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Die Wahrheit · 1906-06-29 · Heft 25 (29.6.1906) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 25 (29.6.1906)
Date
1906-06-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Leite 8. Nr. 25. Die Wahrheit und Unterstützungs-Vereines „Lens Lsritd", Herrn Bernhard Ober, war die Teilnahme der Mitglieder eine besonders starke. Nachdem der Konfirmand die Segenssprüche über die Thora und den Vortrag der Hafthora vollendet hatte, hielt der Schriftführer des Vereines, Herr Adolf Deutsch, eine tiefempfundene Ansprache an denselben und überreichte das sinnige Geschenk des Vereines, ein Gebetbuch mit Mannheiliierischer Uebersetzung in Prachtband. Vom Gotteshause begaben sich die Vorstandsmitglieder und Freunde des Hauses in die nahe Wobnung, behufs Darbringung der Gratulation. Herr Deutsch ergriff hier abermals das Wort und überraschte den Hausherrn durch Uebergabe des kunstvoll ausgestatteten Ehren-Diploms seitens des Vereines „Leus Lsritli". Es sprachen ferner die Herren Rabbiner Grün und H. Battenberg in vassender Weise, ebenso richtete der Festgeber an seine Gäste und der Bar-Mizwah an seine Eltern Worte des Dankes. Prag. Seine Majestät der Kaiser hat dem Großindustriellen und emeritierten Präsidenten der Prager Handels- und Gewerbekamrner, Herrn Gottlieb B o n d y, das Komturkrenz des Franz Josefs-Ordens mit dem Sterne verliehen. Prag. Am 3. und 4. Juni hat in Prag die erste Tagung der Obmannschaft der jüdischen Turnerschaft stattgefunden. Außer den Vertretern des erst während der Tagung dem Verbände beigetretenen jüdischen Turnvereines zu Prag, nahmen an den Beratungen der in Berlin ansässige Ausschuß der jüdischen Turnerschaft und zum Teil durch mehrere Abgesandte die Bundesvereine in Berlin, Wien, Stettin, Proßnitz, Mährisch-Ostrau und Bilitz, Biala teil, während einige der am Erscheinen verhinderten Obmänner schriftliche Referate eingesandt hatten. Die Obmannschaftstagung hat in verhältnismäßig kurzer Zeit ihren Teilnehmern eine Fülle von praktischen Anregungen gebracht und ein gut Teil ersprießlicher Arbeit geleistet. Als größere Veranstaltung ist im Jahre 1907 der III. Indische Turntag geplant, der voraussichtlich zu Ostern in Wien, verbunden mit einem Verbandsschauturnen, zu dem wie man hofft 150 Turner antreten werden, und mit anderen turnerischen Veranstaltungen abgehalten werden wird. Ans Grund eines von Dr. Ludwig Werner, Wien, dem Vorsitzenden der Obmannschaft vorgelegten Entwurfes, wurde ein Normal-Statut für jüdische Turnvereine, deffen Fehlen bisher schon lebhaft empfunden worden ist, durchberaten. Reicheuberg. Beim Cercle am Reichenberger Bahnhof sprach der Kaiser auch die Deputation der israelitischen Knltusgemeinde an und erkundigte sich über die Verhältnisse der Knltusgemeinde. An den Rabbiner Dr. Hofsmann richtete der Kaiser die Frage, ob und seit wann Neichenberg eine Synagoge besitze und wie groß seine Gemeinde ist. Dr. Hoffmann antwortete, die Gemeinde sei in stetem Aufschwünge begriffen, was der Kaiser mit Genugtuung zur Kenntnis nahm. Budapest. Samstag, den 23. d. M., ist der Direktor des kommunalen statistischen Bureaus, Dr. Josef K ö r ö s y Edler v. S z a n t o, im 62. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene, ein Schwager des Wiener Kultusvvrstehers, Herrn Dr. Felix K a tz a u, war ein seltener Mensch und hervorragender Fachgelehrter, dem die Budapester Kommune die Schaffung und Organisation des kommunal-statistischen Amtes verdankt. Er wurde sowohl von wissenschaftlichen Korporationen, als auch von Sr. Majestät wiederholt ausgezeichnet. Das Leichenbegängnis fand am 25. d. M. unter imposanter Teilnahme des hauptstädtischen Beamtenkörpers, zahlreicher Mftglieder der Gelehrtenwelt, der Stadtrepräsentanz und eines großen, vornehmen Publikums statt. Die Trauerfunktionen versahen Oberrabbiner Dr. K o h n und Oberkantor Prof. Lazarus. Budapest. Am 2. Juli d. I. wird Herr Alfted M a u t h n e r, Mitchef. der weltberühmten Samen - Großhandlungs - Firma Edmund Mauthner, kön. ung. Hoflieferant, mit Fräulein Elsa Weisz de Esepel den Ehebund schließen. Die Braut ist eine Nichte des gewesenen Reichstagsabgeordneten Hofrat Berthold W e i s z. 8. Budapest. Einer der hervorragendsten und bekanntesten Architekten der Haupt- und Residenzstadt ist Herr Julius v. U l l m a n n, der sich um die Verschönerung Budapests, das ihm eine ansehnliche Zahl künstlerisch ausgeführter Pracht- und Monumentalbauten verdankt, reiche Verdienste erworben hat.-In Würdigung feines an den Tag gelegten großen Talentes ist Herr v. U l l m a n n durch die Verleihung des kön. Bauratstitels ausgezeichnet worden. Banrat Julius v. U l l m a n n ist ein Schwiegersohn des Hofrates Berthold Weisz. Ö. II. S. . D. Szerdahely. In der am 21. Juni hierorts abgehaltenen Generalversammlung der hiesigen orth. israel. Knltusgemeinde wurde der allseits durch seine große Gelehrsamkeit und infolge gemeinnützigen Wirkens bestbekannte Oberrabiner von Nagybanya, Sr. Ehrw. Herr Samuel Z. Weinberger, zum Bezirks-Oberrabiner von D. Szerdahely mit Akklamation gewählt. Derselbe wird demnächst seinen festlichen Einzug halten. Hödmezövasürhely. Hier starb vor einigen Tagen der hiesige, in allgemeiner Achtung gestandene Bürger Martin B l ay er, im Pätriarchenalter von 102 Jahren. Das Begräbnis fand unter imposanter Beteiligung aller Klaffen der hiesigen Gesellschaft statt. Frankfurt a. M. Der Erzbischof von Köln, Kardinal Fischer, hat in der Stadt Eschweiler bei einem ihm zu Ehren von der Stadt veranstalteten Festessen, an dem auch Bürger anderer Konfessionen teilnahmen, eine Ansprache gehalten, in der er unter anderem folgendes sagte: „Besonders fteut es mich, daß an dem Empfange sowohl wie an der gegenwärtigen Veranstaltung auch nichtkatholische Bürger teilgenommen haben und zu dieser Tafelrunde erschienen sind, obwohl sie unserem Glauben nicht angehören. Dafür spreche ich diesen Herren meinen ganz besonderen herzlichen Dank aus. Ich denke, ich bin über den Verdacht erhaben, daß ich nicht treu zur heiligen katholischen Kirche stände, und auch die überwiegende Zahl der Katholiken der Erzdiözese Köln sind nicht nur, wie man zu sagen pflegt, Katholiken dem Namen nach, sondern auch im Herzen und in der Tat. Sie und ich, Ihr Erzbischof, halten treu und fest zu unserer heiligen Kirche, das hindert Sie und mich aber nicht, m i t d en Andersgläubigen im deutschen Vaterlande in Frieden zu leben. Was mich angeht, so darf ich von mir sagen, daß ich zu allen meinen Mitbürgern, wes Glaubens sie auch seien, eine herzliche Zuneigung habe und bestrebt bin, mit ihnen im besten Einvernehmen zu leben. Immer hat es mich in tiefster Seele geschmerzt, wenn ich von konfessioneller Verhetzung hören mußte. Das schmerzt mich nicht nur als Bischof, sondern es verletzt auch mein Vaterlandsgesühl." Paris, 25. Juni. Heute entwickelte der Generalprokurator Vaudouin vor dem Kassationshofe sein Plaidoyer in der Affaire Dreyfus. Schon in der Einleitung bewies er, daß außer den vom Referenten zugegebenen drei Gründen für die Annullierung des Urteiles des Kriegsgerichtes in Rennes noch mehrere andere Gründe aus der Untersuchung sich ergeben haben, deren Bedeutung der Referent auch anerkannt habe, aber deren Neuheit er bestreiten zu müssen glaubt. Dann erklärte Vaudouin schon jetzt, daß er auch die Meinung des Referenten nicht teile, welcher für die Rückverweisung der Rechtssache vor ein neues Kriegsgericht eingetreten sei. „Der Referent meint", sagte Vaudouin, „daß ein neues drittes Kriegsgericht die Frage definitiv lösen solle. Ich aber habe die tiefe Ueberzeugung, daß einzig und allein an dieser Stätte des Rechtes, in diesem Saale, es möglich sei, Gerechtigkeit zu schaffen, und daß die Sorge um den öffentlichen Frieden Ihnen gebietet, diesen beklagenswerten Konflikt zu beenden, _ wie es das Gesetz Ihnen gestattet. Dieser Konflikt kann sich nur verschärfen, wenn er noch länger dauert." Generalprokurator Vaudouin gab dann fünf lange Stunden hindurch ein klares Bild dieser verworrenen Rechtssache und kritisierte mit besonderer Schärfe das Vorgehen des Obersten Du Paty de Clam und des Generals Mercier. Letzterer, bemerkte der Generalprokurator, habe Verbrechen auf Verbrechen gehäuft, um die Verurteilung Dreyfus durchzusetzen, und selbst vor dem Kriegsgericht in Rennes den Mißbrauch mit den den Richtern des Jahres 1894 heimlich zugesteckten Aktenstücken geleugnet, dem Grundsätze folgend, den einer der größten Verbrecher noch auf dem Schaffot ausgesprochen hat: „Man muß immer leugnen." Paris. Die „Humanite", das Blatt Jaurös, bringt heftige Ausfälle gegen die Unterstützung der russischen Finanzen durch die französische Regierung, den Pariser Markt und die französischen Kapitalisten. Einer der Artikel führt den Titel: „C’est fini.“ Es heißt darin: Was soll man von dem republikanischen Frankreich denken, das mit seinem Golde das scheußliche zaristische bureaukratische Regime unterstützt hat? Dadurch ist Frankreich in großem Maßstabe für die Metzeleien von Bjelostok mitverantwortlich. Wann wird diese unheilvolle Mitarbeiterschaft Frankreichs ein Ende nehmen? Ich weiß wohl, daß die Regierenden, um ihre Gefälligkeit bei der letzten russischen Anleihe zu entschuldigen, ausführen, daß sie einer Art Erpressung ausgesetzt waren. Die russischen Finanzen, in äußerster Bedrängnis, drohten ihnen unmittelbar vor den Kammerwahlen, die Bezahlung der Coupons einzustellen. Und die Minister zitterten. Rußland erklärt, es brauche zur Zinszahlung seiner alten Anleihen neue Anleihen und fordert -von seinen Gläubigern unter Bankerottsandrohung gebieterisch, selbst für die Zinszahlung durch Hergeben neuer Kapitalien zu sorgen. Und warum haben die Regierenden einem derartigen Schwindelmanöver nicht widerstehen können? Weil das offfzielle Frankreich zu lange liebedienerisch und knechtisch alle Forderungen des Zarismus hingenommen hat, weil es als eine Gottlosigkeit und ein Verbrechen gegen das Vaterland angesehen wurde, dem Lande die Wahrheit zu sagen. Es gibt nur ein Mittel, dieser Tyrannei zu entgehen, nämlich den Agenten des Zaren ins Gesicht zu sagen: „Tun Sie, was Sie wollen, wir geben keinen Sou mehr!" Und dabei würden ebenso die französischen Gläubiger Rußlands als Rußland selbst am besten wegkommen. Nach dem neuen schrecklichen Lichte, das die Ereignisse von Bjelostok und .die Enthüllungen des Fürsten Urussow über die Abgründe der bureaukratischen Verruchtheit verbreitet haben, würde der französische Finanzminister, der mit seiner Autorität eine neue Operation zu Gunsten der Mörder deckte, buchstäblich Blut an den Händen haben. Nein, es ist aus, endgiltig aus! Frankreich wird sich nicht mehr auf Kosten seiner Interessen wie seiner Ehre zum Darleiher für die Tyrannei und die Metzelei hergeben. Washington, 25. Juni. Das Repräsentantenhaus hat das Einwanderungsgesetz mit einem Amendement angenommen, wonach Personen, welche, um religiösen oder politischen Verfolgungen zu entgehen, einwandern wollen, dies nicht auf Grund von Mittellosigkeit oder Mangel an Eignung verwehrt werden soll. „Atlas", Lebens-, Militärdienst- und Rentenversicherungs- Aktiengesellschaft, Wien, I., Franz Josefs-Kai 1 (Atlashof). In der am 18. d. M. abgehaltenen VI. ordentlichen Generalversammlung wurde der Jahresbericht pro 1905 vorgelegt. Aus demselben geht hervor, daß 5996 Anträge über eine Versicherungssumme von X 13,811.368 eingereicht wurden, 5321 Polizzen über X 11,158.007 zur Ausstellung gelangten. Der Versicherungsbestand am 31. Dezember 1905 hat sich auf 13.482 Polizzen über X 29,307.556 Versicherungssumme erhöht; außerdem waren noch X 13.755 jährlich sowie X 22.674 Jnvaliditätsrente mitversichert. Die Prämieneingänge stellten sich auf X 1,083.736-38 und sind im direkten Geschäfte gegen das Vorjahr um X 133.157-23 gestiegen. Die Prämienreserve und die Prämienüberträge stellten sich auf X 3.160.222-40 und weisen gegenüber dem Vorjahre eine Erhöhung um X 669.834-51 aus. Aus dem vorhandenen Betriebsüberschusse pro X 16.316-30 werden X 10.000 dem Dividendenfonds der Versicherten zugewiesen, der Rest auf neue Rechnung vorgetragen. In den Verwaltungsrat wurden die ausge- I schiedenen Herren kais: Rat W. H. Lambrecht, Kommerzialrat Friedrich! v. Neuman, Justizrat Dr. Friedrich Rosenthal wiedergewählt.

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