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Die Wahrheit · 1906-06-08 · Heft 22 (8.6.1906) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 22 (8.6.1906)
Date
1906-06-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr: 22. Die Wayryeir Seite 7. In der Synagoge findet man nur sehr wenige Gesetzrollen von den unzähligen, die da vorhanden waren; man hat deren Zahl srüher aus 300 geschätzt. Gold- und Silverdiademe sind nicht mehr vorhanden, denn dies alles haben die,Vorsteher^ verkauft und mit dem Erlös nach Willkür gewirtschastet. Im Hose der Synagoge, ganz nahe an derselben, steht eine Moschee. Dieses Gebäude hat einst einem Juden gehört, der, nachdem er manche Streitigkeiten mit den Inden hatte. Muselmann geworden ist. Als nun die Mutter sah, daß ihr Sohn durch die Kränkungen, die ihm die Juden angetan hatten, dem ,Jslanfi sich angeschlossen, hat sie ihr Haus, welches im Hofe der Synagoge stand, zu einer Moscheegeschenkt, um sich an den Juden zu rächen. Diese Geschichte hat viel Hebel angerichtet: die Synagoge wurde zerstört. Es gab in der jüdischen Straße hier viel Höfe, die den Stiftungen gehörten, welche aber die ,Vorsteher* verkauften, so daß kein einziger mehr übrig geblieben ist. Jedoch die Stiftungen der ,Aschkenasim* konnten sie nicht verkaufen, da diese nur speziell für sie bestimmt waren und kein anderer Armer daran teil hatte. Auf dem Oelberge (Har hosesim) ist das Grab des Propheten Chagai, welches aus mehr als zehn Höhlen, eine in die andere laufend, besteht; die Höhle der ,70 Alten* (Schiwim sekenim), die ungefähr 2000 ,2lrme‘ von Jerusalem oder etwas mehr entfernt liegt, ist prächtig. Dem Statthalter Jerusalems muß man für die Erlaubnis, die er erteilt, Weine zu machen, da dieses Getränk dem Araber ein Greuel ist, jährlich 50 Dukaten zahlen. Dies ist die ganze Steuer, die die Juden entrichten müssen. Die ,Vorsteheraber gehen in ihrem Frevel so weit, jede Woche neue Zulagen und Steuern aufzuweisen, legen jedem beliebig Steuern auf. Wer Widerstand leistet, wird so lange durch das nichtjüdische Gericht geschlagen, bis er einwilligt. Was meine Person betrifft, so hat mir bis jetzt Gott so weit geholfen, daß sie von mir noch nichts verlangten; wie es weiter gehen wird, kann ich nicht wissen. Abgeschickt in Eile von hier, Jerusalem der heiligen Stadt, die Gott aufbauen möge. Am 8. Elnl 5248 (1488). Von Deinem Sohne Obadia." In dem zweiten Briefe, den R. Obadia de Bartenora an seinen Bruder gerichtet, heißt es unter anderem: ..Du fragst mich über verschiedene Wunder, die auf dem Tempelberge und den Gräbern sich zutragen, Nun, ich habe sie nicht gesehen! Die Geschichte mit dem Sefardi ist Lug und Trug. Verständige Leute dürfen dergleichen Erzählungen nicht glauben. Am 28. Jjar, dem Sterbetage des Sefardi, kommt man aus der ganzen Umgegend, Fackeln auf dessen Grab zu brennen, es wird hier ein immerwährendes Licht (Ner tomid) unterhalten. Die Araber'' verehren ungemein diesen Ort; es war hier viel Schmuck aus Silber, wie auch goldgewebte Gewänder, die aber von den ,Vorstehern* ans Jerusalem, die aller Stiftungs-Geschenke sich bemächtigt hatten, verkauft wurden. Was die Wunder, die den gewöhnlichen Naturgang geändert hätten, betrifft, so habe ich so was hier nicht gesehen, noch davon gehört. Man erzählt blos, daß Kranke hier geheilt und ,unfruchtbare Frauen* mit Kindern gesegnet wurden, wenn sie für diesen Ort Geschenke machten. Ich kann nicht sagen, daß jemand mich angegriffen hätte. Selbst die ,Vorsteherlaten mir kein Unrecht, Gott weiß, wie es später gehen wird u. s. w. Abgeschickt in Eile von Jerusalem, den 27. Elul 5249. Von Deinem Bruder Obadia (Toldaus Ausche Maufes)." Aus dem hier reproduzierten Berichte des frommen, bescheidenen, sanftmütigen und leutseligen Gelehrten R. Obadia, dessen Echtheit umsoweniger in Zweifel gezogen werden darf, als ihn auch der gelehrte, fromme Azulai in seinem „Schem Hagedaulim" anführt, -kann man sich ein Bild von den trostlosen Zuständen, die damals im Innern der Gemeinde Jerusalem geherrscht haben, mstchen. Ja, der innere Feind ist noch weit gefährlicher, als der äußere Mdersacher. In Bezug auf das Treiben der damaligen „Vorsteher" hätte ein Jesaias mit Fug und Recht wieder zurufen dürfen.- an# Sa ca::; nrm a*-ma .nrrbx sin' ab n:»vdr a'-n 102^*6 duy1 =p“n -in» Deren Fürsten sind Abtrünnige und Diebsgenossen, Alles liebt Bestechung, jagt nach Lohn, der Waise schaffen sie nicht Recht und der Witwe Streitsache kommt nicht vor sie. (Jes. I, 23.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Das Jubiläum des 50jährigen künstlerischen Wirkens am k. k. Hofburgtheater, das Meister Sonnenthal vorige Woche beging, brachre dem gefeierten Künstler so großartige Ehrungen und Auszeichnungen, wie solche selbst den größten Lieblingen des Publikums selten beschieden sind. Au der Spitze derselben steht die Auszeichnung durch Seine Majestät den Kaiser, der Herrn v. Sonnenthal das Komthurkreuz des Franz Joseph-Ordens verlieh, eine Ordensdekoration, die bisher einem Schauspieler noch nicht erteilt wurde. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat dem Direktor des Wiener Bankverein, Herrn Bernhard Popper, die Eiserne Krone dritter Klaffe verliehen. Wien. Die Religionsprüsungen für Mittelschüler finden im II. Semester dieses Schuljahres Freitag, den 15. Juni, von 3 bis 5 Uhr nachmittags, in der Religionsschule der Israel. Knltusgemeinde, l. , Seitenstettengasse 2, II. Stock, durch Herrn Professor Dr. Heinrich P o l l a r statt. Wien. Der Verein „T o m e ch E w j o n i m", der seit Jahren es sich zur löblichen Aufgabe macht, den hieher zugereisten unbemittelten Glaubensgenossen an Sabbath- und Feiertagen die obligaten Festmahlzeiten zu verabreichen, tat dies bisher in einem Privathause oder in einem Restaurant. Nunmehr errichtete der Vorstand des Vereines, unter dem rührigen Präsidenten Oberkuntor M. S ch or r, im Hause, II., Große Schiffgasse 21, eine Küche in eigener Regie, die Frau H a h n d l leitet. In diesem schönen Parrerrelokale dürfte Raum sein für etwa 50 Personen und müßte demnach an den beiden Pessachabenden der Seder zweimal gegeben, oder ein Nebenlokal geräumt werden. Es wäre also zn wünschen, daß die Teilnahme seitens des jüdischen Publikums für diesen Humanitären Verein noch stetig zunähme; denn namentlich in unserer so bewegten Zeit gilt der biblische Vers: „Es wird nicht aufhören der Arme mitten im Lande!" Holleschau. Vom Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde Holleschau erhalten wir folgenden A u f r u f'. nuvr, ch' i:n; rnch- ,-:p: ny*? ch Verwirf uns nicht zur Zeit des Alters, wenn die Kräfte schwinden, verlaffe uns nicht. (Pf. 71. 9.) Dieser Wunsch des Psakmdichters, der in den heiligsten Tagen des Jahres aus unseren Gebeten mächtig widerhallt, bleibt doch gar vielen versagt. Durch des Geschickes rätselhaftes Walten fehlt manchen würdigen Greisen und Greisinnen in unserer Gemeinde das schützende Obdach, das traute Heim, entbehrt mancher Sieche der fürsorglichen Pflege: Not und Hilflosigkeit führen dem Tode nicht wenige vorzeitige Opfer zu. Von dem Wunsche beseelt, die Ehrfurcht vor dem Alter in die entsprechende Tat umzusetzen, haben die Unterzeichneten beschlossen, in der hiesigen Gemeinde eine Siechen- und Altersverjorgnngsanstalt zu errichten, in welcher würdige Greise und Greisinnen, die verlassen und vereinsamt dastehen, eine Heimstätte finden und ihren Lebensabend sorgenfrei genießen können. Diese Anstalt soll womöglich am 2. Dezember 1908 zur Feier des 60jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät unseres gütigen und edlen Monarchen, den uns Gott in Kraft und Gesundheit erhalten möge, ihrer edlen Bestimmung zngeführt werden. Wir vertrauen auf all diejenigen, die unserer Gemeinde ein freundliches Interesse bewahrt und bisher an allen gemeinnützigen Bestrebungen derselben mit Herz und Hand regen Anteil genommen haben, daß sie nunmehr gegenüber der fürsorglichen Ehrerbietung vor dem Alter erhöhte und gesteigerte Opferfreudigkeit bekunden und in Edelsinn und Barmherzigkeit ihre Opfergaben und Weihgeschenke diesem Tenipel der Nächstenliebe widmen werden. Zu dem mindestens X 100.000 erforderlichen Bau- und Gründungsfonds ist in unserer Gemeinde vorläufig der Betrag von X 20.000 zusammengebracht worden. Wir hegen die zuversichtliche Hoffnung, daß unsere Gönner und Freunde dieses bedeutsame Werk der Nächstenliebe tatkräftig fördern werden. Gefällige Beitrüge beliebe man an den Bau- und Gründungsfonds des Siechen- und Altersversorgungshauies in der israelitischen Knlcnsgemeinde Holleschan zu richten. Die Spendenverzeichniffe werden in den jüdischen Zeitungen zur Veröffentlichung gelangen. Für das Bau- und Gründungskomitee: Dr. Jakob F r e i m a n n, Rabbiner, Obmann. Max Beer, Präses der Chewra Kadischa. Heinrich Beer, Alois B l u m, Friedrich G r ü tz e r, Leopold Z w i l l i n g e r, Karl W e i n r e b, Schriftführer. Karl Beer, Kultusvorsteher. Ab. Grützer, I. Rat. Leopold Lustig, II. Rat. Jg. B a u m g a r t e n, Bürgermeister, Em. K n ö p f e l m a ch e r, II. Rat. Klattan. Am 3. d. M. wurden im hiesigen, festlicb beleuchteten Tempels 15 Mädchen konfirmiert. Zn dieser Feier hatten sich der Kultusvorsteher. Herr .1. O. Dr. I. Fleischer, mit dem Gesamrvorstande und fast alle Mitglieder der Gemeinde, sowie deren Damen eingefunden, auch zahlreiche andersgläubige Gäste waren anwesend. Eingeleiter wurde die Feier durch das „Ma töwu"; hierauf erklärte Herr Rabbiner Doktor S. B r e t in einer kurzen gehaltvollen Rede die Bedeutung der Mädchenkonfirmation, worauf eine Religionsprüfung stattfand. Die präzisen Ant-

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