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Die Wahrheit · 1906-06-15 · Heft 23 (15.6.1906) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 23 (15.6.1906)
Date
1906-06-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10. Die Wahrheit dir. 23. Als er wahrnahm, daß die Zeilen in seinem Buche sich trübten, ersah er zu seinem Schrecken, daß es .bereits Abend war. Er erinnerte sich, daß sein Meister ihm ausdrücklich eingeschärst hatte, sich zu beeilen, da der Rock zu einem Kostümfeste bestimmt war, welches der Graf diesen Abend gab, und der Schneider hatte einen hohen Preisansatz für die Verfertigung des Kostümanzuges angesetzt. Peretz sprang von seinem Ruheplatz auf und eilte mit mit aller ihm zugebote stehenden Schnelligkeit fort. Die Lampions beleuchteten bereits den das Schloß umgebenden freien Platz, als er voller Angst und zitternd daselbst anlangte. Er lieferte seinen Pack ab und war im Begriffe, sich schleunigst auf die Beine zu machen, als ein Diener erschien und dem Peretz gebot, ihm zu folgen, da der Graf den Ueberbringer zu sehen wünschte. Peretz folgte, und bleich vor Angst überschritt er die Schwelle des gräflichen Ankleidezimmers. „Du verdammter Lumpenkerl, Du!" schrie der Graf, ein starker, untersetzter Mann, mit einem gutmütigen, jetzt aber vor Zorn geröteten Gesichte. „Ich habe gute Lust, Dich peitschen zu lassen, Dich und Deinen sauberen Meister. Was glaubt denn der Mensch, daß er mich warten läßt? Sag Deinem Meister, daß ich ihn ans der Stadl hinausjagen werde. Ich will ihm sein Geschäft ruinieren. Ich will ihn keinen Kreuzer mehr verdienen lassen!" Peretz begann bei diesem Zornausbruche des Grafen zu zittern. „Es ist nicht meines Meisters Schuld," stammelte er; „dieser schickte mich zeitlich Nachmittag aus; ich habe mich selbst vergessen." „So!" schrie der Graf. „In den Gasthäusern herumlungern! Anmäuerln spielen! Was?" Peretz' Stolz war verletzt. „Ich habe gelesen, Euer Hoheit," antwortete er ruhig. „Was? Gelesen! Lügner! Was hast Du gelesen? Zeige es mir! Wo ist das betreffende Buch?" Peretz erbleichte wieder. Er hatte sein Geheimnis verraten. Er sollte sein geliebtes Buch einbüßen, vielleicht seinen Dienstplatz verlieren und wieder Kummer und Schande seiner Mutter bereiten. Er lüftete sein zerlumptes Hemd, zog das zerknitterte Büchlein heraus und zwei große Tränen quollen aus seinen Augenlidern, als er dasselbe widerwillig dem Grafen hinhielt. Der Graf blickte auf das Buch, dann auf Peretz und schüttelte ungläubig fein Haupt. „Glaubst Du, sagen zu dürfen, Junge, daß Du dies lesen kannst? ' Jede Spur von Zorn war von seinem Antlitz verschwunden, welches nunmehr mit Interesse und Neugierde auf den Jungen blickte. „Hier," setzte er fort, „laß mich hören. Lies etwas!" und er legte das offene Buch in des Knaben Hände. Peretz haschte voller Freude nach dem Buche. Vielleicht wollte der Graf nach all dem es ihm dennoch wegnehmen. Er begann zu lesen. Absatz nach Absatz floß glatt von feinen Lippen. Der Graf hörte zu, sein Gesicht war eine Mischung von Verwunderung, Ungläuoigkeit und Vergnügen. Seine Gäste waren ungemein verwundert, ihn in einer ernsten Unterredung mit einem zerlumpten, barfüßigen Judenjungen zu sehen, den er bei der Hand hielt und mit dem er wie mit seinesgleichen verkehrte. „Sie haben ein neues Jagdspiel erfunden," bemerkte lächelnd ein weiblicher Gast. „Die Jagd ist nicht mein Lieblingslaster, meine Gnädige," erwiderte der Graf. „Bin ich nicht bekannt als ein verbissener Sammler von Edelsteinen. Sie können mir gratulieren. Ich habe gerade einen seltenen Diamanten entdeckt." Am selben Abend stand Schedel Neuer, mit ihrem Peretz zur Seite, in der Rabbi-Wohnung heftig schreiend: „Reden Sie ihm das ans. Rebbeleben! Er beabsichtigt, nach Wien zu gehen. Der Graf will ihn auf das Gymnasium dort bringen. Warum soll er ein gelehrter Mann werden? Wird dies Geld ins Haits bringen? Wenn er nichts gelernt hat aus unseren teueren, heiligen Büchern, wird er aus diesen Büchern etwas erlernen, in dem nicht ein hebräisches Wort steht? Er darf nicht gehen, Rebbeleben! Wir dürfen dies nicht anuehmen von einem Goj! Da wird nichts Gutes herauskommen Warum soll er all dieses gottlose Zeirg lernen, was in diesen Büchern enthalten ist? (Fortsetzung folgt.) A-tiz. Wiener Bank-Verein. K u u d m a ch u n g. In der am 13. Juni 1906 abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung unserer Aktionäre wurde die Erhöhung des gesellschaftlichen Aktienkapitals von 100 Millionen Kronen auf 130 Millionen Kronen durch Ausgabe von 75.000 Stück neuen Aktien ü 400 Kronen Nominale, welche an den Erträgnissen des Jahres 1906 gleichmäßig mit den bisherigen Aktien partizipieren, beschlossen und ist die Feststellung der Modalitäten für die Begebung der neuen Aktien dem Admimstrationsrate übertragen worden. Auf Grund dieses Generalversammlungs-Beschlusses hat der Administratiousrat 35.000 Stück neue Aktien fix begeben und wird hiemit auf die restlichen 40.000 Stück der neu zur Ausgabe gelangenden Aktien den Inhabern der im Umlaufe befindlichen 250.000 Stück Aktien (Nr. 1 bis 250.000) das B e z n g s r e ch t zum Preise von 510 Kronen für jede neue Aktie, zuzüglich 5u/0 Zinsen von diesem Betrage ab 1. Jänner 1906, in der Weise eingeräumt, daß aus je 25 Stück alte Aktien 4 neue Aktien entfallen. Bei einem Besitze unter 25 Stück können aus je 19 Stück alter Aktien 3 neue Aktien, 13 Stück alter Aktien 2 neue Aktien und 7 Stück alter Aktien 1 neue Aktie bezogen werden. Aktienbruchteile oder Zertifikate auf solche werden nicht ausgegeben. Die Anmeldung des Bezngsrechtes hat bei sonstigem Verluste desselben in der Zeit vom 15. Juni bis einschließlich 23. Juni 1906 bei folgenden Stellen während der dort üblichen Geschästsstnnden zu erfolgen, und zwar: in Wien bei der Effekten-Abteilung des Wiener Bank-Verein (I., Herrengasse 8); in Budapest bei der Ungarischen Filiale des Wiener Bank-Verein; in Aussig a./E., Bielitz-Biala. Brünn, Czeruowitz, Friedek-Mistek, Graz, Karlsbad, Klagensurt, Konstantionopel, Lemberg, Marienbad. Prag, Proßnitz, St. Pölten, Teplitz, Villach und Wr.-Neustadt bei den Filialen, beziehungsweise Exposituren des Wiener Bank- Verein; in Triest bei der Banca Commercialc Triestina; in Berlin bei der Deutschen Bank und der Dresdner Bank; in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Vereinsbank, der Frankfurter Filiale der Deutschen Bank und der Dresdner Bank; in Stuttgart bei der Württembergischen Vereinsbank; in München bei der Bayerischen Filiale der Deutschen Bank, der Filiale der Dresdner Bank und der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank; in Zürich bei der Schweiz. Kreditanstalt und beim Schweiz.'Bankverein; in Basel bei der Schweiz. Kreditanstalt, beim Schweiz. Bankverein und bei der Aktiengesellschaft von Speyr & Co. Die Anmeldung hat unter gleichzeitigem Erläge der Mäntel der alten Aktien in Wien mittels einfacher, bei allen anderen Stellen mittels doppelter, die Nummern der Aktien in arithmetischer Reihenfolge enthaltender Konsignationen zu geschehen. Formulare werden bei den Anmeldestellen ausgefolgt. Zugleich mit der Anmeldung des Bezugsrechtes ist bei der betreffenden Stelle für jede zu beziehende neue Aktie eine Anzahlung im Betrage von 110 Kronen, zuzüglich 5°/0 Zinsen vom 1. Jänner 1906 bis zum Einzahluugstage, in barem zu leisten. . Ueber den Erlag der Aktien und die geleistete Anzahlung erhält der Einreicher ein die Anzahl der auf ihn entfallenden neuen Aktien ausweisendes Bestätigungsschreiben, gegen dessen Vorweisung spätestens binnen acht Tagen die hinterlegten Aktien, mit einem die Anmeldung des Bezugsrechtes ersichtlich machenden Stempelausdruck versehen, zurückgestellt werden. Die Ausfolgung der eingereichten Titres wird auf dem Bestätigungsschreiben, welches der Einreicher zurückerhält, durch Aufdruck einer Stampiglie vermerkt werden. Bis s p ä t e st e n s 30. September 1906 ist der Restbetrag für jede neue Aktie mit 400 Kronen nebst 5°/g Zinsen vom 1. Jänner 1906 bis zum Zahlungstage auf einmal, bei sonstigem Verluste des Bezugsrechtes und der geleisteten Anzahlung, und zwar bei derselben Stelle, am welcher das Bezugsrecht augemeldet war, bar einzubezahlen. Die Einzahlungen bei den ausländischen Stellen erfolgen zu den von denselben jeweilig festgesetzten Umrechnungskursen der Kronen. Die neuen Aktien können nur bei der Anmeldestelle von dem kundzumacheuden Tage ab gegen Rückstellung der Bestätiguug über die geleisteten Zahlungen behoben werden. Bei den Anmeldestellen in Deutschland werden an die Bezugsberechtigten mit dem deutschen Reichsstempel versehene Aktien-ausgegeben; die Stempelauslagen sind von den Bezugsberechtigten zu tragen. Die Kosten der zu wechselnden Schlußnoten werden hingegen nicht berechnet. Nach Erscheinen der neuen Aktien wird deren Lieferfähigkeit an allen Börsen des In- und Auslandes, an welchen die bisher ausgegebeneu Aktien notiert sind, in Antrag gebracht werden. Wien, den 14. Juni 1906. WienerBank-Verein. Schicht3 feste Spezialität für Wolle and Seide. Gibt aach die schönste WeiBwäsche

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