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Die Wahrheit · 1906-04-27 · Heft 16 (27.4.1906) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 16 (27.4.1906)
Date
1906-04-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 16. Die Wahrheit Leite 9. Literatur. Tefilla Kezara. Hebräisches Gebetbüchlein für die israelitische Jugend von Dr. M. Rahmer. Völlig neu bearbeitet von Michael Abraham, Lehrer in Berlin. Erste Stufe. Zehnte Auflage. Frankfurt a. M. I. Kauffmann. 80 Pfg. Eine zweckmäßige Auswahl der Texte mit ausführlichen Vokabularium nebst kurzer Grammatik in prächtiger Ausstattung, macht dieses Büchlein zu einem vortrefflichen Schulbuch, dessen Einführung aufs wärmste empfohlen werden kann. Trotzdem oder gerade deswegen wollen wir auf einige Fehler aufmerksam machen, die in einer folgenden Auflage leicht beseitigt werden können. Alle Worte mit dem Ahent auf der vorletzten Silbe sind mit einem Strich versehen — nur nicht das ma nischtäno, warum wohl? 'Wajomar hat den Akzent auf der letzten Silbe! Ebenso dibber. Dagegen ist thoh.u. jichaz (®. 26) und atto (S. 27) auf der vorletzten Silbe zu betonen. Das Wort Sela wird in der heiligen Schrift allerdings nicht übersetzt, es soll ein musikalisches Pausal- .zeichen sein. Aber die Rabbiuen, die Verfasser unserer Gebere, haben es im Sinne von ewig aufgefaßt. Erubm 54a heißt es: In der Schule des R. Elasar ben Jakob wurde gelehrt: überall wo nezach, Sela, woed steht, da gilt es für alle Ewigkeit. Berachot 5a bemerkt Raschi zum Stich- Ivort wedomu sela: Der Tag des Schweigens ist der Tag des Todes, der ein ewiges Schweigen ist. Es ist daher zweifellos, daß Selajnt Gebete mit ewig übersetzt werden muß, sonst hätte es überhaupt keinen Sinn, da an ein musikalisches Zeichen hier nicht zu denken ist. M. Sachs TÜbersetzt auch Sela im Gebet mit ewiglich, Mannheimer dagegen scheint diesen Umstand nicht gekannt zu haben — wie unser Verfasser. Rabb. Dr. Kahan, Znaim. Uerfchiedene Nachrichten. Wien. Zufolge Uebersiedlnng bleibt die Bibliothek der Wiener Israel. Kultusgemeinde bis auf Weiteres geschlossen. Wien. (O e st e r r e i ch is ch - Israe l it ijch e Union.) Samstag, den 28. April d. I., präzise 1jß Uhr abends, findet im großen Saale des „Hotel Guth", H., Stefaniestraße 14, die 21. ordentliche Generalversammlung der „Oesterreichisch-Jscaelitischen Union" statt mit folgender Tagesordnung: 1. Mitteilungen des Vorstandes, 2. Rechenschaftsbericht, ■3. Kassabericht, 4. Wahlen in den Vorstand, 5. Anträge und Interpellationen. Wien. („V erein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kind er in W ien.") Wir haben bereits in voriger Nummer über die stattgehabte Konstituierung dieses Vereines berichtet, der sich nun mit folgendem Aufruf an die Öffentlichkeit wendet: „Mannigfache Vorkommnisse und Erscheinungen der letzten Jahre haben der Erkenntnis Bahn gebrochen, daß der Jugendfürsorge ein Hauptaugenmerk zugewendet werden muß. In jenen Bezirken Wiens, in welchen die ärmste Bevölkerung das Hauptkontingent der Einwohnerschaft bildet, macht sich die stetig zunehmende Verrohung und Entsittlichung unter der Schuljugend in beunruhigender Weise bemerkbar. -Groß ist die Zahl jener Kinder, die, tagsüber auf die Straße angewiesen, in der Erziehung vernachlässigt und durch mangelhafte Nahrung herabgekommen, zu Schädlingen der Gesellschaft ausreifen. Nur durch die Schaffung von Horten, in welchen die Kinder der Aermsten in schulfreier Zeit beaufsichtigt und zweckmäßig beschäftigt, an Leib und Seele günstig beeinflußt, zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft erzogen werden, kann diesem Hebel begegnet werden. So hat sich denn der „Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder" konstituiert, der seine Tätigkeit mit der Errichtung eines israel. -Knabenhortes uu XX. Bezirke. Othmargasse 46 bereits begonnen hat. Nach Maßgabe der Mittel sollen diesem Horte alsbald solche in den anderen Bezirken Wiens folgen. Von der Ueberzeugung erfüllt, daß der Verein eine ebenso bringende als segensreiche Institution bedeutet, richten wir an alle Besitzenden die innige Bitte, nach ihren Kräften zu diesem Werke der Nächstenliebe beizutcagen. Der Sitz des Vereines befindet sich: IX., Universitätsstraße 4. Mindestbeitrag: für Mitglieder X 5.—, Gründer K 100.—, Stifter K 500.— laut § 4 der Statuten. Beitrittserklärungen und Geldsendungen wolle man an den Kassier des Vereines Herrn Eman. -Gottlieb Taußig, IX., Althanplatz 4 adressieren. Dr. Js. Samuely, prakt. Arzt, Obmann, Max Frank in Firma Josef Jerusalenl, I. Obmann- Stellvertreter, Universitäts-Professor Dr. S. Ehrmann, II. Obmann- Stellvertreter, Ernst Götzl, Prokurist, Schriftführer, Richard Rappaport, Privatier, Schriftführer-Stellvertreter, Eman. Gottl. Taußig, Kaufmann, Kassier. Karl Freund, Privatier, Oekonom. Wien. (E m a n u el L i ch t w itz.) Wieder hat der unerbittliche Tod einen unserer besten Glaubensgenossen ereilt: Emanuel Lichtwitz, den Begründer des Hauses Lichtwitz & Co. in Troppau, dessen Name mit in der vordersten Reihe derjenigen seiner Zeitgenossen gestanden ist, die sich mm die Hebung der Industrie und des Gewerbfleißes, zugleich aber auch um Aufklärung und Förderung jüdischer Wissenschaft, Verbreitung des Lichtes im Judentnme unsterbliche Verdienste erworben haben. Wer kennt nicht den Namen Lichtwitz? Ein weit gepriesener Name, ehrenvoll an Charakter und Ruf. Ein Name von großer Fruchtbarkeit, Begabung und Liebenswürdigkeit. Emanuel Lichtwitz, einer sehr geachteten frommen Familie zu Hotzenplotz entstammend, besaß eine tüchtige Ausbildung im jüdischen Schrifttum. Dauernd, wie ein Edelstein, lichtstrahleud im Glanze humanen -Charakters, hat dieser strebsame Mann nicht nur in seiner Heimat Schlesien, sondern auch in Oesterreich-Ungarn und Deutschland, ja selbst in den entferntesten Staatendurch lebendigen Sinn, unermüdlichen Fleiß seiner Fabrikation Verbreitung und Anhänglichkeit verschafft. Emanuel Lichtwitz war bestrebt, so wie es in der Bibel heißt tba u 'wnb ein ewiges Licht leuchten zu lassen, indem derselbe die schönste Wohltätigkeit und Menschenliebe pflegte. Im 86. Lebensjahre folgte nun dieser biedere Mann seiner vor einigen Jahren verstorbenen treuen und edlen Gattin ins Grab, betrauert von einer hochachtbaren vornehmen Familie. In Emanuel Lichtwitz verliert des Judentum erneu treuen Sohn, die Familie einen selten guten Vater. Schlesien einen hervorragenden Förderer heimischer Industrie. Möge die Seele des Heimgegangenen ms Reich des Lichtes und des Friedens eingezogen sein allen zum Segen! Albert Löw Wien. Der Verein zur Unterstützung israel. Handwerker und Kleingewerbetreibender, I., Krugerstraße 8, versendet die Einladung zur Teilnahme an der XVII. ordentlichen Generalversammlung, welche Montag, den 30. April 1906, 7 Uhr abends präcise im Sitzungssqale der israel. Kuktusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, H. Stock, stattfinden wird. Tages- Ordnung: 1. Begrüßung der Mitglieder und der Gäste durch den Bereinsvorstand. 2. Vorlage des Jahresberichtes für das Bereinsjahr 1905 und Verlesung desselben durch den Schriftführer. 3. Bericht der Zensoren und Beschlußfassung über denselben. 4. „Altes und Neues aus unserem Arbeits- Nachweis". Mitteilungen des Herrn Dr. Bela Taussig. 5. Neuwahl von Vorstandsmitgliedern. 6. Wahl der Zensoren. 7. Eventuelle Anträge von Mitgliedern. Wien. Samstag, den 21. d. M. fand im Saale Guth, II., Stefaniestraße eine jüdische Wählerversammlung statt, in welcher Herr Max Markus ein Referat über das Tema: „Das allgemeine Wahlrecht und die Kultusstube" hielt. In der darauffolgenden lebhaften Diskussion wurde insbesondere die Beteiligung des .Kultusvorstehers R. v. Taußig an der Plazierung der russischen Anleihe scharf gegeißelt. Schließlich gelangte eine Resolution zur Annahme, in welcher die Einführung des allgemeinen gleichen Knltuswahlrechtes und der Ansllitt des Herrn Ritter v. T auß rg aus dem Kultusoorstande gefordert wurde, Linz. Der Vorstand der hiesigen isr. Kultusgemeinde hat in seiner Sitzung vom 22. April l. I. den einstimmigen Beschluß gefaßt, den in provisorischer Eigenschaft angestellten Oberkantor Bernhard L ö w e n s o h n in Anbetracht seiner vorzüglich-kantoralen Leistungen definitiv anzustellen. Aus diesem Anlässe wurde dem genannten Funktionär seitens mehrerer Herren ein prachtvoller Tallis als Ehrengabe überreicht. Ledetz. Am 1. Tage Pesfach fand hier das Leichenbegängnis des am 8. d. M. verstorbenen Frau Anna Steiner geb. Pollak. Gattin der ehrsamen Gemeinde- und Chewra-Kadischamitg liebes H. A. Steiner, unter großer Beteiligung der hiesigen Einwohnerschaft statt; auch eine Abordnung der hiesigen städt. Feuerwehr schritt dem Leichenzuge voran. Von den vier in guten Lebensstellungen sich befindenden Brüdern der Verstorbenen waren drei herbeigeeilt, während der vierte, der in Linz wohnt, des „Jom tow" halber, dem Leichenbegängnisse fernbleiben mußte. Auf dem Friedhofe verrichtete uuser Rabbinats - Verweser H. M. Mandl die üblichen Gebete und sang mit der Schuljugend ein erhebendes Trauerlied in böhmischer Sprache. Die Verblichene, erst 63 Jahre alt, die ein Biederweib im wahrsten Sinne des Wortes war, wird von ihren Gatten und drei Kindern tief betrauert. Die allgemeine Teilnahme, welche sich der trauernde» Familie zuwendet, beweist die großL Beliebtheit, der sich die Verblichene erfreute. Möge ihr die Erde leicht sein! Györ. Nach Ablauf des dreijährigen Mandats unserer Fraueu- Vereinsleitnng fand die Generalversammlung statt, in welcher vorerst der Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Berwalrungsjahr 1905 verlesen und mit vollem Beifall zur Kenntnis genommen wurde. Aus diesem Bericht heben wir die wesentlichen Teile hervor, die in kurzen Zügen ein anschauliches Bild bringen über das segensreiche Wirken dieses Humanitären Vereines und über die selbstlose, opferfreudige Tätigkeit der Bereinsleitung. Die Unterstützungen im Jahre 1905 an Hilfsbedürftige belaufen sich, kassamäßig nachgewiesen, an barem Gelde, Lebensmitteln, Winterholz, Bädern rc. mit Inbegriff von 400 Kronen als Unterstützungsbeltrag an die unglücklichen russischen Juden auf 6448.71 Kronen, und mir Hinzurechnung von 1833.92 Kronen als Kostenbeitrag kompletter Kleidungsstücke an 130 arme Schulkinder auf in Summa 8282.63 Kronen. Diese Ziffern allein — wir dürfen es ohne Selbstüberhebung sagen — führen eine beredte Sprache für die Leistungen unseres Vereines. Nebenbei benrerken wir auch, daß der Verein während der Winterszeit 40 arme Schulkinder mit warmem Frühstück versorgt, bestehend aus Milch und Semmeln. Seit Jahren bestrebt sich die Bereinsleitung die Institution einer jüdischen Volksküche ins Leben zu rufen, es bedarf aber unentwegter Energie, um das Ziel zu erreichen. Mit Ende 1905 hat die Bereinsleitung es bereits auf 8387.76 Kronen gebracht und hat sie Hoffnung, im Jahre 1906, so Gott will, das Jnslebentreten der jüdischen Volksküche begrüßen zu können. Und somit, nachdem die Mission der Vereinsleitung zu Ende geht, legt dieselbe ihr Mandat m die Hände der Generalversammlung zurück, dankerfüllt für das bewiesene Vertrauen, aber auch erhobenen Hauptes im Bewußtsein treu erfüllten Strebens zur Förderung aller Vereins-Obliegenheiten. Hierauf wurden unrer Leitung unseres Ehren-Rechtsanwalts Herrn Dr. Viktor Stein bei reger Beteiligung der Bereinsmitglieder in gesetzlicher Weise 33 Ausschußdamen gewählt, deren Ergebnis zur allgemeinen Befriedigung die bisherigen Ausschußdamen nominiert. Nun erübrigt uns noch Mitteilung zu machen, daß am 28. vorigen Monats aus der Mitte der Ausschußdamen das Präsidium des Vereines, bestehend aus Bereinspräsidentin Frau Johanna Herzl-Kevpich „rr .... ..im—.. . i -i.nirTr~irrn-im ....i ... r-

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