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Die Wahrheit · 1906-09-14 · Heft 36 (14.9.1906) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 36 (14.9.1906)
Date
1906-09-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ücv. 36. Die Wahrheit. Leite 7. Frömmigkeit werde' stets den Töchtern ein leuchtendes Vorbild bleiben. Herr Dr. Oppenheim aus Olmütz hob ihre Begeisterung für das Judentum, ihren Zartsinn und femen gesellschaftlichen Takt hervor. Am offenen Grabe sprach ihr Schwiegersohn Dr. M. Oppenheim aus Brunn über ihre Verwandtentreue und Hingebung, ihre Lebenssreudigkeit und ihren Gleichmut, mit dem sie schwere Schicksalsschläge ertrug. Mit dem Gebete nmoö schloß die Leichenfeier. Lemberg. Das „Neue Lemberger Tagblatt" erhält aus Köln folgende bemerkenswerte Mitteilung: „In der zionistischen Konferenz wurde sehr viel über Territorialismus gesprochen. Einige der Versammlungsteilnehmer haben sich als entschiedene Anhänger des Territorialismus erklärt, die Majorität hat sich jedoch dagegen ausgesprochen, und es wurde beschlossen, den Territorialismus zu ignorieren, und die ganze Debatte über diese Angelegenheit ins stenographische Protokoll nicht aufzunehmen." Ob diese Vogel Strauß-Politik am Platze ist, möchten wir nach den neuerlichen Pogromen in Rußland mehr denn je bezweifeln. Gran. In der hiesigen Kultusgemeinde ist Herr Kantor S. B e n d e r, bisher in Czernowitz, welcher durch seine Stimmittel und Vortragsweise allgemeinen Beifall fand, als Oberkantor ernannt worden. Troppau. Die hiesige Chordirigenten- und vertretende Kantorstelle wurde dem Herrn Albert Schlesinger, gewes. zweiter Kantor und Chordirigent in Brüx, verliehen und hat derselbe bereits seine Stellung angetreten. Budapest. In Angelegenhe.t der von uns besprochenen Reform der Statuten der isr. Religionsgemeinden und Beth a u s v e r e i n e hat der Minister für Kultus und Unterricht Graf Albert Apponyi an die isr. Landeskanzlei und an die Kanzlli der ungarländischen Orthodoxen eine Verordnung erlassen m welcher dieselben darauf aufmerksam gemacht werden, daß bei der Unterbreitung der Statuten der Religionsgemeinden an das Ministerium behufs Genehmigung oft Schwierigkeiten austauchen und die Genehmigung in vielen Fällen verweigert werden müsse, weil die Statuten die nn Gesetze vorgeschriebenen Verfügungen entbehren, oft aber auch solche Verfügungen enthalten, die mit den in Geltung bestehenden Gesetzungen und Verordnungen, oder aber mit dem gesetzlichen Usus im Widerspruch stehen. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, teilt nun der Minister für Kultus und Unterricht in der obenerwähnten Verordnung alle diejenigen, auf den Wirkungskreis und die Organisation der Schulstühle bezüglichen Verfügungen mit, welche in die Statuten ausgenommen werden müssen, wenn diese die Genehmigung des Ministers erhalten sollen. Die beiden Landeskanzleien werden aufgefordert, die Verordnung des Ministers den Religionsgemeinden, Filralgemeinden und Bethausvereinen zur Darnachrichtung zur Kenntnis zu bringen. Budapest. Mit innigem Bedauern bringen wir die Trauerkunde von' dem höchst beklagenswerten Ableben eines ausgezeichneten Mannes, des bestrenommierten Karlsbader Arztes Dr. Emerich Hertzka de Tepla, welcher hier in seiner Vaterstadt, noch nicht 55 Jahre alt, diese Zeitlichkeit verlassen mußte. Von frommen und angesehenen Eltern erzogen, hat er sich der ärztlichen Laufbahn zugewendet und vollendete er seine ärztlichen Studien an der Budapester Universität mit schönstem Erfolge. Tlnt sich noch mehr auszubilden und sein Wißen zu vermehren, besuchte er zu Studienzwecken mehrere ausländische Universitäten. Nachhause zurückgekehrt, ging er als schlichter Dr. Emerich Hertzka nach Karlsbad, woselbst er mit glänzendem Erfolge einige Jahrzehnte als Badearzt wirkte. Die vornehmsten Kreise Deutschlands suchten diesen eminenten Heilkünstler auf, und selbst ein preußischer Minister beehrte ihn mit seinem Vertrauen. Gar bald gelang es dem fachtüchtigen Dr. Hertzka sich einen klangvollen Namen zu machen und einer der populärsten Aerzte Karlsbads zu werden, allwo er von April bis Oktober ordinierte. Von November bis April domizilierte er in Budapest, wo er sich ausschließlich' mit der medizinischen Literatur beschäftigte, die er selbst durch einige wertvolle Werke bereicherte. Der König von Preußen und Deutscher Kaiser verlieh ihm den preußischen Rothen Adler-Orden. Unser König erhob ihn in den erblichen ungarischen Adelsstand und verlieh ihm das Prädikat „de Tepla". Er wurde preußischer Sanitätsrat und später war er auch Mitglied des ungarischen Sanitätsrates. Trotzdem Dr. Hertzka seine ärztliche Tätigkeit im fremden Lande ausübte, hatte er doch sein Vaterland Ungarn überaus lieb und blieb demselben als guter Patriot bis an sein allzufrühes Ende treu. Seine materiellen Mittel erlaubten es ihm, dem Drange seines edlen Herzens zu folgen und sich auch auf humanitärem Gebiete als ganzer Mann zu zeigen. So hat Dr. Hertzka unter Anderem in Karlsbad unentgeltliche Wohnungen für verarmte ungarische Beamte einrichten lasten und stand denselben mit Rat und Tat stets hilfreich zur Seite. Den Verewigten betrauern eine Witwe, fünf Kinder und eine zahlreiche vornehme Verwandtschaft. Unter imposanter Teilnahme hat die Leichenfeier des berühmten Arztes Dr. Emerich Hertzka deTepla stattgefnnden. Im schwarzdrapierteu Trauerhause hatten sich Vertreter der Kultusgemeinde, Abordnungen des Budapester kön. Aerztevereines und des Aerztekasinos, sowie viele Notabilitäten und Berufsgenossen des Frühvollendeten eingefunden. Nach den vom Tempelchor unter der Leitung des Oberkantors Profestor Lazarus vorgetragenen Trauergesängen widmete Oberrabbiner Dr. Samuel K o h n dem Verblichenen einen warmen Nachruf, in welchem er das fachtüchtige Wirken als Arzt und das jüdische Empfinden des Dahingeschiedenen rühmend hervorhob. Universitätsdozent Dr. Rudolf Temesvury war der offizielle Redner der beiden oben angeführten Aerztekorporationen. Er entledigt sich seiner Mission in glänzender Weise. Er nannte Dr. Hertzka einen Märtyrer seines Berufes und seines überaus regen Eifers den Leidenden beizustehen, wobei er seines eigenen Leids vergaß. Gott mit dir! So schloß seine wirkungsvolle Trauerrede. D. H. Spitzer. Budapest. (M o r i z Scharf heiratet.) Aus Amsterdam kommt dce interessante Nachricht, daß der traurige Held des Tißaeßlärer Prozesses Moriz Scharf demnächst im Hafen der Ehe landen wird. Scharf, der in Amsterdam bekanntlich als Diamanteuschleifer sein Brod verdient, verliebte sich — so heißt es — in die Tochter eines holländischen Millionär», die er null zum Traualtar führen wird. Kürzlich langle an den holländischen Konsul in Budapest Forrauier eine Zuschrift ein. in welcher dieser um Aufklärung darüber gebeten wird, ob Scharf seiner Militärpflicht Genüge geleistet hat und ans dem ungarischen Staatsverband bereits ausgetreten ist. Der Zuschrift ist das Geburtszeugnis beigegeben, aus dem ersichtlich ist, daß Scharf im Jahre 1868 m Tißaeßlür geboren wurde. Da der Konsul derzeit aus der Hauptstadt abwesend ist, wird die Antwort auf die Zuschrift erst in einigen Tagen erfolgen können. Kattowitz. Die Jubiläumsfeier des Rabbiners Dr. Kopfstein- B eu t hen ans Anlaß >eiuer 25jährigen Amtstätigkeit legte Zeugnis ab von der allseitigen Verehrung, deren sich der Jubilar in Stadt und Gemeinde erfreut. Mit einem Festgottesdlenst wurden die Veranstaltungen eingeleitet. Das Gotteshaus war von einer übergroßen Schar Andächtiger gefüllt: der Platz des Rabbiners, die Kanzel und deren Umgebung waren mit Guirlanden und Blumen geschmückt. Nachdem der Jubilar von seinem Amtsgenossen Dr. Galliner und Vorstandsmitgliedern in das festlich erleuchtete Gotteshaus eingeführt war, bestieg Dr. Galliner die Kanzel und hielt die Festpredigt, der er das Schlußwort des sabbatlichen Bibelabschnittes „Vergiß nicht" zugrunde legte. Segensreich fei die Frucht der Wirksamkeit des Jubilars im Dienste der Gemeinde für Generationen hinaus, und dankbar werden nachkommende Geschlechter noch sich der Segnungen erfreuen. Mit dem Wunsche, daß dem Jubilar noch viele Jahre des Wirkens beschieden sein mögen, schloß der Redner. Hierauf bestieg der Jubilar die Kanzel und dankte mit tiefer Ergriffenheit. — Im Laufe des Sonnabends trafen unzählige Telegramme aus allen Teilen Deutschlands ein; der Gesamtvorstand und die Gemeindevertretung, die Vorstände aller hiesigen Vereine, der Beamtenkörper und eine große Zahl Gratulanten aller Konfessionen hatten sich im Laufe des Vormittags in der Wohnung des Jubilars eingefnnden. Zu den Gratulanten gehörten auch die Geistlichen beider Konfessionen. — Einen besonderrn Eindruck machte die Ansprache des Geistlichen Rat Prof. Dr. Flöckner vom Kgl. Gymnasium. E ne Festfeier im „Sanssouci" mit Kommers schloß den Jubeltag ab, der in seinen Ovationen wieder gezeigt hat, mit welcher Liebe und Verehrung die Beuthener Gemeinde an ihrem Seelsorger hängt. Köln. (Konferenz der zionistischen Weltorganisation.) Vom 28. August bis 1. September tagte in Köln die Jahreskonferenz der zionistischen Weltorganisation. Die „Jahreskonferenz," die nur von den Funktionären der zionistischen Organisation beschickt wird, tritt immer in jenen Jahren zusammen, in denen kein „Kongreß" stattfindet. Die diesjährige Konferenz war außerordentlich gut besucht. Aus fast allen Ländern Europas, aus Amerika, Südafrika, Palästina waren die Führer der Bewegung erschienen. Unter den Teilnehmern befanden sich drei gewesene Duma-Abgeordnete, die Herren Dr. N. K a tz e n e l s o h n - Libau, Präsident der Jüdischen Kolonialbank, Dr. L e w i n - Wilna, und Rechtsanwalt Rosenbaum - Minsk. Bon den sonstigen Teilnehmern sind zu nennen : Max N o r d a u, Profestor Marburg - Berlin und der durch seine Verdienste um dce Tuberkuloseforschung bekannte Dr. Alexander Marmorek -Paris. Den Vorsitz führte der Präsident des Aktions- Komitees Herr David W o l f f s o h n - Köln. Der Rechenschaftsbericht zeigt ein bemerkenswertes Fortschreiten der Bewegung. Man bekommt eine ungefähre Vorstellung von dem weltumspannenden Umfange der zionistischen Organisation, wenn man erfährt, daß zionistische Landesverbände oder Gruppen in Australien, Neuseeland, Japan. China, der Mandschurei, Malakka, Aegypten, Südafrika, Marokko. Argentinien, Brasilien, Nordamerika, Canada und selbstverständlich allen Staaten Europas bestehen. Die Aktivität der zionistischen Körperschaften hat im verflossenen Jahre, insbesondere in Deutschland, Oesterreich, Amerika, Südafrika und Australien zugenommen und selbst m Ländern, wie Rußland, wo die Juden unter furchtbaren Katastrophen gelitten haben, nichts an innerer Kraft eingebüßt. Ein deutlicher Beweis dafür ist die Tatsache, daß unter den zwölf jüdischen 'Abgeordneten der Duma fünf Zionisten sich befanden. Die Haupttätigkeit der Jahreskonferenz bestand darin, die Berichte über den Stand der Bewegung in den einzelnen Ländern entgegen zu nehmen und die politischen Direktiven für die Zeit bis zum nächsten Kongresse festzusetzen. Besondere Aufnlerksamkeit wurde den speziell palästinensischen Angelegenheiten gewidmet. Alle von zionistischer Seite in Palästina begründeten Institutionen zeigen das Bild erfreulichen Aufschwungs, die Filialen des zionistischen Finanzinstitutes, des „Jewish Colonial Trust," in Jaffa, Jerusalem und Beirut entwickeln sich immer mehr. Mit besonderer Genugtuung nahm die Jahreskonferenz von den außerordentlich schnellen Fortschritten der Kunftgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem Kenntnis und bewilligte ihr einen Kredit zum Kaufe eines Grundstückes und Bau eines eigenen Schulhauses. Dieses Institut ist berufen, die Juden Palästinas in kunstgewerblicher Heimarbeit auszubilden und so tausenden von Familien eine gesicherte Existenz zu schaffen. Als ein bemerkenswertes Detail aus den Palästina betreffenden Verhandlungen sei hervorgehoben, daß die Jahreskonferenz für die Waisen des blutigen Pogroms von Kischenew, die von zionistischer Seite nach Palästina hinübergeführt und dort zu tüchtigen Handwerkern und Ackerbauern herangebildet worden sind, den Boden für eine Farm zur Verfügung stellte. Im Uebrigen sprach sich die Konferenz mit Nachdruck dahin aus, daß bei ungeschwächter Fortführung der politisch-diplomatischen Verhandlungen die praktischen Bvrbereitungsarbeiten in Palästina mit allen Mitteln zu fördern seien.

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