Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 25 (29.6.1906)
- Date
- 1906-06-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 25. Ueber Antrag der Kommission I wird beschlossen, in den Gemeindebethäusern an Wochentagen nach dem Minchagebete „Olenu“ sagen zu lassen, nm Trauernden Gelegenheit zu geben, ein Kadischgebet mehr verrichten zu können. Ueber Vorschlag der Direktion des Spitales der israel. Kultusgemeinde und der Leitung der gynäkologischen Abteilung dortselbst wird beschlossen, mit Rücksicht auf die gesteigerte Inanspruchnahme dieser Abteilung durch Operationen und erhöhte Frequenz der Ambulanz, einen zweiten Hilfsarzt für die Abteilung mit den normalmäßigen Bezügen zu bestellen. Ein Konkurs wird ausgeschrieben. In das Kuratorium der zu gründenden Bildungs-Anstalt für israel. Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen werden gewählt: Vom Vorstande: Herr I. Vize-Präsident Dr. Gustav Kohn als Obmanu der Schulkommission, ferner die Herren Dr. Alfred Berger. Prof. Dr. Salomon Ehrmann, Dr. Markus Spitzer, die Inspektoren Rabbiner Dr. E. David, Prof. M. Kamtz, weiters die Herren Direktor Dr. Moritz Brunner und Direktor Alexander Hecht. Ueber neuerliches Ansuchen des T e m p e l v e r e i n e s für Wied en und Margarethen wird nach längerer, eingehender Debatte beschlossen, dem Tempelvereine behufs Ankauf eines geeigneten Platzes unter gewissen Bedingungen die zugesicherte Bausubvention per K 60.000.— vorläufig als Darlehen auszubezahlen. — Schluß der Sitzung ^2 Uhr Nachmittag. Dr. Gmit Dyk. Samstag, den 23. d. M. ist in Wien die einflußreichste politische Persönlichkeit der galizischen Judenheit, Reichsratsabgeordneter Dr. Emil Byk, Präsident der Lemberger Kultusgemeinde, in Folge eines Herzschlages plötzlich gestorben. Der Verblichene, der zu den angesehensten, beliebtesten und pflichteifrigsten Mitgliedern des österreichischen Abgeordnetenhauses und des Polenklubs gehörte, hat sich, wenn er auch als starrer Assimilant der nationalen Organisation der galizischen Juden mit aller ihm zu Gebote stehenden Macht widerstrebte, dennoch hervorragende Verdienste um das Judentum im allgemeinen, besonders aber um seine heimatlichen Glaubensgenossen erworben, imd wiederholt ist er in öffentlichen Vertretungskörpern, sowie durch persönliche Vorstellungen bei Ministern und anderen hohen politischen Persönlichkeiten mit der Wärme und Ueberzeugungstreue des aufrichtigen Juden für die Wahrung der Rechte seiner Stammes- und Glaubensgenossen eingetreten. Sein plötzliches Hinscheiden hat allgemeine Teilnahme machgerufen und sein Andenken wird in den weitesten jüdischen Kreisen in Ehren gehalten werden. Vor Ueberführung der Leiche nach Lemberg fand am 26. d. M., 3 Uhr nachmittags, am Zentralfriedhofe unter großer Beteiligung parlamentarischer Kreise und sonstiger Trauergäste eine imposante Leichenfeier statt. In der Zeremonienhalle waren unter anderem zu sehen: Die Minister Dr. Franz K l e in, Dr. Witold v. Korytowski, Dr. Adalbert Graf Dzieduszycki und Dr. Friedrich Pacak, die Minister a. D. Adam Ritter von Jendrzejowicz und Dr. Leonhard Pienta k, der Präsident des Abgeordnetenhauses Graf Moritz Vetter, der Obmann des Polenklubs David Ritter v. Abrahamowicz mit den Obmannstellvertretern Dr. Ladislaus D u l e m b a und Dr. Michael Bobrzynski, sowie mit fast sämtlichen Mitgliedern des Klubs, die Reichsratsabgeordneten Eduard Graf Pallfy, Alexander Barwinski nnd Dr. Karl Kramarz, der Konzleidirektor des Abgeordnetenhauses Sektionschef von Bauer-Bar gehr, der Präsident der Advokatenkammer Dr. Ritter v. Feistmante.l mit vielen Kammermitgliedern, Universitätsprofessor Hofrat Dr. David Heinrich Mülle r, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und den Vorstandsmitgliedern Baurat Ritter von Goldschmidt, kaiserlichen Rat Sachs und Salo Landau, der Präsident des Kuratoriums der israelitisch-theologischen Lehranstalt Moritz Edler v. Ku f fner mit dem Rektor Dr. Schwarz und dem Sekretär Ortsschulrat Josef Fuchs, die Rabbiner Dr. S chmiedl und Dr. Gelbhaus, Direktor Otto Wiedmann von der Unionbank, eine Abordnung, des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien mit dem Vizepräsidenten Adolf Pick an der Spitze, der Vizepräsident der Israelitischen Union Dr. Schreiber Professor Dr. B ü ch l e r, für die Chewra-Kadischa der Vorsteher S. Steiner rc. Mit dem Vortrage der Trauerpsalmen wurde die Leichenfeier vom Oberkantor Singer, den beiden ersten Kantoren Schiller und Iurberg nnd dem Chorpersonal eingeleitet, dann hielt Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n dem Verblichenen einen Nachruf, in welchem er dessen große Bedeutung und dessen mannigfache Verdienste um das Judentum schilderte. Hierauf trat der Präsident der Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, an die Bahre und sprach folgendes: „Als Präsident dieser Gemeinde und als Präsident einer Vereinigung, welche insbesondere die größten Gemeinden des- Reiches, darunter auch die Kultusgemeinde Lemberg umfaßt, gebe ich Ausdruck dem schmerzbewegten Empfinden der Judenschaft Oesterreichs hier an der Bahre eines ihrer bewährtesten treuesten Wortführer im öffentlicherffLeben. Es ist vor mir von ehrwürdiger Seite ein lebensvolles Bild der Persönlichkeit dieses ausgezeichneten Mannes unseres treuen Glanbensbruders entworfen worden; es ist an anderer Stelle von illustrer berufenster Seite seines Wirkens in der hervorragenden öffentlichen Körperschaft, welche der Dahingeschiedene lange Jahre angehörte, gedacht worden und es wird dessen auch hier von berufener Seite neuerlich ausgesprochen werden. Wie er die Beziehungen unserer Glaubensgenossen im öffentlichen Leben aufsaßte, wie er seine Anschauungen betätigte, denselben Ausdruck gab, darüber einige Worte, Dankeusworte zu sprechen, erachte ich als meine Aufgabe und da gedenke ich jener Sprüche, die von uralter Zeit her auf den Lebensweg, der auch so häufig ein Leidensweg war und ist, uns mitgegeben wurden und die da lauten: Fördert das Wohl des Landes, in dem Ihr lebet! Dirisli äs' maldrasseh dineh! Das Recht des Landes, dem Ihr angehörr, sei Euer Recht! Das ist das Um und Auf dessen, was wir anstreben, das ist es, was mit uns allen der Dahingeschiedene anstrebte und dem er mit aller Macht seiner Rede gegenüber Angriffen auch mit dem Worte der Empörung aus innerster Seele Ausdruck gab." Sodann hielt der Präsident des Polenklubs, Ritter von Abrahamowicz, eine längere Rede in polnischer Sprache. Namens des Kuratoriums des Lehrkörpers und der Hörer der israelitisch-theologischen Lehranstalt nahm Rektor Dr. Schwarz von Byk Abschied. Der Präsident der Advokatenkammer Doktor- Ritter v. Feistmantel entbot dem Toten im Namen der Berufskollegen in der österreichischen Delegation den letzten Gruß und schilderte ihn als herzensguten Menschen, als ausgezeichneten Advokaten, als Idealisten, der für politische und religiöse Freiheit gestritten, für Gehorsam gegen das Gesetz nnd für wahre Humanität. Ueberall, wo er sich betätigte, hat er seinem Stande und seinem Berufe Ehre gemacht. Nun ergriff Reichsratsabgeordneter Dr. Strauch er das Wort und betonte, daß Dr. Byk jederzeit für seine bedrängten Glaubensgenossen eingetreten sei. Der Sarg wurde dann in einem Leichenwagen auf den Nordbahnhof gebracht und nach Lemberg überführt, wo die Beisetzung am 28. d. erfolgt. Minister Dr. Pacak drückte der Familie Dr. Byks nach der Leichenfeier namens der österr. Regierung das Beileid aus. In der am 25. b. M. stattgefundenen Sitzung des Kuratoriums der israelitisch-theologischen Lehranstalt, dem Dr. Byk als II. Vizepräsident angehörte, gab der Präsident Moritz Edler von Kuffner namens des Kuratoriums der Trauer um den frühzeitig Verblichenen beredten Ausdruck. Zur prälidknteim»chl in der Kndapester Gemeinde. Unsere Leser wissen bereits, daß die Präsidentenwahl in der Pester israelitischen Religionsgemeiude insoferne resultatlos verlaufen ist, weil beide Kandidaten die gleiche Stimmenzahl