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Die Wahrheit · 1906-05-18 · Heft 19 (18.5.1906) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 19 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19. Seite 5. Die Wahrheit. - Ein solcher Zustand muß den physischen und moralischen Untergang eines Volkes mit Naturnotwendigkeit herbeiführen. Der Umstand, daß wir gezwungen sind, unsere weibliche Jugend, anstatt für den höheren Zweck der Häuslichkeit und der Weiblichkeit zu erziehen, schon im zarten Alter dem Bureaudienst zu widmen und überhaupt erwerben zu lassen, wodurch der Tuberkulose Tür und Tor geöffnet wird, ist der klarste Beweis für die Notlage und der dadurch bedingten Degenerierung des jüdischen Volkes. Darum müßte die Parole für die Zukunft lauten: physische Kraft und manuelle Arbeit für den männlichen Nachwuchs, für den weiblichen aber Entwicklung und Entfaltung für die Häuslichkeit und Weiblichkeit! Mit dem Hammer in der kräftigen Hand, kommt man durchs ganze Land. Mit dem Hammer in der Hand, erzwingt und erkämpft man sich die Wertschätzung aller arbeitenden Menschen. Mit dem Hammer in der Hand, wird die kommende Generation die Widersacher und Hasser des jüdischen Volkes versöhnen und sich die öffentliche Achtung verschaffen. Dadurch wird aber auch eine Erbsünde unseres Volkes, aus sich Pariasse der Gesellschaft zu machen, getilgt werden, und wir älteren problematischen Existenzen werden dereinst beruhigt unser Haupt zur Ruhe legen, mit dem erhebenden Bewußtsein: Unsere Kinder sind Kulturarbeiter geworden. Ans der Wiener Kultus gemeinde. In der vertraulichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes, die am 13. Mai unter Vorsitz des 1. Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n stattsand, wurde die endgültige Demission des Herrn Ritter v. T a u ß i g offiziell zur Kenntnis genommen. So sehr auch das Scheiden einer so einflußreichen und befähigten Persönlichkeit aus dem Kultusvorstande zu bedauern ist, so erscheint dies doch, nachdem der Kultusvorstand nichts zur Aufklärung der wirklichen Stimmung in der Gemeinde unternommen hat, die einzig mögliche Lösung zu sein Aber für spätere Zeiten muß es festgehalten werden, daß die „österr.- israel. Union" in dieser Affaire keine besonders schöne Rolle gespielt hat und daß sie in der Art der Behandlung derselben sich mit einem großen Teil ihrer Mitglieder in Widerspruch gesetzt hat. Auch das terroristische Auftreten der zionistischen Studentenschaft und ihr Versuch, durch Demonstrationen die Beschlüsse des Kultusvorstandes zu beeinflussen, ist entschieden! zu mißbilligen, und wir müssen den jungen Herren schon raten, j ruhig zu ihren Büchern zurückzukehren und es den reiferen Ele-! menten in der Gemeinde zu überlassen, dem Kultusvorstande i Direktiven zu erteilen. Im Nachstehenden der Bericht: i Im Einlaufe befinden sich au Spenden: l Therese Pfefferkorn s. A. (Legate) für das israel. Altersversorgungshaus X 750, für die israel. Armen Wiens X 450, zusammen X 1200. David Ritter v. Gutmann für die Acmenanstalt X 200, für den Waisenverein X 200, zusammen X 400. Dr. Jul. Dux, Deutsch-Brod, Sammlungsergebnis in Pristoupin für die verfolgten russischen Juden X 400. S. Berstl, k. k. Oberfinanzrat, für wohltätige Zwecke X 100. Rosalie Winter zur Verteilung am Sterbetage ihres Gatten des Herrn Ignaz Winter an Arme X 100. Pauline Jonas für die Armenanstalt X 60, für den Waisenverein X 20, für den Frauenverein X 10, für die Kinderbewahranstalt X 10. zusammen X.100. Anonymus CH. anläßlich des christlichen Osterfestes für israel. Arme X 20. Präsident Dr. Adolf Stern für zwei arme Familien X 10. Jakob Schreifogel für die russischen Juden X 4. Hermami Plaschkes für die Chewra Kadischa X 7. Michael Goldsand, ein violettes mit gelber Seide gesticktes Thora-Wickelband (Mape) für den Leopoldstädter Tempel. Adolf Welsch, 13 Stück Alijo-Taferl für den Gemeindetempel XVHI. Der Vorsitzende, Vizepräsident Dr. Gustav Ko hu, teilt mit, daß der Präsident Dr. Alfred Stern sein Fernbleiben von der heutigen Sitzung entschuldigt habe. Weiters bringt Herr Vizepräsident Dr. Kohn zur Kenntnis, daß das Vorstandsmitglied, Herr Vertreter Theodor Ritter von Goldschmidt, durch das Hinscheiden seines Bruders, Herrn Alexander Ritter von Goldschmidt, einen schweren Verlust erlitten habe, und daß aus diesem Anlasse Herrn Baurat von Goldschmidt das Beileid des Kultusvorstandes übermittelt werde. (Zustimmung.) Im Präsidialberichte teilt der Vorsitzende mit, daß er sich in Ausführung des Plenarbeschlusses vom 10. Mai 1906 in Gemeinschaft mit Herrn Vizepräsidenten kais. Rat Moriz Hirsch zu Herrn Theodor Ritter von T a u f s i g begeben und ihm die vom Vorstande in der erwähnten Sitzung gefaßte Resolution zur Kenntnis gebracht habe, wonach Herrn von T a u s f i g der Dank für feine hingebungsvolle und erfolgreiche Tätigkeit im Kultusvorstande ausgesprochen nnd an ihm das Ersuchen gerichtet wird, seine Demission zurückzunehmen. Herr von Taussig habe erklärt, daß er von seinem Entschlüsse, der ihm nicht leicht wurde und welchen er nur nach reiflicher Ueberlegung aller Umstände faßte, zu feinem Bedauern nicht abgehen könne. Die Versammlung nimmt diese Mitteilung zur Kenntnis und gibt ihrem lebhaftesten Bedauern über das Scheiden des Herrn Theodor Ritter von T a u s s i g aus dem Kultusvorstande Ausdruck. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn berichtet ferner, daß er in Ausführung des diesbezüglichen Plenarbeschlusses auch an Herrn Architekten Oskar M a rm o r e k das Ersuchen um Zurücknahme seiner Demission gestellt habe. Eine definitive Antwort ist bisher von Herrn Marmorek, welcher derzeit durch einen schweren Krankheitsfall in seiner Familie in Anspruch genommen ist, noch nicht eingelangt. Tie Angelegenheit der Bestellung eines Rabbiners für den Brigittenau er Tempelverein wird zur neuerlichen Beratung an das Vertreterkollegium zurückgeleitet. Vorher sind die Vertreter des Vorstandes des Tempelvereines Brigittenau und des Tempelvereines ..Beth Hachnetheth" im HI. Bezirk zu einer gemeinsamen Besprechung in dieser Angelegenheit einzuladen. Betreffs Einverleibung der Floridsdorfer Kultusgemeinde in die Kultusgemeinde Wien beantragt das Vertreterkollegium nach mehrfachen gemeinsamen Beratungen mit Vertretern der Floridsdorfer Kultusgemeinde, der Einverleibung znzustimmen. An der Debatte über diesen Gegenstand beteiligten sich die Herren Wilhelm Kuffner, Salo Cohn, Vizepräsident kais. Rat Hirsch, Dr. Maximilian Steiner und Vizepräsident Dr. Gustav Kohn. Sohin werden die Anträge des Vertreterkollegiums angenommen und die mit den Vertretern der Floridsdorfer Kultusgemeinde vereinbarten Uebernahmsbestimmungen genehmigt. Schluß der Sitzung l/t2 Uhr nachmittags. Mne jüdische Kolonie mrter englischer Oberhoheit. Die Frage der Gründung einer jüdischen Kolonie unter englischer Oberhoheit bildete bei dem vor kurzem veranstalteten ersten Meeting der „Jüdischen Territorial-Organisation" in London den Gegenstand lebhafter Erörterungen. Den Vorsitz führte Lucien W o l f f. Unter den Anwesenden befanden sich auch viele Christen,z. B. Lord Kinnaird, Generalmajor Sir Alfred Turner, der Schriftsteller Sir A. Conan Doyle, Holman Hunt und viele andere. Israel Z a n g w i l l brachte eine den Zweck der neuen Vereinigung wiederspiegelnde Resolution ein, welche darauf hinausläust, eine autonome jüdische Kolonie unter dem Schutze der britischen Regierung auf britischem Gebiet zu gründen. Er verlas folgenden ihm von Chamberlain zugegangenen Brief: „Die Tatsache, daß ich jetzt nicht im Amte bin, vermindert unvermeidlich die Aussichten, die ich gehabt haben könnte, mich nützlich zu erweilen. Wenn ich aber zu irgend einer Zeit die Gelegenheit haben sollte, einem praktischen Vorschlag einen Dienst zu erweisen, so werde ich bereit sein, dies zu tun." Wie bekannt, nahm Chamberlain. zur Zeit als er Kolonialsekretär war. an der Frage der Gründung einer jüdischen Kolonie großes Interesse, ebenso hatte er an dem Angebot eines Territoriums in Britisch-Ostafrika. das jedoch von der „Jüdischen Kolonisations-Gesellschaft" dankend abgelehnt wurde, hervorragenden Anteil. Zangwill führte aus. daß die Notwendigkeit einer Zufluchtstätte für die Juden mit Blut über die Hälfte eines Kontinents geschrieben sei und daß sich das ganze Christentum mit dem Judentum vereinigen sollte, um die Zufluchtstätte »lüd1.!!. I1 "JA »l'tf1!* 'lil V ‘ ,>!>!>' n I i iilffll lEPIIMH" "i »ITiin

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