausgeübt haben. So beraubt gerade die Regierung, die doch wissen muß, daß. das. zu verzweifelten Taten bereite Volk nicht-, mehr, durch Zaubermittel eingeschläfert. werden kann,, die Revolution Ihrer knesten Elemente und überliefert sie,der Ko.ytrolle^von -just den Männern, die sieam meisten zu fürchten Ursache hätte nnd die- - ihrerseits! .den geringsten.Grund - haben, die Regierung.»zu fürchten,.: den Terroristen: Männer also von vollendeter Geschichlichkeit und Erbarmungslosigkeit, deren erster Grundsatz: ist, daß Gewalt, mit Gewaltbekämpft werden muß, .-hie die - Bluttaten dekretieren, welche die zivilisierte Welt, mit Entsetzen. und mit Abscheu erfüllen; die in den Dörfern die Bauern durch Agenten belehren, ,daß nicht ein grausames ^Geschick-- wie sie /bisher geglaubt,.sondern einerbarmungsloser Feindder niedergeschlagen werden müsse, ihr Lebenzu einer Qual - gemachthat;/ hie Dynamit zum Töten,-und Männer upb« Frauen -zux ^Verfügung haben.- die! bereit sind^ .mordend-zu rste-rben- und .deren Treihey keineiUnlerbrechnng erleiden-kann-, weilfie-lhre-n eigenen Genossen und Agenten-: unbekannt, sind,-» die .also auch von Gefolterten nicht der Polizei, verraten werden Dunen -..i i Durch ihre-iRepressions-- maßreggln treibt die, Regierung Hie Revolutionäre diesen Männer-y zu. Wen die Götter verderben wollen,, den verblendWjsie zuvor- -5-1 » -- ■ --> y M»;?.«- -!\j: :']V -) l f. > 'i'r >s rA> -ff*»-* ».> r» i < »t :„r>. st . i-. jj. ... Hs

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