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Die Wahrheit · 1906-04-20 · Heft 15 (20.4.1906) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 15 (20.4.1906)
Date
1906-04-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 15. wuui^m Tempels unmöglich gemacht. Deshalb gab ich der Meinung Ausdruck, daß durch Wahl eines billigeren Platzes und durch Projektierung eines billigeren Baues das Ziel leichter erreicht werden wird. Ich habe also nicht gegen den Tempelbau im allgemeinen, sondern gegen den m Aussicht genommenen Platz eine ablehnende Haltung eingenommen. Ich überlasse es getrost jedem einsichtigen Menschen, sich ein Urteil über die tendenziöse Färbung zu bilden, die der Herr Obmann des Tempelvereines für Wieden-Margarethen der ganzen Angelegenheit zu geben beliebte. Ihnen für den Abdruck meiner Zeilen im Voraus bestens dankend, zeichne Hochachtungsvoll Architekt Oskar Marmorek. Die Kriminalität der Inden in Deutschland. (Fortsetzung.) Es bringt uns dies sofort auf die Frage, wie es denn mit den einzelnen Jahren in diesen beiden Dezennien gewesen ist. Es ergibt sich dann folgende Uebersicht: 2. Uebersicht. Auf 100.000 strasmündige Zivilpersonen der gleichen Religionsgesellschaft kommen Verurteilte: Jahr Ueberhaupt Eoani gelische Katholische Christen Juden 1882 998 944 1078 991 844 1863 986 925 1087 982 809 1884 1023 953 1145 1021 799 1885 1005 926 1147 1104 740 1886 1022 947 1160 1022 767 1887 1023 948 1161 1023 762 1888 992 924 1117 992 764 1889 1043 977 1167 1044 792 1890 1065 997 1194 1066 793 1891 1073 1011 1190 1074 799 1892 1146 1082 1268 1148 ' 862 1893 1156 1088 1281 1156 976 1894 1195 1125 1321 1194 1027 1895 1202 1134 1326 1201 1104 1896 1197 1122 1332 1195 1051 1897 1204 1126 1341 1202 1076 1898 1219 1131 1376 1217 1038 1899 1201 1104 1375 1200 1018 1900 1164 1065 1339 1163 1033 1901 1223 1117 1412 1222 1053 Wir sehen hieraus, da 3 die Kriminalität der Christen ziemlich gleichmäßig steigt. Die Kriminalität der Juden zeigt eine andere Bewegung. Sie setzt mit 844 ein — das ist eine ziemlich hohe Ziffer — sinkt dann auf 809, hält sich dann ungefähr auf dieser Höhe und beträgt am Schluß des ersten Dezenniums 799. Im folgenden Jahrzehnt steigt sie zunächst stark an, um dann ziemlich stationär zu bleiben. Wenn wir uns die prozentuale Vermehrung der Kriminalitätsziffern bei den Christen und bei den Juden berechnen, so haben wir gegenüber dem ersten von 17'io/y, bei den Judeu von 31-40/0. Es ist das zweifellos eine auffallende Zunahme. Nun möchte ich nebenbei nur ein kleines Beispiel liefern, wie verschieden es ist, welche Zahlen man zu einander in Relation setzt: Wenn man 1882 vergleicht mit 1901, so ergibt sich merkwürdigerweise, daß die Zahl der Kriminalität für 1882 gleich 100 gesetzt, die Kriminalität der Juden 1901 124, die der Christen 123-4 beträgt. Setzen wir also das Jahr 1882 in Relation zu dem Jahre 1901, so ergibt sich ein wesentlich günstigeres Bild, als wenn wir die beiden Dezennien untereinander in Vergleich setzen. Wir konstatieren also allgemeine Zunahme der Kriminalität, nicht bloß absolut, sondern auch relativ sowohl im Deutschen Reich, als auch mit verstärkter Intensität, bei der jüdischen Bevölkerung. Wir schließen daran sofort die weitere Frage, wie stellt sich das Verhältnis, wenn wir die Ziffern der Hauptgruppen, die wir vorhin kennen gelernt haben, noch weiter zerlegen? Die Reichskriminalstatistik enthält hierüber eine sehr interessante Zusammenstellung, welche zunächst diejenigen Delikte umfaßt, bei denen die Zahl der verurteilten Juden zu der Zahl der gleichzeitig verurteilten Christen mindestens dreimal so groß ist : 1. Ueber si ch t. Die Zahl der im Durchschnitt der Jahre 1892 bis 1901 verurteilten Christen verhält sich bei den verzeichnten Delikten zu der der Juden wie 100 zu: 1400 strafbarer Eigennutz,^) 1300 Wucher, 1100 Vergehen gegen das geistige Eigentum, 890 betrügerischer Bankrott, 730 verbotene Beschäftigung von Arbeiterinnen und Jugendlichen, 680 Sonntagsruhe und Ladenschluß, 610 Konkursdelikte auß. Bankrott, 580 Viehseuchen, 490 Hehlerei im Rückfall, 470 Nahrungsmittelfälschung, 400 geweröslind gewohnheitsmäßige Hehlerei, 360 Zweikampf, 340 Unterdrückung von Urkunden, 330 Verletzung fremder Geheimnisse. Außerdem ergibt sich aus der Reichskriminalstatistik eine Zusammenstellung derjenigen Delikte, bei denen die Zahl der verurteilten Christen mindestens dreimal so groß ist wie die Zahl der verurteilten Juden: 33 schwerer Diebstahl, 33 gefährliche Körperverletzung 30 Gewalt und Drohung gegen Beamte, 24 einfacher.Rückfallsdiebstahl, 24 Sachbeschädigung, 23 Widerstand gegen die Staatsgewalt, 22 schwerer Rückfallsdiebstahl, 21 Blutschande, 21 Raub und räuberische Erpressung, 20 fahrlässige Eisenbahngefährdung, 18 Brandstiftung, 18 Amtsverbrechen, 16 schwere Körperverletzung, 13 Befreiung von Gefangenen, 2-9 Jagd- und Fischereivergehen. In der ersten dieser beiden Tabellen fällt besonders auf die Zahl der zum Zweikampf verurteilten Juden, die sich zu der wegen des gleichen Deliktes verurteilten Christen wie 360:100 verhält. Hierzu ist zu bemerken, daß hieraus nicht auf eine besondere Tapferkeit der Juden geschlossen werden muß. Zweikampf ist ein Delikt, das vorzugsweise in akademisch gebildeten Kreisen begangen wird. Unter diesen sind die Juden mit einem viel stärkeren Prozentsatz beteiligt. Dazu kommt, daß der Reserveoffizier, der den Zweikampf begeht, in der Tabelle überhaupt nicht vorkommt; er steht in den Tabellen der Militärgerichtsbarkeit: und die Juden sind unter den Reserveoffizieren selten anzutreffen. - (Schluß folgt.) Gabriel Riester. Zum 100. Geburtstag: 2. April 190 6. Bon Prof. Dr. Martin Philippson (Berlin). (Fortsetzung.) Auch an die' Juden stellte er ein gauz neues Verlangen. Sie hatten sich bisher damit begnügt, schriftlich zu klagen und zu widerlegen, und alles Heil von den Staatsgewalten erwartet. Rießer rief sie zu eigener Tätigkeit auf. Sie sollen überall Vereine bilden, um ihre Befreiung eifrig und systematisch zu betreiben, sie sollen nicht ablaffen, bei den Ständeversammlungen und den Regierungen immer wieder in würdiger und nachdrücklicher Weise für dieses Ziel vorstellig zu werden. Dieser- Aufruf zur Tat, er hat — zur Ehre der damaligen Israeliten sei es gesagt — sogleich und dauernd gezündet. Bald erhoben sich überall, besonders aber in dem großen preußischen Staatswesen, Männer, die ihre Glaubensgenossen diesen Weg führten: Geiger in Breslau, Saalschütz in Königsberg, Ludwig Philippsohn in Magdeburg, dann Stein heim in Hamburg und so viele andere. Aber auch zahlreiche frei und gerecht denkende Christen stimmten freudig dem mannhaften Auftreten Rießers zu, das sie sympatisch berührte. Sie empfanden, daß dieser Jude der besten Deutschen einer.sei, und knüpften mit ihm freundschaftliche Verbindungen an. Schlag auf Schlag erschienen neue Schriften Rießers in derselben Richtung. Es ist geradezu bewundernswert, mit welcher nie ermüdenden Mannigfaltigkeit und Frische, mit welchem Reichtum der Gedanken und der Form er die gleichen Gegenstände in immer neuer Wandlung zu erörtern verstand. Er besprach *) Veräußerung von Lotterielosen u. s. w. gegen Teilzahlungen, Uebervorteilung Minderjähriger, Vorenthaltung des Rechnungsauszuges I bei Geld- und Kreditgeschäften und ändere Fälle.

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