Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1906-04-20 · Heft 15 (20.4.1906) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 15 (20.4.1906)
Date
1906-04-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063316-3063331--04209-3071030
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seile 8. Die Wahrheit Nr. 15. Wie«. (Privatschule für Religionsunterricht des Vereines „A daß I i s r o e l".) Die Prüfung an dieser Anstalt findet Sonntag, den 22. April, V29 Uhr morgens, ‘ Ü., Große Schiffgasse 8, statt. Gäste willkommen. Wie«. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Am Sams-- tag, den 23. April d. I.. 1/s8 Uhr abends, findet in Kuhners Restaurant, I., Wlergaffe 6, die XVII.- ordentliche General-Versammlung des Vereines statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Präsidenten. 2. Kaffabericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Anträge und Interpellationen. 5. Bortrag des Vereinsmitgliedes Herrn Bernhard Buchwald: „Ueber den Bericht des Gewerbeförderungsdienstes 1902—1903'' uud damit verbundene Diskussion. Wie«. Am 17. Oktober jedes Jahres gelangen die Zinsen des „Prediger Mannheimer-Vereines" zur Verteilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben bedürftige Rabbinen, Prediger und Lehrer in Oesterreich-Ungarn, welche dienstunfähig geworden sind, oder deren Witwen und Waisen. Die Bewerber muffen in einer Gemeinde, welche mindestens fünfzig Mitglieder zählt, wenigstens durch zehn Jahre das Amt iu würdiger Weise verwaltet haben. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden 'sind ausgeschloffen. Die Würdigkeit der Bewerber,, sowie die Dienstunfähigkeit sind nachzuweisen. Unbelegte oder mit Urkunden in fremden Sprachen belegte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis am 30. Juni jedes Jahres unter der Adresse: „Vorstand des Prediger Mannheimer-Vereines" m Wien, L, Eßlinggasie 7, zu übersenden. Nikolsburg Unserem allgemein beliebten Oberkantor, Herrn Arnold Kränket, wurde in Anerkennung seiner Verdienste vom Vorstände einsiimulig das Definitivum erteilt. Eger. Herr S. Popper, welcher durch 35 Jahre bei der Kultusgemeinde in Eger die Stelle eines Oberkantors und Religionslehrers belleidete. sieht sich wegen vorgeschrittenen Alters veranlaßt, in den nächsten Monaten in den Ruhestand zu treten, und kommt infolgedeffen die Kantorenstelle daselbst im Herbst d. I. zur Besetzung. Czeruowitz (Girardi beim Wund errabbi von Sadag o r a.) Wie aus Sadagora gemeldet wird, traf dort vor einigen Tagen Herr Alexander Girardi aus Wien, in Begleitung des Czernowitzer Theaterdirektors Ranzenhofer sowie mehrerer Schauspieler und Schauspielerinnen ein uird äußerte den Wunsch, dem „weltberühmten" Wunderrabbi vorgestellt zu werden. Girardi absolvierte nämlich in Czeruowitz ein Gastspiel und benutzte dies zu einem Abstecher nach Sadagora. Direktor Ranzenhofer wandte sich an den Präses der Kultusgemeinde Dr. Hulles, der mit Erfolg um die Audienz warb. Girardi und seine Gesellschaft traten in das Haus des Rabbi, doch durfte nur Girardi allein eintreten, indes die anderen im Vorzimmer warteten. Nachdem sich Girardi unter verbindlichen Worten vorgestellt hatte, sprach der Rabbi: „Ich habe euch mein Herr empfangen, mache aber zur Bedingung, daß ihr mich ja nicht aufs Theater bringt!" Girardi lächelte und erwiderte in urwienerischem Dialekt: „Aber, Herr Rabbi! So gescheite Herren, wie Euer Ehrwürden aner san... dö spiel' i ja gar net!" Der Rabbi reichte ihm hierauf einen Becher Wein und Girardi fand denselben so ausgezeichnet, daß ihm der Wunderrabbi gestatten mußte, auch seine im Vorzimmer befindlichen Kollegen davon kosten zu lasten. Dann unterhielt sich der Rabbi mit ihm über Politik und über Wiener Verhältnisse, so daß rasch eine halbe Stunde verstrichen war. Girardi verabschiedete sich dankend und mußte nochmals versprechen, den Wunderrabbi nicht auf die weltbedeutenden Bretter zu bringen. Breslau. Derhiesige„Jüdische Bo lksverei n",dersichdieAufgabe gesetzt hat, die staatsbürgerlichen und sozialen Interessen des jüdischen Volkes zu wahren und seine Rechte auf gesetzlichem Wege zu vertreten, insbesondere für die Hebung des kleinen Mannes zu sorgen, geht nun daran, ein „J üd i s ch e s V o l k s h e i m" zu gründen, wie es bereits große Städte wie Berlin, Hamburg, Wien rc. besitzen, damit das Volk, vornehmlich die Jugend, eine Stätte erhalte, in welcher es sich im sozialen Kampfe aus- und fortbilde und von der Tagesarbeit Rast, Ruhe und Erholung finde. Ein diesbezüglicher Aufruf wendet sich an die besitzenden Glaubensgenoffen, um die Errichtung dieser für das Wohl des Volkes notwendigen Institution zu ermöglichen. Der Mindestbeitrag ist 6 Mk. jährlich, auch in Raten zahlbar. Auch werden einmalige Beiträge für die Kosten der Organisation angenommen. Anmeldungen und Zuschriften sind zn richten an den Vorsitzenden Dr. Neustadt, Breslau, Neue Graupenstraße 2. Loudo«. So wie alljährlich, hielt auch dieses Jahr Reverend David Kohn-Zedek, Rabbiner der Gemeinde „Ir David" (~in "i’Ü) am 7. Adar, dem Geburts- und Todestage unseres unsterblichen großen Lehrers, ein gelehrten Borttag. Der Redner erklärte die hohe Bedeutung dieses großen Tages und im Laufe der Rede erwähnte er mit wehmütigem Herzen die vornehmen Männer, welche wir im jüngsten Jahre leider verloren haben. Elegisch und herzrührend war folgende Klage: „Seit meiner frühen Jugend bin ich so wie alle meine Vorfahren Schriftsteller und Kanzelredner und es ist seit jeher meine Gewohnheit, den Verlust einer wettberühmten jüdischen Persönlichkeit auf der Kanzel zn beklagen. Diesen Winter hielt ich Trauerreden über die Hingeschiedenen Kapazitäten, meinen Familienverwandten Rabbi Isaak Schmelkes, Oberabbiner in meiner Geburtsstadt Lemberg, und R. Zadoc Kahn, Großrabbiner von Frankreich. Zu unserem tiefsten Bedauern haben wir diesen Winter über die tausende erschlagenen jüdischen Familien in Rußland viel geweint. Innerhalb der ersten dreißig Trauertage habe ich jeden Tag in einem anderen Gottes- Hause der hiesigen zahlreichen Federation-Synagogen einen Nekrolog abgehalten. Meine Weheklagen haben jedesmal verursacht, daß meine Augen und die Augen meiner zahlreich versammelten Zuhörer in Tränen getaucht waren/ Und ich konnte meinen tief empfundenen Schmerz nicht lindern^ bis ich manche poetische Klagelieder unter dem Tittel „Bechioh ledauraüs" verfaßte. Und auch heute fühle ich mich von grenzenlosem heftigen Schmerze ergriffen, wenn ich an die traurige Katastrophe denke und unsere zahlreichen erschlagenen Brüder und Schwestern in Erwähnung bringe. Möge das Andenken dieser Helden, welche durch ihren schreklichen Tod den Namem Gottes geheiligt haben, zum Segen sein!" Baltimore. Am ersten Samstag nach Schebuoth (2. Mai) begeht unser verdienstvoller und allgemein verehrter Oberkantor, Reverend Alois Kaiser, das 40iährige Jubiläum seines amtlichen Wirkens in Baltimore.. Oberkantor K a i s e r, der als einer der Ersten die sulzerischen Reformbestrebungen in Amerika zur Geltung brachte, gilt als einer der hervorragendsten Vertreter des Kantorenstandes, und die großen Verdienste, die er sich Nicht nur auf gottesdienstlichem Gebiete, sondern auch auf dem. Gebiete kollegialer Fürsorge als Präsident des amerikanischen Kantorenverbandes erworben hat, weiden gewiß an seinem Jubeltage vielseitige Anerkennung finden. Literatur. „Freitag-Abend-Gottesdienst." Unter diesem Titel ist in Leipzig bei M. W. Kaufmann ein Werk von Hermann Zivi erschienen^ in welchem das aschkenesische Chasonus Berücksichtigung findet. Der Verfasser, Oberkantor in Elberfeld, beweist praktischen Sinn für die Bedürfnisse der kleineren Gemeinden, indem er neben dem kautoralen Rezitativden einstimmigen Gemeindegesang mit Orgelvegleitung verwendet. Vielen Kantoren dürfte mit dieser Arbeit sehr gedient sein; sinh sie doch im allgemeinen nur auf die Partituren der großen Meister der Synagogengesangswcrke angewiesen, aus denen sie den anspruchsvollen Chorsatz für ihren Bedarf mit mehr oder weniger Geschicklichkeit zustutzen, müssen. Diesen Kantoren kommt Herr Zivi mit seinem Werke zu Hilfe. Er bemüht sich, möglichste Einfachheit im Satze mit melodischer Stimmführung. . zu verbinden.. Auch sind einige Piecen in dem Werke vorhanden, deren Vortrag für jeden Kantor eine dankbare Aufgabe sein wird, wie z. B. das Nisuror schir, Adonoj moloch und das Kiddusch. Z. Sch. Die Psalmen nach dem „zu lesenden" Texte (K'ri) geordnet und mit einem Wörterverzeichnisse für den Schulgebrauch bearbeitet von Doktor Frankl-Grün, Rabbiner und Religionslehrer in Kremsier. 1906. Selbstverlag. Zwei Gegenstände werden während der Versammlungen des Religionslchrerverbandes an den österreichischen Mittelschulen besonderseingehend verhandelt: 1. Die Frage des einheitlichen Lehrplanes; 2. Die Lehrbücherfrage. Wir müssen wohl die Wichtigkeit dieser beiden Fragen nicht hervorheben. Freilich der tüchtige Lehrer wird mit richtigem päda-- gogischen Takte seinen Lehrplan dem Schülermateriale, mit dem er zu. arbeiten hat, anpaffen, und das beste Lehrbuch wird den lebendigen,/aufmunternden und begeisternden Vortrag des Lehrers nicht ersetzen. Wie immer aber auch der Lehrplan ausfallen mag, der für die jüdische Reli-- gionslehre aufgestellt wird, die Lektüre der Psalmen wird in ihm einen bedeutenden Platz einnehmen. Dies muß wohl erst nicht begründe^ werden., Bilden doch die Psalmen einen Hauptbestandteil unseres Gottesdienstes, die Schönheit und der Reichtum der hebräischen Sprache aber' zeigt sich nirgends so glänzend, wie in den Psalmen. Wir werden daher eine gute Ausgabe der Psalmen für den Schulgebrauch mit Freuden begrüßen. Wir verwenden in der Schule meist das Gebetbuch bei der Psalmenlektüre, denn die gottesdienstlichen Psalmen sind es, mit denen wir den Schüler bekannt machen wollen. Die Ausgabe der Hagiographen von Lettens ist wegen der Handlichkeit auch nicht abzuweisen. . Dr. Frankl-Grün bietet nun in der neuen P s a l m e n a u s g a b e, die er soeben erscheinen ließ, ein recht praktisches Buch. Der Text ist korrekt; von den Neginoth behielt er nur die Athnachta, den Versteiler,. bei. Ein Wörterverzeichnis soll dem Schüler bei der Vorbereitung behilflich sein, und zum grammatikalischen Verständnisse beitragen. Wir wollen hier nur zu des Verfassers „Vorbemerkung zum: Wörterverzeichnisse" folgendes hinzufügen: Die Grundform des Verbums ist die dritte Person Singularis Perfecti in der Form des reinen Stammes, von dieser werden die übrigen Personen des Perfects abgeleitet. Als zweite Grundform kann für den Imperativ und das Jmperfect (nicht Futurum) Ketol oder Ketal angenommen werden, Bei den. Verdis, deren zweiter Radikalbuchstabe i ist, zeigt sich" der vollständige Stamm allerdings nur in der Form des Infinitivs, ebenso bei den Stämmen mit mittlerem \ Wir hätten außerdem noch folgende Bemerkungen zu machen: Wünschenswert wäre es, wenn sich schon in der Vers- und auch Strophen-- abteilung zeigte, daß die Psalmen Dichtungen seien, wie dies auch der Herausgeber beim XXXIV. Psalme, der alphabetisch abgefaßt ist, ebenso im OXIV., hervortreten läßt. Namentlich sollte dies im CXIX. Psalme durchgeföhrt werden. Deutsche oder hebräische Inhaltsangaben an der Spitze der Psalmen wären sehr wünschenswert. Ein ganz kurzer sachlicher und historischer Kommentar wäre' für ein Schulbuch von großem. Nutzen. Jedenfalls ist die Arbeit Frankl-Grüns eine solche, die. den Schülern und dem Unterrichte nur zum Vorteile gereichen kann. Es ist eine bekannte Tatsache, daß der Gebrauch des Gebetbuches, so notwendig er auch in der Schule ist, darunter leidet, daß man bei den verschiedenarttgen Ausgaben, die in Verwendung kommen, mit dem Aufschlägen der Gebetstücke viel Zeit verschwendet. Haben wir nun eine Psalmenausgabe, die wir mit gutem Gewissen den Schülern empfehlen können, so wird-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.