Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 23 (15.6.1906)
- Date
- 1906-06-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28. Die Wahrheit litfr-Ci. - «SftäT Seite 7. für die allgemeinen Unterrichtsfächer, sowie für den Religionsunterricht, werden von dem hiezu gewählten fachmännischen Komitee ausgearbeitet. An würdige Schüler können vom Knliusvorstande über Vorschlag des Kuratoriums Stipendien oder Unterstützungen gegen Widerruf verliehen werden. Der Bezug eines Stipendiums während der ganzen Studienzeit verpflichtet zn mindestens fünfjähriger Dienstleistung als Religionslehrer der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Nach mindestens zweijähriger provisorischer Verwendung haben die Kandidaten vor der vom Wiener Kultusvorstande für Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen eingesetzten Prüfungskommission die Lehrbefähigungsprüfilng abzulegen. Für die Lehrbefähigungsprüfung. bei welcher die Kandidaten die praktische Eignung nachzuweisen haben, werden besondere Bestimmungen einer späteren Beschlußfassung Vorbehalten. Nach Erwerbung des Lehrbefähigungszeugnisses haben die Kandidaten, bei tadelloser Haltung, nach Maßgabe der Vakanzen, aus definitive Anstellung im Dienste der Kultusgemeinde Anspruch. Schluß der Sitzung. Zur Uriiftdentenwatzl i» der Kndapester Gemeinde. Die für Sonntag, den 10. d. M. einberufeue außerordentliche Generalversammlung der Repräsentanz der Pester israelitischen Religionsgemeinde hatte schon seit Wochen das lebhafteste Interesse wachgerufen, da in derselben die Wahl des Präsidenten der Gemeinde, die infolge Rücktrittes des Hvsrates Sigmund K o h n e r notwendig geworden war, sowie die Wahl eines Mitgliedes, des Kultusvorstandes vorgenommeu werden sollte. Da sich im Schoße der Repräsentanz zwei Parteien gebildet hatten, die sich um den bisherigen Vizepräsidenten Hosrat Dr. Philipp W e i n m a n n und um Hosrat Berthold Weiß scharten, war die Spannung, welches Ergebnis der Wahlgang liefern werde, sehr hoch gestiegen.. Zur Stimmenabgabe hatten sich mehr als 170 Repräsentanten eingesunden; dieselbe ergab das merkwürdige Resultat, daß jeder der Kandidaten 85 Stimmen ans sich vereinigte und daher die Wahl resultatlos blieb. Infolge dessen wurde der Beschluß gefaßt, eine Stichwahl vorzunehmen und die Anberaumung der außerordentlichen Generalversammlttug, in welcher diese Wahl ftattfinden solle, dem Vorstande der Gemeinde anheimzustellen. Der Verlaus der Generalversammlung war stellenweise ein sehr lebhafter und erregter. Wir erhalten darüber folgenden Bericht: Vizepräsident Hofrat Dr. Philipp Weinmann eröffnete die Sitzung, begrüßte die erschienenen Repräsentanten, betraute mit der Autheuiikation des Protokolls die Herren Robert Auer, Jakob Bossanyi, Emil Neuschloß und Dr. Bela Feleki und bestellte zu Skrutatoreu die Herren Ministerialrat Ludwig Ballai, Anton v. Deutsch, Dr. Wilhelm Fried, Reichsrats-Abgeordneten Dr. Adolf Leitner, Moriz Popper, Moriz Rosenberg und Dr. Emanuel Rozsavölgyi. Hieraus widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Ausschußmitgliede Eduard Fleischmann ehrende Worte der Anerkennung und beantragte, das Andenken desselben im Protokoll zu verewigen. Sodann wurde zur Wahl geschritten, die mittelst geheimer Abstimmung vorgenommeu wurde. Abgegeben wurden insgesamt 173 Stimmen; von diesen entfielen je -85 Stimmen auf Hofrat Weinmann und Hosrat Weiß, zwei Stimmzettel waren leer, ein Stimmzettel lautete aus Max Szabvlcsi. Der Vorsitzende Hofrat Weinmann nahm den Bericht der Skrutiniumskommission nicht zur Kenntnis und erklärte mit Berufung auf die Statuten, daß die Abstimmung neuerdings vorzunehmen und so lange fortzusetzen sei, bis einer der Kandidaten die Majorität erlangt hat. Ueber diese Enunziation entspann sich eine längere Debatte. Dr. Moriz Mezei bemerkte, daß sich ein Teil der Repräsentanten entfernt habe und daß bei einer unmittelbaren neuerlichen Abstimmung der Zufall darüber entscheiden würde, wer fortab Präsident der Gemeinde sei. Er ist der Meinung, daß die Abstimmung nicht fortgesetzt werden dürfe, sondern daß an irgend einem späteren Zeitpunkte eine Neuwahl vorgenommen werden müsse. Direktor Franz Szekely schließt sich diesem Anträge an und wünscht, dem Vorstande die Bestimmung des Termins für die Neueinberufuug der Generalversammlung zu überlassen. Dr. Wilhelm Grauer will die Neuwahl ehestens durchgeführt sehen. Dr. Adolf Leitner weist aus den Statuten nach, daß nur eine Stichwahl vorgeuommen werden darf. Dr. Moriz Stiller plaidiert für die Vertagung der Wahl bis zum Herbste. Vorsitzender Weinmann konstatiert, daß nur eine Stichwahl statlfinden könne, worauf die Generalversammlung bei namentlicher Abstimmung entscheidet, daß die Stichwahl nicht sofort vorgenommeu werden solle und daß der Vorstand damit betraut wird, den Termin für diese Wahl anzuberaumen. Damit war die bewegte Generalversammlung zu Ende. Mit Rücksicht auf die Resultatlosigkeit der Generalversammlung, sprach am nächsten Tage beim Hosrat Berthold Weiß eine größere Deputation vor, deren Führer Reichsrats- Abgeordneter Dr. Wilhelm Vazsouyi war und an welcher Dr. Wilhelm Grauer, Dr. Jzor Glaß, Dr. Bela Feleki, Direktor Arnold Kohn, Koloman Doja, Moriz Mandl, Alexander Tsuk und viele andere teilnahmeu. Die Deputation versicherte den Hofrat Berthold Weiß ihres Vertrauens und ihrer Anhänglichkeit. Hosrat Weiß dankte für die Begrüßung und erklärte, stets im Dienste jener Prinzipien bleiben zu wollen, deren Verwirklichung er sich zur Aufgabe gemacht. Er versprach, mit der größten Energie und vor keinem Hindernis zurückschreckend, an der Durchführung dieses Programms arbeiten zu wollen. — Wie wir erfahren, hat Hosrat Weiß an den Vorstande der israelitischen Religionsgemeinde ein Schreiben gerichtet, in welchem er erklärt, daß er von der Kandidatur zurücktritt. Vergangene Woche sprach eine Deputation von ungefähr 50 Mitgliedern der Gemeinderepräsentanz in der Wohnung des Hosrates Berthold Weiß vor, um ihn zn ersuchen, er möge die Kandidatur für die zu besetzende Präsidentenstelle annehmen. Nachdem Reichstags-Abgeordneter Tr. Adolf Leitner diesen Wunsch der Deputation verdolmetscht hatte, erklärte Hosrat Weiß, daß er die Kandidatur akzeptiere. Dann legte er in längerer Rede das Programm dar, dessen Verwirklichung er im Falle seiner Wahl anstreben wird. Er hält es für notwendig, daß die Mitglieder der Religionsgemeinde mit deren Leitung in unmittelbare Berührung kommen und die Zahl der Repräsentanz-Mitglieder entsprechend der Zahl der in Budapest ansässigen israelitischen Bürger erhöht werde; die kulturellen und philantropischen Institutionen der Gemeinde sollen vermehrt werden, insbesondere sollen in jedem Bezirke Tempel, ferner soll ein jüdisches Gymnasium und eine Gewerbeschule ins Leben gerufen werden. Zum Schlüsse erklärte Hosrat Weiß, er halte die Präsidenteustelle der Pester israelitischen Religionsgemeinde für die höchste, die einem Israeliten in Ungarn zusallen könne: er werde, sollte ihn das Vertrauen seiner Glaubensgenossen auf diese Stelle erheben, alles tun, um sich ihrer würdig zu erweisen. Die Antwort des Hosrates Weiß erweckte bei der Deputation große Freude, der Dr. Adolf Leitner in warmen Worten Ausdruck gab, woraus ein herzlicher Abschied folgte. Verschiedene Nachrichten. Wien. «Predigt.) Samstag, den 16. d. M., vormittags, findet eine Predigt mr Leopoldftädter Tempel statt. Wien. (S o tt n e II t h a l in Audienz beim Kaife r.) Montag, den 11 d. M. wurde Adolf Ritter v. Sonn e u 11) a l vom Kaiser in Audienz empfangen, um dem Monarchen den Tank für die anläßlich des 50jährigen Burgtheaterjubiläums verliehene Auszeichnung abzustarten. Der Kaiser kam Sonuenthal überaus huldvoll entgegen und erwiderte auf die Dankesworie des Künstlers: „Ich habe Mich sehr gefreut, Sie auszuzeichnen. Sie gehören zu den Stützen und pflichteifrigsten Mitgliedern des Burgtheaters." Wien. Dem Ministerialräte im Eifeubahnministerium, Herrn Dr. Camill K u r a n d a. wurde von Sr. Majestät dem Kaiser das Komthurkreuz des Franz Josef-Lrdens mit dem Stern verliehen. Wien. („Is r a e l i tis ch e Allianz zu Wie h".j Die 33. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" fand Donnerstag den 7. Juni um 6 Uhr abends im Saale der israelitischen Kultusgemeinde statt. Den Borsitz führte in Abwesenheit des von Wien abwesenden Präsidenten Herrn David R. v. G u t t m a n n Herr Bizevräsident Dr. Arthur Kn r a n d a Zum Schriftführer wurde der Sekretär Dr. K a m l n ka de-