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Die Wahrheit · 1906-04-06 · Heft 14 (6.4.1906) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14. Tie Wahrl,eir Seite 7. "Dr. Ferdinand Kronarvetter re. Die Besucher dieser Versammlung sprachen sich überaus befriedigt über das Gesehene und Gehörte aus. Wien. Am 1. April d. I. fand in Sohrs Restauration die dritte ordentliche Generalversammlung des Vereines zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Mäuner unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder statt. Der Vorsitzende, Präsident Herr Isidor Schwarz, begrüßte die Versammlung, eutwars ein Bild des bisherigen Wirkens und besprach in großen Zügen die auf Grund der geänderten Statuten erweiterte Tätigkeit des Vereines, welcher immer mehr das Interesse des großen Publikums auf sich lenkt, dessen reger Unterstützung der Verein nach jeder Richtung hin -bedarf, um zur vollen Entfaltung zu gelangen. Daun gedachte er in erster -Reihe des verstorbenen großen Philantropen, Herrn Nathaniel Freih. v. Rothschild, sowie der dahingeschiedencn Mitglieder, Herren Wilhelm Simon, Markus Kohn, Max Brückner und der I. Kantors Moriz Blatt. In dem vom Vereinssekretär, Herrn Gustav Libesui), erstatteten Rechenschaftsbericht -wurde der Zuwachs der Mitglieder auf die ansehnliche Zahl von 440 gegen 340 im Vorjahre und die erfolgte Erhöhung der Einnahmen an Beiträgen, Spenden, darunter die wesentliche Spende des Freiherr» Albert von Rothschild aus dem Legate weiland Freiherr» Nathaniel von Rothschild, ferner an Unterstützungen aus Sammelbüchsen konstatiert. Durch die erhöhten Einnahmen war es dem Vereine auch möglich, im abgelaufenen Jahre 125 alte Männer mit kompletter Winterkleidung auszustatten und einer größeren Anzahl meist obdachloser, frierender und hungernder Greise -materielle Unterstützung zuzuwenden. Dieser Bericht wurde mit großem Beifall zur Kenntnis genomnien. Der hierauf vom Kassier, Herrn Edmund -Hoffmann, erstattete detaillierte Kassabericht, der eine Erhöhung der Einnahmen auf X 6766 26 gegen K 4968 56 und eine solche der Ausgaben per X 723653 gegen X 6305 52 im Vorjahre answeist, wurde genehmigend .zur Kenntnis genommen und dem Vorstände nach dem Berichte des Revisors, Herrn Gustav Planer, das Absolntorium seitens der Generalversammlung erteilt. Zum 5. Punkte der Tagesordnung enlwickelte Herr Gustav Planer den statistischen Bericht über die im vergangenen Jahre unterstützten Greise, die sich aus allen Schichten der Bevölkerung znsammensetzen. Dieselben sind im Alter von 55—93 Jahren und entfallen der Nationalität nach 2 Prozent auf Niederösterreich, 3 Prozent auf Böhmen, 40 Prozent auf Mähren, 35 Prozent auf Ungarn, 50 Prozent auf Galizien. Bon den 125 Greisen ernähren sich kümmerlich 45 als Hausierer, Tagelöhner, Dienstmänner, während 80 ganz erwerbsunfähig sind, und herrscht bei allen, darunter gewesenen Hoteliers, Pferdehändlern, Fruchthändlern, Börseanern und Gutsbesitzern, große Not. Die freigewordenen Mandate wurden durch die Herren Leopold Otto, Isidor Goldblatt, S. Politzer besetzt und als Revisoren die Herren Martin Rosenberg, Hugo Weiner und Elias Weiß mit Majoriät gewählt, lieber Vorschlag des Vorstandes wurde seitens des II. Präsidenten, Herrn Karl Fuchs, der Antrag gestellt, das überaus verdienstbolle Mitglied, Herrn Karl Di Boscovits, der durch seine intensive Tätigkeit, sowie durch seine Anregungen sich um das. Gedeihen des Vereines wesentliche Verdienste erworben hatte, zum Ehrenmitgliede zu ernennen, welchem Anträge die Generalversammlung beifällig zustimmte mnd Herrn Boscovits durch Akklamation zum Ehrenmitgliede ernannte. Zum Punkte Anträge und Interpellationen ergriff das jüngste Mitglied, Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. David, das Wort zu einer sehr herzlichen Ansprache, in welcher er an der Hand geistreicher Zitate, zum Beispiel „al taschlicheni lees sikno‘: (Verwirf uns nicht, o Herr, in der Stunde unseres Alters), das segensreiche Wirken unsers einzig dastehenden Vereines pries, und in dem Vergleich, daß wir in jedem Greis einen Vater, in jeder Greisin eine Mutter ehren, das Erhebende dieses Vereines veranschaulichte. Mit dem Wunsche, daß sich der Verein auch ferner stärke und in allen Kreisen Eingang finden möge, schloß Herr Rabbiner Dr. David seine mit Beifall begleitete Rede. Hierauf sprach der Vorsitzende Herrn Rabbiner 'Dr. David den Dank aus für diese warmfühlenden Worte und betonte, daß solche Männer wie unser greises Ehrenmitglied, Herr Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl, sowie Herr Rabbiner Dr. David stets eine Stütze unseres Vereines bilden werden. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen. Budapest. Die Präsidentenstelle der Pester isr. Religionsgemeinde ist derzeit unbesetzt, da Hofrat Sigmund Kohn er dem bei ihm in Abbazia erschienenen Gesamtvorstande zu seinem Bedauern erklären mußte, daß er aus Gesundheitsrücksichten unliebsam gezwungen sei, sein innegehabtes Ehrenamt aufzugeben. Alles Bitten war leider vergebens. Die Borstandsdepuration kam unverrichteter Sache zurück. Ueber Antrag des Syuagogenvorstehers Direktor Arnold Kohn sollen sich 50 Herren aus üem Repräsentantenkörper der Gemeinde nach Abbazia begeben und als Deputation der Gemeinde Hofrat K o h n e r nochmals zum Bleiben zu bewegen. Wir fürchten, daß auch dieser Versuch erfolglos bleiben dürste. Bis zur Wahl eines neuen Präsidenten besorgt der Vizepräsident Hofrat Dr. Philipp W e i n m a n n die Präsidialagenden. Er ist auch einer der Kandidaten für die Präsidentenstelle. Als weitere Kandidaten sind noch anzusehen: Joseph Hatvany-Deutsch deHatvan, Magnatenhausmitglied Sigmund Kornfeld, welcher gegenwärtig dem Borstande angehört, und Hofrat Berthold Weisz. Alle hochangesehene, würdige Männer, die den höchsten Lebensstellungen angehören und eine Zierde unserer Gemeinde bilden. v. H. 8. Budapest. Ende des vorigen Jahres wurde eine Heilanstalt errichtet, deren Zustandekommen zumeist den israelitischen Bürgern unserer -Stadt zu danken ist. Die alte Poliklinik hat schon nicht mehr genügt, man Ichritt daher zu emem Neubau, der den Forderungen der Jetztzeit vollkommen entspricht. An dieser Anstalt wirken auch zumeist gediegene Männer, die dem Judentums angehören. Dies vorausgeschickt, wird man nicht mehr überrascht werden, daß gerade mehrere Israeliten zugleich mit hohen Aus- .zeichnungen bedacht wurden. Wie das ungarische Amtsblatt meldet, hat Seine Majestät der König anläßlich der Errichtung der neuen Ordinationsanstalt des Budapefter Poliklinischen Vereines in Würdigung ihrer um deu Verein erworbenen Verdienste: dem Vereins-Vizepräsidenten Dr. Lazar Samuel den Titel eines königlich ungarischen Hofrares, dem Universitäts- Privaldozenten und Vereins-Vizepräsidenten Tr. Kornel Lichtenberg und dessen gesetzlicheil Nachkommen den ungarischen Adel ) endlich dem Universitäts-Piivardozenten und Berelns-Oberarzt Dr. Samuel Stern, das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. Die Namen der von Sr. Majestät Ausgezeichneten sind allgemein bekannt und geachtet. Speziell Dozenr Dr. Kornel Lichtenberg har sich, wie mail weiß, um den Poliklinischen Verein, denr er sert dessen Gründung angehört, durch seine rastlose, uneigennützige und segensreiche Wirksamkeit unvergängliche Verdienste erworben. Aber auch auf anderen humanitären Gebieten entfaltet er eine ersprießliche Tätigkeir, so als einer der Mitbegründer der Antiduelllga und des Friedensvereins. Er hat eine Reihe gediegener fachwissenschaftlicher Abhandlungen veröffentlicht, die allgemeine Anerkennung gefunden haben. Auch Dozent Dr. Samuel Stern hat in der medizinischen Welt wie auch im Publikum einen klangvollen Namen; sein Handbuch der physikalischen Untersuchuugsmethvden ist ein geschütztes Werk, das Aerzte« und Studierenden große Dienste leister. Budapest. Der Erste Müdchenausstattungsverein hielt am 17. März d. I. seine 43. Generalversammlung, die vom greisen Präsidenten Armin Schwarz eröffnet wurde, woraus der Vizepräsident Dr. Mär Wittmann die weitere Führung der Versammlung übernahm. Die Bilanz und der Bericht zeigt, daß das Geschäftsjahr ein günstiges war, was sich aus folgenden Daten ergibt. Es wurden X 921.339-64 als Versicherungskapital und andere fällige Beiträge ausgezahlt. Der Pensionsfond wurde auf X 11,366.373, der Dividendenfond ans X 514.317*38, der Reservefond samt dem Grundkapital von K 20.000 aus X 496.203 18 erhöht. Neu hinzngesügr wurden als Versicherungen K 14,760.800. Davon wurden K 12,366.500 akzeptiert, zurückgewiesen K 1,394.300. Zu Ende des Jahres belief sich der BersicherangSgründungssond aus X 54,112.280. Gegenüber dem vergangenen Jahre betrugen die Einkünfte um X 227.766*28 mehr. Die Endsumme der Bilanz, die eine Erhöhung von X 1,276.546 20 zeigt, beträgt X 12,796.010*40 und wird durch ungar. Staarspapiere, durch Prima-Pfandbriefe, durch drei 4 stöckige Zinshäuser, durch Sparkassa- Einlagen und durch gewährte Darlehen gedeckt. Die Bilanz und der Bericht wurde einstimmig und mit Dank zur Kenntnis genommen und das Absolutorium erteilt, und da die Maudatsscist abgelaufen war, wurden neue Wahlen vorgenommen. In die Direktion wurdeu gewählt: Armin Schwarz, Dr. Mär Wittmann, Dr. Josef Reich, Arnold Kohn, Sigmund Herzfeld, Josef Eisler, Sandor Tsuko (wieder), Dr. Jmre Szivak und Dr. Wilhelm Büszonyi (neu). In den Revisions-Ausschuß wurden wiedergewählt: Dr. Bernöt Alexander, Dr. Sigmund Simonyi, Josef Heger, Josef Seifensieder^ Albert Wertheimer und Dr. Albert Bacsky. Die Generalversammlung votierte der Direktion. besonders aber dem Präsidenten A. Schwarz, dem Vizepräsidenten Dr. M. Wittmann und dem Generaldirektor' A. Kohn protokollarischen Dank und Anerkennung. Nach Schluß der Generalversammlung hielt die Direktion eine konstituierende Sitzung, bei welcher Armin Schwarz zum Präsidenten, Dr. Mär Wittmann und Dr. Jnire Szivak zu Vizepräsidenten gewühlt werden. Nagy-Beeskerek. Mit aufrichtiger Befriedigung eiitnahmrn die hiesigen Bürger ohne Unterschied der Konfession, daß unser berühmter, in allgemeinster Achtung stehende Oberrabbiner Dr. Moritz Klein das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens erhalten har. Daß der hervorragende Oberrabbiner und vorzügliche Kanzelredner ein ausgezeichneter Mensch ist, das wußten wir bereits seit Jahrzehnten, nun wurde dies auch durch des Königs Majestät sanktioniert. Nicht nur um seine Konfession, auch um unsere Stadt und unser Komitat hat er sich nicht gewöhnliche Verdienste erworben, die auch an allerhöchster Stelle anerkannt und gewürdigt wurden. Oberrabbiner Dr. Moritz Klein, der jüngst sein vierzigjähriges Seelsorger-Jubiläum feierte, ist eine Zierde seines Standes. Schon in den Siebziger Jahren waren seine ungarischen Kanzelreden berühmt. Aber er ist nicht nur ein eloquenter Prediger, er ist auch ein tüchtiger Organisator und als solcher hat er sich unter anderem beinc Landes-Rabbinerseminar bewährt, an dessen Leitung er seit dessen Bestand in hervorragender Weise teilnimmt. Groß ist auch der Ruf seiner Gelehrsamkeit; nebst mehreren gediegenen Originalarbeiten hat er eine ungarische Uebersetznng eines der grandiosesten und zugleich schwierigsten Werke der hebräischen religiös-philosophischen Literatur, vou Maimuni's „More Nebuchim", geliefert. Seine Auszeichnung wird in weiten Kreisen lebhafte Befriedigung wecken. Jofephsohn. P reff bürg. Bei dem vom hiesigen Männergesangs-Berein „Schir C h o d o > ch" veranstalteten Choralkonzerte, welches Sonntag, den 1. d. M. stattfand und von einem vornehmen Publikum aus beiden ijrael. Gemeinden zahlreich besucht war, hatten wir Gelegenheit einen Tenoristen ersten Ranges, Herrn M. Mätyas. I. Kantor am Ottakringer Tempel der Wiener Knltusgemeinde, hören und bewundern zu können. Mit phänomenalen Stimmmitteln, welche die höchsten Töne mit Leichtigkeit erklimmen lasten, verbindet der noch jugendliche Sänger dramatische Kraft, edles Pathos und deutlichste Aussprache. Außer dem ergreifend vorgetragenen Solo zum Psalm 116 von Minkovsky, brachte Herr Matyas Arien von Rossini. Leoncavallo, die Stretta ausl„Trovatore", und als Zugabe besonders effektvoll die Entroearie Raouls aus den „Hugenotten" zum Bortrage und erntete dröhnenden Beifall. Aber auch die Bekanntschaft eines anderen vorzüglichen Sängers wurde uns vermittelt, u. zw. des Bassisten Herrn L. Kirfchner, Opernsänger am Stadttheater in Nürnberg, der Schuberts „Wanderer" und mehrere Opernarien mit edlem Feuer und prächtig sonorem Organ wirkungsvoll vortrug. Besondere Anerkennung verdient der Bereinsdirigent, Herr Kantor I. Kijewsky, der eigentliche Begründer und die Seele dieses jungen Vereines, dem es gelungen war. mm .amawüia

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