Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 16 (27.4.1906)
- Date
- 1906-04-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 16. der Bizepräsidentin Frau Dr. Mvritz Schwarz und der Kassierin Frau Isidor Neubauer wiedergewählt und wurde die Wahl von den Gewählten dankend angenommen. Györ. Aus dem ungarischen Amtsblatt entnehmen wir, daß von! allerhöchster Stelle den Teilhabern der hiesigen altrenommierten Györer j Kaufmanusfirma Elias Keppich. nämlich desien Söhnen, den Herren ■ Wilhelm and*Ludwig Keppich. als Anerkennung der vielseitigen; Verdienste, die sich die Genannten sowohl auf kaufmännischem, als auf [ Wohltätigkeits-Gebiete, speziell durch munifizente bedeutende Stiftungen! für Mittelschüler am Györer Gymnasium und an der Staats-Oberrealschule rr. erworben, sowie auch den Söhnen nach weiland Franz Keppich, , den Herren Victor Keppich, Dr. Gyula Keppich und Dr. Paul Keppich und deren gesetzlichen Nachkommen der ungarische Adel mit dem Prädikat „Felpecz" verliehen wurde. Olmütz Unter außerordentlicher Teilnahme fand Sonntag, den 22. April, um halb II Uhr vormittags vom Trauerhause Sporergasse 14 das Leichenbegängnis des ältesten Radetzky-Veteranen Moritz Platze! statt. Den Kondnkt eröffnete ein Zug des Jufanlerieregimentes Nr. 54 und die Musikkapelle des Infanterieregimentes Nr. 93. Nachher folgten die verschiedenen Beteranen-Vereine und eine Deputation der freiwilligen Feuerwehr Olmütz. Zur Seite des Leichenwagens schritten 6 Infanteristen des 54. Infanterieregimentes als Sargträger und ein Spalier, der Veteranen. Hinter dem Sarge wurden von einem Mitgliede die 6 Auszeichnungen gettagen und sodann schlossen sich die Leidtragenden an. Nach Absingung der Trauergesäuge von dem Herrn Oberkantor Schlesinger unter Assistenz der beiden Kantoren Stößler und Friedländer eröffnete sich der Kondukt, dem eine große Zahl von Offizieren und die Vorstände der hiesigen Kultusgemeinde folgten. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge hatte sich zu diesem nicht alltäglichen Trauerakte eingefunden. In der Alleestraße angelangt wurde von dem Zug des Infanterieregimentes Nr. 54 eine General äs charge abgegeben. Am offenen Grabe widmete ihm Rabbiner Dr. Oppenheim einen Nachruf, in welchem er den Heldenmut und die wahrhafte Vaterlandsliebe des Verblichenen besonders hervorhob. Budapest, im April 1906. (Trauergottesdienste.) Das Andenken des verstorbenen Rabbiners und Geschichtsforschers Dr. M. Kaiserling, mit dem der Friede Gottes sei, wurde am Ausgange des zweiten Tages des Peffachfestes, an der ersten Jahreswende seines Ablebens in pietätvoller Weise gefeiert. Das Komitee des der Pester isr. Religionsgemeinde gehörenden Kaabenweisenhauses arangierte im prachtvollen Tempel des neuen Waisenpalais eine würdevolle Gedächtnisfeier. Zu dem Behufe mar das Anstaltsgebäude mit Traueremblemen reichlich geschmückt und das Gotteshaus strahlte im elekttischen Lichte. Zur Trauerfeier hatte sich — nebst der trauernden Familie — ein ebenso zahlreiches als vornehmes Trauerpublikum eiugefunden. Wir bemertten den Gemeinderabbiner Dr. Simon Hevesi, den Kultuschef Ludwig Adler, den Gemeindevorsteher Max Grünbaum, den Präsidenten der Chewra Kadischa Jacob Boschan. den Präsidenten des „Konkordia-Vereines^ Sigmund L. Breitner, den Präsidenten des Knabenwaisenhauses Jacob Deutsch, Profeffor Dr. Wilhelm Bacher, Generaldirekor Philipp Hazay, die Tempel- und Synagogenvorsteher Julius Adler, Berthold Herzmann, Dr. Wilhelm Grauer und Direktor Arnold Kohner Dr. Emil Farkas, Moriz Mandl, Oberkantor Israel Tkats u. a. Profeffor Adolf Lazarus verrichtete das Maariwgebet, dann stimmte der Chor einen Trauerpsalm an, worauf der vorzügliche Kanzelredner, Rabbiner Dr. Julius Fqcher, eine dem Andenken seines großen Vorgängers gewidmete, ebenso gediegene als formvollendete Gedenkrede hielt, die auf die Anwesenden einen nachhalügen Eindruck machte. Profeffor Lazarus stimmte das Dl mole rachamim an und als dasselbe verklungen war, sprach Rabbiner Dr. Fischer vor der heiligen Lade den Kaddisch der Rabbinen, womit die erhebende Feier ihr Ende erreichte. — Am Ausgange des Peffachfestes fand im alten Knaben-Waisenhause eine Trauerandacht für deffen verstorbene Präsidentin Frau Julie G. Spitzer statt. Den kantoralen Teil der Feier besorgte Oberkantor Profeffor Adolf Lazarus. Die Gedenkrede hielt Rabbiner Dr. Simon Hevesi. Dieser Meisterredner weiß sein Auditorium stets zu feffeln, indem er immer aktuell ist. — Zwei Tage nach dem Feste fand, anläßlich der ersten Jahreswende des Hinscheidens des Oberkantors Jakob Bachmann, in der glänzend beleuchteten Rombachsynagoge in Verbindung mit dem Abendgottesdienste eine solenne Gedenkfeier statt. In dem dichtbesetzten Gotteshause bemertten wir außer den Familienangehörigen des Heimgegangenen die Vorsteher Ludwig Adler und Max Grünbaum, die Tempelvorsteher-Julius Adler und Berthold Herzmann, die Synagogen- Borsteher Abraham Nagler und Direttor Arnold Kohn, die Kantoren der Pester israelitischen Religionsgemeinde mit dem Oberkantor Profeffor Adolf Lazarus an der Spttze, Abordnungen der Ofner und Altofner Jsraelitengemeinden u. a. Den Trauergottesdienst verrichtete Oberkantor Israel Tkats, der Nachfolger Bachmanns. Rabbiner Moses Feldmann würdigte in einer kurzen Gedenkrede — im Monate Nissan soll man sich nicht zu sehr der Trauer hingeben — die unvergänglichen Verdienste des großen Künstlers und unvergleichlichen Oberkantors Jakob Bachmann, deffen liederreicher Mund auf ewig verstummt ist! Redner rühmte auch den Nachfolger Bachmanns als aufgehenden Stern. v. H. 8. Budapest. Der Gutsbesitzer Felix Lindenbanm, Sohn des in allgemeinster Achtung stehenden Realitätenbesitzers Moriz Lindenbaum, hat sich mit dem Fräulein I l o n k a Nagy der Tochter des gewesenen Reichstags-Abgeordneter und hauptstädtischen Advokaten Dr. Alexander Nagy verlobt. Budapest. Letzten Samstag, nach dem Hauptgottesdienste fand im ffr. Kultustempel in der Tabakgaffe der erste öffentliche Gottesdienst für die Zöglinge der höheren Elementarschulklaffen statt. Der Gottesdienst, dem Rabbiner Dr. Simon H e v e s i.' Schulinspektor Dr. Bernhard» Munkacsi, mehrere Vorstandsmitglieder rc. RelkgionsprosefforJzor- L e v a i, der den Gottesdienst veranstaltet hatte, richtete an die andächtige- Schaar der Kleinen eine stimmungsvolle, im Herzen gehende Ansprache. Budapest. (Die Errungenschaft eines Juden.) Der Budapester jüdische Komumnal-Lehrer Julius Gabel hat ein Schreib- und Lehrunterrichtsystem erfunden, mittels welchem sowohl die kleinen Kinder dev I. Elementarklasse als auch die erwachsenen Analphabeten binnen 8—10 Stunden ganz geläufig Schreiben und Lesen zu erlernen i m st a n d e sin d. Die zuerst in hebräischer Sprache herausgegebene Fibel ist binnen 2 Jahren in 9 verschiedenen Sprachen erschienen. Der ungarische Landesverteldigungsmimster Feldzeugmeister von Bi har ordnete sub Zahl 91002,96 jüngst an, daß die Mannschaft (Analphabeten) der ungarischen Honved mittelst dieses Systemes unter-- richtet werde. Nun verfügte der österr. ung. gemeinsame Kriegsminister Feldzeugmeister von Pitreich sub Zahl 141/5, daß diese Schreib- und Lehrunterrichtsmethode, „welche gelegentlich der bei einzelnen Truppenkörpern stattgehabten Erprobung überraschende Resultate ergeben hat" in den Mannschaftsschuleu der ganzen Armee Verwender werde. Köln. (S ch e k e l t a g e.) Das Aktionskomitee der zionistischen Organisation hat die Anordnung getroffen, daß die Tage Sonntag, Montag,. Dienstag, 27 28. 29. Mai (Hagbalah-Tage) für die Zionisten der ganzen Welt als Schekeltage gelten sollen. An diesem Tage haben alle ihren Schekel zu entrichten und mit Einsetzung ihrer ganzen Kraft dafür zu sorgen, daß die Sammlung der Schekel sich zu einer großartigen Kundgebung der Disziplin in unserer Organisation, zu einer machtvollen Manifestation des zionistischen Gedankens gestalte. Das Aktionskomitee hat an die Landmannschaften die nachstehende Instruktion erlassen: Die Festsetzung von Schekeltagen, die bisher schon vereinzelt bei einigen Landmannschaften in Uebung waren, als eine allgemein-verbindliche Einrichtung für die Gesamtorganisation hat den Zweck: 1. Die Zahlung des Schekel zu einer Dokumentierung unserer Stärke, zu einer Probe der Leistungsfähigkeit unserer Organisation zu gestalten- 2. nicht nur den Gesinnungsgenossen, sondern auch der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit den Umfang, den Gehalt und die Bedeutung unserer Bewegung vor Augen zu führen. 3. in die Schekeleinziehung System zu bringen und dadurch den finanziellen Apparat der Organisation auf einegesunde Grundlage zu stellen. Auf diese drei Grundprinzipien müssen die Föderationen bei der Vorbereitung und Durchführung der Schekeltage ihr besonderes Augenmerk richten. Die Federationen haben an ihre Vereine die Weisung ergehen zu lassen, an diesen Tagen überall Versammlungen und Veranstaltungen zugunsten des Schekel zu unternehmen. Jeder Zionist muß sich in diesen Tagen in den Dienst des Schekels stellen und es sich angelegen sein lassen, in den weitesten Kreisen für den Schekel und damit für den Zionismus zu werben. Die besonderen Maßnahmen, die die Federationen treffen wollen, uni dem Schekeltag zu einem vollen Gelingen zu helfen, müssen natürlich den Verhältnissen jedes Landes angpaßt sein- Neben Versammlungen werden sich in vielen Ländern Umzüge, festliche Manifestationen rc. als Propagandamittel sehr bewähren. Wo es angängig, ist, muß durch Vorträge in den Synagogen auf die Bedeutung der Tage aufmerksam gemacht werden. Vor allem aber muß die Agitation von Haus zu Haus, von Mund zu Mund betrieben werden. In erster Linie sind dabei die Jugend, die Studenten, Frauen und Mädchen heranzuziehen, damit wirklich alle Kreise von der Agitation erfüllt werden. Wo sich die Gelegenheit ergibt,-muß das öffentliche Interesse durch die Presse, durch Flugblätter rc. geweckt werden. Ueberall muß den Juden zum Bewußtsein gebracht werden, was in diesen Tagen vorgeht, welche Bedeutung der Schekel und der Zionismus hat. Wenn die Bewegung zugunsten des Schekels überall mit dem genügenden Nachdruck betrieben wird, dann müssen die Schekeltage eine glänzende Demonstration für unseren heiligen Gedanken werden, bier die Organisation allerorten mit neuem Leben und neuer Kraft erfüllen wird. Um die Einheitlichkeit der Aktion, die zugleich eine Gewähr für ihre Wirkung ist, zu garantieren, müssen alle Federationen sofort ohne Umschweife mit den erforderlichen Vorbereitungen beginnen. Die Arbeit muß so eingerichtet werden, daß alle Abrechnungen bis spätestens Ende Juni fertig sind. Die Vereine und Vertrauensmänner find demgemäß zu instruieren. Die Abführung der Gelder erfolgt wie immer au den Jewish Kolonial Trust, London. Moson. Der in Wien domizilierende Privatbeamte Herr A r m i n Goldberger feierte seine Verlobung mit dem Fräulein M i tz i S t e r n, Tochter des hiesigen angesehenen Kaufmannes und Hausbesitzers Jacob Stern.__ Marie Daffinger’sche Armen-Stiftung.- Die Zinsen aus obgenannter Stiftung für vier arme Familien der hiesigen israel. Kultusgemeinde, für jede im Betrage von K 42 kommen am Sterbetage des sei. Herrn Sigmund Edl. von Wertheimstein, das ist am 18. Juni d. J. zur Verteilung. Die diesfälligen Gesuche sind bis 30. April 1906 im Einreicbungsprotokolle der israel. Knltusgmeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, woselbst auch Gesuchsblankette unentgeltlich ausgefolgt werden, in den Amtsstunden, zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Auszüge aus den Geburts , Trauungs- und Sterbematriken der israel. Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Auf verspätet überreichte oder nicht gehörig belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen.. Wien, 1. April 1906. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien.