Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 17 (4.5.1906)
- Date
- 1906-05-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahrheit Är. 17. dieser Spaltung um einen oder mehrere Vertreter aus ihrer Mitte gekommen. In manchen Kreisen der national gesinnten Juden mißtraut man den konstitutionellen Demokraten. Man zweifelt, ob sie die Emanzipation der Juden mit aller Energie in der nächsten Zukunft verlangen werden. Der hervorragende Publizist Achad-Haam (U. Ginzberg) formuliert diese Bedenken folgendermaßen: Von den linksstehenden Parteien wird sicherlich kein Deputierter gegen die Emanzipation der Juden stimmen, da das dem Parteiprogramme widerspricht. Was wird aber geschehen, wenn im Laufe der Ereignisse ein Antrag auftaucht, nach dem die Lösung der Judensrage aufzuschieben sei, wenn namentlich ein derartiger Vorschlag infolge von politischen Kombinationen den Vorteil bringt, daß eine andere Frage gelöst werden könnte, die ebenfalls einen Programmpunkt der linken Parteien bildet? Da hilft ein Hinweis auf das Programm nicht mehr, und der künftige Klub der linken Parteien wird sich gewissenhaft fragen müssen, was für ihn wichtiger sei, die baldige Abänderung der rechtlosen Lage der Juden oder die Abkürzung des Arbeitstages um eine halbe Stunde? Die Juden haben nach Kräften an dem Erfolge der konstitutionellen Demokraten mitgewirkt und diese würden bei den Juden alle Sympathien verlieren, wenn sie nicht ihre Versprechungen in Taten umsetzen. Verschiedene Uachrichte«. Wien. (Thora E z C h a i m.) Am 15. April fand die Generalversammlung dieses Vereines statt. Der Rechenschaftsbericht wurde genehmigt, die austreteiiden Vorstandsmitglieder mit Akklamation wiedergewählt und dem Vorstände für die musterhafte Gebarung und das zielbewußre Streben für Förderung des Thorastudiums Dank votiert. Am 24. (Rosch Chodesch) vereinigten sich zirka 80 Mitglieder des Vereines im Restaurant Kunstadt zu einer Szijumfeier. Das Mahl verlies in animirtester Stimniung, und lösten die tiesdurchdachten, geistreichen Vorträge der Herren Rabbiner Fürst und Baumgarten und des gelehrten Herrn I. Weisz lebhaften Beifall aus. Zum Schluffe übernahm zeder der Anwesenden die Verpflichtung, binnen Jahresfrist einen Talmirdtraktat durchzustudieren, und gab man sich Rendezvous in einem Jahre zur Feier des gemeinsam durchgearbeiteten kompleten Talmud. Wien. (Brigitt. Tempelverein). Nach dem jüngsten Beschluß des Vorstandes wurde Herr Rabbiner Dr. Armin Abeles einstimmig zum Prediger dieses Tempels gewählt und dürfte demnächst seine Stelle antreten. An Stelle des früheren Obmannes des humanitären Vereines, „Die Brüder" Herr Heinrich Weiner wurde der frühere Vizepräsident Herr D. P o l l a t f ch e k gewählt. Wie«. (Adaß Israel.) Am 22. April fand die Prüfung an der Privat-Religionsschule dieses Vereines statt. Die erzielten glänzenden Unterrichtsergebnisse fanden seitens der zahlreich erschienenen Gäste das größte Lob. Der Tätigkeit des Lehrkörpers wurde vollste Anerkennung zu Teil und war nur eine Stimme, daß diese Anstalt allen Eltern, die für ihre Kinder einen gediegenen, echt jüdischen Religionsunterricht wünschen, aufs wärmste anzuempfehlen sei. Außer dem Direktor der Anstalt, Ehrw. Herrn Rabbiner Fürst mit dem Gesamtvorstand der Schule und des Adaß Israel erschienen seitens des Kultusvorstandes die Herren Dr. Markus Spitzer und Herman Eltbogen, ferner Herr Inspektor Profesior M. Kanitz, Herr Profesior M. Antscherl, Oberlehrer Pollak, viele Eltern der Schüler, Vorsteher mehrerer Vereine und sonstige Freunde der Anstalt. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Am 28. April hielt der Verein seine 16. ordentliche General-Versammlung ab. Wohl selten kann ein Verein mit solcher Befriedigung auf eine zurückgelegte, von tiefstem Ernste erfüllte Jahrestätigkeit Hinweisen, wie ste der vom Präsidenten B r o d gehaltene Jahresbericht dieses Vereines ausweist. Es war daher kein bloßer Akt der Courtoisie, daß ein ungeteilter, langanhaltender Beifall aller Anwesenden dem Berichte folgte und der I. Vize-Präsident Leopold Gut tmann im Namen des Gesamt-Vorstandes nyd der Vortragende Herr Bernhard B u ch w a l d im Namen der Mitgliedschaft dem Präsidenten den ganz besonderen Dank für besten unermüdliche Tätigkeit in dem verflostenen, sowie auch in den vorangegangenen 15 Jahren aussprachen. Ehrend wurde der dahingeschiedenen Mitglieder: k. k. Baurat Max Fleischer und Kommerzialrat Ludwig Zwieback gedacht. Der Bericht erwähnte u. a.: die Prämienverteilung von 20 Sparkastabüchern an Handwerksgehilfen. die 20 bis 30 Jahre in einer Werkstätte, von 10 Sparkastabüchern an Lehrlinge, die in der letzten Lehrlingsausstellung belobt wurden, ferner einer vom Vereine improvisierten Ausstellung, die geradezu ehrenhaft für unseren Gewerbestand ausfiel. Es wurden heuer zahlreiche Vorträge und Demonstrationen vom Vereine - im Gewerbevereinssaale und in der Urania abgehalten. Der Verein erhielt eine Anerkennung seitens der Direktion der Hygienischen Ausstellung 1906 für die Propaganda in dessen Kreisen. Ein Schreiben des Wiener Kultusvorstandes gelangte zur Verlesung, in welchem die Vorschläge des Vereines , bezüglich Vergebung von Arbeiten und Lieferungen seitens der Gemeinde bis auf einige Punkte als angenommen erklärt werden. Nach der Handelskammer entsendete der Verein einen Delegierten. Eine Resolution an den Reichsrat gegen die neue Gewerbenovelle ist vorbereitet. Die Stellungnahme gegen den Verein „Ansche Emes" sowie die darauf erhaltene Ehrenerklärung wird flüchtig gestreift. Aus dein Nachlasse des Freiherrn Nathaniel von Rothschild' wurden 3000 Kronen dem Vereine zugewendet, wofür der Dank ausgesprochen wird. Unverzinsliche Darlehen an Gewerbetreibende wurden Heuer mehr als im Vorjahre vermittelt und gebührt dem Kuratorium der Baronin H i r s ch-Stiftung, sowie dem Sekretär Herrn Dr. Th. R. S ch o rste in für deren besonders freundliches Entgegenkommen dem Vereine gegenüber der aufrichtigste Dank. Der Toyubeehalle gehört der Verein auch weiters als beitragendes Mitglied an. Den Russen hat der Verein eine nahflihafte Spende zugeführt. Die 30.000 empfehlenden Verzeichnisse kommen auch Heuer zu Versandt. Indem der Präsident auf die im Entstehen begriffene Kreditgesellschaft, auf den unentgeltlichen Arbeitsnachweis und unsere Verpflichtung gegen denselben, auf den Verein zur Unterstützung israel. Handwerker und Kleingewerbetreibender, ferner auf den Verein zur Beförderung der Handwerke unter den israel. Handwerkern hinwies, dankte er den Journalen, in erster Reihe der Wochenschrift, der Wahrbeit, der National- ' Zeitung, für ihr Entgegenkommen, und fordert die Mitgliedschaft zur Einigkeit und zum unentwegten Streben nach Fortschritt, Bildung und fachlichem Wissen auf. Der Kafsabcricht befriedigte gleichfalls die Versammlung und nach längerer reger Debatte, an welcher die Herreu Frank, F r i e d m a n n, L ö w e n b ein, Bauer, B u ch w a l d, S o n n e n s ch e i n u. a. Teilnahmen, schloß der Präsident die 16. Generalversammlung, da wegen vorgerückter Stunde der Vortragende seinen Vortrag für ein nächstes Mal in Aussicht stellte. Wien. Samstag den 28. April a. c. verschied hier Frau Anna Kohn, verwitwete Herrmann, die Großmuter der Präsidentin des literar. Geselligkeitsvereines „Moria" Frl. Berta Herrmann, nach langem, schweren Leiden im 88. Lebensjahre. Das Leichenbegängnis fand Montag den 30. April unter großer Teilnahme statt. Wien. In Meran ist Sonntag, den 29. April Herr Dr. Leopold Ritter v. Epstein, ein Sohn des ehemaligen bereits vor Jahren dahingeschiedenen Kultusvorstehers.Gustav Ritter v. Epstein, im 29. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis findet Freitag, den 4. Mai halb 12 Uhr vormittags auf dem Wiener israel. Zentralfriedhofe statt. Wien. Dienstag den 1. Mai wurde die als Jugendbildnerin und Wohltäterin bekannte, namentlich um den Untericht schwachsinniger Kinder hochverdiente städtische Lehrerin Rosa Gold Hammer zu Grabe getragen. Biele Leidtragende sowie teilnehmende Freunde gaben der Verblich enen, die eine Schwester des Professors Doktor Leopold Goldhammer und Schwägerin des Arztes Dr. Eduard Frisch au er war, das letzte Geleite. Mit der trauernden Familie standen die Schuljugend und der Lehrkörper der Anstalt, an der Fräulein Goldhammer gewirkt hatte, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Doktor Stern, Ortsschulrat Gemeinderat Kle bin der und viele andere an der Bahre der Verstorbenen. In die kantorale Funktion teilten sich die ersten Kantoren Jurberger und Schleifer und Oberrabbiner Doktor S ch m i e d l würdigte die aufopfernde Tätigkeit der Verblichenen m einem Nachruf. Oberlehrer F r i e d l sprach im Namen des Lehrkörpers und Herr Saborsky in Vertretung des Ortsschulrates und der Vereine, welche den schwerem Verlust beklagen, tiefempfundene Abschiedsworte. Wien. Die Barmizwa-Feier des Studierenden Sami Hodi, Sohn des Vorstehers des Bethausvereines „Bne Berith", Herrn Liprpan Ho di, fand am letzten Samstag bei sehr zahlreicher Beteiligung der Mitglieder und Vertreter vom Vereine Lodourre Haddath. statt. Der Konfirmand trug die Segeussprüche und Haftora mit großer Präzision vor, ebenso die Glaubens-Bekenntnis-Rede im Elternhause, wo die Freunde der Familie sich zahlreich eingefunden hatten und es nicht an Geschenken und Ansprachen fehlte. Obmann Herr Bernh. Ober überreichte ein Los mit dem Wunsche, daß es dem neuen Ben-Berith viel Glück bringen möge. Es sprachen noch Prediger Grün, Lehrer Sto kn er und Herr Gaßner, und das übliche Schoiesch-Sudoth erstreckte sich bis in die späten Abendstunden. Die geehrten Kerren Abonnenten werden um freundliche Einsendung des Aöonnementsöetrages für das laufende Hnartal ersucht. ^BP^^Iaranl-iett narurechtesj feinstes= | aus Kokosnüssen^ Pflanzen- FETT