Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1906-07-06 · Heft 26 (6.7.1906) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 26 (6.7.1906)
Date
1906-07-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063316-3063342--04335-3071167
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

0 entity mentions (1 not found in this text)

Seite 7. Nr. 26 Die Wahrheit Selbstbekenntnis von Leibniz. seinem großen Modell, vorliegt, aber jedes System entlehnt seine Bausteine ans vorangegangenen Weltbildern. Wie derselbe Maler mit wenigen Grundfarben Wunder von Schattierungen hervorzaubert, weil er das Geheimnis der Farbenmischung besitzt — man denke an Lionardo -- so hatte Eduard v. .Öartmaim (Spinoza?) das große Geheimnis der richtigen Gedankenmischung entdeckt. Seine Weltanschauung ruft nicht deu Eindruck von Flicklappen aus der Toga Schopenhauers und Hegels (Brunos und Cartesins'?), sondern den eines einheitlichen Gewebes mit prächtigem Farbenmuster hervor." Es gibt eine ausgleichende Gerechtigkeit; sie bleibt selten aus, wenn sie auch ein wenig verspätet nachhinkt. Diese Vergeltung hört sich wie ein boshafter Witz an, doch wie gesagt verspätet, wie ein Treppenwitz: Professor Psteiderer, der langjährige Freund Hartmanns, weiß Hartmann mit keinem Besseren zu vergleichen, als mit dem „Juden" Spinoza. Er sagte in seiner — Grabrede: Hartmann war voller Religion und voll heiligen Geistes, wie Spinoza. Man wird es uns hoffentlich erlassen, nun unsererseits eine Würdigung des Hartmannschen Lebenswerkes folgen zu lassen. Nach dem Gesagten ist dies nicht nötig; ein absprechendes Urteil würde man zweifellos für befangen halten und als parteilich gefärbt bezeichnen. Auch ist die Sache nicht so einfach, wie man sie sich vorstellt. Die Anzahl der Schriften Hartmanns erreicht, so unglaublich dies erscheinen mag, die Zahl 1000 und eine wird nach seinem Tode erscheinen, also tausendundeine. Wer denkt da nicht an die Märchen von tausendundeine Nacht? Und welch überraschende Beziehung läßt sich zwischen beiden entdecken, die vielleicht mehr als ein Wortspiel ist: Die tausendundein Märchen geben sich schlicht als solche, trotzdem erkennt Gelber, der bekannte Shakespeareforscher, einen tiefsinnigen philosophischen Zusammenhang darin; die tausendundein Werke Hartmanns schreiten in spanisch-steifer Grandezza als wissenschaftliche Produkte einher, und wie viele mögen sich als Begriffsmärchen und mit der Zeit vergehende hohle Abstraktionen entpuppen! Im Grunde — und dies wollen wir zum Schlüsse ausdrücklich und als Mildernngsgrund hervorheben — war Hartmann kein solcher Exaltado, wie man nach dem Gesagten glauben könnte. Wie er die Juden korporativ und en masse wert erachtete, in seinen, oder den Pferch der christlichen Religion ausgenommen zu werden, so öffnete er auch einzelnen Personen sein gastliches Haus, wie dies Stein in seinem von uns vielzitierten Artikel dankbar berichtet. Sein Dank hat sich deutlich in diesen Artikel hinüberverpflanzt. Auch dem Onkel des Schreibers dieser Zeilen taten sich die gastlichen Pforten seiner Villa auf und auch dieser, Moriz Venetianer, schrieb ein großes Werk zur Verteidigung der Philosophie des Unbewußten. Zur Entschuldigung Venetianers sei bemerkt, daß er damals 24 Jahre zählte und Hartmann noch keine „Judenfreundschaft" an den Tag gelegt hatte._S. Yineta. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Spenden zugunsten der Opfer der Exzesse in B j e l o st o k.) Der „Israelitischen Allianz zu Wien" sind ferner zugegangen: Wien: Adolf und Max I e l l i n e k X 200, Sig. Popper X 200, Domänenrat N a b l X 100, Dr. Alfred Berger X 100, Fischel Landau X 60, Emma Dub X 50, Rektor Prof. Dc. A. Schwarz X 50, Bernhard Seiler K 50, & 9t X 40, Ph. Deutsch Söhne X 25, Dr. Hugo K ö r t n i g X 20, X. I. Z. X 20, Jacques Brauer X 10, Katharina Seiler X 10, Moriz W a i z n e r & Sohn X 10, Th. Deutsch X 6, N. N. X 6, Jakod Schwarz X 5, F. A. X 3, F. Ern st X 3, Mendel K o h n X 1.50; Leopold Bergers Nachf. - Beneschau X 20, I. B. - Bilowitz X 10, Anonym-Böhm. Leipa X 6, A. F.-Franzensbad X 10, I. Mandler- Kaltenleutgeben X 6, Alois D u b-Prag X 2, Julius B e e r-Warnsdorf X 10, Viktor Mandel-Zara X 10. Hiezu die bereits ausgewiesenen X 927, zusammen bis 3. Juli X 1970.50. — Weitere Spenden werden erbeten und dankend bestätigt im Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien", Wien, I., Weihburggasse 10, zwischen 9 und 1 Uhr, oder per Postsparkaffakonto 8152. Wien. Der in den weitesten Kreisen bekannte und beliebte Restaurateur, Herr Marcus Gut h, ist Samstag, den 30. Juni, in Teplitz- Schönau, wo er sich nach Absolvierung einer Karlsbader Kur zum Besuche Heiner Tochter befand, nach zweitägiger Krankheit gestorben. Der Verblichene, ein überaus tüchtiger und strebsamer Geschäftsmann, der sei» Etablissement von kleinen Anfängen an aus die jetzt anerkannte Höhe brachte, war auch ein guter Jude und ein warmsühlender Mensch, der Armen und Notleidenden gerne hilfbereit zur Seite stand. Die Leiche wurde nach Wien überführt und fand hier Dienstag, den 3. d. M., 3 Uhr nachmittags, das Leichenbegängnis unter überaus zahlreicher Beteiligung statt. Rabbiner Dr. Schmiedl hielt dem Verblichenen einen warme» Nachruf und die kantocale Funktion versah Oberkantor Gutmann unter Assistenz des I. Kantor Schiller. Wie». (Wiener Kredit- und Vorschuß-Verein, registrierte Genoffenschaft m. b. H., Wien, II/;i, Stefaniestraße 2.) Der vo» den Herren kaiserl. Rat Moritz Hirsch (jel. And.), Emil Horner, Direktor W. K u x, kaiserl. Rat Dr. Th. Lieben, Dr. Maximilian S t e i. n e r, k. k. Hofrat S. T a u s s i g, unter Mithilfe einer Anzahl Förderer (welche einen Garautiesonds schafften), gegründete „Wiener Kredit- und Vorschuß-Verein", registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung, hat sich bereits konstituiert. Der Zweck dieser Genossenschaft ist in erster Linie dem jüdischen Handels- und Gewerbsmanne durch Gewährung von leicht rückzahlbaren Darlehen, Wechsele«kompte, Eskompte von Buchsorderungen, Vorschüssen auf Wertpapieren, ferner durch Annahme von verzinslichen Einlagen, sowie den Beamten durch Erteilung von Gehaltsvorschüssen die Existenz unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältniffen zu erleichtern, resp. zu ermöglichen. Wien. (A k t i o n s - K o m i r e e zur Unterstützung hilfsbedürftiger Hausierer in Wien.i Das im Vorjahre gebildete Komitee, bestehend ans den Herren Gottlieb Bettelhelm, Luzia» Brunner, Rabbiner Dr. S. G e l b h a u s, Dr. Ferd. Kronawetter, Bezirksrat Ernst N e u st a d t l, Bezirksvorsteher Georg N i e b a u e r, Reichsratsabgeordneter Dr. Julius O f n e r, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Heinrich S ch a r s m e s s e r und k. k. Kommerzialrat Jakob Schnabl, hat das Protektorat des „I. Oesterr. Rechtsschutzvereines für Hausierer in Wien" übernommen und sich zur Aufgabe gemacht, die Tendenzen des Vereines zu fördern, besonders die Not im Hausiergewerbe zu lindern. Das Komitee hat zu diesem Zwecke eine Aktion eingeleitet, sich an die Oeffentlichkeit gewendet und Dank der Beteiligung edeldenkender Menschenfreunde ist dasselbe in die angenehme Lage versetzt worden, vom 1. Jänner bis Juni 1906 in 50 Notfällen mit dem Gesamtbeträge von X 1098, was durch Bücher und Belege nachweisbar ist, helfend einzugreisen. Diese Unterstützungen sind hauptsächlich solchen Petenten zuteil geworden, welche nicht mehr in der Lage waren, ihre Hausierstener, welche bekanntlich fürs ganze Jahr im vorhinein zu entrichten ist, zu erschwingen, damit dieselben ihrer Hansierrechre nicht verlustig werden. Leider ist die Not im Hausiergewerbe so groß, daß das Komitee allen an dasselbe gestellten Anforderungen nicht entsprechen konnte und daher Gesuche würdiger und bedürftiger' Hausierer abweisen mußte. Mit Rücksicht ans die oben geschilderte Notlage im Hausiergewerbe, welches von Angehörigen verschiedener Nationen betrieben wird, in Anbetracht der Wichtigkeit desselben süc Handel und Industrie und im Sinne der Humanität ergeht an alle Menschenfreunde die höfliche Bitte, sich obigem Vereine als unterstützende Mitglieder mit beliebigen Jahresbeiträgen anzuschließen, durch Spenden und Legate denselben zu unterstützen, damit derselbe seine humanen Tendenzen erfülle» kann. Gütige Beitrittserklärungen und Spenden sind zu richten: an Herr» Lucian Brunner. Wien, IX., Liechtensteinstraße 11, an den „I. Oesterr. Rechtsschutzverein sür Hausierer", Wien, II.. Taborstraße 59. oder an das Postsparkasien-Konto Nr. 834.046, worauf unverzüglich die Mitgliedskarte als Bestätigung erfolgen wird. Wien. Herr Bernhard I r r g a n g, langjähriges Mitglied des Bethausvereines „Bne Berckh" in der Brigittenau, feierte Sonntag, de» 1. d. M., im engsten Familienkreise mit seiner Gattin Anna das Fest der silbernen Hochzeit. Mögen die dem Jubelpaare aus diesem Anlaffe dargebrachten Wünsche in vollstem Maße in Eriüllung gehen. Prag, 28. Juni. Bon deu neun großen Synagogen, die von altersher in der Prager Josesstadt, der ehemaligen Judenstadt, waren, sind nunmehr drei der Assanierung zum Opfer gefallen, und zwar die Neu-- synagoge bereits seit Jahren, die große Hof- und die Zigeunersynagoge in der jüngsten Zeit. Die Gründer dieser Bethäuser dachten durch die Errichtung derselben sich ein ewiges Denkmal zu errichten; die Synagoge» standen auch über 300 Jahre, nun aber kam die Affamerung der Josefstadt und sie mußten der Assanierung weichen. Wie oft aber fand während der Jahrhunderte ihres Bestehens in ihnen eine wirkliche Assanierung statt! Die Andächtigen, die in Freud und Leid in diesen heiligen Stätten ihr Herz im Gebete vor Gott ausgeschüttet, sie fanden Heilung und Genesung des Geistes und Herzens. In der letzten Zeit sind die andächtigen Beter statt tägliche Besucher zumeist bloß „drei Tage"-Besucher geworden, wie es auch anderwärts der Fall sein soll — vielleicht gibt es jetzt weniger zu affanieren. Die eine dieser Synagogen, die Zigeunersynagoge, besaß in der Person des Herrn Jakob L ö w e n s o h n einen sehr tüchtigen Oberkantor, einen Scheliach Zibbur im besten Sinne des Wortes, der es verstand, die moderne Gesangsweise mit dem alten Chaionos zu verbinden. Er bekleidete, nachdem er schon früher in größeren Gemeinden, wie Efseg und Preßburg, als Oberkantor gewirkt hatte, hier durch 23 Jahre in ausgezeichneter Weise fein Amt. Nunmehr beabsichtigt er, zum Bedauern seiner zahlreichen Freunde, Prag zu verlassen, um nach Wien zu übersiedeln, wohin ihm die besten Wünsche für sein ferneres Wohlergehen folgen. —u. Troppau. Ueber Ansuchen des hiesigen Kultusvorstandes hat der k. k. schlesische Landesschulrat beschloffen, einen vom Lande zu b e-- s o l d e n d e n jüdischen Religiouslehrer für die hiesigen Volks- und Bürgerschulen anzustellen. Der Konkurs für diese Religionslehrerstelle ist bereits vom k. k. Bezirksschulräte ausgeschrieben und soll bis znm 1. Sep-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.