Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 35 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Nr. 35. Seile 8. daher er von seinen unwissenden Landsleuten als Held, wie als Gelehrter besonders hochgeschätzt wurde. Selbst der mohammedanische Befehlshaber der Stadl Almadia, Zain Eddin, war mit ihm sehr befreundet und verkehrte oft. mit ihm. Die ungewöhnliche Popularität, deren Alroy sich erfreute, ermutigte ihn zu einem unheilvollen Schritte. Auch die damaligen Verhältnisse waren für seine ehrgeizigen Pläne nicht ungünstig. Die Kriegsunruhen in Asien, dle Schwäche des Chalisats und die Teilung der Regierung zwischen den schwachen Chalifen und den Vesiren u. a. m. ermutigten Alroy, auch seinerseits eine hervorragende Rolle zu spielen. Sein Plan war, einen unabhängigen jüdischen Staat zu gründen. Um diesen aussühren zu können, mußte er vor allem nationale Gefühle in den Herzen seiner Stammesgenossen wachrufen. Zn diesem Zwecke erließ er einen begeisterten Ausruf an die Juden Asiens, in welchem es unter anderem hieß: „Ich habe den göttlichen Auftrag erhalten, die Juden von dem Joche der Mohammedaner zu befreien und nach Jerusalem zu führen. Die Zeit zur Ausführung dieses Erlösungswerkes ist höchst günstig. — Ihr müsset mich nur im Kriege gegen unsere Unterdrücker unterstützen! Kommt alle nach Amadia und bringet unter eueren Kleidern die nötigen Waffen mit. Unsere Glaubensgenossen von Bagdad, Mosul, der Gegend von Adhen Baigan mögen sofort herbeieilen, um pflichtgemäß am Befreiungskrieg sich zu beteiligen!" Scharenweise strömten die Inden herbei, um an der Seite des kühnen David Alroy, den sie für den von Gott gesandten Messias hielten, wacker zu kämpfen. Alroys Gönner, der bereits erwähnte Befehlshaber, schöpfte anfangs keinen Verdacht, da er glaubte, die Leute seien gekommen, um Alroys Gelehrsamkeit zu bewundern. Die Nüchternen unter den Juden jedoch, besonders der Exils für st und die Vorsteher der Akademie zu Bagdad glaubten, und nicht mit Unrecht, der Befürchtung Raum geben zu müssen, daß infolge dieser Bewegung die Juden harten Verfolgungen ausgesetzt sein könnten und schrieben an Alroy, er möge im Interesse der Inden von seinem gefährlichen Vorhaben ablasfen. Alles vergebens. Der Befehlshaber von Amadia jedoch, den das Treiben Alroys endlich zu beunruhigen begann, suchte der messianischen Revolution dadurch ein Ende zu machen, daß er den Schwiegervater Alroys veranlaßte, den Schwindler, der soviel Unheil gestiftet, aus dem Wege zu räumen. Alroy wurde von seinem eigenen Schwiegervater im Schlafe ermordet. Die traurigen Folgen dieser Bewegung waren, daß der Sultan über die Juden jener Länder, die dem falschen Messias anhingen, schwere Strafen verhängte. Große und sch:vere Opfer kostete es den Exilfürsten, um den Zorn des Herrschers zu besänftigen. Er überbrachte ihm hundert Talente Gold. Auch Alroy wurde von seinen Anhängern noch lange nach seinem Tode verehrt und gefeiert. Man nannte sie Menachemisten, weil David Alroy sich auch Menachem b. Salomo genannt hatte. Das Leben und Wirken dieses Schwindlers wurde auch durch die Sage verherrlicht. Diese lautet: Der persische Sultan, der in der Bewegung, die Alroy hervorgerufen, Verrat witterte, ließ ihn vorladen, um ihn zur Verantwortung zu ziehen. Alroy erschien ohne Angst und Bangen und ohne Begleitung vor dem Machthaber. Und als er gefragt wurde, was er eigentlich zu erzielen beabsichtige, antwortete er mutig: „Ich bin der König der Juden!" Infolge dessen ließ der Sultan ihn einkerkern. In dem Moment aber, als der König mit seinen Räten beriet, welche Strafe er über den jüdischen Revolutionär verhängen soll, sei Alroy plötzlich in der Ratsversammlung erschienen und habe zum Erstaunen aller Anwesenden die Erklärung abgegeben: „Vermöge meiner Geheimkünste ist es mir gelungen, mich aus dem Kerker zu befreien! Ich fürchte weder den Sultan, noch feine Diener." Als der Sultan nochmals den Auftrag erteilte, ihn zu ergreifen und in den Kerker zu werfen, soll der Schwindler sich unsichtbar gemacht und einen Fluß auf diese Weise überschritten haben, sodaß er nicht ergriffen werden konnte. Er soll an einem Tage die Strecke von zehn Tagereisen, nämlich von der Residenz des Sultans bis Amadia, zurückgelegt haben. Als die Juden den bereits verloren Geglaubten wieder erscheinen sahen und von seiner „wunderbaren" Errettung aus der Gewalt des Lrultans vernommen hatten, da glaubten sie fest und unerschütterlich an seine Messianität, wodurch natürlich die Machthaber in Schrecken gerieten. Der Sultan hatte dem Chalifen den Auftrag erteilt, den Vertretern der Juden in Bagdad zu bedeuten, daß sie alle Hebel in Bewegung setzen sollen, um Alroy von seinem Vorhaben abzubringen, widrigenfalls er alle Juden seines Reiches über die Klinge springen lassen würde. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Unchrichten Wien. (Spenden z u g it n st e n der O.p f e r der Exzesse in Bj e l o sto k.) Bei der „Israelitischen Ä ll i a nz zu W i en" sind an Spenden eingegangen: Wien: Dr. E. Münz, Hof- und Gerichtsadvokat, X 20, Ed. R e i n h a l d & Co. K 10, Franz Dostal «durch die Kultusgemeinde) X 6, Zäzilie Hofmann X 2; I. M a n n- Bndapest X 40, Teltscher jüdische Jugend X 40, Flaminio Viterbo- Triest (für Waisenkinder) X 85-81; hiezu die bereits ausgewiesenen X 5383, zujainmen bis 5. September l< 5543-81. — Weitere Spenden werden erbeten und dankend bestätigt im Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien", I., Weihburggasse 10, zwischen 9 und 1 Uhr vormittags^ oder mit Postsparkassakonto 8152. Wien. Vom Akademischen Verlag werden wir um Aufnahme folgender Berichtigung ersucht: Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie brachten in einer Ihrer letzten Nummern unter der Spitzmarke „Monumenta j Judaica“ eine Notiz des Inhaltes, daß man im Akademischen Verlag! keinen Juden haben wolle, daß man deshalb Herrn Dr. A l t s ch ü l e r! von den Monumenta Judaica entfernt habe rc. rc. Wir hoffen von Ihrer i Loyalität, sehr geehrter Herr Nedakreur, daß Sie diese den Tatsachen nicht ' entsprechende Mitteilung durch diese Zeilen berichtigen werden. Es ist? nämlich vollständig unwahr, daß man im Akademischen Verlag keinen Juden s haben wolle; wahr ist vielmehr, daß Herr Dr. Altschüler über sein j eigenes Ansuchen und ganz spontan die Herausgeberschaft bei den Monu-; menta Judaica als Vertreter der jüdischen Theologie niedergelegt hat. i Dagegen haben au Stelle des Herrn Dr. A l t s ch ü l e r die Herausgeberschaft bei den Monumenta Judaica übernommen die Herren: Se. Ehr- { würden Herr Dr. S. Funk, Rabbiner von Boskowitz, Landes-Rabbinerj Stellvertreter von Mähren; Se. Ehrwürden Herr Dr. D. F e u ch t w a n g, i Rabbiner -in Wien. Es sind also an Stelle des einen Vertreters des! Judentums bei den Monumenta Judaica zwei jüdische Theologen ge-! treten, die wohl schon vermöge ihrer sozialen Position als vollgewichtige : Vertreter der jüdischen Konfession bei diesem Werke gelten können. Für i die Aufnahme dieser Zeilen bestens dankend, zeichnen wir mit dem Ausi drucke der besten Hochachtung: Akademischer Verlag, Wien, IX/3, Schwarz-! spanierstraße 15. j Wien. Freitag, den 31. August, ist in Vöslau bei Wien, Hofrat - Professor Dr. Isidor Neumann v. Heilwart, einer der hervor-! ragendsten Dermatologen der Jetztzeit und eine Zierde der Wiener Univerj sität, im 74. Lebensjahre plötzlich gestorben. Trotz mannigfacher, in früheren : Jahren an ihn gestellten Verlockungen, die den steilen Aufstieg iii seiner; akademischen Laufbahn bei einem eventuellen Glaubenswechsel in rascherem i Tempo in Aussicht stellten, ist er mir jener Charakterstärke, die wahrhaft! großen Männern eigen ist, Jude geblieben und hat den jüdischen Namen ' zu hohen Ehren gebracht. Die Leiche wurde nach Wien gebracht, wo das Leichenbegängnis Sonntag, den 2. September, stattfand. Im Trauerhause, Kolowratriug 14, hatten sich unter anderen eingefunden: G. d. K. Johann Freiherr v. L a t s ch e r, Sektionschef Ritter v. Herz, Ministerialrat Freiherr v. P r a z a k, der Vertreter der medizinischen Fakultät Hoftat Chrobak, Hofrat Professor S ch a u t a und Gemahlin, Hofrat Professor! Dr. W i n t e r u i tz, Hofrat Professor Dr. Braun, die Professoren j Dr. Ehrman n und Gemahlin, Dr. Benedikt, Dr. Spiegle r,! Dr. Monti, Dr, Ortner, Dr. v. Zeißel, Dr. Bergmeister, Dr. U r b a n t s ch i t s ch, Dr. B i n g, Dr. Schlesinger, Direktor-! stellvertreter des Allgemeinen Krankenhauses Professor Dr. Neuner, der; Vizepräsident der Wiener israel. Kultusgemeinde Dr. Gustav Kohn mit dem Vorsteher Dr. Markus Spitzer, Öberbaurat Smitz, der Präsident des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft P o l l a k' von P a r n e g g, Ministerialsekretär Dr. Gorma sz, Regierungsrat Dr. Kalligaris, kais. Rat Dr H a y, kais. Rat Dr. Krüger, Professor Dr. Josef P o l l a k, Landes-Sanitätsinspektor Dr. Winter, Dr. O p p e n h e i m, Dr. Heinrich Weiß, Primararzt Dr. Schnitzler, der Chefarzt der Gesellschaft vom Roten Kreuz, dann Bezirksarzt Dr. Schn epp, Dr. Brandweine r, Linienschiffsarzt Dr. Zechmeister, Otto v. Schlumberger, Großindustrieller Heinrich E g e r, Apotheker P s e r h o f e r, Direktor Ziffer (Lemberg-Czernowitzer Bahn), Hof- und Gerichtsadvokat ®t._ Gelbe r, viele Mitglieder der Dermatologischen Gesellschaft, der k. k. Gesellschaft der Aerzte rc. Die meisten Trauergäste gaben dem Sarge das Geleite bis zum Zeutralfriedhofe, wo nach Vortrag der Liturgien durch Oberkantor Singer und der Grabrede des Oberrabbiners Dr. G ü d e m a n n, Hofrat Professor Dr. C h r o b a k namens der Wiener medizinischen Fakultät zu einem die Bedeutung Neumanns würdigenden Nachruf das Wort ergriff. Dann sprach namens der Dermatologischen Gesellschaft Professor S p i e g l e r. Naniens der Schüler Neumanns nahm Professor Ehrmanu von dem Toten Abschied: „Namens der vielen Hunderte, die über alle Weltteile zerstreut, sich rühmen, Neumanns Schüler zu sein und die den Ruhm seines Namens als Lehrer verkünden. Das Bild seiner Persönlichkeit wird ihnen nie entschwinden, nie werden sie die Eindrücke vergessen, die sich