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Die Wahrheit · 1906-09-07 · Heft 35 (7.9.1906) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 35 (7.9.1906)
Date
1906-09-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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unter seiner Leitung in ihre jugendlichen Seelen gesenkt, nie das Beispiel von Energie, Ausdauer und Humanität, das er gegeben." Redner dankt ihm für alles Gute, das er den Schülern als Lehrer und Freund erwiesen und ruft ihm ins Grab: „Ave, pia anima!“ Namens der Klinik hielt der erste Assistent der Klinik Professor Finger, Dr. Alfred Brandweiner, den Nachruf. Den Abjchiedsgrnß der jüngsten Schüler sprach Doktor M. Oppenheim, der letzte und jüngste Schüler. Wien. Dienstag, den 4. d. M., fand unter großer Teilnahme das Leichenbegängnis der Frau Charlotte G r ü n s p a n n geb. Drucker, welche nach langem Leiden un 76. Lebensjahre in Perchtoldsdorf verschieden ist, auf dem hiesigen Zentralfriedhofe statt. Die kantorale Funktion versah I. Kantor Schiller in gewohnt erhebender Weise. Rabbiner Doktor S ch m i e d l, ein alter Freund der Familie Grünspann, hielt eine ergreifende Trauerrede und schilderte die Tugenden und das edle Wirken der Dahingeschiedenen. Eisenstadt-Böslau. Am 30. August verschied im Wiener Sanatorium nach kurzem Krankenlager die 69 Jahre alte Frau Therese M a ch l u p, geb. Spitzer. Deren Bater, Josef Spitzer sel. And., gebürtig aus Körmend, war Disponent im Hause Philipp Scheu (Güns). Seil ihrer Verheiratung mit dem schon vor vielen Jahren verstorbenen Herrn Elias Mach l u p, Reisenden der Weingroßhandlungsfirma Leop. Wolf's Söhne, domizilierte sie in Eisenstadt, wo sie viel Gutes wirkte. Eine innige Herzensgüte strahlte mit wohltuender Wärme von ihr aus, voll Treue und Hingebung umfaßte sie jedes Glied ihrer zahlreichen Familie, init zuvorkommender Liebenswürdigkeit begegnete sie jedermann. Einige Jahre hindurch war sie Handarbeitslehrerin an der dortigen isr. Schule, und ihre Zöglinge liebten und verehrten sie. Nach dem Tode ihres geliebten Gatten lebte sie fast ganz zurückgezogen, nur ihren Kindern und den Bedürftigen. Vor einigen Wochen erkrankte sie und die Aerzte rieten ihr, sich in Wien einer Operation zu unterziehen. Sie unterließ dies aber wegen ihres hohen Alters, und als sie sich dennoch hiezu entschloß, war es bereits zu spät, und sie starb nach der Operation. Die Beerdigung fand auf dem Elsenstädter Friedhofe ain Sonntag bei zahlreicher Beteiligung statt, und Rabbinats-Assessor T e r t s ch schilderte die wahrhafte Frömmigkeit und Gortergebenheit der Verblichenen, die bei allen, die sie kennen zu lernen Gelegenheit hatten, eine verehrungsvolle Erinnerung hinterläßt, und in der ganzen Gemeinde noch mehr — die Empfindung einer Lücke. Es betrauern sie 4 Söhne und 2 Töchter, deren eine, Frau Cafetier Hoeker (Gainsarn). in Bezug auf Wohltätigkeit den Fußstapfen ihrer sel. Mutter folgt. Letztere ruhe in Frieden. Eisenstadt. Am Freitag verschied in unserer Gemeinde die achtzig Jahre alte Frau Amalie Gold. Sie war ihrem Manne eine treue Gattin und ihren Kindern die zärtlichste, aufopferungsvollste Mutter. Für die Kinder arbeitete das Elternpaar unausgesetzt und ließ denselben die beste Erziehung angedeihen. Bon den drei Söhnen studierte der eine längere Zeit in Berlin und ist jetzt in Amerika in einer großen Bank angestellt, der andere studierte in Wien Medizin, widmete sich aber später dem Kaufmannsstande und auch der dritte ist in einer großen Weinhandlung angestellt. Bor etwa fünf Jahren beging das greise, aber noch rüstige Ehepaar das goldene Hochzeitsjubiläum und es hatte den Anschein, daß es noch in Gesundheit die diamantene Hochzeit feiern werde. Doch seit zwei Jahren kränkelte die Frau, bis sie nun der Tod von ihrem schmerzlichen Leiden erlöste. Ihr Andenken sei zum Segen! Saaz. Am 1. September fand zu Ehren des Jubilars, Herrn Oberkantor Ignaz Erber, ein Festgottesdienst statt, zu dem sich die Gemeindemitglieder in überaus zahlreicher Weise eingefunden hatten. Während des vom Jubilar mit jugendlicher Kraft und klangvoller Stimme abgehaltenen Gottesdienstes hielt Herr Rabbiner Prof. Dr. Stern eine überaus wirkungsvolle Ansprache an den Jubilar, in welcher derselbe auf dessen große Erfolge als Kantor, sowie auf die allgemeine Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich derselbe infolge seiner vorzüglichen Charaktereigenschaften und seines bescheidenen liebenswürdigen Wesens erfreut, hinwies. Nach Schluß der erhebenden Feier begab sich zunächst der Gesamtvorstand in die Wohnung des Jubilars, woselbst der Vorsteher der israelitischen Kultusqemeinde, Herr Dr. Anspach, an den Jubilar eine sehr schwungvolle Ansprache hielt, in welcher er die Verdienste desselben in überaus anerkennenden Worten würdigte und demselben ein wertvolles Ehrengeschenk samt Widmung übergab. Das Gleiche erfolgte auch seitens der Chewra Kadischa. Außer zahlreichen telegraphischen und brieflichen Sympathiekundgebungen liefen von den zahlreich erschienen Verehrern des Jubilars wertvolle Geschenke ein. Kojetein. Am 1. September ist hier Frau Rosa Kaufmann, die Mutter des leider der Wissenschaft so früh entrissenen Orientalisten Professor David Kauf m a n n, im 84. Lebensjahre gestorben. Die Verblichene, eine Dame von großer Herzens- und Geistesbildung, erfreute sich allgemeiner Verehrung. Das Leichenbegängnis fand unter großer Teilnahme Montag, den 3. d. M., statt.. Teschen. Während seines hiesigen Aufenthaltes empfing der Kaiser, auch eine Deputation der Kultusgemeinde Teschen. Der Präsident, Großindustrieller I. Ph. G l e s i n g er, richtete an den Kaiser folgende Ansprache: „Eure kaiserlich und königliche apostolische Majestät! Allergnädigster Kaiser und Herr! Die Vertreter der israelitischen Knltusgemeinden Teschen und Friede! erscheinen mit ihren geistlichen Führern an diesem Freudentage vor Eurer Majestät, um ehrfurchtsvoll zu bitten, Eure Majestät wollen allergnädigst die Versicherung unveränderlicher Anhänglichkeit an Eurer Majestät erhabene Person und die allerhöchste Dynastie entgegennehmen." Hierauf dankte der Kaiser Herrn Glesinger, welchem die Führung der Vorstände und Rabbiner der Knltusgemeinden von Teschen und Friede! oblag, für die bekanntgegebene Loyalitätskundgebung und erkundigte sich über Geburts-, Heimatsort und Beschäftigung des Präses, sodann über die Kultusgemeinde selbst und Zahl der Mitglieder. Herr Glesinger erwiderte, daß er ein geborener Tejchener und Großindustrieller sei, der in Oesterreich und Ungarn zahlreiche Sägewerke betreibt, die Seelenzahl der Gemeindemitglieder Teschens betrage zirka 2000, während Friedek zirka 1000 Mitglieder habe. Die weitere Frage des Kaisers, womit der größte Teil der Israeliten sich beschäftige, ob etwa mir Handel, verneinte der Präses und erwiderte, daß die Bewohner Teschens und Friedeks israelitischer Konfession Landwirtschaft, Handwerk und Industrie betreiben, ganz besonders in der Gemeinde Friedek, wo große Fabriken in der Texulbranche von Israeliten betrieben werden, mit Handel sich aber keineswegs mehr als 10 Prozent beschäftigen. Sodann wurden auf Wunsch des Kaisers die anderen Mitglieder der Deputation einzeln vorgestellt. Der Monarch befragte Rabbiner Dr. Leimdörfer über den Tempel und erinnerte sich, daß er denselben schon besucht habe. Sodann wendete er sich an den Vorstandstellvertreter Herrn A. T u g e n d h a t. Direktor der Tejchener Volksbank, befragte denselben über die Geschäftsverhältuisse des von ihm geleiteten Institutes und nahm zur Kenntnis, daß dieses ihre Genossenschaftsmitglieder mit Krediten unterstützt und außerdem sehr viele Gewerbetreibende zu ihren Klienten zählt. Den Vorstand M. Presser fragte der Kaiser, wo sein Grundbesitz liege. Herr Presser erwiderte, daß sich sein Grundbesitz m unmittelbarer Nähe Teschens befinde und er außerdem früher Pächter des Erzherzogs Friedrich war. Liqueurfabrikant und Hoflieferant M. F a s a l beantwortete die Frage des Kaisers über den Geschäftsgang dahin, daß derselbe ein befriedigender sei, und Liqueurfabrikant Bernhard K o h n konnte die Frage, ob er seine Artikel exportiere, bejahend beantworten. Der Vorstand der Friedekr Kultusgemeinde, Herr R e i k, Chef der Firma Jos. Munk & Söhne, war in der Lage, dem Kaiser mitzutelleu, daß der Geschäftsgang der von ihm geführten Textilindustrie ein befriedigender sei. Der Vorstand Dr. L a m b e r g, Advokat in Mistek. wurde gefragt, ob Friedek viele Advokaten habe und wie sich die beruflichen Verhältnisse gestalten. Er erwiderte, daß es mehrere Advokaten in Friedek gebe und daß deren Verhältnisse zufriedenstellend seien. Bei der Rundfahrt durch die Stadt hielt der Leibwagen des Kaisers auch vor dem in allen Teilen festlich geschmückten israelitischen Tempel. Beim Verlassen des Wagens begrüßte der Vorsteher der Kultusgemeinde, G l e s i n g e r. den Monarchen. Der Rabbiner sprach den rituellen Segensspruch, worauf sich der Kaiser, geleitet von dem Vorsteher, dem Rabbiner und den vier Mitgliedern des Kultnsvorstandes zum Tempel begab. Auf dem Mittelpodesr überreichte ein Mädchen aus dem von jungen Damen gebildeten Spalier einen Blumenstrauß, den der Kaiser dankend entgegennahm. Am Portal erwarteten die übrigen Mitglieder des Kultusausschusses den Monarchen, welcher zur Estrade geleitet wurde, auf der ein Fauteuil für den Kaiser bereitstand. Der Rabbiner trat nunmehr vor die Bundeslade und hielt folgende huldigende Ansprache an den Monarchen: „Eure k. und k. Apostolische Majestät! Allergnädigster Herr und Kaiser! Wohin immer die Kunde von dero allerhöchstem Besuche unseres Gotteshauses zu den Ohren meiner Glaubensbrüder in diesem unserem herrlichen Baterlande dringt, überall werden freudige Dankesgefühle sich regen und ich, ein Knecht meiner Religion, bin nur das schwache Sprachrohr der Segnungen all dieser Hunderttausende. In deren aller Namen lege ich, gemäß den Geboten unseres Glaubens (Pr. XXIV., 21), die Gelübde unserer begeisterten Liebe und nie wankenden Treue für Eure Majestät und das ruhmreiche Kaiserhaus an die Stufen des allerhöchsten Thrones in diesen heiligen Räumen, wo wir bei jedem gegebenen Anlasse für allerhöchst dero Wohl und Glück beten. Und muß ich es nicht heute besonders, wo wir zum zweitenmal während Eurer Majestät glorreichen Regierung den gnädigen Beweis erhalten, daß Eure k. und k. Apostolische Majestät auch unsere Religion als vollwertiges, von Gott bestimmtes sittliches Erziehungsmittel würdigt, auch über uns in gleicher Weise wie über alle anderen Allerhöchst Seine Liebesgaben ausstreut, deren wir uns würdig zeigen wollen, wie immer seit jener Zeit, da uns durch Eurer Majestät Wille das Feld rühmlicher Betätigung im Kriege wie im Frieden erschlossen worden ist. Und darum flehe ich jetzt mit der Segnung: O Weltenlenker, mögen die Worte, die ich zu dir e nporsende, sich erfüllen! Gewähre die Wünsche, die das edle Herz unseres allergnädigsten Landesvaters bewegen, denn sie enthalten Tugend, Recht und Frieden. Leben, ungezählte Jahre verlangen wir für ihn, o gib es, damit er, der Fels und Hort seiner Völker, der Schutz und die Wehr seiner Länder, seines erhabenen Herrscheramtes mit Jugendkraft walten möge für und für. Amen." Mit einem vor geöffneter Bundcslade gesprochenen Gebete schloß der Rabbiner, woraus der Kaiser unter den Klängen der vom Kantor und Tempelchor intonierten Volk-Hymne das Gotteshaus verließ, in welchem eine Gedenktafel an den dem Tempel vom Kaiser vor sechzehn Jahren abgestatteten Besuch erinnert. Der Kaiser sprach dem Kultusvorsteher und dem Rabbiner beim Verlassen des Gotteshauses seinen Dank für den schönen Empfang aus. — Der Kaiser spendete namhafte Beträge für wohltätige Zwecke. Montreal. Wie in Frankreich nnd England, hat sich neuerdings auch in Cauada das Parlament mit der Sonntagsruhe befaßt und dabei für die Inden überaus ungünstige Beschlüsse gefaßt. Eine ganze Generation hindurch genügte die Bestimmung, welche die Beobachtung eines Ruhetages in der Woche vorschrieb, es aber dem freien Ermessen überließ, diesen Ruhetag am Sonntag oder am Sonnabend zu begehen. Dank seines Einflusses innerhalb des französischen Teiles der Bevölkerung Canadas hat der Klerus es durchgesetzt, daß ein die strenge Sonntagsruhe vorschreibendes Gesetz eingebracht und angenommen, ein die Juden von dem Gesetze ausichließendes Amendement im Senat mit 24 gegen 18 Stimmen abgelehnt wurde. Glücklicherweise konnte noch eine andere Bestimmung durchgesetzt werden, welche den gesetzgebenden Körperschaften der einzelnen Provinzen das Recht einräumt, Erleichterungen zu votieren, was hoffentlich in den Provinzen Quebeck und Britisch-Columbien geschehen wird.

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