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Die Wahrheit · 1906-09-14 · Heft 36 (14.9.1906) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 36 (14.9.1906)
Date
1906-09-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 36. trage- und Kommissionsgeschäft in großem Stil und mit allem Erfolg zu befassen begann. Große, von seltenem Scharfblick zeugende Transaktionen in den Titres der böhmischen Eisenbahnen, in deren Kreis Reitzes auch die Gotthardbahn einbezog, brachten derMrma sehr beträchtliche Gewinne und bildeten die Grundlage des bedeutenden Vermögens, das der Verstorbene hinterläßt. Nach dem vorzeitigen Tode seines Bruders und Kom- > pagnons Maximilian leitete Siegmund Reitzes das Haus allein, doch entrierte er keine neuen Geschäfte mehr und seine Tätigkeit beschränkte sich ausschließlich auf die eigene Vermögensverwaltung. Der Heimgegangene war ein Mann von außerordentlicher Energie, ein seit made man in vollstem Sinne des Wortes, der nur durch seine vorgeschilderten persönlichen Eigenschaften so außerordentliche Erfolge zu erzielen gewußt hat. 'ihn Sarge Siegmund Reitzes' trauern dessen Witwe, Fran M a r g u e r i t e Reitzes und dessen Neffe, Herr Hans R e i tz e s, ein Sohn des verstorbenen öffentlichen Gesellschafters der Firma Gebrüder S. und M. Reitzes, Herr Maximilian Reitzes. Herr Hans Reitzes hat sich schon seit Jahren als stiller Gesellschafter seines nun verstorbenen Oheims bewährt und tritt nun, nachdem aus Anlaß des Todesfalles, wie man uns mitteilt, auch der seit 33 Jahren der Firma angehörig gewesene stille Gesellschafter Herr Ludwig Cahn-Speyer sich ins Privatleben zurückzieht, als alleiniger Inhaber an die Spitze der Firma, die dem Vernehmen nach in ganz unveränderter Form weiterbestehen bleibt. Auch das Personal des Hauses hat in dem Heimgegangenen einen jederzeit gütigen und wohlwollenden Chef verloren, dessen Tod es aufrichtig beklagt. Der verstorbene Bankier, der auch bei Lebzeiten eine milde und stets offene Hand hatte, hat in seinem Testament X 400.000 für wohltätige Zwecke letztwillig angeordnet. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag, den 6. d. M. unter ungemein zahlreicher Beteilignng statt. Wie». (JfraelitischerTempelvereinBrigittenau.) Ein lang gehegter, frommer Wunsch der Brigirtenauer Judenschaft soll nun endlich in Erfüllung gehen. Der gefertigte Tempelverein eröffnet mit Beginn des Schuljahres 4906/07 eine Bibel schule, die eine schmerzlich fühlbare Lücke in den religiösen Institutionen unseres volkreichen Bezirkes ausfüllen soll. Durch die nachdrückliche Betonung der eminenten Notwendigkeit einer Bibelschule im XX. Bezirk fühlte sich der löbliche Borstand der israelitischen Kultusgemeinde zu einer wohlwollenden Unterstützung derselben bewogen und nun — gilt es, den Beweis zu erbringen, daß auch unsere Gemeindemitglieder den Wert der religiösen Erziehung der Jugend zu würdigen und zu schätzen wissen. Es ist zunächst die Errichtung zweier Kurse für Knaben geplant. An dem ersten (der Unterabteilung) nehmen Knaben der 4. und 5. Bolksschulklasse teil, während' dem zweiten Kurse lder Oberabteilung) nur Knaben der Bürger- und Mittelschule angehören. Der gefertigte Tempelvorstaud stellt nun an die p. t. Eltern die höfliche und dringende Bitte, ihre Knaben zur regen Teilnahme an dem Unterrichte in der Bibelschule anzuhalten und die ersprießliche Wirksamkeit derselben durch tatkräftige Unterstützung zu sichern und zu erhöhen. Die Anmeldungen zum Eintritt in die Bibelschule werden im Sekretariat des Tempelvereines während der Amtsstunden entgegengenommen und am 30. September geschloffen. Der Vorstand: Hermann Eltbogen. Der Schriftführer: Dr. Max W e i ß e n st e i n. Wie«. Der Verein „T e f i l o s H a n e o i r m" veranstaltet an den hohen Festtagen (Rosch-Haschono und Jom-Kippur) Gottesdien st e für die Jugend, die an folgenden Andachtsstätten abgehalten werden: I., Seitenstettengasse 2 (Religionsschule); II., Tempelgafse 3 (Bet-Hamidrasch); VI., Kollergerngaffe 1 (Goldner); XV., Turnergaffe 22 (Gemeindehaus); XVTH., Schopenhauerstraße 23 (Tempel); XX., Othmargaffe 46 (Toynbee-Halle). Eintrittskarten werden unentgeltlich an Studenten und haudelsbefliffene junge Leute gegen Vorweisung einer Legitimation an folgenden Stellen ausgefolgt: I., Seitenstettengaffe 2 (Religionsschule), Sonntag, den 16. d. M., 10 — 12 Uhr vormittags und Dienstag, den 18. d. M., 12—2 Uhr (für den L und H. Bezirk); VI., Kollergerngaffe 1 (Goldner), Sonntag, den 16. d. M., 2—4 Uhr nachmittags; XV., Turnergaffe 22 (Gemeindekanzlei), während der Amtszeit; XVIII., Schopenhauerstraße 23 (Bibelschulei, Sonntag, den 16. d. M., 10—12 Uhr vormittags; XX, Kluckygasse (Tempelkanzlei), während der Amtsstunden (bei H. Oehler). Wie«. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien, I., Wipplingerstraße Nr. 25.) Soeben ist das 14. empfehlende Verzeichnis unseres Gewerbevereines aus dem Drucke erschienen. Dasselbe wird auch heuer in 3000 Exemplaren ausgeschickt und ersuchen wir die P. T. Empfänger, sich desselben gefälligst bei jedem Bedürfe von Arbeiten und Lieferungen bedienen zu wollen. Auch stellen wir uns sehr gerne jenen P. T. Herren und Damen, die ein solches Verzeichnis wünschen, zur gefälligen Verfügung. Für die Vereinsleitung : Der Präsident: B r o d. Der Schriftführer: Alfred Kisch. Wie«. („A daß I i s r o e l" (Schiffschulj.) Wir beehren uns anzuzeigen, daß der Unterricht an unserer Privat-Religions schule für Knaben und Mädchen Mittwoch, den 19. September, beginnt. Die Einschreibung findet statt: Sonntag, den 16. September, von 8—12 Uhr vormittags; Mittwoch, den 19. September, von 2—5 Uhr nachmittags; weiterhin an jedem Sonntag Vormittag und Mittwoch Nachmittag im Schullokale, II., Negerlegasse 2. Der Vorstand. Wie«. Im Fngbachtempel wurde der jugendliche Kantor Herr Heinrich Fischer aus Fraukirchen, welcher anläßlich der stattgefundenen Probevorträge durch seine sympathische Stimme und seinen gediegenen Vortrag den Beifall des anwesenden Publikums errungen hat, für die hohen Feiertage als Kantor gewählt. Prag. K a i s e r-Ju b i l ä u m s-T e mp e l in Prag. Sonntag, den 16. d. M., findet die feierliche Einweihung des in Prag, Jerusalemgasse, neu erbauten Kaiser Franz Josef Jubiläum st emp els statt. Derselbe wurde als Ersatz für die drei altehrwürdigen Tempelgebäüde Zigeuner-Synagoge, Große Hof-Synagoge und Neu-Shnagoge, welche sämtlich im Assanierungs-Rayon gelegen sind und aus diesem Grunde abgetragen werden mußten, nach den Plänen und unter der Leitung des Architekten und k. k. Baurathes Wilhelm Stiaßny in Wien erbaut. Um das Zustandekommen und die würdige, ja geradezu glänzende Durchführung des Baues hat sich der Obmann des Exekuttv- Comites, HerrOttomar Rosen bäum, große und bleibende Verdienste erworben. In seinen Bemühungen wurde er durch die Mitglieder des Exekutiv-Comires, welche zumeist den früheren Synagogen-Borständen angehörten, wirksam unterstützt. Die Einweihungs-Feierlichkeiten gewinnen ein allgemeines und erhöhtes Interesse durch den Umstand, daß Se. Exzellenz der Statthalter von Böhmen Graf Coudenhove und die Spitzen der staatlichen und kommunalen Behörden ihre Teilnahme an dieser Feier zugesagt haben. Eger, 3. September. Am verflossenen Samstag beging unsere Gemeinde eine überaus erhebende Feier und zwar den Abschied unseres allverehrten Oberkantors Herrn Samuel Popper, welcher an diesem Tage wegen hohen Alters, sein Amt als Oberkantor und Religionslehrer in unserer Gemeinde niederlegte. Herr Popper weihte sich schon in jungen Jahren dem Dienste des Herrn und zwar betrat er im Jahre 1859 den Posten eines Kantors und Religionslehrers an der öffentlichen Schule in Kuttenplan der Marienbad, woselbst er bis zum Oktober des Jahres 1873 in beiden Eigenschaften wirkte. Von da erging an ihn der Ruf als Oberkanror und Religionslehrer nach Eger, wo er bis zum Jahre 1897 auch als Seelsorger segensreich amtierte, um diese Zeit erhielt er von der Regierung die Verdienstmedaille für 40-jähriges Wirken. Herr Popper hat sich die Wertschätzung und Verehrung der ganzen Gemeinde durch sein friedliebendes Wesen erworben, was auch beim Abschiede zum Ausdrucke kam. Zu diesem Anlasse wurde der Sabbatgottesdienst überaus feierlich begangen. Am Vorabend zelebrierte unser neuer Oberkantor Herr Armin W i l k o w i t s ch den Gottesdienst mit Chor und Orgelbegleitung und erwarb mit seinem Bortrag neuerlich allgemeinen Beifall. In der Predigt würdigte Herr Rabbiner Dr. Proßnitz in stimmungsvollen Worten die langjährige, verdienstvolle Tätigkeit des ehrwürdigen Funktionärs und entbot gleichzeitig seinem Nachfolger Herrn Wilkowitsch den Willkommengruß, welcher dem Scheidenden zu Ehren einen Niseftsderaoti verfaßt hatte und selben zum Vortrag brachte. Nach Abschluß des Gottesdienstes verfügte sich der Vorstand der Kultusgemeinde unter Führung des Vorstehers Herrn I. Z u ck e r m a n n in die Wohnung des Herrn Popper, um ihm den Abschiedsgruß, der Gemeinde und eine Huldigungsadresse darzubieten. Wir wünschen noch den scheidenden Greise, als auch seiner verehrungswürdigen .Gattin, sie mögen im Kreise ihrer Kinder und Kindeskinder einen freudigen und glücklichen Lebensabend verbringen. Komutau. Für die hiesige Gemeinde wurde Herr Kantor Max Groß als I. Kantor und Religionslehrer gewählt und hat derselbe bereits sein Amt angetreten. Teplitz. Der Rabbiner der Sebretener Knltusgemeinde. Herr Golendauer, feierte im Familienkreise seine silberne Hochzeit. Inmitten eines Gespräches mit seinen aus der Fremde hiehergeeilten Kindern wurde der beliebte Seelsorger von einem Schlaganfalle betroffen, dem er erlag. Marienbad. Am 6. September l. I. wurde Herr J. U. Dr. Josef Steiner, Advokat in Marienbad, einhellig zum Kultusgemeindevorsteher der israelitischen Kultusgemeinde Marienbad gewählt. Dr. Steiner hat sich bereits seit Jahren in verschiedenen allgemeinen israelitischen Angelegenheiten betätigt. Derselbe gründete die Ortsgruppe Marienbad des galizischen Hilfsvereines, deren Obmann er noch heute ist. Derselbe ist Mitgründer der Ortsgruppe Tachau desselben Vereines, letztere entstand aus dem Rayon der ersteren Ortsgruppe. Ferner ist er für die österreichischisraelitische Union als deren Anwalt für Marienbad und Umgebung seit vielen Jahren tätig. Endlich hat Dr. Steiner seit Jahren an allen allgemeinen Fragen seiner Glaubensgenossen in Wort und Tat den regsten Anteil genommen. Es ist daher zu erwarten, daß derselbe auch die Leitung der Kultusgemeinde Marienbad, welche als Weltkurortgemeinde mit ihren Einrichtungen mit den größten Kultusgemeinden auf gleicher Höhe bleiben muß, zur Zufriedenheit seiner Kultusgemeindemitglieder und des allen Nationen angehörenden Kurpublikums führen werde. Brünn. Laut Beschluß des Kultusvorstandes wird das neuerbaute Bethaus am. 14. September d. I. feierlichst eingewetht werden. Man rüstet sich zu einer größeren Feierlichkeit, denn der Vorstand beschloß, für die Feier besondere Einlaßkarten auszugeben. Brünn. Der Vorstand der hiesigen Kultusgemeiude faßte den einstimmigen Beschluß, die Versorgung dreier jüdischer Waisenkinder, die bei den letzten Massakres ihre Eltern verloren hatten, zu übernehmen. Zu diesem Zwecke wurden 400 Kronen bewilligt. Kojetein. Unter großer Beteiligung fand hier am 3. September das Begräbnis der Frau Rosa K a u f m a n n statt. Im Trauerhause rezitterte Herr Kantor G r ü n st e i n Psalm 16 und 144. Dr. Frankl- Grün, Rabbiner in Kremsier, der Muttergemeinde der Hingeschiedenen, schilderte deren Herzensgüte. Gastfreundschaft und Wertschätzung der Thora und der Gelehrten und gedachte am Schluffe ihres großen Sohnes David Kaufmann mit den Worten: „Wenn einst seine tiefinnige und sinnige Auffassung des Judentums in der Jugend Wurzel gefaßt haben wird, dann werden spätere Geschlechter zu diesem Hause, dem “TPI TS, dem Nährboden seiner sittlichen und religiösen Kraft, wallfahren und sprechen: imb'’ '“UCK „Selig die Mutter, welche ihn geboren." In der Leichenhalle entwarf Dr. Rosenthal, Rabbiner in Breslau, ein Lebensbild seiner Schwiegermutter und pries ihre Glaubensstärke und Humanität mit begeisterten Worten; er verglich sie mit der Stammutter Rahel. Ihre

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