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Die Wahrheit · 1906-07-20 · Heft 28 (20.7.1906) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 28 (20.7.1906)
Date
1906-07-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28. Die Wahrheit Seite 7. Landwirtschaft lebende Juden) haben wir Saatgut, Rindvieh, Ackerbaugeräte gewährt und ihnen sachverständige Lehrer gesandt, kurz alle Mittel dargeboten, um die völlig unzureichenden \ Ländereien zu verbessern, welche sie mit Erlaubnis der Regierung besitzen dürfen. Für die übrige arme jüdische Bevölkerung haben wir in 26 Städten Darlehens-Sparbanken geschaffen, oder weiter entwickelt, welche den Kleinhändlern, Arbeitern und Kleinsabrikanten große Dienste leisten. Auch in Galizien besitzen wir eine Ackerbauschule sür Knaben derjenigen Unterrichtsanstalten, die aus einer besonderen Stiftung des Barons Hirsch unterhalten und von einem Komitee, üas sein Hauptquartier in Wien hat, geleitet werden. Schließlich hat unsere Gesellschaft große Unterstützungen gewährt zu der in Rumänien erfolgten Gründung zweier technischer Schulen mit 243 Schülern und zur Unterhaltung von 17 Elementarschulen für Knaben, 12 für Mädchen und von 6 gemischten Schulen, die zusammen 7434 Schüler und Schülerinnen umfassen. Wir geben ihnen den Elementarunterricht, der ihnen ihrer Religion halber in den öffentlichen Schulen versagt wird. Wir haben uns seit dem Jahre 1900 auch an dem Werke der Auswanderung rumänischer Juden nach Amerika beteiligt. Ich muß ferner erwähnen, was wir zu Ende des vorigen Jahres und in diesem Jahre sür jüdische Opfer der Pogrome getan haben, die in anderen Gegenden eineZufluchtsuchten. Bei diesem Werke arbeiten wir mit den Juden aller Länder und mit allen mildtätigen Gesellschaften zusammen und widmen unsere Kräfte Der Aufgabe, die Leiden dieser Unglücklichen zu lindern. Der Jahresbericht wird Sie über die andern Ziele unserer Tätigkeit unterrichten. Um gesetzmäßig Vorgehen zu können, hat sich uns eine Erweiterung der Statuten als nötig erwiesen, denn der Bereich derselben ist zn eng geworden, da sie in einer Zeit verfaßt wurden, wo die Ausdehnung, welche unsere Gesellschaft genommen hat, nicht vorhergesehen werden konnte. Wir wandten uns daher an die englische Regierung und erzielten einen Parlaments-Beschluß, durch den unsere Befugnisse erweitert worden sind. Ich habe Ihnen diese kurze Schilderung unserer Tätigkeit vorgetragen, um Ihnen die Bedeutung der Institution zu zeigen, welche Baron Hirsch erdacht, welch er in's Werk gesetzt und zu deren Fortführung er uns mit den erforderlichen Mitteln ausgestattet hat. Ich möchte schließlich unsere Dankbarkeit den Glaubensgenossen, Gesellschaften und Mitarbeitern jeder Art zum Ausdruck 'bringen, die unsere Bemühungen unterstützen. Die Direktoren und Beamten aller Stufen, die Direktoren in den fremden Ländern, die landwirtschaftlichen Sachverständigen und Verwaltungs- Beamten, sie alle arbeiten mit einem Grade der Betriebsamkeit und des Eifers, welcher zeigt, daß sie sich der Bedeutung ihrer Aufgabe bewußt sind. Ich kann ihnen keine höhere Gerechtigkeit widerfahren lassen, als indem ich von ihnen sage, daß sie in edler Weise an einem großen Werke ihren Anteil nehmen, das zum .Heile Israels unternommen wurde (Lebhafter Beifall). Die auf Grund Art. 25 der Statuten turnusmäßig ausscheidenden Verwaltungsrat-Mitglieder Herren Narcisse Leven und Salomon R e i n a ch, Vertreter der Alliance israelite, Leonard L. Cohen und H. G. L o u s a d a (Vertreter der Anglo Jewish Association), P. (Srrera (für die Gemeinde Brüssel) und Charles L. Hallgarten (sür die Gemeinde Frankfurt a. M.) wurden auf Antrag des Vicepräsidenten, General-Konsuls Ph i l i p P s o n, für eine fünfjährige Periode wiedergewählt. Prof. Errera empfiehlt, die jüdischen Auswanderer, welche ihre Heimat verlassen und überseeische Länder aufsuchen, darauf aufmerksam zu machen, daß Handwerker und Arbeiter, wie überhaupt alle diejenigen, die von ihrer Hände Arbeit leben wollen, sich nach Argentinien wenden können, daß dieses Land sie freundlich aufnimmt, daß sie dort Arbeit finden und ihr Brod anständig verdienen können. Nachdem sodann Herr Lousada unter dem lebhaften Beifall aller Anwesenden dem Danke an den Präsidenten für die unermüdliche Hingebung, .mit welcher er ebenso taktvoll, wie einsichtig die Arbeiten des Verwaltungsrates leitet, Ausdruck gegeben, wurde die Versammlung geschlossen. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Spenden zugunsten der Opfer der Exzesse in Bj el o sto k.) Der „Israelitischen Allianz zn Wien" sind weiters zngekommen: Wien: Mehrere Beamte des „W i e u e r Bankvereines" X 85, Bernhard Siebenschein K 10, Josef Herz X 10, Felix Goldstein K 4; Zsigmund Bälä, zsy - Budapest X 10, X. X.-Mähr. Ostrau X 10, E. von K. durch E. L.-Prag K 10, Dr. Schubert & Berger-Prag X 12. Sigmund Haber-Strusow X 5, Salomon R o k e a ch - Strusow X 5, Mosko F i n z i - Tropvau X 6. hiezu die bereits ausgewiesenen X 2481.80, zusammen bis 18. Juli K 2646.80. — Weitere Spenden werden erbeten und dankend bestätigt im Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien", I., Weihburggasse 10, zwischen 9—1 Uhr, oder mittels Postsparkassakonto Nr. 8152. Wien. Auf Veranlassung des inuerösterreichischen Distrikrskomitees fand Donnerstag, den 12. d. M., im Tempel in der Seitenstettengasse, anläßlich des Todestages Theodor H e r z l s eine Trauerfeier statt, an welcher die Vertretungen des Landes- und Distriktskomitees, sowie zahlreicher zionistischer und anderer Korporationen teiluahmen. Den kantoralen Teil der überaus würdigen und erhebenden Feier versah Oberkantor Singer, die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. M. G r u n w a l d. Korneuburg. Der Anfang der diesjährigen Religionsprüfung für Korneuburg und Umgebung war in Lang-Enzersdorf, einem von Wienern stark besuchten und freundlichen Sommeraufenthaltsort, wo in der Volksschule der hiesige seit 23 Jahren tätige Religionslehrer Herr S. Zelinka einmal wöchentlich den Unterricht an die dort wohnhaften israel. Kinder erteilt. Bei dieser Prüfung war Herr Bezirksrabbiner Dr. Rose n mann aus Floridsdorf zum Festmahle anwesend. Derselbe wurde vom Direktor der Schule, vom Ortsschulrat sowie den zahlreich erschienenen Güsten feierlich empfangen. Die Prüfung selbst verlief sehr gut und erntete der tüchtige Lehrer wohlverdientes Lob und Anerkennung für sein mühevolles Streben, da die Schulkinder alle an sie gerichteten Fragen prompt beantworteten. Auch hier in Korneuburg, wo ebenfalls Dr. Rosenmann die Prüfung der Volks-, Bürger- und Gyinnasialschüler vornahm, war der Erfolg derselbe, und auch hier gab der Herr Bezirksrabbiner in einer schönen Ansprache seiner Zufriedenheit Ausdruck. Besonderer Dank gebührt aber auch diesem ehrwürdigen Seelsorger, der sich sehr viel Mühe gibt, um den Unterricht seines großen Sprengels zu fördern. Als tüchtiger Fachmann bekannt, widmet er anregend und fürsorglich dem Religionsunterricht seine besondere Aufmerksamkeit. Karlsbad. Eine widerliche Szene spielte sich kürzlich beim Eingang in den Kaiser Franz Joseph-Park, vis-ä-vis dem Horel Trautwein, ab. Ein armer Jude hatte in der höflichsten Weise den hier sattsam bekannten Omnibuskondukteur G. F. um eine Auskunft gebeten und war auf seine Frage mit der Antwort „frecher tamischer Jud" traktiert worden. Dies hatte einen vorbeigehenden Herrn in große Aufregung verletzt, und in feinem gerechten Zorn hatte er den F. zur Rede gestellt, wurde aber ebenfalls mit Unhöflichkeiten überschüttet, so daß es zu einer „Szene" kam. Der Herr, der sich der Sache annahm und sich ungewöhnlich aufregte, ist zufälligerweise der Rabbiner einer großen reichsdeutschen Gemeinde, aus dessen Amtskreisen wir viele Hundert unserer besten israelitischen Badegäste erhalten. Jedenfalls sind solche Vorkommnisse in einem Weltkurorte höchst j bedauerlich, bilden aber doch nur seltene Ausnahmen und werden von j dem weitaus größten Teile der Bevölkernng als Auswüchse der Unbildung I verworfen. Ung.-Brod. In unserer altehrwürdigen Gemeinde verschied der jüdische Talmudgelehrte Reb Perez Klein im Alter von 94 Jahren. Sein Leichenbegängnis wurde mit den ihm gebührenden Ehren begangen. Herr Rabbiner Dr. Jung hatte eine überaus schwere Aufgabe, zumal der Verblichene iu seiner Bescheidenheit sich jeden Nachruf schriftlich verbeten, sich selbst die Grabschrift geschrieben hatte, ans welcher bloß sein Name und der seiner verstorbenen Eltern zu stehen habe, und daß er einer! der jüngsten Schüler des Chacham S o f e r in Preßburg sei. Herr Rabbiner Dr. Jung erwirkte, daß die Hinterbliebenen, sein Schwiegersohn, Herr Adolf Hahn aus Ung.-Ostra, Bruder des Regierungsrates Ritter von Hahn, und die Verwandten eine Perez Klein-Stiftung gründen werden, deren Zinsen am Sterbetage an den besten Schüler der hiesigen Volksschule zu verteilen sind, welcher im Hebräischen den besten Fortgang aufweist, mit Ausnahme der Kinder des jeweiligen Rabbiners. Schaffa. Am 1. Juli fand die feierliche Installation des zum Nachfolger des verstorbenen Rabbiners Herrn Dr. Adolf Diamant gewählten Rabbiners Herrn Dr. Max H u ß aus Wlen statt. Zn dessen Empfange hatten sich am Bahnhofe in Hötzelsdorf der Direktor der Sparkasse, Herr A. Scheuer, sowie der Vertreter des Kultusvorstandes, Herr Dr. S. Max, eingefunden. Frl. Sidonie Deutsch in Hötzelsdorf überreichte als sinnigen Gruß dem Herrn Rabbiner einen Blnmenstrauß, worauf die Fahrt nach Schaffa in festlich geschmücktem Wagen angetreten wurde. Daselbst gestaltete sich der Empfang zu einer imposanten Kundgebung aller Kreise der Bevölkerung. Vor dem Gemeindehause richtete Herr Bürgermeister Much herzliche Worte des Willkommens im Namen sämtlicher Korporationen an Herrn Rabbiner Dr. H u ß, worauf die Schuljugend unter der Leitung des Herrn Oberlehrers T a u s s i g mit einem von demselben verfaßten Festgedichte ihren künftigen Seelsorger herzlich begrüßte, i Beim Tempeleingange erwarteten die Ortsältesten Herr G u t t m a n n und Herr Spitzer mit Thorarollen den Herrn Rabbiner. Nach Absingung eines feierlichen Chorals unter Leitung des Herrn Kantors L ö w i hielt Herr Dr. H u ß eine schöne Antrittspredigt, in welcher er das Programm seiner künftigen Tätigkeit entwickelte, sowie seiner bedeutenden Vorgänger pietätvoll gedachte, welche an dieser heiligen Stätte das Gottes- ' wort verkündeten. Ein gemeinsames Festdiner, an welchem Herr Kultus-

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