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Die Wahrheit · 1906-08-17 · Heft 32 (17.8.1906) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 32 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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akrchsil Üiebaftioit u. Sldilliliiiualioil: Wie». II/, Novaragasie 27. T^levhvn Nr. der Druckerei 15302. 3nl'i'Väti' 25 Hell, ver Noiivnrei»e-.'jel>e. SlboniieiiientSn. Jmeiliousbeträge sind in Wien znblbar und klagbar. Unabhängige Aeitschrift für Mische Jntere^en. Erscheint jeden Areitng. » Motto : „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“! iiZerngspirei»:; '»aiizjälirig ... St i*.—!| Halbjährig . st. tili Für Cultusbeainti:: jj jährig . . . St. 10 - Für Anslnild: jj l^anziährig . . . s M»> k I 6 Nudel aber lr> s^cs. Ar. 32. Wien, 17. August 1906. Inhalt: Der jüdische Religionsunterricht. — Karlsbader Brief. — Zur Präsidentenwahl in der Budapester Gemeinde. Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton: Excelsior. Wer ist internst onal? — Der jüdische Religionsunterricht. Zu dieser in den letzten Nummern unseres Blattes eingehend diskutierten Frage erhalten wir noch folgende Zuschriften: Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie zu dem unter der Ueberschrift „Der israelitische Religionsunterricht", am 20. Juli in der „Neuen Freien Presse" erschienenen Eingesendet; eine sachgemäße Erwiderung in den Spalten Ihres sehr gej schätzten Blattes. Jedoch erlaube ich mir, bei meinen Aussühj rungen das Diskussionsgebiet dahin einznengen, daß ich nur ' den Religionsunterricht an Volksschulen ins Auge fasse. Möge; ein hiezu Berufener den Gegenstand weiterspinnen. Und nun zur Sache. Zunächst bin ich genötigt, gegen den vom Herrn Einsender gebrauchten Ausdruck „tote Sprache", den er mit Bezug! auf das Hebräische anzuwenden beliebt, Einwendung zu erheben, j Wohl ist das Hebräische keine derzeit im täglichen Verkehr zur | praktischen Anwendung gelangende Sprache; doch ist sie uns j Israeliten auf dem gesamten Erdenrund als heilige, gotlesdieusti liche Sprache jetzt und immerdar unentbehrlich. Sind doch nur! in dieser Sprache unsere heiligsten Traditionen echt und unver-! fälscht niedergelegt. Daß bei einem Höchstausmaße von zwei wöchentlichen Stunden etwaige aus das Hebräische bezugnehmende grammatikalische Bemerkungen sich auf das Aeußerste und Notwendigste zu beschränken haben und stets die ethische Seite des Gegenstandes in den Vordergrund gerückt werden | muß, ist so selbstredend, daß hierüber kein überflüssiges Wort! verloren werden soll. j „Israelitisches Volk, wahre deine heiligsten Güter!" j möchte ich in Anlehnung und Abänderung eines oft zitierten i Kaiserwortes ausrusen, und dazu gehört auch eine möglichst! liebevolle Pflege des Hebräischen in der Schule, im Hause und | in der Synagoge. Die Ausschaltung des Religionsunterrichtes aus dem Gej füge des Lehrplanes nach Erreichung einer gewissen Altersgrenze * (vollendetes 14. Lebensjahr) wird hoffentlich auch weiterhin ein! frommer Wunsch des Herrn Einsenders bleiben. Die Aberkennung! des obligatorischen Charakters dieses für die israelitische Jugend! so unendlich wichtigen Unterrichtszweiges — und das wäre es, wenn die Religionsnote ohne Einfluß auf das Schulzeugnis (Schuluachricht) bliebe — würde für diesen Gegenstand geradezu eine Katastrophe bedeuten und die traurigsten Konsequenzen verursachen. Anläßlich derartiger, öffentlich ausgesprochener Wünsche und Bestrebungen muß ein sehr ernstes caveant als Warnungsruf erschallen. Am Schluffe seiner Ausführungen angelangt, kann der Unterzeichnete nur noch eine Frage nicht unterdrücken: Warum werden nicht bei Andersgläubigen so oft und so regelmäßig Vorwürfe gegen Qualität und Quantität des zu erteilenden Religionsunterrichtes erhoben? Warum spricht man nicht bei nichtjüdischen Kindern, bei denen im Falle schwacher Begabung allwöchentlich mehrere Stunden erforderlich sind, um beispielsweise das Pensum aus dem Katechismus ins Gedächtnis auszunehmen, von Ueberbürdung rc.? J. A. Betrachten wir einmal unsere Jugend in der Großstadt und welches Interesse sie dem Hebräischen entgegenbringt. Weiß der Lehrer seinen Schüler für unsere alte heilige Sprache zu begeistern, dann bringt der Zögling dem Erlernen desselben Lust und Liebe entgegen. Man muß nur den Anfänger betrachten, wie er die hebräischen Schristzeichen anstaunt, geschickt nachschreibt und sich dieselben einprägt. Und die ersten hebräischen Worte, wie fesseln sie das Kind! Kommt nun das „Schema“, ein Segensspruch rc. und die Erklärung, womöglich auch die gebräuchliche Melodie dazu, dann gibts kein größeres Gluck für ein solches Kind, es kann ja im Tempel zur Ehre Gottes dann mitsingen. Das Uebersetzen von größeren Gebets- und Pentateuchstücken machen dem normal beanlagten Schüler nicht die geringste Schwierigkeit. Kommen Privatschüler in Begleitung ihrer Angehörigen zur Religionsprüsung, dann sagen sie voller Begeisterung die hebräischen Gebete aus und ausnahmslos freuen sich die Eltern über die Fortschritte ihrer Kinder in der heiligen Sprache und Schrift. Der intelligente jüdische Student, heute auch die Studentin, lernen sehr leicht ihr hebräisches Pensum. Soll beim Jugendgottesdienst ein Schüler die Benediktionen bei der Thora oder das „Aschre“ vortragen, da gibts einen Eifer, den viele Eltern, die eine Ehre dareinsetzen, daß ihr Kind „aussage", noch unterstützen. Kommt in dem Vortrage ein hebräischer Satz, der im Gebetbuch gerade enthalten ist, vor, da wird derselbe gleich ausgesucht und den Eltern daheim mitgeteilt. An diesen liegt es, die Kinder für unser teures Besitztum, unsere heilige Schrift und deren Sprache zu begeistern, und einsichtsvolle Lehrer und Lehrerinnen unter uns werden nicht ermüden, nach wie vor unsere Jugend für unser kostbares Erbe zu begeistern und zu gewinnen. Moritz A n t s ch e r l. In der vorletzten Nummer der „Wahrheit" las ich zwei Artikel über den jüdischen Religionsunterricht, denen ich vollkommen beipflichten muß.

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