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Die Wahrheit · 1906-05-04 · Heft 17 (4.5.1906) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 17 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ais Wahrheit Mebaftiou n. Sldliiiiiisli cnioil: Wien. 7t/, Nvvaraqasse 27. T^lephvn Nr. der Druckerei I53V8. Inserate 2V Hell, ver Noiivareille-Zeiie. Abouiieiuenlöu. Jniciiiousbetrüge sind in Wie» zahlbar und klagbar. Unabhängige Heitschrift für Mische Intere^en^ Erscheint jeden Ireilag. Uoito: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit 1“ I Vezngsprrei»: jj j Ganzjährig ... st. u.— | | Halbjährig . . St. 6.— i Für «Lultusbeuiiite: | J Ganzjährig ... St. in — | Für Ausland: j Ganzjährig . . . -> 'JMm-fj t> Rubel »der l>> >^cs.! Ar lr. Wien, 4. Mai 1906. ^»halt: Aus der Woche. — Oesterreichisch-Jsraelitische Union. — In memoriam. — Die russische Anleihe. — Aus dcr Pester israel. Religionsgemeinde. — Die Juden und die Reichsduma.— Verschiedene Nachrichten. — Heinrich Lvwy. — Uraussührnng vcn Hcrmaini Zivis Tcnbild „Ueber Babylon nach Rom". — Feuilleton: Zurückgesunden. Ans der Woche. Der österreichische Ministerpräsident Freiherr v. Gautsch ist als Opfer der Wahlresorm gefallen, oder vielmehr als Opfer der unzufriedenen, tonservativen Koterie des Polenklubs, die mit dem Sturze des Ministers ihre politische Macht beweisen wollte, und die Ernennung seines Nachfolgers, des gegenwärtigen Statthalters von Triest, Prinzen Konrad Hohenlohe, steht für die nächsten Tage bevor. Der neue Ministerpräsident wird allgemein als ein Mann von seltenen persönlichen Eigenschaften und als moderner, von demokratischen Anschauungen erfüllter Staatsmann gerühmt, der in allen seinen bisherigen amtlichen Stellungen, als Bezirkshauptmann von Teplitz, als Landeschef der Bukowina und als Statthalter von Triest große Achtung vor den Gesetzen bezeugte und überall für die Ausgleichung der nationalen, konfessionellen und sozialen Gegensätze wirkte. Wir erinnern an die schönen und inhaltsreichen Worte, die er erst vor ganz kurzer Zeit, gelegentlich der Ueberreichung des Franz Joseph-Ordens an den Oberrabbiner S. R. Melli in Triest, sprach. In seiner Ansprache an den Dekorierten betonte Prinz Hohenlohe, daß es ihn freue, den Wunsch seines lieben Freundes, des Vorstehers der israelischen Kultusgemeinde Edlen von R i ch e t t i, erfüllen und dem im Amte ergrauten Oberrabbiner anläßlich seines 50jährigen Jubiläums diese Auszeichnung übergeben zu können. Er als er st er Beamter des Küstenlandes halte ganz besonders daraus, daß die Rechte der jüdischen Bevölkerung nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch in Wirklichkeit geachtet werden, womit er übrigens strenge im Sinne des Landesherrn zu handeln s i ch b e w uß t s e i. Von allen politischen Parteien wird Prinz Hohenlohe sympathisch begrüßt, nur den Christlichsozialen, die ihn als Gegner der Judensrage kennen, gefällt nicht seine politische Färbung und sie drohen, wenn er diese Färbung beibehalten sollte, werde er bald ihre Macht zu fühlen bekommen. * * * * Die große Erregung, welche weite Kreise der Wiener Kultusgemeinde anläßlich der Teilnahme der Wiener jüdischen Finanzkreise an der russischen Anleihe erfaßt hat, scheint vom Kultusvorstande nicht in richtigem Maße gewürdigt zu werden. Wenn auch, wie aus den beiden an uns gelangten und an anderer Stelle dieses Blattes veröffentlichten Zuschriften hervorgeht, dieses an sich gewiß bedauerliche Ereignis nicht überall gleiche Beurteilung erführt, und der Vorstand sich in der Annahme bestärkt fühlen könnte, daß die Protestkundgebung in der ..Oefterr.-Jsrael. Union' nicht als Willenskundgebung der gesamten Gemeinde zu betrachten sei, so würden wir es dennoch für überanszweckmäßig und ersprießlich finden, wenn er durch Einberufung einer offiziellen Wählerversammlung, oder falls eine solche nicht eine genügende Garantie für das Eindringen unberufener Elemente bieten sollte, durch Einberufung des Vertrauensmänner-Kollegiums sich Gewißheit darüber verschaffte, ob er sich in seiner vollkommen passiven Haltung im Einvernehmen mit der Gemeinde befindet oder nicht. Keineswegs aber halten wir es für gut und praktisch, daß die Affaire Taußig als Plattform für bie nächsten Kultuswahlen ausgegeben werde, denn so bedauernswert sie auch vom allgemeinen jüdischen Standpunkte ist, so erscheint sie uns dennoch nicht ernst genug, um mit ihr den Frieden in der Wiener Kultusgemeinde zu verknüpfen und agitatorischen Elementen eine leichte Handhabe zu bieten, durch Ausnützung der mehr oder minder berechtigten Erregung die gedeihliche Enlwicklung der Gemeinde zu untergraben. * * * Die menschenfreundliche Duldung, die bisher seitens der österreichischen Behörden den russischen Flüchtlingen gegenüber geübt wurde, scheint jetzt auch bei uns vorüber zu sein und wie in Deutschland, findet jetzt auch in Galizien die Ausweisung der seit vorigem Jahre im Lemberger Bezirke ansässigen russischen Staatsbürger, unter denen sich zumeist Juden befinden, statt. Dieselben haben in Lemberg bei verschiedenen Betrieben als Arbeiter Beschäftigung gesunden. Den durch diese Maßnahme Betroffenen wurde in den letzten Tagen nachstehende Zuschrift der Lemberger Bezirkshauptmannschaft eingehändigt: ..Da die im Innern des russischen Staates durch den russisch-japanischen Krieg hervorgerusenen Zustände schon einen normalen Gang angenommen haben und daselbst die Gefahr für die Juden bereits geschwunden ist, verbiete ich Ihnen und Ihrer Familie den weiteren Aufenthalt hier im Lände und fordere Sie entschieden und unwiderruflich aus, mit Frau und Kindern sowohl Ihren bisherigen Aufenthaltsort als auch die Grenzen dieses Reiches zu verlassen und nach Rußland, beziehungsweise in Ihren Geburtsort oder in jene Ortschaft zurückzukehren, von wo Sie hiehergekommen sind, und dies spätestens binnen dreißig Tagen nach Einhändigung dieser

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