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Die Wahrheit · 1906-04-20 · Heft 15 (20.4.1906) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 15 (20.4.1906)
Date
1906-04-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 9. Nr. 15. dadurch dem angeführten Uebelstande abgeholfen werden. Freilich ist es, ' -fast hätten wir gefügt leider, jetzt eine Hauptaufgabe des jüdischen Religionsunterrichtes geworden, die Schüler mit dem Gebrauche des Gebetbuches bekannt zu machen. Denn, wie soll er sonst mit Verständnis dem Gottesdienste folgen? Wenn aber Lehrer meinen, daß neben den liturgischen Psalmen auch andere gelesen werden sollen, dann wird sicherlich die praktische Ausgabe Frankl-Grüns mit ihrem deutlichen und gut lesbaren Texte empfohlen werden können. Die von dem Referenten vorgeschlagenen Verbesserungen werden, wie er glaubt, wohlwollend ausgenommen werden und dem Buche nur zum Vorteile gereichen, dr. mx. gd. AurülKgefrmden. Novelle von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) „Das lasse ich mir vor der Hand gefallen. Doch kommen Sie, Fräulein, an einen Ort mit mir, wo wir ungestört plaudern ckönnen." „Das kann nur die freie Straße sein," antwortete Hedwig. „Oder ein Gartenrestaurant," warf der Doktor ein. „Ich für meine Person setzte mich über solche beengende Ansichten hinweg, und würde Ihnen ohne Weiteres in einen Garten folgen, aber ich bin nicht ganz unabhängig. Die Eltern meiner Schüler könnten mich in Gesellschaft eines Herrn sitzen sehen, und ich würde auf die Straße gesetzt, wie damals, als ich Ihnen unbedachter Weise in Gegenwart meiner Zöglinge -eine Zusammenkunft versprach." „Das also war der Grund Ihres Nichterscheinens, mein armes Kind? Und ich trug die Schuld, daß Sie um Ihren Posten kamen?" „Nicht Sie, wirklich nicht Sie, nur meine eigene Unbesonnenheit und mein unvernünftiger Stolz, den Kindern nicht zu verbieten, zu Hause von unserer Begegnung zu erzählen. Ich wollte mir vor den Kindern nichts vergeben und habe im Stillen auf ihre Verschwiegenheit gebaut. Das war mein Fehler. Kinder bleiben eben Kinder. Darum bin ich in deren Gegenwart so recht gedemütigt worden und habe meinen Posten verloren." „Und jetzt sind Sie hier in Prag in Stellung? wie ich sehe." „Nicht in einem eigentlichen Posten, sonst hätte ich wohl iiber den heutigen Abend nicht so frei verfügen können, wie ich -es tat, und hätte mich auch mit Ihnen nicht einmal auf offener Straße zeigen können. Ich wurde damals aus meinem Posten Entlassen und ging nach Hause, um mich eine Zeit lang zu erholen. Doch zu Haufe traf ich meine Mutter schwer erkrankt, und wenige Tage nach meiner Ankunft starb sie. Ich stand allein in der Welt, denn meine Brüder leben im Auslande. Nachdem sie sich mir gegenüber so edelmütig benahmen, das meiner Mutter ausgesetzte Monatsgehalt auch mir ferner auszuzahlen, mir auch den ganzen Nachlaß der Mutter überließen, mit Ausnahme eines kleinen Andenkens, das jeder von ihnen sich behielt, wollte ich meinen Vorsatz ausführen, mir in Prag ein kleines Mädchenpensionat einzurichten. Zu diesem Zwecke machte ich den ganzen Nachlaß der Mutter zu Gelde. Doch zeigte ich mich dieser Aufgabe nicht gewachsen. Nachdem ich mein kleines Vermögen zugesetzt hatte, ging meine Schule gänzlich ein. Ich bin nicht erfahren und praktisch genug, um solch ein Institut selbständig zu leiten. Die Unterstützung meiner Brüder ermöglicht es mir, von einigen Lektionen, die ich erteile, leben zu können. Vielleicht verbessert sich im Laufe der Zeit meine Lage derart, daß ich' auf die Unterstützung meiner Brüder verzichten kann, was mein höchster Wunsch wäre. Auf diese Weise habe ich mir einen Teil meiner Selbständigkeit bewahrt, so daß ich derart Vorgehen konnte, wie ich es heute getan habe." „Und welchem glücklichen Zufalle verdanke ich es, daß Sie gerade heute, wo ich hier sprechen sollte, auf die Sofieninsel gekommen sind?" „Nein, da wäre dieser Zufall wirklich ein wunderbarer. Es war nicht durch Zufall, sondern mein eigener Wille, der mich hergeführt hat. Ich las im Tagblatte unter den Vereinsnachrichten die Anzeige, daß ein Doktor Dansky in diesem Saale Einen Vortrag halten werde. Ich wünschte, ich hoffte es, daß Sie das wären, und verschaffte mir eine Eintrittskarte zu diesem Vortrage. Ein unvorhergesehener Zufall hat mich aufgehalten, und so wäre ich fast zu spät gekommen, um noch eingelassen zu werden, wo ich doch geplant hatte, mich in nächster Nähe von Ihnen zu postiren, um zu beobachten, ob Sie mich auch noch erkennen würden." Dansky bemerkte: „Wie lenkt doch oft ein unbedeutender Zufall das Geschick der Menschen! Ein kleiner Aufenthalt, vielleicht aus einer geringfügigen Ursache, und unsere Lebenswege wären diametral auseinandergegangen, ohne daß wir uns jemals wieder begegnet wären!" „Und wie ist es Ihnen seither ergangen, Herr Doktor?" „Meine Reise zu der Denkmalsenthüllung nach Tabor war meine letzte Handlung im politischen Leben gewesen. Ich habe dort einsehen gelernt, daß die Ideale, für die ich schwärmte, Utopien sind, daß es wohl slavische Sprachen und Bölkerstämme, aber keine einheitliche, alle Idiome znsammenfassende slavische Sprache und Nation gibt. Jeder Versuch, dieses Ziel zu erreichen, würde ein babylonische Sprachenverwirrung Hervorrufen, und wenn es uns ja — was aber kaum denkbar ist. gelingen sollte, auf Grund unserer überwiegenden Mehrheit in diesem Kaiserreiche den Sieg über unsere deutschen Gegner zu erringen, dann würde sich unsere Machtentfallung an der inneren Eifersucht zersplittern. Ebenso wie wir uns jetzt gegen das Wort: Staatssprache wehren, wie die Raupe gegen die Nadel, so würde sich der Pole gegen das Wort: czechische Staatssprache wehren, und umgekehrt ebenso. Ich habe ein solches Vorspiel bei den Versammlungen damals in Tabor mitangesehen. Die Vertreter der kleinsten Natiönchen slavischer Abkunft hätten gerne ihre Muttersprache zu der herrschenden erhoben. Das würde nicht gut tun, niemals. Damals sagte ich mich von meinen bisherigen Bestrebungen los. Da ich aber nicht eine andere Richtung eiuschlagen wollte und konnte, so habe ich den glatten, schlüpfrigen Boden der Politik verlassen, und mich der Wissenschaft, und nur dieser allein, gewidmet. Was aber hat Sie abgehalten, bei der Versammlung rechtzeitig zu erscheinen, um einen günstigen Platz wählen zu können?" (Fortsetzung folgt.) Wotiz. O österreichische Ausstellung in London. Dieser Tage hatten wir Gelegenheit, in der Borausstellung, die vom 9. bis 12. April im „Wiener Modeklub" stattfand, einige für die Londoner Ausstellung bestimmte Objekte der bestbekannten Spezialfirma für Synagogenbekleidung Rudolf Goldstern, Wien, II., Taborstraße 54, zu besichtigen. Die Objekte dürften selbst sehr verwöhnten Ansprüchen genügen und die Schaustellung dieser rituellen Gegenstände erweckt das lebhafte Interesse aller interessierten Kreise. Die Kutten und Talare sind in einer bisher nie so vornehm ausgeführten Art erzeugt worden — alles gediegene Handarbeit — und in geradezu musterhafter Weise verfertigt. Die Ausstellung der Talare hat sowohl bei Juden als auch bei Christen, im Publikum und seitens zahlreicher offizieller Persönlichkeiten, vielen Beifall gefunden und wurde dem Aussteller, Herr Rudolf G o l d st e i n, Lob und Anerkennung im ungeteiltem Maße ausgedrückt. Die Wissenschaft hat nachgewiesen, daß der menschliche Organismus, namentlich der noch in der Entwicklung begriffene, zum Gedeihen hinreichende Mengen Fett nötig hat und daß die guten Wirdmgen des Lebertrans weniger auf geheimen Eigenschaften desselben, als vielmehr in feinem Fettgehalte (neben leichter Assimilierbarkeit) beruhen. Eine hinreichende Ernährung mit Fett ist von größtem Einflüsse auf das Wachstum. Ganz besonders wichtig ist eine ausreichende Ernährung mit Fett auch für die Nerven, was durch neuere Forschungen überzeugend nachgewiefen ist. Leider sind die in den nördlichen Zonen altgebräuchlichen Speisefette tierischen Ursprunges sehr teuer, zum Teil auch schwer verdaulich. Da ist es denn ein Segen für die Hausfrau, daß ihr jetzt im (Ceres) Speisefett aus feinsten Kokosnüssen ein ideales Fett zur Verfügung steht, mit dessen Hilfe sie die Ihren den Forderungen der Wissenschaft, des Geschmackes und der Bekömmlichkeit entsprechend, — gut und billig — ernähren kann. Woll-u.Seidenkleider reinigt man am besten mit Schichrs Schwan seife (feste Kaliseife) schös^twilSSyN&CHE

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