Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 35 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35. Die Wahrheil -7^ l*. Leite 7. macht keine leeren Versprechungen, er haßt jedes unnütze Phrasengeklingel und ist nicht nur der Mann der Rede, sondern mehr noch der Mann der Tat, der nicht nur über das Wollen verfügt, sondern auch für das Vollbringen Sorge trägt. Wenn wir uns mit dem Weißffchen Programm, sowie dessen Inhalt es verdient, eingehender beschäftigen, so finden wir darin zwei Hauptpunkte, Religion und Patriotismus, herrlich vereint. Und beide gehören zu einander, ja eine Separation derselben wäre geradezu'undenkbar. Das ist und bleibt eine selbstverständliche Tatsache, und deshalb wollen wir uns bloß mit der Religion beschäftigen. Bekanntlich ist der Wirkungskreis einer israelitischen Religionsgemeinde, und sollte dieselbe auch dem weitesten Fortschritte huldigen, ein dezidiert umschriebener. Er ist ein zweifacher und zerfällt in die Administration und in der Pflege der Religion. Beide sind hochbedeutsam für den Bestand der Gemeinde und erfordern zum richtigem Vollzüge ganze Männer, die sich von einem zielbewußten Führer in schönster Harmonie leiten lassen. Hofrat Weiß würde der Administration wesentliche Dienste leisten, denn er wäre bestrebt das Gemeindeinteresse bei allen Mitgliedern zu heben, zu beleben und stets rege zu erhalten. Er wäre bemüht, den Gemeindemitgliedern nebst gleichen Pflichten auch gleiche Rechte einzuränmen und sie nach Tunlichkeit an der Gemeindeverwaltung teilnehmen zu lassen. Er würde sein besonderes Augenmerk der Knltussteuer und den Kultusabgaben zuwenden, damit diese eine gleichmäßige, nicht zu drückende und vor allem möglichst gerecht seien. Er würde trachten, die Tempelspenden zu vermehren — die Seinigen betragen bereits über 70.000 Kronen — indem er die Großen und Reichen zu Spenden und Stiftungen animieren würde, auch würde er an Opferwilligkeit der ganzen Gemeinde voranlenchten. Dabei wäre er bestrebt, das Ansgabenetat der Gemeinde, ohne ihre notwendigen Ausgaben irgendwie zu resteingieren, auf das tunlich kleinste Maß zu reduzieren, d. h. die größtmöglichste Sparsamkeit einznführen, und damit wäre das administrative Moment auch schon erschöpft. Das religiöse Moment zerfällt in zwei Teile: in den lultuellen und kulturellen Teil, d. h. Kultus und Schule. Soll nun die Gemeinde einen von der Religion vorgeschriebenen Kultus besitzen, so kann dies in erster Reihe durch die Schule geschehen, die das ihrige dazu redlich beitragen muß, wie wir dies auch Nachweisen werden. Hofrat Weiß wäre nun ernstlich gewillt -und entschlossen, die größere Ausweitung der bestehenden Gemeindeschulen, sowie deren intensivere Ausgestaltung mit vollstem Eifer und in ausgiebigster Weise vorzunehmen. Israel ist und bleibt der Träger der gottgeoffenbarten Religion und ist von der unumstößlichen Gewißheit erfüllt, durch seinen reinen und erhabenen Monotheismus der Träger einer Weltmission zu sein. Die Juden können nur aus Religion und aus Liebe zu ihrer Religion Juden sein und bleiben. Die Religion des Judentums, als das alleinige Werk Gottes, ist eine ganz einzig in ihrer Art dastehende Erscheinung. Die Kenntnis dieser Religion zu verbreiten, zu erweitern und zu vertiefen ist die Hauptaufgabe der Religionsgemeinde, deren Mitglieder diese Religion immer mehr und mehr kennen, schützen und lieben lernen mögen, so daß sie dann alle Angriffe und Einwendungen gegen ihren Glauben seitens der Nichtjuden zurückzuweisen und zu widerlegen imstande sein sollen. Daher muß die Jugend nach den Grundsätzen ihrer gottgeoffenbarten Religion unterrichtet werden, damit sie bereit sei, die Pflichten dieser heiligen Religion treu zu erfüllen. Die unerreichte Erhabenheit und Wichtigkeit des Mosaismus bringt es mit sich, daß bei der Jugend der Grund zur Rechtschaffenheit und Tugend gelegt wird; nur so erhält die Religionsgemeinde glaubenstrene. Inden, die gleichzeitig auch brauchbare Staatsbürger sind. Vor allem darf aber keine Verkennung der von Gott der Schule gesetzten Ausgabe platzgreifen, denn daselbst muß die Verstandesbildung mit der Herzensbildung unserer Jugend Hand in Hand gehen. Und eben deshalb bildet der richtige Religwnsrlnterricht das kräftigste Element für die Erziehung der Schuljugend — wir verstehen darunter das ganze Heranwachsende Geschlecht: die Knaben und Jünglinge, die Mädchen und die Jungfrauen — zur Gottesfurcht. Sagt schon der gekrönte Sänger: „Anfang der Weisheit ist die Furcht vor dem Ewigen." (Pf. 111, 10.) Soll aber der Religionsunterricht seiner Aufgabe voll und ganz entsprechen und der Jugend zum Segen werden, so müssen die göttlichen Gesetze — allen voran die zehn Gebote — zum Leitfaden dienen und dessen Grund lehren bilden. Dem Unterricht aus der jüdischen Religion muß die Glaubens- oder Pflichtlehre des Mosesbuches zu Grunde gelegt werden. Mau muß bei der jüdischen Jugend das Gefühl für das Judentum zu erstarken und sie für die Erhabenheit und Heiligkeit des Gotteswortes zu erwärmen suchen. Denn, so dies nicht der Fall ist, steht ernstlich zu befürchten, daß das jugendliche Israel seinem angestammten Väterglauben und mir demselben auch dem Jndentume ganz entfremdet werden wird, wie wir dies leider schon hie und da wahrnehmen müssen. Dabei schwebt uns durchaus nicht das Einbleuen einiger Geschichten ans der Bibel, das Herableiern einiger Gebetstücke (zumeist in mangelhafter Anssprache) und das Hersagen einiger Sprüche, auch wenn dies in der korrektesten Weise geschieht, vor; denn das ist noch immer nicht Religion. Wenn der Religionslehrer, Religionsproiessor, Rabbiner oder wie immer er auch heißen mag, nicht erfüllt ist von dem Geist der Moseslehre, nicht dnrchglüht wird von dem Feuer der Begeisterung für die erhabenen Lehren seines altehrwürdigen Vüterglanbens, dann kann er mit seinem Religionsunterrichte keine erfolgreiche und auch keine nachhaltige Wirkung erzielen. Er kann aber auch keine Kinderseelen für das Golteswort entzünden, und diese werden nie echte und rechte Inden werden. Beim Religionsnnterrlcht darf nicht außer Acht gelassen werden die Unveründerlichkeit und die Unwandelbarkeit des Wortes unseres hochheiligen Gottes, sowie der Religion des Judentums, deren Grundlehren notwendig sind und nie verändert werden dürfen, da sie für alle Zeiten geltende ewige Wahrheiten enthalten. Eben deshalb muß die Liebe zum Mosaismus schon in das Kindesherz gepflanzt werden, auf daß das Judentum dasselbe veredle und beglücke, und jüdische Kinder den Einig-Einzigen lieben und recht tun sollen. Wird die jüdische Religion die Herzen der Kinder regieren, so wird sie auch deren Wandel verschönern. Der Mosaismus enthält keine Aussprüche der Gewohnheit und der Willkür, sondern ewige Gebote göttlicher Weisheit, die jeder wahre Israelit stets in seinem Munde führen und in seinem Herzen tragen sollte, denn die Religion ist sein edelstes und unverletzlichstes Eigentum. Darum hat Hofrat Weisz die Absicht, seine besondere Aufmerksamkeit dem so überaus wichtigen Religionsunterricht zuzuwenden. (Wird fortgesetzt.) 8. Das nationale Judentum. Bon Dr. M. H. Friedländer. (Fortsetzung.) III. David A l r o y. Einer der schlauesten und begabtesten dieser Pseudomessiasse war David Alroy, auch Jbn Alruchi genannt, aus Amadia in Persien, der sich im Jahre 1160 den Inden in der Gegend von Adhe Baigan, nördlich von Mossnl als Messias angekündigt hatte. Die Juden dieser Gegend galten als unwissend, hingegen waren sie mutig und verstanden vorzüglich die Waffen zu führen. Mit den dort hausenden fanatischen Assassinen lebten sie auf gutem Fuße. David Alroys Streben war dahin gerichtet, die unwissenden und kriegstüchtigen Inden für sich zu gewinnen, um seinen unbeschreiblichen Ehrgeiz, wie seine maßlose Herrschsucht befriedigen zu können. In seiner Jugend hatte er sich in Bagdad, wo eine talmndische Hochschule blühte, unter dem Exilsfürsten Eli gründliche Kenntnisse in Bibel und Tulmud, sowie auch in der arabischen Literatur angeeignet. Als er in seine Heimatstadt Almadia zurückgekehrt war, wurde er seiner großen Gelehrsamkeit und hohen Bildung wegen allgemein bewundert und verehrt. Bald erlernte er auch die Kunst, die Waffen zu führen.