Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 19 (18.5.1906)
- Date
- 1906-05-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19. Die Wahrheit Zelte 7. Am Montag kamen wir nach Chebron; es ist eine kleine : Stadt am Abhange des Berges; die Türken nennen es Chalil. i Bei der Höhle -Machpela^ verteilt man jeden Tag Bros, Linsen, j oder ein anderes Gericht von Hnlsenfrüchten an Arme, ohne Unterschied des Glaubens; dies geschieht zu Ehren Abrahams, der als Muster der Gastfreundschaft gefeiert wird. Aus der Spitze eines gegenüberliegenden Berges befindet sich eine große Höhle, welche man für das Grab Jischais, des Vaters des Königs David, ausgibt. Ans dem Wege zwischen dem Grabe Jischais und der ,Pntriarchenhöhle< (Machpela) ist ein Bruilnen, den die Araber den -Brunnen Jsaks< nennen. Nahe an Chebron, zwischen Felsblöcken, ist ein Bad von frischem Wasser, welches als das Bad unserer Mutter Sarah bezeichnet wird. Von Chebron nach Jerusalem kamen wir zur Grabstätte Rachels. Am 13. Nisan 5248, am Mittag, standen unsere Füße in den Toren Jerusalems. Es sind jetzt viel alte, verlassene Witwen aus Deutschland und Spanien und vielen aitderen Ländern in der heiligen Stadt. Das Land ist jetzt ruhiger und glücklicher, denn die ,Alten^ sind in sich gegangen, da sie eingesehen, daß die -Vermögendereninfolge ihrer Raublust ausgewandert sind und nur der ärmere Teil geblieben ist. Sie sind daher sehr höflich gegen jeden Neuankommenden und entschuldigen sich sehr über das Geschehene. Sie versichern Niemanden etwas zu Leid tun zu wollen. Was mich betrifft, so kann ich bis heute nicht über sie klagen; im Gegenteil, sie haben mir viel Gutes getan und sind rechtlich mit mir umgegangen, wofür ich Gott jeden Tag preise! Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (I s r a e l i t i s ch e K u l t u s g e m e i n d e.) Sonntag, den 20. Mai 1906, % 10 Uhr vormittags, findet eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kulrusgemeinde, I.. Seitenstettengasse 4, II. Stock, statt. Gegenstand: Prüfung und Erledigung des Rechnungsabschlusses über die Einnahmen und Ausgaben der Kulrusgemeinde pro 1905. Wien. (Konfirmation der Mädchen in den Gern e i n d e t e m p e l n.) Die diesjährige Konfirmation findet statt: I. Bezirk, Stadttempel, Seitenstettengafie 4: Sonntag, den 20. Mai, 10 Uhr vormittags. II. Bezirk, Leopoldstädter Tempel, Tempelgasse 3: Donnerstag, den 24. Mai, 10 Uhr vormittags. XV. Bezirk (Fünfhaus). Tnrnergasse 22: Sonntag, den 20. Mai, ',',10 Uhr vormittags. XVI. Bezirk jOttakring), Hubergasse 8: Sonntag, den 20. Mai, \'210 Uhr vormittags. XVIII. Bezirk (Währing), Schopenhauerstraße 39: Sonntag, den 20. Mai, 10 Uhr vormittags. — Der Eintritt in den Stadt- und Leopoldstädter Tempel kann »vegen Raummangels nur gegen Abgabe der Einladungskarte gestattet werden. Wien (Josefstadt). Donnerstag, den 24. d. M., 11 Uhr vormittags, findet im Josefstädter Tempel, VIII., Neudeggergasse 12, die Mädchenkonfirmation starr. Wien. Se. Majestät der Kaiser har dem Wiener Architekten, Herrn Oskar Marmorek, den Titel eines k. k. Banrates verliehen. Wien. Die „O e st e r r e i ch i f.ch - I s r a c l i r i s ch e U n i o n" berief für den 14. d. M in den Festsaal des „Hotel Conrinenral" eine zahlreich besuchte Versammlung der jüdischen Wähler ein, welche nach einem trefflichen Referate des Herrn Dr. Alexander M i n tz und einer längeren Diskussion, an der u. a. die Herren Sekretär Fleischer, Dr. S ch a l i t, Dr. Weisen g r ü n, Bezirksrat Brill und Gemeiuderat Dr. Hein sich beteiligten, folgende Resolution angenommen hat: Die im „Hotel Continental" am 14. Mai tagende jüdische Versammlung verurteilt jeden Versuch, die jüdischen Wählermassen direkt oder indirekt zur alrliberalen Politik znrückzuführen und verlangt, getreu dem modernen Postulate, nach Vertretung aller Wählerschichten in den Vertretungskörpern, daß auch in den Wiener Gemeinderat Vertreter jüdischer .Interessen entsendet werden. Sie fordert, daß die nengewählten jüdischen Gemeinderäte auf der Basis volkstümlicher Politik jüdische Interessen zu berücksichtigen verpflichtet werden. Zugleich erklärt die Verrammlung, bei der Wahl im II. Wahlkörper der antiklerikalen Liste ihre Stimmen zuzuwenden. Wien Donnerstag, den 24. Mai, findet die Trauung des Fräulein Marianne Eo h n, Tochter des Präsidenten der Chewra Kadischa und Vertreters der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Salo Cohn, niit Herrn J. U. Dr. Fritz Schick statt. Wien. Herr Julius R i p p e r. Chef der Firma Jac. Rwper, hat sich mit dem Fräulein Frieda B e ck. Tochter des Herrn Hermann B e ck, Präsidenten des Jofefstädter Tempelvereines und Chef der Firma Wilhelm Beck & Söhne, verlobt. Wien. Montag, den 14. d. M., ist Herr zur. Dr. Isidor Wolfgang Marmorek, ein.Bruder des Baurates Oskar Marmorek und des bekannten, in Paris wirkenden Arztes Dr. Alexander Marmorek, nach langem, schwerem Leiden in der Blüte seines zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden Lebens gestorben. Das Leichenbegängnis fand Mittwoch, den 16. d. M., unter überaus zahlreicher Beteiligung statt. Unter den Drauergästen bemerkte man den Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, den Vizepräsidenten Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, die Kultusvorsteher Herm. E l t b o g e n, Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer und kais. Rar Jonas Weil, den Präsidenten der Chewra Kadischa Salo Cohn mit den Vorstehern Kann und Steiner, den I. Sekretär der Kultusgemeinde kais. Rat Dr. Lieben und den Sekretär Dr. Adler, die Amrsleiter Braun, Brunn, F r e i st a d t l und Horowltz, Professor Ignaz Brüll, kais. Rat Wilhelm, den Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe S. B r o d, in Vertretung der zionistischen Organisation, der sich der Verblichene in früheren Jahren mit großem j Elfer widmete, Herrn Dr. S ch a l i t und viele Freunde der trauernden Familie. Die kantorale Funktion im Trauerhause versah I. Kantor I. Schiller und am Friedhöfe I. Kantor Don Fuchs. Rabbiner Dr Bach hielt dem Verstorbenen einen seine seltenen Fähigkeiten würdigenden Nachruf, und weiters sprachen an der Bahre und am Grabe Dr. Krakauer, der Chef de- Verewigten, und Dr. Leopold Kahn narneus der zionistischen Partei. Wien. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „M oria" veranstaltet Sonntag, den 20. Mai, einen Ausflug nach Hütteldorf, von dort Fußpartie aus die Sophien-Alpe. Zusammenkunft präzise ’/22 Uhr bei der Stadtbahnstation Schottenriug. Gäste herzüchst willkommen. Grvst-Meseritsch. Am Donnerstag, den 3. d. M. fand das Leichenbegängnis der Frau Rosa Schön geb. Taussig, Schwiegermutter unseres langjährigen, verdienstvollen Kultusvorftehers, Herrn I. G. Müller, statt. Die rege Beteiligung an der Trauerseier gab beredtes Zeugnis von der Sympathie, Hochachtung und Wertschätzung, deren sich die teuere Verblichene in allen Kreisen der Bevölkerung zu erfreuen hatte. Die nach Absingen der Trauerpsalmen von Oberkautor Steiner gehaltene Leichenrede gab ein getreues Bild von dem Leben und Streben der Dahingeschiedenen. Ein ehrendes Andenken bleibt ihr für alle Zeiten gesichert. J. St. Prag. Zu der Schlußfeier in der Zigeuuer-Synag o g e wird uns ergänzend mikgeteilt, daß Herr Oberkautor I. Löwensohn, der durch 23 Jchre feilt Amt in der Synagoge versah, mit seiner schönen Barltoustimme der Feier ein künstlerisches Gepräge gab. Der kunstvolle Schlußvortrag, an dem sich auch der von ihm. geleitete gemischte Chor beteiligte, hat Herrn Löivensohn die Anerkennung aller Anwesenden gebracht. Budapest. Am letzten Peßachseste ist es ein Jahr geworden, seitdem Dr. Mayer Kaiser ling, der ausgezeichnete Kanzelredner und hervorragende Geschichtsforscher, von hinnen gegangen ist, und nun har die dankbare Pester Israel. Religionsgemeinde ihrem großen Todten ein imposantes Grabdenkmal errichtet, welches jüngst in feierlichster Weise enthüllt wurde. Bei der Feier waren anwesend: Mitglieder des Vorstandes, des Ausschusses und deS Repräsentantenkörpers der Gemeinde unter Führung des Kultuschefs Ludwig Adler, der Vorstand der Chewra-Kadischa unter Führung des Präsidenten Jacob Boschan, der Tempel- und Synagogenvorstand, Abordnungen der Ofner- Altofner- und Ujpester Jsraelitengemeinden, Deputationen des isr. Frauenvereines mit Frau Dr. Reinitz an der Spitze, die isr. Waisenknaben, mit dem Waisenvater Jacob Deutsch, die isr. Taubstummenzöglinge mit dem Direktor Grünberger, die isr. Waisenmädchen, der „Konkordia-Verein" mit seinem Präsidenten Sigmund L. Breitner, die Professoren der Rabbinerschule Dr. Wilhelm Bacher. Dr. Heinrich Bloch und Dr. S. Krausz, die Oberrabbiner Dr. Samuel Kohu, Dr. Elias Adler, Dr. Arnold Kiß und Dr. Ludwig Venetianer, die Gemeineerabbiner Dr. Julius Fischer und Dr. Simon Hevesi, Rabbiner Moses Feldmann, Konsul Emerich Birnbaum, die Generalsekretäre Dr. Julius Weiszburg und Noe Weiszmann, die Kantoren der Gemeinde mit Oberkantor Israel Tkats an der Spitze, Berthold Herzmann, Tr. Emil Farkas, Dr. Jzor Glaß n. a. Die Trauerseier begann mit einem passenden Psalm, den Oberkanwr Pros. Adolf Lazarus, unser stimmbegabter und hinreißender Gesangskünstler,intonierte, wobei ihm der gemischte Tempel-und Synagogenj chor wirkungsvoll assistierte. Hieraus bestieg Rabbiner Dr. Simon Hevesi j die vor dem Granitobelisk errichtete Tranerkanzel und hielt mit gewohnter i Meisterschaft eine ungemein gehaltsvolle Gedenkrede. Die Fülle der Gedanken! und der poetische Reiz der großangelegten Rede brachten dem exzellenten - Redner große Anerkennung und übten aus die erlesene Hörerschar eine j nachhaltige Wirkung. Dr. Hevesi pries seinen verewigten Vorgänger als! Großmeister der jüdischen Wissenschaft, dessen Ruf sogar übers Weltmeer gedrungen, als das Ideal eines jüdischen Seelsorgers und als den geistigen Lehrer und Vater der großen Pester Jsraelitengemeinde. dessen Gedenken ein gesegnetes ist und bleiben wird für und für! . . . Professor Lazarus verrichtete hierauf das „El mole rachaminr‘*(5k'bet, worauf der Gaboi des großen Tempels, Herr Simon Giasz, ein 80jähriger Greis, der. da K a y s e r l i n g ohne Hinterlassung eines SohneS von hinnen geschieden. . freiwillig während der üblichen Trauerzeit Kaddisch gesagt und dabei nicht ein einzigesmal den Gottesdienst versäumte, auch am Grabe K a i s e r l i n g s das Kaddischqebet verrichtete. Nach ihm sprach ein taubstummer Knabe mit laut vernehmlicher Stimme den Kaddisch der Waisen, und ein taubstummes Mädchen verrichtete für den „Herrn Rabbiner" ein ergreifendes Gebet in ungarischer Sprache. — Namens der Familie betrat nun der Schwiegersohn des großen Todten, Oberrabbiner Dr. Eduard Neumann, die Kanzel und würdigte in deutscher Sprache den Unvergeßlichen als Mensch und Familienvater, dessen Ruhestätte seinen tiestrauernden Hinterbliebenen zum Altar geworden, aus welchem sie immerdar die Opfer der Liebe und der Pietät darbringen werden. Dr. Nenmann sprach nach beendeter Rede den Kaddisch der Rabbiner. Den Beschluß der grandiosen Gedenkfeier bildete ein ergreifender Trauerchoral, worauf die Waisenknaben Kaddisch sagten. Das imposannte Grabdenkmal trägt aus der Vorderseite eine recht gelungene hebräische Aufschrift. Die Rückseite zeigt eine ungarische Aufschrift, die zu Deutsch also lautet: „Dem Andenken des hochverdienten