Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 23 (15.6.1906)
- Date
- 1906-06-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Walntzeil Nr. 23. Seite 8. signiert. Der Vorsitzende begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder.; konstatierte die rechtzeitige Ausschreibung der Versammlung in der „Wiener! Zeitung", sowie die beschlußfähige Anzahl der Teilnehmer. In Anbetracht! des Umstandes, daß der sehr ausführliche Jahresbericht sich bereits seit! mehreren Tagen in den Händen der Mitglieder befindet, wird über Wunsch! der Versammlung von einer Verlesung desselben, sowie des Finanzberichtes! Abstand genommen. Der Vorsitzende bemerkt zu dem im Jahresberichte enthaltenen Spendenverzeichnisie, daß in der kumulativ ausgewiesenen Sammlung der Humanirätsvereine „B'nai B'rith" in Wien für die russischen Juden unter anderem eine Spende der Herren Lederer «L Wolf im Betrage von K2000.— enthalten ist, ferner, daß bei der Katalogisierung und Drucklegung der Juxtenabschriften, auf Grund welcher das gedruckte umfafiende Spendenverzeichnis angefertigt wurde, manche bedauerliche Versehen vorgekommen sind, und z. B. die Spende des Herrn D. C a h n- Speyer mit K 200.— statt richtig mit K 2000.— ansgewiesen ist. Herr Albert L ö w überreichte dem Präsidium ein Memorandum betreffend die Ausdehnung der Propaganda für die „Israelitische Allianz" in der Provinz. Herr M. Baum weist an der Hand der Tempel-Spendenverzeichniffe darauf bin, daß mit Ausnahme der Tempel der Inneren Stadt und der Leopoldstadt in Wien bis auf ein paar geringfügige Spenden von den zahlreichen Bethäusern in Wien nichts eingegangen ist. Dies sei sehr bedauerlich und das Interesse für den so ersprießlich zum Wähle der jüdischen Gesamtheit wirkenden Verein müßte in den weiteren jüdischen Kreisen energisch geweckt werden, was durch Gründung von Filialen in den einzelnen Bezirken Wiens sowie in einigen Provinzgemeinden insbesondere aber durch Heranziehung der jüdischen Frauen in den Dienst der „Israelitischen Allianz" erreicht werden könnte. Der Vorsitzende erklärt, daß die gegebenen Anregungen, für welche das Präsidium dankbar ist, berücksichtigt werden würden. Der Jahresbericht und die Rechnungsabschlüsse pro 1905 werden hierauf einstimmig genehmigt, ebenso die erfolgte Kooptation des Herrn Direktors Moriz Koritschoner als Vorstandsmitglied mit 3 jähriger Funktionsdauer. Die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herren Dr. Felix K atz au, Dr. Jakob Nierenstein kais. Rat Leopold Sachs, Dr. Alfred Stern und Dr. Sigmund W a h r m a n n werden über Antrag des Herrn Dr. Edmund K o h n per Akklamation wiedergewählt, lieber Antrag des Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang wird dem Präsidenten, Herrn David Ritter v, Guttmann, sowie dem gesamten Vorstand und dem Sekretariat einstimmig seitens der Generalversammlung für die umsichtige und zielbewußte Leitung der im Jahresberichte so eingehend geschilderten Hilfsaktionen der Dank ausgesprochen. Herr Wolf P a p p e n h e i in spricht noch besonders namens des durch Unwohlsein am Erscheinen verhinderten Herrn Rabbiners S. Fürst dem Präsidium den wärmsten Dank für seine Intervention beim k. k. Ministerium des Aeußern, anläßlich eines besondern Falles in Jerusalem aus. Wien. (Zionistischer Parteitag.) Die Eudesgefertigten berufen für Sonntag, den 1. Juli d. I., nach Krakau einen außerordentlichen Parteitag mit folgender Tagesordnung ein: 1. Stellungnahme zur politischen Aktion und Schaffung einer politischen Organisation. 2. Beratung eines politischen Programms der österreichischen Zionisten. 3. Diskussion der Wahlaktion. Diesen Parteitag zu beschicken sind alle organisierten österreichischen Zionisten berechtigt. Die Delegiertenwahlen sind in § 2- Bersammlungen vorzunehmen, wobei die bei den letzten Parteitagen üblichen Normen gelten. Die Wahlen müssen bis längstens Mittwoch, den 20. Juni abgeschloffen und bis längstens 22. Juni an Dr. S ch a l i t, Wien, IX., Währingerstraße 3, gemeldet sein, worauf den Delegierten die Eintrittskarte und die dem Parteitage zu unterbreitenden Vorlagen sofort zugehen werden. Dr. Schalit (Wien), Dr. Margulies <Wien), Fritz Löw (Proßnitz), Dozent Dr. Mahler (Prag), Dr. Goldwaffer (Krakau), Adolf Stand (Lemberg), Dr. Brande (Stanislau), Abg. Dr. Straucher (Czernowitz). Wien. (Kurfreiplätze und Kurbeiträge für Arme.) Der unter dem Protektorate Sr. Ehrw. Herrn Lektor M. Friedmann stehende „Verein zur Unterstützung jüdischer Kurbedürftiger" mit dem Sitze in Wien, II., Josefinengaffe 7, appelliert in Anbetracht der immer steigenden Anforderungen der armen Kranken an die Humanität und bittet, durch zahlreichen Beitritt sein Wirken zu fördern. Der genannte Verein, dessen Aufgabe es ist, armen Kurbedürfrigen Freiplätze in Kurorten zu verschaffen, oder Kurbeiträge zu gewähren, hat im Jahre 1906, dem zweiten Jahre seines Bestehens, verhältnismäßig viel geleistet. So wurde einer Anzahl von armen Kranken Kurfreiplätze in Karlsbad verschafft und Vielen Kurbeiträge bewilligt. Leider reichen die Mittel des Vereines nicht aus, um allen an denselben gestellten Anforderungen zu entsprechen. Es konnten die Gesuche einer größeren Anzahl von würdigen und armen Kurbedürftigen nicht erledigt werden. Der Vereins» orstaud sieht sich daher genötigt, an alle Menschenfreunde die innigste Bitte zu richten, durch Spenden, Legate und Beitritt die humanitären Tendenzen des Vereines zu fördern. Beitrittserklärungen und Spenden wolle man an den Verein (obige Adreffe) oder Postsparkaffen-Konto Nr. 84.270 richten. Wien. Der in den' weitesten Kreisen bekannte Restaurateur S. T o n e l l o ist Freitag, den 8. d. M., Plötzlich gestorben. Erst vor kurzem hatte er das an der Leopoldstädter Seite der neuen Marienbrücke gelegene Restaurationslokal eröffnet, aber leider war es ihm nicht gegönnt, das mit großem Komfort eingerichtete Etabliffement zu führen. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 11. d. M., unter großer Teilnahme statt. Wien. Sonntag, den 17. Juni, 1 Uhr nachmittags, findet im türk.-seph. Tempel die Trauung des Fräuleins Liesel Kaufmann mit Herrn Stadtbaumeister Fritz Marmorek, Sohn der durch ihren besonderen Wohltätigkeitssinn besonders im 2. Bezirke allgemein verehrten Frau Rosa Marmorek statt. Teschen. Der Kaiser hat deni in weitesten Kreisen hochverehrten Arzte, Herrn kais. Rat Dr. Alois K o hu, Bezirksarzt und Siabtphysikns in Teschen, das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. Ledec Unser allgemein beliebter Rabbiner-Stellvertreter, Herr M. Mandl, wurde einstimmig zum Rabbiner der israel. Knltusgemeinde Stankau (an der böhm.-bairischen Grenze) gewählt. Gleichzeitig erhielt er von der Repräsentanz der israel. Kullnsgemeinde Teplitz-Schönan die Berufung als Religionsprofessor für die Volks- und Bürgerschule in der Filialgemeinde in Dux, woselbst er auch die Funktionen eines Kantors zu versehen hätte: Herr Mandl entschied sich für die Annahme des Duxer Postens, den er am 1. August d. I. antreten wird. Czernowitz. Die jüdischen Lehrer der Bukowina haben beim k. k. Unterrichrsministeriuni eine Beschwerde gegen die im Bukowinaer Verordnungsblatte vom 30. April l. I. veröffentlichte Konknrsausschreibung für die Oberlehrerstelle an der Knabenschule in Storozynetz erhoben, weil dieselbe gegen § 48 des Reichsvolksschulgesetzes ohne Namhaftmachung einer bestimmten Konfession erfolgt ist während nach dem fünfjährigen Durchschnitt die Majorität der jüdischen Schulkinder an dieser Schule erwiesen ist, daher der Oberlehrer an dieser Schule die Befähigung zum Religionsunterricht in dem Bekenntnisse der Mehrzahl der Schüler besitzen müßte. Komor». Das 25-jährige Amtsjubiläum unseres verdienstvollen Oberkantors, Herrn Samuel Kurz mann, hat sich am 1., 2. und 3. Juni in solch erhebender und ' ehrender Weise abgespielt, daß eine drtailierte Darstellung desselben für ben ganzen Knltusbcaintcnstand von größtem Interesse sein dürfte. Die Jubiläumsfeier nahm schon Freitag abends ihren Anfang. Als Oberkantor Kurzmanu in den mit Blumen dekorierten, vollbeleuchteten Tempel eintrat, sang der gesamte Chor das „Halleluja", nachher zelebrierte der Jubilar mit gewohnter Virtuosität den Äbendgottesdicnst. Samstag versammelte sich die ganze Gemeinde in der Synagoge und um 10 Uhr vormittags geleitete eine Deputation den Jubilar zu seinem mit Guirlanden und Blumen reich geschmückten Sitze. Der Jubilar wurde als Schlischi aufgerufen und rezitierte nach Verlesung des Thoraabschnittcs mit sichtlicher Rührung einen Mischeberach für Gemeinde, Rabbiner und Familie und spendete namhafte Beträge für alle Vereine. Der Chor sang darauf den "Waiischlach broclioh und nach dem Einheben ein ungarisches Lied. Sodann betrat Herr Rabbiner Dr. Schnitzer die Kanzel und verglich in meisterhafter Ausführung den Gesang mit dem Sprechen. „Mit Worten kann man sich nur Feinde schaffen, mit Gesang . nur Freunde!" Der Rabbiner würdigte hierauf die Verdienste des Jubilars als gottbcgeisterten Sängers und schilderte seinen Fleiß, seinen kunstvollen Gesang, seine Pünktlichkeit, seine seltene Ausdauer und Berufstreue. Nach der Predigt wurde Muffaph gebetet, und Oberkantor Kurzmann, dessen gottbegnadetes Organ nach fünfundzwanzigjähriger Amtstätigkeit noch in frischer Jngendkraft brilliert, vollführte diesen herrlichen Gottesdienst zur Bewunderung aller seiner Zuhörer. Nach deni Gottesdienst wurde der Jubilar von sämtlichen Vorstandsmitgliedern im Tempel herzlichst beglückwünscht. Ilm 9 Uhr abends brachte der Männerchor unter Führung des II. Kantors eine Serenade dar und nach deren Beendigung überreichten sie dem Jubilar mit einer rührenden Ansprache einen silbernen Lorbeerkranz. zu dem auch die gewesenen Schüler des Jubilars, die bereits Kantoren sind, Beiträge gaben. Am 3. Juni, 10 Uhr vormittags, fand im Gemeindesitzungssaal eine Festversammluiig statt Der Jubilar und seine Familie wurden von einer Deputatioii abgeholt und mit lebhaften Eljenrusen empfangen. Der Präses der Gemeinde, Herr Dr. V ü s a r h e l y, hielt mit der ihm eigenen Beredtsamkeit eine längere Ansprache, in welcher er die Verdienste des Jubilars anerkannte, mit außerordentlicher Hochschätzung seiner Gattin und Familie gedachte und dem Wunsche Ausdruck verlieh, daß der Jubilar noch lange, lange zur Freude der Gemeinde und zur Zierde des Tempels in Jugendkraft erhalten bleiben möge. Hierauf überreichte er das Ehrengeschenk der Gemeinde, eine prachtvolle silberne Taffe mit Gratulationsadresse und mit einem wunderschönen silbernen Becher, wobei er bemerkte, daß die Inschrift, die in der Tasse eingraviert ist, auch im Herzen eines jeden Gemeindemitgliedes eingeschrieben sei. Nachher trat die Deputation der städtischen Gesangsvereine, unter Führung des Herrn Stnhlrichters Bsla K o n k o l y - T h e g e, vor, und würdigte die Verdienste des Jubilars, der seit 25 Jahren dem Verein angehört. Wo immer der Verein Anerkennung und Lorbeeren nachhausegebracht hat, hatte er es größtenteils' dem Jubilar zu verdanken und im ganzen Lande, wohin wir kamen, hat uns der Jubilar mit seinem herrlichen, klangvollen Heldentenor Ruhm eingeheimst. Sodann sprach Herr Knroly K o h l m a n n, Präses der Chewra Kadischa, ini Namen der anderen Vereine. Er würdigte die eminenten Leistungen des Jubilars und überreichte Wertpapiere als Ehrengeschenk. Im Namen der Frauenvereinc sprach Herr Dr. Miksa Weiß. Höchst gerührt dankte Herr Oberkantor Kurzmann für die ihm erwiesenen Ehrungen und auch der Sohn des Jubilars schloß sich mit tiefempfundenen Worten diesem Danke an, der in ein Eljen auf die Gemeinde ausklang. Hierauf schloß Dr. Büsarhely die denkwürdige Festsitzung, eine erhebende Feier, wie sie die Komorner Gemeinde bisher nicht gesehen hat. Während des ganzen Tages liefen von nah und fern Gratulationstelegramme, Zuschriften und Blumengeschenke ein. So vom. österr.-ungar. Kantoren-Verein, von der Kaposvarer Gemeinde, der Püpaer Gemeinde, wo der Jubilar früher war, und anderen hervorragenden Gemeinden, Rabbinern und Kantoren. Bezüglich der weiteren Gratulationen unterlassen wir, um jede Verletzung zu verhütendie Erwähnung der vielen, naö> Hunderten zählenden Namen und genügt es, wenn wir konstatieren, das;