Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 28 (20.7.1906)
- Date
- 1906-07-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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-...--.Vv.-?&^<K'-j’~'- ■ ■'■■ n Leite 8. Die Wahrheit Sir. 28. Vorstand Wilhelm Deutsch nebst einem großen Teile jder Bürgerschaft teilnahm, bildete den fröhlichen Abschluß dieser erhebeudeu Feier.' Beuthen, O.-S. Der Vorsitzende der hiesigen Gemeinde, Herr Gerichtsrat L ö v y, ist im Kurorte Cudowa gestorben. Berlin. Die indische Gemeinde in Berlin hat einen Skizzenbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Krankenhauses ausgeschrieben. Die Preise betragen 6000, 4000 und 2000 Mark. Außerdem können Entwürfe zum Preise von je 1000 Mark angekauft werden. Die Entwürfe sind bis zum 1. Oktober 1906, nachmittags 6 Uhr, beim Vorstande der jüdischen Gemeinde in Berlin, Oranienburgerstraße 29, einzuliefern, von dem auch die Unterlagen und Bedingungen für den Wettbewerb gegen Erlegung von 3 Mark bezogen werden können. Dieser Betrag wird dem Eiulieferer eines Entwurfes nach der Preisverteilung zurückgezahlt. Berlin. Der Appell der Presse an die Behörden, dem Unfug zu steuern, den Graf Pückler trotz der an ihm zu vollstrcckenden Freiheitsstrafe fortgesetzt anrichtet, scheint endlich Erfolg gehabt zu haben. Kurz vor seinem Auftreten in einer auf Montag abend in Berlin angesetzten Versammlung wurde der Graf auf Veranlasiung der Staatsanwaltschaft aus seinem Hotel abgeholt und nach Weichselmünde in seine Festungshaft zurückgebracht. Mainz. Im Prozesie des badischen Oberrates der Israeliten gegen den Redakteur des „Israelit" lautete das Urteil auf 250 Mark Geldstrafe. Der Gerichtshof hat dem Angeklagten gemäß dem Anträge des Verteidigers den Schutz des ß 193 zugebilligt, also anerkannt, daß er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe. Die vorhandenen formalen Beleidigungen erheischten dessenungeachtet die erkannte Sühne, zumal der Oberrat nach Ansicht des Gerichtes in allen den Gegenstand der Anklage bildenden Fällen legal gehandelt und sich bemüht habe, den beiden Richtungen gerecht zu werden. Darmstadt. Den hessischen Landständen ist ein Gesetzentwurf über die Verfassung und Verwaltung der israelitischen Religionsgemeinschaften zugegangen, der zunächst in Abänderung der Verordnung vom 2. November 1841 darin eine Neuerung enthält, daß künftig an einem und demselben Orte mehrere israelitische Religionsgemeinden nebeneinander zugelaffen werden können. Für die Bildung des Vorstandes wird vorbehaltlich statutarischer Ordnungen die direkte Wahl eingeführt, wie sie in den Landgemeinden für die Wahl der Ortsvorstände besteht Bezüglich der Vermögensverwaltung und des Rechnungswesens der israelitischen Religionsgemeinden werden die Vorschriften der neueren Berwaltnngsgesetze zu Grunde gelegt. Den Gemeinden steht hiernach Selbstverwaltung unter Staatsaufsicht zu. Was die Umlagen der israelitischen Religionsgemeinden anlangt, so sollen bereits bestehende besondere Arten der Steuerveranlagung beibehalten werden oder ortsstatutarische Regelungen stattfinden können. Andernfalls ist die Umlage der einzelnen Gemeinden nach dem Maßstabe der staatlichen Einkommen- und Vermögenssteuer (nicht mehr nach dem Maßstabe der Kommunalsteuern) vorgesehen. Ueber die Bildung der Rabbinatsbezirke und die Unstellung sowie Amtsverhältnisie der Rabbiner sind nähere Bestimmungen gegeben. Den Gemeinden soll das Recht zustehen, sich einen Rabbiner ihrer Glaubensrichtung zu wählen, welcher nur der Bestätigung des Oberrates, der neuen oberen israelitischen Verwaltungsbehörde, bedarf. Bei dessen Weigerung, die Bestätigung zu erteilen, soll das Ministerium des Innern entscheiden. Eine besondere Aufmerksamkeit erfährt zur Verbreitung religiös - sittlicher Bildung der Religionsunterricht der israelitischen Kinder und die Anstellung von Religionslehrern. Kleinere Gemeinden sollen zu Schulverbänden vereinigt und armen Gemeinden Zuschüße zu den Schulkosten aus einer zu bildenden Zentralkaffe der israelitischen Gesamtheit der Israeliten des Laustes gewährt werden, hierzu, sowie zur Verwaltung ihrer gemeinsamen Angelegenheiten soll der bereits erwähnte israelitische Oberrat berufen sein. Er kann durch den Hinzutritt gewählter, erstmalig vom Ministerium des Innern zu ernennender Abgeordneter, sowie von Rabbinern erweitert werden. Die Ernennung der letzteren erfolgt durch das Ministerium des Innern, vorbehaltlich besonderer Regelung dieses Gegenstandes durch Statut. Dieser erweiterten Versammlung liegt insbesondere die Aufstellung des Voranschlages über die Bedürfnisse der Gesamtheit der Israeliten ob. Sie soll vorbehaltlich der Genehmigung des Ministeriums des Innern das Recht zur Erhebung einer allgemeinen Steuer von allen Israeliten des Landes haben. Für die Verwaltung der Geldmittel der Gesamtheit wird die Bildung einer Zentralkaffe vorgesehen. Zum Schluffe handelt der Gesetzentwurf von der Staatsaufsicht und den außer Kraft tretenden, sowie zu ändernden Gesetzen. San Francisco. Der Philanthrop Raphael Weil, ein vielfacher Millionär in San Francisco, hat beschlossen, 5000 verheiratete arme Frauen, die durch die jüngste Erdbebenkatastrophe alles verloren haben, neu mit allem zur Bekleidung und Hauseinrichtung Erforderlichen auszustatten. Der Weschvmmed. Bon Martha Wolfeusteiu in Cleveland. Uebersetzt von Doktor Wolfen st ein - Znaim. (Fortsetzung.) Eines Tages las man in einer Zeitung, die Holzmann von Wien brachte, daß der ausgezeichnete Kenner des Griechischen versprochen hatte, am nächsten Estherfasttage mit seinem Freunde, dem Grafen Reichenberg, auf Schloß Meseritz zu kontmen. In der Gasse herrschte hierüber eine große Aufregung. | „So ist er dennoch zurückgekommen! Um seine Größe zu j zeigen! Um uns zu verspotten mit seinem Reichtum! Der verfluchte Abtrünnige!" So wurde im Volke gesprochen. Und Peretz kam. Die Juden lauschten eifrigst ans jeden über ihn verbreiteten Klatsch; doch alle§ was sie hörten war, daß alle seine Taschentücher mit Blut befleckt waren und daß er bei Nacht Pillen einnehme, um seinen Husten zu stillen. ..Dies ist ein Brustleiden/' sagten die Juden; „Gottes Gericht bricht über ihn herein." Eines Morgens kamen die Kinder der Gaß eiligst mit dem Geschrei, daß der Graf mit seinen Gästen auf ihrem Wege durch die Stadt zur Jagd geritten ist. Die fröhliche Kavalkade, an deren Spitze Dr. Neuer, kam im Galopp auf die Straße herab. „Sieht ihn, den Elenden?" flüsterten die Judenweiber, indem sie auf ihn mit den Fingern miesen, dem der Zusammenhang mit seiner Sippe aus dem Gedächtnisse verschwunden war; hingegen wurde er angestaunt wegen seiner beharrlichen Anhänglichkeit an dem gottlosen Unglauben. In der Tat war ein vornehmer aussehender Mann in der ..Gaß" nicht gesehen worden. Sein Haar war grau, sein Gesicht glatt rasiert, von Kummer und Sorge durchfurcht; dennoch saß er fest, eine männliche Gestalt von vollendeter Eleganz und Anmut, ritt er auf einem milchweißen Rosse und seine weiten schwarzen Augen schauten mit der größten Gleichgiltigkeit umher. . „Er ist nicht gerade verlegen," schrie das Volk voll Wut, als die Reiter in einer Staubwolke verschwanden. Das große Pessachfest war gekommen. Sowie in der Stadt zeigte sich dessen bestimmender, offenkundiger Einfluß auch in dem Schlosse Maritz. Professor Neuer schritt, das Herz beengt von Erinnerungen, fröstelnd über einen langen, dunklen Korridor, als plötzlich die laute Stimme der jungen Gräfin Gisela sein Ohr traf. „Das Judenmädel," schrie sie wütend, „läßt mir sagen, daß.sie mit Rücksicht auf einen ihrer heidnischen Feiertage, mir den Anzug nicht Herrichten kann. Dies ist zum Teufelholen. Sie ist die einzige Damenschneiderin in der Stadt." „Wir müssen die aufrichtig Büßende in einem anderen Bußgewande bewundern," entgegnete scherzend ihr Gattei „Sie wissen," fuhr die Gräfin trotzend fort, „daß ich das Gelübde gemacht habe, nur schwarze oder graue Fastenkleider zu tragen. Es ist mein langes Oberkleid von schwarzem Herzogstoff — nur ein schmaler Rips — eine Arbeit von wenigen Stunden. Dieses undankbare Geschöpf! Ich habe ihr eine Unzahl Arbeiten gegeben, und jetzt, für Nichts und wieder Nichts. O, sie sind alle gleich diese Juden! Ich verstehe nicht Papas unsinnige Vorliebe für diesen Juden — diesen Doktor Neuer. Seine Größe regt mich auf — Größe? Es ist nur jüdische Unverschämtheit!" „Ich dachte, daß das Tauswasser diesen Makel seit zwanzig Jahren abgewaschen hat," warf der junge Graf lächelnd ein. „Unsinn! Als ob das Taufwasser ihn abwaschen könnte. Nein. Ein Jude ist ein Jude und bleibt ein Jude. Das liegt im Blute — in Judas Blute." Ein bitteres Lächeln umspielte Dr. Neuers Lippen, als er heranschritt, während die Stimmen hinter den dichten Portieren erstarb en. Aber in der „Gaß" saßen die ans Judas Stamme herzerfreut an der schneeweißen Sedertafel, um mit Lobpreisungen Gottes und Festgesängen die Befreiung der Kinder Israels auK der egpptischen Knechtschaft zu feiern. (Schluß folgt.) Das besfe Getränk u.Nahrungsmiltel für fiebernd e Kra n ke m.; C e re s-Ap|e Isaf f jr Ae r. Nä hrm i ff e live rke^jC E R ES" A ussig*