Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 31 (10.8.1906)
- Date
- 1906-08-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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akrtzsit ittrbaftiou ». Sldiniuislialioii: Wien. II/, Nvvaragasse 27. TclevVvn Ätr. der Druckerei 15302. Inserate 25 H--U. ver NoiivcirejNi--^eiie. AdoniiementSu. Jusertions» betreute sind in Wien zahlbar und klagbar. «abhängige Heitschrift für jüöische Erscheint jeden Areilng. Motto : „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" P “1 II Verugspirei»:!| il :i |j iNanzjätirig ft is - |j Haldjährig ft ~ jj ii Für CultuSbeamle:;| (!;j '^auziahria . . . ft. >» - l Für Aiislmid: Ganzjährig . . . s Mark 6 Rubel aber iü Acs. 31. Wie». 10. August 1906. Inhalt: „Feig und ehrlos"? — Heber die Stoffverteilung im Religionsunterricht an den Mittelschulen. — Heiliger Florian, schütz'unsere Häuser und zünd' die anderen an! — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton: Excelsior. — Allgemeiner Deutscher Kaiuorenverdand. Die geehrten Herren Abonnenten werden um freundliche Einsendung der restlichen Abonnementsbeträge ersucht. „Feig und ehrlos"? „Die Juden Oesterreichs müssen alles daran setzen, um Hilsners Unschuld zu beweisen und damit die Schmach der surchtbarsten Beschuldiguug von sich abzuwaschen. Wenn sie ihre Pflicht nicht erkennen und nicht tun, rechtsertigen sie die Antisemiten, die sie feig und ehrlos schimpfen." In wessen Brust hat dieser feurige Appell Max N o r d a u^s in der „Neuen Freien Presse" nicht den lebhaftesten Widerbatl erweckt? Seit das Buch Nußbaums die Rechtsverirrnng, deren Opfer H i l s n e r geworden, sonnenklar dargetegt hat, ja auch schon oft vorher, ist der Ruf nach einer Revision des Prozesses Hilsner ertönt, und der Reichsratsabgeordnete Doktor Strauch er hat die Unterstützung von Parlamentsmitgliedern zu einer Interpellation gefunden, welche den Justizminister Dr. Klein auffordert, hierin durch Auftrag an den Generalprokurator die Initiative zu ergreifen. Nun, Herr Doktor Klein ist ein sehr moderner Mann und hat schon in zahlreichen Fällen seine vorurteillosen Auffassungen bekundet. Allein im Falle Hilsner scheint er unter einem Banne zu stehen, welcher ihn abhält, das erlösende Wort zu sprechen. Ja noch mehr! Während die Regierung sich beeilt, jede Anfrage über eine Soldatenmißhandlung rc. „prompt" zu erledigen, was wir ihr nur zum Lobe anrechnen, kann es der Herr Justizminister über sein Gewissen bringen und mit seiner Pflicht für vereinbar halten, die wohlmotivierte Anfrage über den Fall Hilsner monatelang einfach ohne jede Erwiderung zu lasten! Zweierlei ist möglich. Entweder der Justizminister hat infolge der gewichtigen Stimmen, welche das himmelschreiende, gegen Hilsner begangene Unrecht darlegten, der Generalprokuratnr den Auftrag erteilt, den Prozeß zu studieren und die nach der Sach- und Rechtslage geeigneten Anträge zu stellen, und er wartet nunmehr das Resultat dieser begreiflicherweise längere Zeit in Anspruch nehmenden Prüfung ab. Welchen Grund hat er dann aber, diese Vorerledigung den Interpellanten nicht öffentlich bekanntzugeben und der sehnsüchtig der Entscheidung entgegenharrenden jüdischen Bevölkerung Oesterreichs, ja der ganzen Welt, zu beweisen, daß das Recht nicht bloß in Frankreich, sondern auch in Oesterreich seine Stätte findet? Oder der Justizminister hat es unterlassen, diesen Auftrag zu erteilen, dann soll und muß er auch den Mut besitzen, die; Gründe dieser Unterlassung der Oeffentlichkeit bekanntzugeben : uud der Kritik der berufenen Kreise zu unterwerfen. Aber ein! durch Monate andauerndes peinliches Stillschweigen ziemt nicht? dem Manne, welcher die Gerechtigkeitspflege Oesterreichs in neue | Bahnen zu lenken unternommen hat. : Noch werden einige Wochen vergehen, bis der Reichsrat wieder zusammen tritt. Dann aber, erwarten wir. werde der i Justizminister seine Pflicht erfüllen und die Interpellation bei antworten. Wir erwarten ferner, daß, wenn dies nicht geschieht,! der tüchtige Dr. S r r a u ch e r und seine Kollegen, welche sich > durch Mitfertigung der Interpellation zu seiner Auffassung bekannt! haben, die rechten Worte finden werden, um den Minister an! seine Schuldigkeit zu mahnen. Dann wird es sich aber auch zeigen i müssen, ob die österreichischen Juden „feig und ehrlos" sind, oder; ob sie .. alles daran setzen, die Schmach der furchtbarsten Beschul- ' digung von sich abzuwaschen". r. Weber die Stoffverteilung im Religionsunterricht an de« Mittelschulen. | Von Rabbiner Dr. M. Rosenmaun.! Und das Wort unseres Gottes bestehet! ewiglich. Jesaias XL. > Hebräisch n n d israelitischer Religions- I unterricht vom Uranfang an bestimmt, einander zu unter- | stützen, zu fördern und zu ergänzen, wie Form und Inhalt, wie Ausdruck und Gedanke, scheinen in der Neuzeit in Widerspruch, ja in unduldsame Gegnerschaft zu einander geraten zu sein. Noch vor ungefähr zwanzig Jahren hatte der offizielle Religionsunterricht an den Schulen des Hebräischen entbehrt; I letzteres wurde rücksichtslos über Bord geworfen und die Bibel | im Urtext durch einen wässerigen Katechismus ersetzt. Und in j unserer Gegenwart wird das mittlerweile wiederum eingeführte | Hebräisch geradezu als der Todfeind eines modernen Religionsi Unterrichtes verschrien, als derjenige Lehrgegenstand, der statt | Liebe und Treue, nur Mißmut und Haß im Herzen der Schul- | jugend und deren Eltern auslöst, und st a t t die Anhänglichkeit an den Glauben zu fördern, durch seine horrenden Ansprüche nur den Abfall zeitigt. Was mag die Ursache dieser Disharmonie zweier Faktoren fein, die Jahrtausende hindurch gleichsam als Zwillingsgeschwister friedlich zusammen gingen? Was bewirkte, daß die Klagen gegen das Hebräische selbst in solchen Kreisen laut werden, denen Wohlwollen, zumindest aber Objektivität gegen das Juden-