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Die Wahrheit · 1906-09-21 · Heft 37 (21.9.1906) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 37 (21.9.1906)
Date
1906-09-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 37. Hofrat Krikaw a, Regierungsrat Zerboni, Hofrat Rzi m e k, Oberstaatsanwalt Mer h aut, Staatsanwalt M o rst a d t, die Öberlandesgerichtsräte Ung-er und Kvßt, General Pfeifer von Iuliensels, Oberstlandmarschall-Stellvertreter Dr. W e r u n s k y. Um 11 Uhr erschien Statthalter Graf Coudenhove in Gala-Uniform. Nach erfolgter Begrüßung durch die früher genannten Herren wurde, der Statthalter unter den Klängen der Volkshymne, die von der großen Orgel herab ertönten, in den Altarraum zu dem unter einem Baldachin anfgestelllen Fauteuil geleitet. Nach Abfingung eines Chorals begrüßte der Obmann des Bau-Komitees die Gäste, insbesondere die Vertreter der Behörden, die Deputationen der Gemeinden und dankte allen, die sich um den Bau des prächtigen Gotteshauses verdient machten, wobei er insbesondere die Leistungen des Architekten Baurates Stiaßny hervorhob. Nunmehr verlas der Letztere die Schlußstein-Urkunde in deutscher und Baumeister Alois Richter in tschechischer Sprache. Nachdem durch den Tempelchor Psalm 118 in vollendeter Weise vorgetragen worden war, wurde der Schlußstein in altherkömmlicher Weise eingesügt, worauf Baurat Stiaßny eine Ansprache an die Versammlung hielt, die mit folgenden Worten schloß: „So knüpfen sich an den Bau des ersten jüdischen Tempels die Namen zweier weisen Könige: Salomo und Hieran:. So ist auch mit den großen Baudenkmälern in unserem Vaterlande, die unser Geschlecht mit Bewunderung in seiner Mitte erstehen sah, der Name unseres allergnädigsten Herrn für immerdar verbunden, durch dessen Initiative und unter dessen Schutz bi- Baukunst in Oesterreich zu hoher Blüte und zu -größtem Ansehen gelangt ist." Nun führte der Redner als Erster die drei Hammerschläge, indem er seinen Wahlspruch verkündete: „Wer den wahren Sinn der. Dinge will erschauen, muß deu Stein mit eigener Hand behauen." Nunmehr wurden die Hammerschläge vom Baumeister Richter mit einer tschechischen, dem Stellvertreter Stiaßnys, Architekten Reiser, mit einer hebräischen und dem Bauleiter des Baumeisters Rudolf W e d e l e s mit einer lateinischen Devise begleitet, worauf noch zahlreiche mitwirkende Künstler und Handwerker die Hammerschläge mit begleitenden Devisen leisteten. Rabbiner Dr. Weiner erläuterte hierauf in tschechischer Sprache die Bedeutung des ewigen Lichtes, dessen Entzündung er sodann vornahm. Und nun erfolgte in feierlicher Weise der Einzug der Thorarollen. Unter Vorantritt zahlreicher, weißgekleideter Ehrenjungfrauen, welche aus Körbchen Blumen auf den Weg streuten, unter Chorgesang und Orgelklang wurden die Thorarollen von den Tempelvorstäuden getragen, zu beiden Seiten von Ordnern mit brennenden Windlichtern flankiert, an der Spitze der Baldachin, unter welchem die drei Rabbiner einherschritten. In diesem Augenblicke bot das in allen seinen Teilen von einer dichtgedrängten Menge im Festkleide erschienener Herren und Damen erfüllte Haus mit seinen schönen phantasievollen Formen des maurischen Stils, der reichen künstlerischen Bemalung und Vergoldung, den färbigeu Kunstverglasungen - und der glänzenden elektrischen Beleuchtung einen überwältigenden Anblick. Nachdem sich alle Teilnehmer des Einzuges im Altarraum aufgestellt hatten, wurden die schönen, reichverzierten und vergoldeten Flügel der Altartüre geöffnet und unter Psalmengesang erfolgte die Einstellung der zahlreichen mit uraltem, kostbarem Schmucke bekleideten Thorarollen in die Bundeslade, deren Inneres durch unsichtbare Lampen glänzend erleuchtet war. Bei offener Bundeslade verrichtete Feldrabbiner Professor Dr. Kisch im Militarornat das Gebet für den Kaiser und das Herrscherhaus, für die Behörden, die Stadt und die Knltusgemeinde. Nunmehr hielt der Prediger des Jubiläums-Tempels Rabbiner Dr. Aladar D e u t s ch die wirkungsvolle Festpredigt in deutscher Sprache und schloß mit den Worten: „Haben mir nicht alle Einen Vater, hat uns nicht Ein Gott geschaffen?" Zum Abschluß der Feier wurde die Volkshymne vom Tempelchor unter Orgelbegleitung in deutscher und tschechischer Sprache abgesungen. Hierauf erbat sich Banrat Stiaßny von Sr. Exzellenz dem Statthalter die Erlaubnis, ihm die. am Baue Beteiligten, vorstellen zu dürfen. Vorher sprach Graf Coudenhove dem Erbauer seine vollste Anerkennung über den schönen Tempel aus und gab gleichzeitig seiner Freude Ausdruck, daß nach Ueberwindnng zahlreicher Schwierigkeiten das Gebäude, welches eine Zierde der Stadt Prag geworden, nunmehr vollendet sei. Er kenne seit langer Zeit die Tätigkeit Sliaßny's, kenne unter anderen auch den großen von demselben Architekten erbaitten Tempel in Kgl. Weinberge. Der Statthalter war sehr erfreut, daß der Architekt in seiner Ansprache des Meisters Höfrät' Zite k gedacht habe, den er selbst als Künstler und Menschen hochschätzle. Nunmehr stellte der Architekt den Baumeister Alois Ri chter vor, welchen der Statthalter bereits aus seiner früheren Tätigkeit, kannte, und der sich auch bei dem schwierigen Tempelban vollkommen bewährt habe. Noch wurden vorgestellt: der Stellvertreter des Baurates Architekt Reiser, Schlossermeister Schul z. Glasfabrikant F i s ch m a n n S ö h n e, die Maler W e y a n d und T h ü m in e l, Tischlermeister Stucks a u. m. A. Für jeden hatte der Statthalter freundliche Worte der Anerkennung und Aufmunterung. Beim Verlassen des Tempels sprach der Statthalter dem Obmanne Rosenbaum die vollste Anerkennung aus und erklärte, daß seine lebhafte Anteilnahme, sowie sein persönliches E r s ch e i n e n b e i der g e l n n g e n en Feier die Anerkennung der vollen Gleichberechtigung aller K o n s e s s i o n e nsei. Die sämtlichen Ehrengäste und viele der Anwesenden beglückwünschten den Architekten zu dem vollendetem Werke. Nach Inständiger Dauer hatte die in harmonischer Weise verlaufene Feier ihren Abschluß. Um dieselbe hat sich außer dem Obmann Ottomar R o s e n b a n m, dem Schriftführer Direktor Wertheimer und dem Baurat Stiaßny, der Oberkantor K o r n i tz e r besondere Verdienste erworben, dessen prächtige Stimme und seelenvoller Gesang große Wirkung hervorbrachte, ferner der Chordirigent W a l l e r st e i n, der bei: Chor meisterhaft eiustndiert und geleitet hat und der gemischte Chor, der durchwegs aus jugendfrischen, wohlgeschulten Stimmen bestand. Der Stammbaum des deutschen Kolonialdirektors. Der neue deutsche Kolonialdirektor Der::bürg, dessen Ernennung den deutschen Blätterwald so stark ins Rauschen brachte, und sein Vater sind keine beliebigen „Hargeloffene," wie man in Wiesbaden sagt, sie entstammen vielmehr einer altjüdischen Geistesaristokratie, einer frankogermanischen Familie, der wir eintz Reihe hervorragender Gelehrter, vorzüglich Orientalisten, zu verdanken haben. Ihr Stammort war Derenburg, ein kleines Städtchen nahe Halberstadt, und scherzweise sagtendie Professoren, wenn sie über die Herkunft ihres Namens befragt wurden: „Wir sind Ritter, deren Burg bei Halberstadt liegt." Von Derenburg kam die Familie nach Offenbach, Frankfurt a. M. und Mainz. Ueber das erste bekannte Mitglied der Familie Jakob Derenburg lassen sich bestimmte Angaben nicht machen. Sein Sohn Hartwig . Derenburg war der Verfasser eines in hebräischer Sprache geschriebenen Lustspieles „Die Bewohner der Welt," die 'Nachbildung eines ähnlichen Stückes des italienisch-jüdischen Gelehrten und Dichters M. H. Luzzatto. Es wurde 1798 in Offenbach veröffentlicht. Um d ese Zeit zog Hartwig nach Mainz. Hier wurde er bald Sekretär der jüdischen Gemeinde, ein Posten, zu dem man stets gelehrte Leute nahm, da mit diesem Amt häufig die Obliegenheiten eines Lehrers und Unter-Rabbis verbunden waren. Ursprünglich hieß Hartwig mit Vornamen Zebi-Hirsch, aber am 20. Juli 1808 wird den Mainzer französischen Bürgern mosaischen Glaubens, welche laut Artikel 7 des kaiserlichen Dekrets vom 17. März 1808 noch keine Vor- und Familiennamen angenommen hatten, befohlen, dies innerhalb dreier Monate vor dem Zivilständesbeamten bei Vermeidung der Ausweisung aus dem Reiche nachzuholen. Bei dieser Gelegenheit wandelten viele Juden ihrealtjüdischen in moderne Vornamen um und! der „Cabaretier Hersch Dernburg"'

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