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Die Wahrheit · 1906-05-25 · Heft 20 (25.5.1906) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 20 (25.5.1906)
Date
1906-05-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20. Die Wahrbeil Seite 7. füge, vermag unserem tiefen, tiefen Schmerze Ausdruck zu geben. Arbeitsfreudigkeit — fo bezeichnete mein ehrwürdiger Vorredner, den Kern Deines Wesens. In Deiner Arbeitsfreudigkeit ein un-. erreichtes Muster von freudiger Pstichterfüllnng warst Du uns. Das schwierigste, dornenvollste Arbeitsgebiet in unserer Gemeindeverwaltung hattest Du Dir erwählt, und mit welcher Treue, Gewissenhaftigkeit, mit welchem Fleiße, mit welcher unermüdlichen Sorgfalt hast Dn es gepflegt, wie keiner vor Dir und wie vielleicht keiner nach Dir! Es war ein Tätigkeitsdrang, welcher Dein Wesen erfüllte. Wenn nach der Erledigung so vieler Berufsgeschäste, welche Dir oblagen, Du in unserem Hause erschienest, da war es, als ob Dn sprechen würdest, jetzt habe ich mein geschäftliches Tagewerk erledigt, jetzt arbeite ich fürs Herz, jetzt arbeite ich für meine Familie, für die erweiterte Familie Deiner, unserer Glanbensbrüderschaft, unserer Kultusgemeinde. So hast Du zehn Jahre lang in unserer Mitte, zuletzt an meiner Seite als Vizepräsident unserer Gemeinde unermüdlich gearbeitet und viel, sehr viel des Guten ist es, was Du gestiftet und erarbeitet hast, so vor allem die Herstellung der Ordnung in unserem Gemeiudehaushalte. Und dafür gebührt Dir unser allerwärmster Dank. Dank für all das Gute, was Dn geleistet. Dank für die Freundlichkeit, das Wohlwollen, die Liebe, die Du uns entgegengebracht und. die wir alle mit gleicher warmer Liebe Dir erwiderten, Dank seitens der Beamtenschaft, welche mich aufforderte, hier ihr Wortführer zy sein, für das ihr gewährte Wohlwollen, und nicht zuletzt auch Dank dafür, daß Du stets mit offener, freigebiger Hand den verarmten Glaubensbrüdern eine Stütze und Hilfe zu bieten, bereit warst. Dein Bild wird unseren Sitzungssaal zieren)) tuK. die Legende an diesem Bilde wird lauten: „Dauresok ^tauw l’amau w’dauwer scholaum Fcliol sarau“; er hat gestrebt nach allem Guten für sein Volk und er hat (mein ehrwnrHger. Vorredner hat dies so schön dargelegt) das Wort der Enstracht und des Friedens gesprochen seinen Nachkommen. Seinü'Andenken sei gesegnet!" ' ,, , H;j. Tiefempfundene Abschiedsworte sprachen 'noch Generalkonsul v. Wiesen bürg, im Namen der Exportgesellschaft der Präsident der Chewra Kadischa, Salo Cohn, Dr.S amuely namens des Bnei Brith u. Rabbiner Dr. Goldschmidt für die Heimatsgemeinde Proßnitz, und hierauf wurden!. Moriz H i r s ch unter den üblichen Trauergesängen - zur ewigen Ruhe gebettet. rrrSTn | Ans dem gebe« des berühmten Orientalisten Johann Knrtarf. Dieser berühmte Orientalist, im Jahre 1564 in einem Orte Westfalens. geboren, frequentierte seine Studien zu Basel und Genf. Buxtorf bereiste Demschland und die Schweiz, ließ sich in Basel nieder,wo er im Jahre 1591 Professorder hebräischen Sprache wurde. Seine rabbinischen Schriften Libliabsbraioa rabbiyioa, Basel 1607, umfassen 4 Bände und dasMerk Lexicon. hebraicum et ■ chaldaicum ist in . jeder Beziehung hervorragend. Iw der Baflerischen Inden-Geschichte kommt eine seltsame Geschichtechor, an welcher dieser berühmte Buxtorf nicht geringen Anteil HMe. Sie ist kurz folgende:- , . .. Als Anno 1619 im Brachmonat, Abraham, dem Juden, welchem auf Begehren, des großen.und in aller Welt bekamen und' berühmten Herren \ Professor >Jvh. Buxtorf vergünstigt Gefangenschaft gelegt werden sollen, und soll Abraham der Jud zu Straf 400 Gulden geben, folgenden Samstag sind die zween samt dem Oberstknecht wieder ausgelassen worden. Die Ungnade seiner Obrigkeit, die er sich durch ebenbemeldete Befchneidung zugezogen hatte, ging ihm sehr zu Herzen, wie er sich denn hierüber in einem besonderen Brief an den ebenfalls berühmten und in den morgenländischen Wissenschaften hocherfahrenen Joh. Caspar Waser bitterlich beklagt hat. Buxtorf starb an der Pest im Jahre 1629. Albert L ö w. Verschiedene Unchrichten Wien. Bom Borstande der iirael. Kultusgemeinde Wien wird bekannt gegeben, daß am zweiten Tage des diesjährigen Schewuot-Festes (Donnerstag,. den 31. Mai a. c.) im Saale des „Hotel Post", Wien, I., Fleischmarkt 16 und im Saale „Hotel Zentral" II., Taborstraße 8, I. Stock, Festjaal, um halb 9 Uhr vormittags anläßlich der Maskir- Andachten feierliche Gottesdienste abgehalten werden. Die Veranstaltung dieser Gottesdienste erfolgt zur Abhaltung des großen Andranges zw: „Haskara" in den Gemeindetempeln. Der Eintritt ist frei. Karten werden nicht ausgegeben. Wien. Die P r i v a t i st e u - P r ü f u u g e n aus israel. Religion für Schüler und Schülerinnen an Volks- und Bürgerschulen siiiden für das II. Semester des Schuljahres 1905/6 nach folgender Einteilung statt: Für den I., II., XI. und XX. Bezirk: 25. Mai, 1., 8., 15., 22. und 29. Juni, von V4I2 bis 1/il Uhr. I., Seitenstettengasse 2, zweiten Stoch ReUgionsschule; für den III. bis inkl. X. und XIX. Bezirk: 18. Juni, 2-',z4 Uhr, 22. Juni, 4—6 Uhr, 25. Juni, 2—^4 Uhr und 2. Juli, 2—ljA Uhr, I., Seitenstettengasse 2, zweiten Stock, Religionsschule; für den XII. bis XV. Bezirk: 10. und 24. Juni, 12-1 Uhr, XV., Turnergasse 22 (Gemeindehaus): für den XVI. und XVII. Bezirk: 26. Juni 1/46—V+l Uhr, XVI., Hubergasse 8 (Gemeindehaus); für den XVIII Bezirk: 17. und 24. Juni, 10—12 Uhr, XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Gemeindehaus). Die Prüfungstaxe beträgt X 6 und wird im vorhinein an der Kassa der Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasfe 4, oder bei der entsprechenden Amtsleitung im XV., XVI. oder XVIII. Bezirk zwischen 9—12 Uhr vormittags entrichtet. Die) Quittung ist dem Examinator vorzulegen. Der im I. Semester gelöste Erlagschein über die Prüfungstaxe gilt auch für das II. Semester des laufenden Schuljahres. Da nur eine geringe Anzahl von Schülern an einem Prüfungstermine geprüft werden kann, wird dem P. T. Publikum im eigenen Interesse dringendst empfohlen, die Prüfung in der betreffenden Kanzlei vorher anznmelden. Die Semestralprüfungen für Schüler an öffentlichen Schulen finden ab 15. Juni statt. Wien. (E d u a r d R i t t e r v. G n i e w 0 s z.) Donnerstag, den 24. d. M., ist hier der ehemalige Reichsratsabgeordnete und pensionierte Sektionsches Eduard Ritter v. Gniewosz im 84. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene, der auch bis vor zwei Jahren Kurator und Vizepräsident der Baron Hirsch-Stiftung für Galizien war, hat außerordentlich viel für die Hebung des Kulturniveaus der jüdischen Bevölkerung in Galizien geleistet. Sein strenger Rechtssinn und seine aufrichtige Menschenliebe führten ihn zur entschiedenen Verurteilung und energischen Bekämpfung des Rassenhasses, und historisch ist das Wort, daß er bei Beratung des Gesetzes über die äußeren Verhältnisse der Israel. Religionsgenossenschast den Antisemiten entgegenschleuderte, daß die Flagge unter der sie kämpfen, nicht rein sei. Sein Andenken wird bei allen guten Menschen, besonders aber bei den armen galizischen Juden, denen er ein aufrichtiger Freund und stets hilfbereiter Berater war, geehrt werden. Wien. (E h r u n g e i n e s j ü d i j ch e n R e g i m e n t s a r z t e s.) Am 18. März d. I. ist in Wien der k. u. k. Regimentsarzt I. Klasse, Doktor Gabriel H 0 r w i tz, gestorben. Der Verblichene, ein Sohn des Amtsieilers der israelitischen Kulmsgemeinde in Wien, Herrn Simon H 0 r w i tz, war durch 10 Jahre Chefarzt der psychiatrischen Abteilung des k. n. k. Garnisonsspilales Nr. 16 in Budapest. In den zahlreichen Kondolenzen, die denk Spitalskommando anläßlich dieses Verlustes zukamen, erfahren die ausgezeichneten Charaktereigenschaften und die großen Verdienste des Tahm- .geschiedenen gerechte Würdigung. Die Militärärzte der einzelnen Korps, die Kommanden der Spitäler, die Offizierskorps vieler Regimenter und Anstalten des k. u. k. Heeres haben ihre Anteilnahme bekundet und in ihren Kondolenzschreiben darauf hingewiesen, daß durch das Hinscheiden dieses Mannes das Korps einen hochgebildeten, liebenswürdigen Kameraden, das Garnisonsspital einen unermüdlich tätigen, rechtschaffenen und bumanen Mitarbeiter, die Freunde einen warmfühlenden, selbstlosen Genossen ver- 'worden,/in Basel lang zu. wohnen, bis daß das hebräische .Mbelwerk ausgedruckt sein , werde/ ein Sohn 'geboren wurde)" > loren haben. Als Mitstreiter für den Ruf und das Ansehen der Anstalt -hielt "dieser- Jud chei Mv Georg -Martin Glefern dem Oberst-.^, wird der Verblichene^von seinen Kcnneraden bezeichnet. Eine besondere Ä.. .,4 „a _m uEhrung wurde dem Andenken des Verblichenen zuterl, indem der Komknecht an, weil ei gesinnet, das Kind nach jüdischem Gebrauch'! Mandant des k. u. k. Garnisonsspitales Nr. 16, Herr k. n k. Oberstabsarzt beschneiden zu lasten, und er-etlicher Juden dazu vonnöten habe,. ^Dr. Eduard Neuber, ein Oelbild des Verstorbenen anfertigen ließ, das ihnen Glait zu geben, daß'sie herein kommen möchten, darzu! lm Ordinationszimmer der Abteilung, welcher der Dahiugeschiedene vorgedenn der Oberstknecht Willen gegeben.! staäden zum ewigen Gedächtnisse angebracht wurde In edelster Weise hat Als nun der Jud dieNschneidnng vorgenommen, hat! d^.N°?k°mm°nd-nt dadurch mcht-ll-n, d,° B-rd«n° des B°-dNch°»-n Herr Buxtorf und sein Tochtermann, Herr Ludwig König, so denn noch zween ändere diesem Werke beigewohnet, derwegen vor Raht den 16.: Brachin onat 1649 erkennt worden, daß Herr Buxtorf wie auch sein Tochtermann jedweder 100 Gulden zu Straf geben, die übrigen zween' aber und der Oberstknecht in gewürdigt, sondern auch einen Beweis seines gerechten, vorurteilsfreien Sinnes geliefert. An den Vater des Dahiugeschiedenen erging die Einladung, ,der Anbringung des Bildes beizuwohuen. Der Verstorbene hat seine reichhaltige Bibliothek dem Garnisonsspitale testiert. Mit einer entsprechenden Widmung versehen, wird dieselbe im Sitzungssaale des Spitales zur Aufstellung gelangen und den Grundstock zur e r st e n Militär-Spitalsbibliothek bilden.

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