Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1906-06-15 · Heft 23 (15.6.1906) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 23 (15.6.1906)
Date
1906-06-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063316-3063339--04302-3071131
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 23 Die Wahrheit Sekte 9. beinahe alle Kantoren des Innnd Auslandes ihre herzlichen Glückwünsche einsandten. Abends fand im großen Gemeindesaal ein Bankett statt, an dem sämtliche Gemeindemitglieder und die Elite Komorns teilnaymen. So schloß diese denkwürdige Feier, welche noch lange in der Erinnerung der Gemeindemitglieder fortleben wird, und so hat die Gemeinde Komorn ihren verdienstvollen Oberkantor gefeiert! V. Budapest. (T r a u e r s e i c r.) Am 4. Juni, 7 Uhr abends, hat in der Synagoge des Budapester Talmudvereines eine Trauerfeier für den dahingeschiedenen Herrn Eduard F l e i s ch m a n n stattgefunden, der mehr als 20 Jahre Präses des genannten Vereines und seit einer Reihe von Jahren auch zweiter Präses der Pester Chewra Kadischa war. An derselben nahmen die hervorragendsten Vorstandsmitglieder der genannten Vereine, sowie Vertreter des hiesigen Rabbinates und der Pester israelitischen Religionsgcmeinde teil. Nachdem Herr Kantor Reif zur Minchah vorgebetet hatte, bestieg Herr Rabbiner Michael H e r k o v i c s die Kanzel, um dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf zu widmen, in welchem er auf die Aehnlichkeit des Verstorbenen mit dem Hohepriester hinwies, mit dem er nicht bloß den hebräischen Namen Aharon, sondern auch die Friedensliebe, das Bestreben überall Frieden zu stiften, gemein hatte. Aharon Fleischmann gehörte nicht zu den Fortschrittlern, die der Ansicht sind, daß Wohltätigkeit Hauptsache der Religion nnd Gesetzlehre nur Nebensache sei, er zählte zu den wahrhaft Frommen, zu „denen, die redlichen Weges sind, die in der Lehre des Herrn wandeln, die seine Zeugnisse bewahren und mit ganzem Herzen ihn suchen, die nie Frevel verübt haben und in Gottes Wegen wandelte n". die streng religiös, aber auch human und wohltätig sind. In den letzten Jahren hat sich der Verstorbene von all seinen Unternehmungen zurückgezogen, um sich ausschließlich den Angelegenheiten der Religionsgemeinde und der Wohltätigkeit zu widmen. Und wo er nicht selbst helfen konnte, da war er ein warmer Fürsprecher für die Armen und Leidenden, ganz im Sinne der heiligen Schrift. Mit einem Appell an die Söhne Aharon Fleischmanns, daß sie in die Fußstapfen ihres unsterblichen Vaters wandeln mögen, um gleich ihm Ersprießliches zu leisten, schloß die erhebende Trauerrede. Budapest. Der neunjährige Sohn des Stuhlweißenburger israelitischen Oberkantors S. M e r s o n ist ein wahres musikalisches Wunderkind. Dies erfuhr dieser Tage die Erzherzogin Elisabeth Amalie, die Schwester des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und Gemahlin des Prinzen Alois Liechcenstein (nicht zu verwechseln mit dem antisemitischen Abgeordneten gleichen Namens). Sie ließ das Kind zu sich kommen, überhäufte es mit Liebenswürdigkeiten und erklärte, als sie den kleinen Jungen zu ihrem höchsten Erstaunen meisterhaft hatte Klavier svielen hören, daß sie dessen musikalische Ausbildung aus eigenen Mitteln bestreiten wolle. Während ^der Produktion des Kleinen hatte die Erzherzogin, da dem Jungen das Taburet vor dem Klavier zu niedrig war, eigenhändig ein Polster herbeigebracht. Kaschau. Hier wurde unter außerordentlicher Teilname der jüngstverstorbene allgemein geschätzte Rabbiner der orthodox-israelitischen Gemeinde, Moriz I u n g r e i s, zu Grabe getragen. Der nunmehr Verblichene stand im 63. Lebensjahre und war 33 Jahre lang Rabbiner der Kassaer orth. Gemeinde; er genoß in der orthodoxen Judenichaft ganz Ungarns großes Ansehen als bedeutender Gelehrter. An der Trauerzeremonie nahmen 30 orthodoxe Rabbiner der Umgebung teil, von denen 5 Trauerreden hielten. Die fünf Söhne des Verblichenen sind gleichfalls amtierende Rabbiner; einen derselben, der gegenwärtig in Nyir-Megyes funktionierte, erwählte die orthodoxe Gemeinde in Kassa unmittelbar nach dem Ableben seines Vaters zum Rabbiner. Szegedin. Das Begräbnis des hier verstorbenen Advokaten Ladislaus S z i v e s s y hat unter imposanter Beteiligung aller Klassen der Gesellschaft vom Hofe der neuen Synagoge aus stattgefunden. Oberrabbiner Dr. Immanuel Löw hielt eine ergreifende Trauerrede; den Sarg j schmückten zahlreiche Kränze, darunter auch einer von Baron Desider § Bünffy. Am Grabe sprach namens der Advokatenkammer Dr. Julius Dobay. Nagy-Becskerek. Im Schoße der hiesigen iirael. Kultusgemeinde fand dieser Tage ein erhebendes Fest statt. Bekanntlich wurde der Oberrabbiner Dr. Moriz Klein mit dem Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet. Die feierliche Uebergabe erfolgte durch den Obergespan des Torontaler Komitats Dr. Ludwig Dellimanirs. Diesem feierlichen Akte wohnten die Spitzen der Behörden, die Geistlichkeit der verschiedenen Konfessionen, mehrere Deputationen, der Vorstand der isr. Gemeinde und eine große Menge aus der Bevölkerung bei. Nach der Eröffnungsrede des Präsidenten Dr. Samu Mangold überreichte der Obergespau in Begleitung einer überaus feierlichen Ansprache, in welcher er die Verdienste Dr. Kleins rühnkeud hervorhob, dem Gefeierten das Verdienstkreuz. Oberrabbiner Dr. Klein dankte in einer schwungvollen Rede für diese Auszeichnung. Nachdem Dr. Mangold noch dem Obergesvan den Dank der Gemeinde ausgesprochen, endete die schöne Festlichkeit unter den begeisternden Ovationen für Dr. Klein. Hannover. Am 4. und 5. Juni war hier der zehnte Delegiertentag der deutschen Zionisten versammelt, zu welchem sich 103 Delegierte der Ortsgruppen aus allen Teilen Deutschlands eingefunden hatten. Das Bureau bestand ans dem Präsidenten des Zentralkomitees, Rechtsanwalt Doktor Bodenheimer-Köln, Prof. Dr. Marburg-Berlin, Rechtsanwalt Gronemann - Hannover als Präsidenten, Rechtsanwalt Leszynsky- Berlin, Julius Simon- Mannheim, vr. insä. F r a n ck - Altona und Dr. Friede mau n - Wiesbaden als Beisitzern. In seiner Eröffnungsrede wies Dr. Bodenheimer auf die Fortschritte, die der deutsche Zionismus im letzten Jahre gemacht habe, hin. Die Differenzen, welche nach dem siebenten Baseler Kongreß aufgetaucht waren, hätten den ständigen Fortschritt der; Agitation nicht einznschränken vermocht. Die allgemeine politische Lage sei j zur Zeit überaus verwickelt; die Parteileitung habe jedoch alle Veranlassung, mit guten Hoffnungen in die Zukunst zu schauen. Der deutsche Kaiser habe auch in diesem Jahr seine Sympathien für die Bewegung zu erkennen gegeben, indem er eine Stiftung von zwei Olivenhainen in Palästina anläßlich der Silberhochzeit entgegennahm. Redner schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß der Delegiertentag ein bedeutungsvoller Moment für die meckere Entwicklung des Zionismus darstellen möge. Im Anschluß hieran erstatteten die Herren Dr. Friedemann, Redakteur F e i w e l - Köln und Prof. War bürg Referate über die politische Lage des Zionismus, über sein Verhältnis zu anderen jüdischen Bestrebungen, über die Palästina-Politik des Aktionskomitees, sowie über die nächsten Aufgaben der Partei in Palästina. An die Berichte schloß sich eine lebhafte Diskussion an, die sich insbesondere der Frage zuwandte, inwieweit bereits jetzt praktische Arbeit in Palästina durch das Aktionskomitee geleistet werden soll. Die Debatten ergaben eine Uebereinstimmung dahm, daß die Tätigkeit der Parteileitung entsprechend dem Charakter der Bewegung, eine politische sein müsse, daß aber die notwendigen Vorarbeiten für eine spätere Besiedelung des heiligen Landes aus das eifrigste gefördert werden müssen. Der Delegiertentag genehmigte auch die Einführung eines besonderen Palästina-Beitrages, der in Höhe von 1 Mk. (entsprechend dem Schekel) erhoben werden soll. Nachdem sodann die inneren Angelegenheiten der Partei, insbesondere die Frage der Parteipresse erörtert war, schritt der Delegiertentag zur Wahl des Präsidenten nnd der Mitglieder des neuen Zentralkomitees. Herr Rechrsanwalt Dr. Bodenheimer wurde einstimmig zum Präsidenten wiedergewählt, und auch die Liste der neuen Mitglieder des Zentralkomitees, welche die verschiedenen Parteischattiernngen gebührend berücksichtigte, fand fast einstimmige Annahme. Gewählt wurden die Herren Dr. Adler- Lübeck, Rechtsanwalt Gronemann - Hannover, Dr. Elias- Mühlhausen, Rechtsanwalt H a n t k e - Berlin, Dr. H a l p e r n - Hamburg, Doktor Kalmus-Hamburg, Rechtsanwalt Leszynsky-Berlin, Max Wolsteiner-Berlin, Julius Simon-Mannheun,RechtsanwaltKollenscher- Posen, Zahnarzt Hugo Schachtel -Breslau, Dr. Kaufmann-Freiburg und Dr. Älfred Klee-Berlin. Der Delegiertentag wurde am 5. Juni am späten Nachmittag mit einer Ovation für den Präsidenten des Aktionskomitees, Herrn David W o i f f s o h n, geschlossen. London. (Die ä l t e st e I u d e n g e m e l n d e d e r W e l t.) Der englische Forschnngsreisende Bainbridge teilt soeben über einen von ihm der ältesten Judengemeinde der Welt abgeftatteten Besuch folgende interessante Einzelheiten mit: Gelegentlich einer kürzlich unternommenen Reise in China fand der Engländer, der in chinesischer Verkleidung mit einer Eskorte reiste, in Kai-Fon-Fu, an der Bereinigung des alten und des neuen Laufes des Gelben Flusses, 350 Meilen südlich von Peking, eine jener vorgeschichtlichen Judengemeinden, deren Vorhandensein in China schon von älteren Forschern konstatiert wurde. Mr. Bainbrigde erzählt, daß die von ihm aufgesundene uralte, vermutlich schon 700 Jahre vor Christi Geburt in China eingewanderte Judengemeinde vollkommen gesondert in der Mitte der chinesischen Bevölkerung lebt und in ihrer Synagoge nach einem ganz eigenen Rituale den Gottesdienst gecheim abhält. Er hat Abschriften der Epitaphe mitgebracht, die er aus den Grabsteinen des ältesten aller jüdischen Friedhose fand. Aus dem Vorhandensein vieler altpersischer Wortelemente wird geschlossen, daß die Vorfahren dieser Gemeinde ungefähr 700 vor Christi von den Persern in Gefangenschaft geführt und später den Weg nach Ostasien gesunden haben. Aer Weschurnmed. Von Martha Wolfenstein in Cleveland. Uebersetzt von Doktor W o l f e n st e i n - Znaim. (Fortsetzung.) Obwohl Peretz nun schon zwei Jahre bei seinem Meister in der Lehre war, hatte er bisher noch wenig von seinem Hand-; werke erlernt. Seine Anfangsbeschästigung war, die Kinder keines I Meisters zu pflegen und sonstige Hausarbeiten zu besorgen, für j welche auserlesene Dienstleistung er freilich keinen Lohn erhielt. Mit seinen mageren Gliedern, welche aus den zerlumpten Kleidern herausragten, seiner alten, schmierige«, auf den Kops gedrückten Kappe, seinem krausen Haare, den blassen Wangen und den schwarzen, rot geränderten, nahe aneinander gerückten Augen war er die Zielscheibe des Spottes der boshaften Rangen. Eine Minderheit derselben machte sich das besondere Vergnügen, ihn zu quälen, sobald sichergestellt war, daß er nicht raufen wolle. Am nächsten Tage nach dem erwähnten Ereignisse schickte der Meister den Peretz mit einem Rocke zu dem Grafen Reichenberg, dessen Kastell eine Wegstunde von der Stadt enfernl war. Peretz trabte vorwärts, Stellen aus seiner geliebten Jliade laut rezitierend. Sein Gedächtnis ließ ihn bei einer bestimmten Stelle in Stich, er setzte sich nieder und schaute aus den Text. > Er war glücklich. So war der Zusammenhang und die Fort- > setzung, und in dem Kampfe zwischen Hektor und Ajax vergaß er seinen Auftrag, sein elendes Leben und die ganze Welt um sich herum.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.