Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 31 (10.8.1906)
- Date
- 1906-08-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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i)h\ Bl. Seite 5. Die Wahrheit. des Bewußtseins fällt. Wohl ist im Wiener Lehrplan für die IV. Klasse rudimetttär eine „Zusammenfassung der Glaubens¬ und Pfltchtenlehre des Judentums' angegeben. Es bleibe aber lieber unerörtert, wie und in welchem Ausmaße dies gelehrt werden kann, da nicht einmal ein eins ch lügig es Lehrb u ch vorhanden ist. -.'Lein, gerade in unserer Zeit, in der so viel von freundlicher und noch mehr von feindlicher Seite über das Wesen des Judentums geschrieben wird, ist es notwendig, in genügendem Zeitausmaße, das ist ein volles Semester am Ende der Unter- und Obergruppe der Mittelschule und unbeengt von etwa gleichzeitig stattfindendem Geschichtsunterricht, eine systematische, von dogmatischer Tüftelei freie Darstellung der jüdischen Glaubenswahrheiten der Jugend zu bieten! Diese Unterrichtsstunde, frei vom Damoklesschwert der Geschichtszahl oder der hebräischen Vokabel. könnte das Herz der Jugend dem Lehrer näher bringen. In gemütlicher, mehr als je ungezwungener Stimmung würde der Lehrer die auftauchenden Zweifel der Jugend lösen und das Saatkorn des Glaubens in das empfängliche Herz derselben versenken. Wir sind zu Ende! Oekonomie ist das Schlagwort unserer praktischen Zeit! Sollten wir nicht in unserem Schulwesen ökonomisch Vorgehen? Wenn der Römer einst gesprochen: Divide et impera, so rufen wir jetzt, diesen Gedanken variierend, aus: Man v e rs u ch e Lehrstoff u n d Lehrzeit rationell z u verteilen, und der Religionsunterricht wird in seiner Dreiteilung: R e l i g i o n s l e h r e, Hebräisch, G -e schichte ü b e r a l l e A n f e ch l u n g e u hinweg Sieger s ei n -u n d bleibend herrschen! Heiliger Florian, schütz' nufere Hanfer und rnnd' die anderen an! Von Eduard E. Truka. (Schluß^. Der Minister des Aenßeren ist sowohl über diese Interpellation als auch über die vor einigen Wochen gehaltene Rede des Abgeordneten Dr. Straucher in der österreichischen Delegation betreffs der Grausamkeiten, die neuerlich nur in noch vertierterer Art in Rußland sich ereigneten, mit Stillschweigen hinweggegangen, aber der Berichterstatter Marquis Bacquehem kam auf die Ausführungen Strauchers mit folgenden Worten zurück: „Die Greuel, die in Bjelostok und in einigen andern Orlen Rußlands verübt wurden, müssen alle menschlichen Empfindungen schmerzlich berühren, und ich kann mich daher nur den Worten der Empörung anschließen, mit welcher mehrere Herren Delegierte diese jeder Zivilisation und Menschlichkeit hohnsprechenden Greueltaten verurteilt haben. Wenn aber der Herr Delegierte auf die Möglichkeit einer diplomatischen Intervention hingewiesen hat. so wird er seither bereits wohl in die Kenntnis der Antworten gelangt sein, welche einerseits der englische Unterstaatssekretär im englischen Parlament und andererseits der Präsident der Vereinigten Staaten gegenüber einer Abordnung gegeben haben: Der englische Staatssekretär hat auf in dieser Richtung, an ihn gestellte Frage mit einem einfachen Nein geantwortet, ohne auch nur eine Begründung anzuführen, und Präsident Roosevelt hat erklärt, daß eine Intervention nicht nur nicht das angestrebte Ziel erreichen, sondern nur großes Unheil herbeiführen würde." Also hört ihr es alle, ihr unschuldig um eures Glaubens willen Verfolgten, wenn sogenannte Ungläubige, wie z.B.Türken, Japaner, Chinesen rc., Missionäre, die übereifrig einen der ihren bekehren wollten, grausam töten würden, dann, ja, dann Bauer, das ist was anderes. Da gibt es. ein Recht der Einmischung zum Schutze der Verfolgten, aber wenn es sich um Juden, nur um Juden handelt, siehe die Jnterpellationsbeantwortung, da finden die hohen Herren keine Handhabe zur Schaffung von Schutzmaßregeln gegen bestialische Ausschreitungen der Russen, wo z. B. die Leiche eines Mannes gefunden wurde, es war die Leiche des Kalligraphielehrers Epstein, in dessen Augen Nägel eingefchlagen waren, neben ihm lagen ermordet die sieben Mitglieder feiner Familie, fein zehnjähriges Töchterchen mit abgehackten Füßen, so geschehen im Jahre desHeils 1906, nicht in der Türkei, nicht in Japan oder China, nicht von „Ungläubigen", nein, vonrechtglüubigen, strengorthodoxen Christen! Die Erkenntnis, daß kein Staat das humane Gefühl oder den Mut aufzubringen vermag, spontan Schutzmaßregeln für die unschuldig verfolgten Juden in Rußland auch nur in Vorschlag zu bringen, zeitigt die unabweisliche Notwendigkeit der Solidarität aller Gutgesinnten in dem Rufe nach Schutzmaßregeln für die völlig vogelfreien Juden Rußlands 1 II. T e i l. Entwurf eines erfolgreichen Refor in Vorschlages nach dem Muster und Expose des Ministers des Aenßeren. Grafen Goluchowski. 1. Da in letzterer Zeit die Furcht von dem planmäßig aufgehetzten Pöbel unter der jüdischen Bevölkerung Rußlands einen bedenklichen Charakter annimmt und dieZarenregierung trotz aller Bitten u n d V o r st e l l u n g e n z u e i n e r U m g e st a l t u n g ihres in jeder Hinsicht fehlerhaften und verderblichen Verwaltungs-Systemes nicht zu bewegen ist, kann sich die Regierung (O e st e r r e i ch - U n g a r n s) den e r n st e n Gefahren nicht mehr verschließen, die ein längeres Zu warten zur Folge haben würde, und entschließt sich, einer eingehenden Prüfung der immer verzweifelter lautenden Klagen näher zu treten, sowie die Sanierungsmaßregeln zu erwägen, die dem gegenüber zu ergreifen wären. 2. Es kann auch davon das s o n 1t p e i n l i ch st z u b eo b a ch t e n d e Prinzip der Nichteinmischung in die innerpolitischen Angelegenheiten eines fremden Staates desto weniger abhalten, als das in unserer nächsten Nähe lodernde Feuer unsere eigeneSicherheit in Mitleidenschaft zu ziehen droht und es doch niemandem zugemutet werden darf, mit verschränkten Armen der Entwicklung von Zuständen zuzusehen, die den eigenen Lebensnerv angreifen könnten. 3. Ganz in derselben Weise wird auch sicherlich das deutsche oder englische Kabinett die Lage beurteilen, und im Einverständnis mit uns den einzuschlagenden Weg anbahnen. 4. Zu allererst muß die Notwendigkeit, in der prinzipiellen Behandlung der vorliegenden Fragen einen modus procedendi zu wählen, befolgt werden, eventuell auch nur von zwei Mächten allein, die auf Gritnd eines von den Signatarmächten des Berliner Vertrages zu erwirkenden Mandates erfolgen kann. 5. Nach einvernehmlicher Feststellung dieser Modalität handelt es sich nunmehr darum, einen passenden Aktionsplan zu entwerfen und über jene Mittel schlüssig zu werden, die den Bedürfnissen der Lage entsprächen, ohne solchen Weiterungen Tür und Tor zu öffnen, welche tiefgehende, für den europäischen Frieden gefahrvolle Umwälzungen zur Folge haben könnten. Die Aufgabe ist keine leichte. Die Aktion darf sich nur innerhalb verhältnismäßig enger Grenzen bewegen und von dem Bestreben geleitet sein, eine Reihe von Maßregeln bei der russischen Regierung durchzusetzen, welche eine wirkliche Sanierting der trostlosen Zustände herbeiführen können und bei Aufstellung eines Sanierungsplanes nur solche Maßregeln in Aussicht zu nehmen, die geeignet wären, der jüdischen Bevölkerung ernste Garantien zu bieten für eine wirkliche und nachhaltige Besserung ihrer Lage, ohne jedoch die Autorität des Landesherrn zu schwächen und das Gefüge des Reiches zu zerstören. 6. Die beständigen Ausschreitungen gegen die Juden, welche, in Ehre und Leben, sowie in Hab und Gut stets bedroht, der Willkür gewissenloser Funktionäre ausgeliefert, sind Momente, die seit einer langen Reihe von Jahren zu immer lauteren Klagen Anlaß bieten und zuletzt eine Aufregung in der gesamten christlichen und jüdischen Bevölkerung hervorriefen. 7. Dem geflügelten Worte nämlich, daß Rußland sich nicht ändert, stelle man die These entgegen, daß Rußland sich