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Die Wahrheit · 1906-05-04 · Heft 17 (4.5.1906) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 17 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Heinrich Wrvy. In Neunkirchen, Niederösterreich, starb Mittwoch, den •25. April Herr Heinrich L ö w y, der durch mehr als 34 Jahre als Kantor und Religionslehrer außerordentlich verdienstlich in der Gemeinde gewirkt hatte. Als Beweis für seine Beliebtheit in der Gemeinde möge der Umstand dienen, daß an feinem Krankenbette abwechselnd Tag und Nacht je vier Gemeindemitglieder die Ehrenpflicht der Wartung übernommen hatten. Seine Lieblingsbeschäftigung war das Talmudstudium, dem er bis in die späte Nach! oblag. Während des Studiums hatte ihn ein Schlaganfall ereilt, dem er auch erlag. Heinrich Löwy -gehörte auch dem österr.-ung. Kautorenverein seit seiner Gründung an. Die Leiche wurde nach Mattersdorf überführt, wo Freitag den 27. April unter äußerst zahlreicher Beteiligung der Gemeinden Neunkirchen und Matlersdorf das Leichenbegängnis stattfand. In Vertretung des Kantoren-Vereines war Herr Oberkantor M. A. Landau aus Wiener-Neustadt erschienen. Uraufführung von Hermann Zivis Tonlrild „Weber Kabylon nachWom". In der Kattowitzer Zeitung lesen wir: Daß der Saal gestern bei dem 6. philharmonischen Konzerte voll mar, ist wohl in erster Linie auch der letzten Programm-Nummer, Hermann Z i v i's Tonbild „Ueber Babylon nach Rom" zn danken, das hier seine Uraufführung erlebte. Dieses ungemein interessante Opus, welches an der Hand geschichtlicher Ereignisse uns die ältesten jüdischen Melodien, glänzend gesetzt und instrumentiert, vorführte, hatte einen stürmischen Erfolg. Als Dirigent erschien Herr Oberkantor S. Singer. Es war wohl kein anderer so wie er dazu berufen, das bedeutungsvolle Werk in die Oeffentlichkeit zu bringen. Ungemein sorgfältige, niemals pedantische Ausgestaltung der Details und echte Inspiration kennzeichneten sein Dirigententalent; ihm ist es zu danken, daß die Symphonie so künstlerisch und genußreich ihre Erstaufführung erlebte. Es war eine Freude, zu beobachten, wie das gesamte Orchester dem leisesten Wink des Dirigenten folgte, mit welcher Lust und Liebe der Einzelne bei der Sache war, wodurch es ermöglicht wurde, daß jede der zahlreichen schönen Melodien, an denen das Werk so reich ist, voll zur Geltung kam. Der stürmische Beifall, der wiederholte Hervorruf, sowie ein prachtvoller Lorbeerkranz mit Schleife waren der beste Beweis dafür, daß Herr Oberkantor S. Singer, der auch als begabter und und feinsinniger Musiker bereits verdienten Ruf genießt, seine Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit löste. Das Orchester erwies sich dieser fremdartigen Aufgabe vollkommen gewachsen; das uralte Klagelied Jeremias wurde von Herrn Grundmann mit tiefer Empfindung und schönem Tone gespielt und Herr Konzertmeister Jäger hat uns mit seinem Solo große Bewunderung abgerungen. Dieses schwermütige Lied, mit seinem tiefen Taktwechsel, seinen gewagten Medulationen wurde stylvoll und kunstgerecht gegeben. Zuversichtlich kann das hiesige Publikum von Gumpert's philharm. Orchester noch viel glänzende Darbietungen erhoffen, .zu welcher der bisher errungene Ruhmeslorbeer die wackere Musikerschaar begeistern möge. Iurückgefunden. Novelle von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) Errötend und verwirrt schlug das sonst so beredte Mädchen die Augen nieder, ohne ein Wort der Entgegnung zu finden. „Glauben Sie denn nicht an die Allgewalt der Liebe, teuerste Hedwig, die mit ihrem Zauberstabe das Herz berührt?" Immer noch schwieg Hedwig. „Sie zürnen mir, Fräulein Hedwig? Sind Sie mir böse meiner Kühnheit wegen? Sprechen Sie ein Wort nur, damit ich sehe, daß Sie mir nicht böse sind." ..Ich bin Ihnen nicht böse, Herr Doktor [" „So können, so müssen Sie mich lieben, wenn auch nicht so feurig, wie ich Sie liebe, aber ein klein wenig nur, ein wenig." „Ich darf nicht," sagte das verängstigte Mädchen. - „Sie lieben einen Anderen?" „Nein!" „Also?" frug der Doktor gespannt. „Uns trennt eine Kluft, die nicht zu überbrücken ist. Doch lassen wir das, Herr Doktor! Stören Sie nicht durch eine vielleicht nur eingebildete Leidenschaft unfern Verkehr, den ich mir so lieblich, so schön ausgedacht habe. Und jetzt, bitte, nichts mehr davon, wir lenken die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden auf uns! Kommen Sie. Sie waren in's Krankenhaus getreten, in welches man den kranken polnischen Juden gebracht hatte. Zum ersten Male in ihrem Leben betrat Hedwig die Stätte des Elends, welches hier von hilfsbereiten Händen gemildert wurde. Jetzt wußte sie es ihrem Begleiter Dank, daß er ihr bei diesem schweren Gang zur Seite stand. Einige Male wußte sie sich an ihn anschmiegen, und sich von ihm führen lassen, wenn sie schaudernd die Augen schloß vor dem Anblicke menschlichen Elends, das sich ihr darbot. Endlich waren sie in das Zimmer gekommen, in welchem der Pole lag. Gewaschen und in reine Wäsche gehüllt, hatte sein Anblick das Entsetzliche verloren, das ihm Tags zuvor anhaftete. Leise näherte sich das Paar dem schlafenden Greise. Hedwig rückte den Polster zurecht, welcher einen Teil seines Gesichtes bedeckte und blickte mit Rührung in das bleiche, von grauen Locken umrahmte Angesicht. Auch Dansky hatte hingeblickt und er stieß einen markerschütternden Schrei aus. Alles um sich her vergessend, rief er: „Vater, mein Vater!" Dieser Schrei hatte den Schläfer erweckt, doch nicht zu klarem Bewußtsein gebracht, denn glanzlos starrten dessen Augen in's Leere. ..Rifkaleben!" murmelte er, „ist Jossel noch nicht gekommen?" Hedwig war bei dem Ausrufe Dansky's wie starr stehen geblieben. Der jüdische Bettler, der Vater des Professor Doktor Dansky? Wie konnte sie das fassen, wie das verstehen? Von Rührung übermannt, beugte sich Dansky über die Hand des kranken Vaters, um sie an seine Lippen zu führen. „Vater, Jossel ist hier bei Dir," sagte er mit tränenerstickter Stimme. Der Kranke verstand ihn nicht, hatte die Worte des Sohnes nicht einmal vernommen, denn wieder hatte er die Augen zum Schlummer geschlossen. „Kommen Sie fort von hier, Fräulein, hier läßt sich vorläufig nichts tun, als abwarten. Die Wohltätigkeitsanstalten bleiben vor der Hand unbehelligt, für die Bedürfnisse dieses Kranken sorge ich selber." (Schluß folgt.) IJumilsationeti des ölm.-nng. iluntoren-ljeranes. Da durch Anhäufung großer Rückstände eine ersprießliche Vereinstätigkeit unmöglich gemacht wird, werden die P. T- Vereinsmitglieder hiemit dringend ersucht, die lausenden und rückständigen Vereinsbeiträge umgehend an den Bereinssekretär Dr. M. Löwy, Wien, I., Wipplingerstraße Nr. IS, einzusenden, widrigenfalls der Vorstand gegen die säumigen Mitglieder im Sinne der Statuten Vorgehen müßte. Der Vereinsvorstand.

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