Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 19 (18.5.1906)
- Date
- 1906-05-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Nr. 19. zu schaffen. Cecsl Rhodes habe mit einer Million Pfund Sftr? ling Wodesia gegründet. Die British East Aftstä HyMäfftz' fing nur mit 250.000 Mund Sterling cut. Die Methoden, die da in Rhodesia zur Anwendung kamen, bildeten einen scharfen Kontrast zu dem, was ' jjis .. Jüdische Kplonisaftonsgesellschaft" mit den von Baron Hirsch zur Perffftzuntz' /gestellten - MW'oyM tat, die durch zerstreute jüdische Ansiedlungen in Argentinien yerschleudert wurden. Man zahlte dyrt für düs Land nnh man bezahlte auch die Reisekosten pnd hie Ansiehlupg der JMp, die sich dorthin wandten. Dies war nicht der Weg, dje JndM frage zn lösen. Die Lösung liegt nur in der Richtung, daß eine autonome Kolonie gebildet wird- Man dürfe, sagte"Zang? wist, der politischen Seite der Frage nicht ängstlich gus d'eyt Wege weichen. Es handle sich um die Bildung eipes jüdischen Staates unter der Schutzherrschaft einer anderen Macht, in dem aber der Jude vor Verfolgungen seines Lebens und sesnfs Besitzes sicher und kein Pariah ist. Unter der britischen Flagge ständen heute noch ungeheuere Ländergebiete, die nur dem Namen nach unter ihr standen und so eine weitere Dochftrkolonie. dem britischen Weltreiche hinzufügen, die gleich allen anderen, daß Mutterland segnen würde. Sir Samuel Montague, das liberale Parlamentsmitglied, erklärte sich für die Gründung einer Mischen Kolonie unter britischer Flagge, wandte sich aber dagegen, daß dieser die Selbstverwaltung eingeräumt werden sollte. Herr Zangwill er? widerte darauf mit großer Wärme, daß er nicht verstehe, wie ein Liberaler gegen die Verleihung der Selbstverwaltung einer von Pionieren gegründeten Kolonie Einspruch erheben könne, Es erscheine ihm das ganz unverständlich und es müsse Sir Samuel überlassen bleiben, zu erklären, warum er der Erteilung der Selbstverwaltung an Natal billigte und jetzt an Transvaal und die Orange-Kolonie billigt, während er nichts davyn hören wist, einer jüdischen Kolonie die Selbstverwaltung einznraumen, womit er die Juden den 'Negern gleichstelle. Lord Kinnaird unterstützte die Resolution und sagte, er habe stets au das Prinzip der Kolonisation und die Gewährung der Selbstverwaltung geglaubt und er hoffe darum, daß der Gedanke der Gründung einer jüdischen Kolonie die allgemeinste Unterstützung von Juden und Christen finden weiche- Sir A. Conan-Doyle unterstützte gleichfalls die Resolution und gab seiner tiefsten Sympathie mit der Bewegung Ansdruck. Wenn er ein Jude wäre, so würde ihn zu jeder Stunde der Gedanke beunruhigen, daß nichts geschehe, um der Verfolgung per jüdischen Rasse Einhalt zn tun. Die in Aussicht genommene Kolonie sei für die verfolgten russischen Juden bestimmt und wenn es nicht zu dieser Gründung käme und den Leiden der russischen Juden ans diesem Wege ein Ende gemacht würde, so wäre dies eine Schmach für die Zivilisation. Sir Alfred Turner erklärte, die Knechtschaft der Inden in Rußland sei schlimmer als die, welche ihre Vorfahren in Aegypten zu erdulden hatten. Er bedauere lief die Erlassung des Fremdengesetzes in England; dessen Härte sei allerdings unter der jetzigen Regierung abgeschwächt worden, wenn aber Gründe Vorlagen, die Auswanderung von Ausländern und namentlich von Inden, gegen die doch das Fremdengesetz hauptsächlich gerichtet ist, zu beschränken, so war es die Pflicht der Regierung den Juden Land anzubieten und ihnen die Möglichkeit zu der Bildung eines eigenen großen Gemeinwesens unter britischer Schutzherrschast zu bieten. Zangwill erklärte, nachdem die Resolution einstimmig angenommen worden war, die . Jüdische Terrilorial-Organisation" setze mutig die politische Frage auf ihr Programm. Was in Aussicht genommen wurde, sei, tausend sorgfältig ansgewählte jüdische Familien auf dem überwiesenen Gebiete ass Pioniere anzusiedeln, ihnen die Organisation auf Grundlage weitgehender Autonomie zu übertragen und die weitere Entwicklung der Zukunft im Vertrauen auf das Gesetz der Schwerkraft zu überlassen, das nicht perfehlen würde, große Massen von Juden nach diesem jüdischen Staate zu ziehen und so die Kolonie unter englischem Schutze zu bilden, wie sie in Aussicht genommen ist. Der Plan findet in der gesummten englischen Presst eine sympathische Besprechung. Moses Kapfoli und seine Zeitgenossen. Bon Dr. M. H. Friedländer. (Fortsetzung.) Hm vierten Monate, am Fasttage, zehnten Tebet 5247 (1488), reffte ich von Neapel nach Palermo, der Hauptstadt von Sizilien. Ich blieb in Palermo vom 22. Tamus 5247 bis Sabbath Bereschss §248. Als ich dahin kam, forderten mich die Vorgesetzten "auf, am Sabbqth vor dem Minchagebet Vorlesung, zu halten; ich habe es getan- Aber soll ich denn meine Zeit unter eipem Volke zubringen, das mich verehrt und leider sogar vergöttert! Ja, sie machten es mit mir, wie die Christen mit ihren Hejligen! . . . Die Niederen des Volkes sagten, daß Gott mich zn ihnen geschickt hätte; viele verlangten ein Stück von meinen Kleidern zum Andenken. - Den Vorabend vom Hüttenfeste 5248 fuhr ich mit einem französischen Schiffe von Palermo nach Alexandrien. Hier befinden sich ungefähr 25 Familien und zwei alte Synagogen. Die eine ist sehr groß, die andere kleiner. Die meisten beten in der kleineren, da sie dem Propheten Elijahr zugeschrieben wird; es heißt nämlich, er soll hier jemandem in der süd-östlichen Ecke, wo nun immer ein Licht unterhalten wird, erschienen sein. Man sagte mir, er soll erst vor 20 Jahren einem alten Manne wieder hier erschienen sein. Nur G ott weiß die Wahrheit! Alle sitzen ans dem Boden aus Matten oder auf Teppichen. Der jüdische Fürst (Nagid) und Rabbiner, ' der in Kairo seinen Sitz hat, wohnte früher lange Zeit in Jerusalem und mußte , sich von dort wegen der ,Altenst d. h. der Vorsteher, der Verleumder und Angeber, flüchten. Er heißt R. Nathan Hakohen. Er ist. reich, weise, fromm und alt, imb aus der Berberei gebürtig. Er erwies mir viel Ehre, wollte mich jedoch von meiner Reise nach Jerusalem, wegen der dortigen ,Angeber', zurückhalten. Alle Gelehrten und Rabbinen, die zu jener Zeit in Jerusalem wohnten, verließen die Stadt in größter Eile, um ihr Leben gegen die Bedrückung der ,Meist zu wahren. Alle Juden, die in Jerusalem waren, ungefähr 300 Familien, verschwanden nach und nach wegen der ungeheuren Steuer und Lasten, die ihnen die ,Meist aufbttrdeten; so sind nur die Armen und die Frauen dageblieben. Diese ,Gottlosen' gingen soweit, daß sie alle Gesetzroüen (Sifre Thora) die Ueberzüge derselben, die Vorhänge, die Granatäpfel, und überhaubt alle heiligen Silber- und Goldgeräte, die in Jerusalem waren, an Christen verkauften; ja selbst alle Bücher, als den ,Talmuds und dessen Kommentare, die von den ,Aschkenasinst für Jerusalem vermacht wurden, verkauften sie, so daß sie nichts von Wert in der Stiftung zurückließen. In Alt-Kairo ist eine sehr schöne Synagoge auf großen und schönen Säulen gebaut; sie wird ebenfalls dem Propheten ,Elijahist zugeschrieben, denn man sagt, daß derselbe an der süd-östlichen Ecke den Frommen hier erschienen. Auch da wird ein ,immerwährendes Lichst (Ner Tomid) unterhalten. In der nord-östlichen Ecke ist ein erhöhter Platz, wo die Gesetzrolle von Esra gelegen hat. Man erzählt, daß vor vielen Jahren ein Jude vom Abendlande gekommen sei und sie von dein damaligen Tempeldiener gekauft habe. Er wollte diese Gesetzesrolle mit sich nach Hause führen. Das Schiff war aber noch nicht sehr entfernt von Alexandrien, 'als esunterging; er samt der Gesetzesrolle waren verloren; der Tempeldiener hingegen, der sie ihm für 100 Goldstücke verkauft hatte, verließ ans Furcht vor Entdeckung seinen Glauben und starb noch -in demselben Jahre. Vor dem Gehäuse dieser Rolle, das auch jetzt noch in der Synagoge sich befindet, wird ein Immerwährendes Lichst unterhalten; nach der Jahreszahl, die in der Mauer der Synagoge sich befindet, ist sie 38 Jahre vor der Zerstörung des zweiten Tempels erbaut worden! Ich war nicht so glücklich, nach Dimuh, einem Orte außerhalb Kairo, wo unser Lehrer Moses gebetet haben soll, zu kommen. Wir kamen obue Anstoß nach Gaza (Gat). Ist die Aussage der dortigen Juden richtig, so habe ich in Gaza Gebäudetrümmer gesehen, welche Simson ans die Philister gestürzt hat.