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Die Wahrheit · 1906-03-30 · Heft 13 (30.3.1906) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 13. Die Wahrheit -eite 9. durch gemeinnütziges Wirken das Vertrauen der hiesigen Bürgerschaft ohne Unterschied der Konfession erworben hat. Es stüude um die jüdischen Verhältnisse in Galizien viel besser, wenn wir viele solcher uneigennütziger, tüchtiger Männer besäßen. Stanislau. Am 24. März fand in Stanislau im großen Theatersaale ein jüdisches Konzert unter der persönlichen Leitung der Herren Kantoren Schkolnik, Kwartin und Feiger zugunsten notleidender Berufsgenossen statt. Budapest. Der zur Zeit in Abbazia weilende Präsident der Pester israelitischen Religioasgemeinde, Hofrat Sigmund Ko h ner, hat Diefer Tage an die Gemeindevorstehung zwei Briefe gerichtet, deren Inhalt den Gegenstand einer am 26. d. M. abgehaltenen Vorstandssitzung bildete. Der Vorsitzende, Vizepräsident Hofrat Dr. Philipp W e i n m a n n, bringt zur Kenntnis, daß Hofrat Kohner dem Pensionsfond der Gemeiudebeamten 5000 Iv gespendet hat, was mit Dank und Anerkennung zur Kenntnis genommen wurde. Weniger erfreulich war die zweite Zuschrift Kohners. In derselben legte er aus Gesundheitsrücksichten seine Stelle als Präsident nieder. Der Vorstand nimmt mit sinnigstem Bedauern diesen Beschluß ent- > gegen, bestimmt aber mit Stimmeneinhelligkeit, daß er alles aufbieten werde, Hofrat Kohner zu bestimmen, sein Ehrenamt weiter behalten zu wollen. Zu diesem Behufe begibt sich sofort der Gesamtvorstand unter Führung des Vizepräsidenten Dr. Weinmann nach Abbazia, um Kohner zu bitten, seinen Rücktritt aufzugeben und ihn zu versichern, daß der Vorstand bestrebt sein werde, ihm sein schweres Amt nach Möglichkeit zu erleichtern. Der Vorstand gibt sich der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß > es gelingen werde, Hofrat Kohner von seiner getroffenen Entscheidung ab-! zubringen; für den Fall jedoch, als dies nicht gelingen sollte, müßte natur-! gemäß ein neuer Präsident gewählt werden und sind hiefür zwei Persönlichkeiten ansersehen. Es sind dies beide sehr hervorragende Männer. Der! eine ist Josef H a t v a n y - D e n t s ch de Hatvan und der andere ist das Magnatenhausmitglied Sigmund Kornfeld, welcher derzeit bereits Mitglied des Vorstandes ist. D. H. 8. Budapest. Der Primarius des Pester israelitischen Spitals, Universitätsdozcnr Dr. Jonas Büro n, beging mit seiner Gemahlin, geborene Helene Deutsch das Fest der silbernen Hochzeit. Aus diesem Anlaffe wurden dem Jubelpaar herzliche Ovationen bereiter. Budapest. Wie alljährlich soll auch heuer die Sederfeier für die Handwerkszöglinge des nngarijch-israelitischen Handwerks- und Ackerbauvereines feierlich abgehalten werden und wird man Rabbiner Dr. Julius Fischer ersuchen, die Festrede halten zu wollen. — Außerdem wurde beschlossen, die in den staatlichen Ackerbauschulen in der Provinz untergebrachren Zöglinge des Vereines ebenfalls mit ritueller Kost während der Festzeit zu versehen;, zu dem Behuse werden die betreffenden Jiraelitengemeinden ersucht, solches auf Kosten des Vereines veranlassen zu wollen. — Nach der Sitzung hielt dann das Ackerbaukomitee unter Vorsitz des Vizepräsidenten, Hofrat Berthold W e i s z, eine Konferenz. Gegenstand der Besprechung bildete die Errichtung einer israelitischen Ackerbauschnle unter der Aegide und auf Kosten des Vereines. 8. Budapest. Der im Pester israelitischen Spitale während seiner Bewußtlosigkeit getaufte Maler Alexander Bihari wurde angeblich im Roten Kreuzspitale, wo er schier hoffnungslos daniederliegt, letzten Freitag seiner Gattin auch nach katholischem Ritus angetraüt. Er soll — in seinen lichten Momenten — die Erklärung abgegeben haben, daß es sein sehnlichster Wunsch gewesen, die Taufe zu empfangen. Budapest. Auch jetzt noch, wo ich nach den entsetzlichen Verfolgungen, die meine Glaubensbrüder in Kischenew und vielen anderen Städten Rußlands erlitten haben, hier in Ungarn meine zweite Heimat gefunden habe, ist mein Interesse für mein früheres Vaterland selbstverständlich nicht erkaltet, und erhalte ich Nachrichten aus allen Teilen desselben, die mich zumeist schmerzlich berühren. Besonders harr rraf mich jedoch de Nachricht von dem Heimgange des Rabbiners Daw. Sal Schloß in Odessa, der mir persönlich sehr nahe stand. Er war mir, wie vielen anderen, ein Wohltäter. Trotz seiner großen Gelehrsamkeit und vielseitigen Tätigkeit als Rabbiner und Dorschen entließ er niemanden ungehört, der sich an ihm um eine Gefälligkeit oder Fürsprache wandte. Mich und die Meinigen hat die gütige Vorsehung gelegentlich der Oktoberexzesse glücklicherweise beschützt, und nun muß ich den Schmerz erleben, daß der Rabbiner Schloß infolge der bei dem gleichen Anlaffe erlittenen Mißhandlungen nach dreimonatlichem Krankenlager in ein besseres Jenseits abberufen wurde. Chawol ul dawdin. wlo midühtakchin Nicht nur Odessa, sondern ganz Rußland, ja das ganze Judentum hat an ihm einen großen Verlust erlitten. Er war erst 53 Jahre alt und seit 24 Jahren Rabbiner. Außer einem Sohne, der als Professor in Paris lebt, betrauern ihn die untröstliche Witwe und mehrere unversorgte Kinder. Israel T k a t s, Oberkantor. Also-Kubin. Dienstag, den 27. d. M. (Rosch chodesch Nissan) fand hier in Anwesenheit zahlreicher Gäste die Hochzeit des Fräulein Mirjam Lea H o r o v i c z, Tochter unseres ehrwürdigen Herrn Oberrabbiners, mit Herrn S. Friedländer aus Balmazuvaros statt. Triest. (Statthalter von Triest Prinz Hohenlohe über die konfessionelle Gleichberechtigung.) Man schreibt uns aus Triest: Freitag den | 23. b. M. erschien der Statthalter Prinz Konrad zu Hohenlohe in der! Wohnung des greisen Oberrabbiners S. R. Melli und überreichte ihm persönlich den Franz Josefs-Orden. In seiner schwungvollen italienischen Ansprache betonte der Statthalter, es freue ihn, den Wunsch seines lieben Freundes, des Vorstehers der israelitischen Kultusgemeinde Edlen v. Richetti, erfüllen und dem im Amte ergrauten Oberrabbiner anläßlich seines 50jährigen Jubiläums diese Auszeichnung übergeben zu können. Er als erster Beamter des Küstenlandes halte ganz besonders darauf, daß die Rechte der jüdischen Bevölkerung nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch in Wirklichkeit geachtet werden, womit er übrigens strenge im Sinne des Landesherrn zu handeln sich bewußt sei. In Worten tiefer Ergriffenheit dankte der greise Seelsorger für düse Auszeichnung. Bei dem festlichen Akte waren die Herren Edmondo v. Richetti, der neugewählie Gemeinderat Somaia, Schwiegersohn des Herrn Melli, und der Rabbiner Doktor Brettholz anwesend. Berlin. Der bekannte Orientalist und Bibliograph Professor Dr. Moriz Steinschneider, dessen Wohnsitz in Berlin ist, begeht am 30. d. M. sein 90. Lebensjahr. Aus diesem Anlasse wird eine von Verehrern des Jubilars herausgegebene Sammlung der nicht in Buchform erschienenen literarischen Arbeiten desselben erscheinen. Dr. Steinschneider ist ein geborener Proßnitzer, Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien, Berlin und München und ist derzeit körperlich noch rüstig. Möge es ihm noch lange beschieden sein, zur Förderung der Wissenschaft und zur Ehre des Judentums zu wirken! London. (I u d e u v e r t r e i b u n g in S e b a st o p o l.) Nach einer Meldung des „Standard" aus Odessa hat der Gouverneur von Sebastopol den Befehl erteilt, daß die Inden die Stadt zu verlassen hätten. Aufruf! Am 15. d. M. ist das Gesetz über ^Gesellschaften mit beschränkter Haftung" erschienen, von dem eine segensreiche Einwirkung aus die Entwicklung von Handel, Gewerbe und Industrie zu erwarten ist. Die Gesellschaften können zu jedem gesetzlich zulässigen Zwecke errichtet werden und wenn das Anlagekapital eine Million Kronen nicht übersteigt, bedürfen sie keiner staatlichen Genehmigung und unterliegen in solchen Fällen nicht der für Aktiengesellschaften vorgeschriebenen Besteuerung, sondern der allgemeinen Erwerbsteuer. Ueberdies sind mehr Abzugsposten' zugelassen als bis nun und unterliegt das Reinerträgnis einer niedrigeren Erwerbsteuer. Im deutschen Reiche, wo die Verhältnisse wesentlich besser liegen als bei uns, wurde bereits in den 80er Jahren die Notwendigkeit der Gesellschaften mit beschränkter Haftung erkannt und in dem kurzen Zeiträume seit dem Jahre 1902, in dem das Gesetz in Deutschland erlassen wurde, haben die Gesellschaften mir beschränkter Haftung dort einen ganz enormen Aufschwung genommen. In Deutschland bestehen ungefähr 8000 Gesellschaften, in Preußen allein bestanden im Jänner 1905 5515 Gesellschaften mit einem Gesamtkapital von rund eineinhalb Milliarden Mark. Diese Gesellschaften bieten den Vorteil, daß die persönliche Haftung nur auf die Stammeinlage beschränkt, die Steuerzahlung, die .Regie- und die Produktionskosten wesentlich vermindert werden, eine Verminderung der Inanspruchnahme von Kredit und hiemit eine Ersparnis an Kapitalszinseu erfolgt und durch Verbindung zersplitterter Arbeits- und Kapitalskräfte eine produktivere Tätigkeit erzielt wird. Als Tätigkeitsgebiet würde sich hauptsächlich empfehlen Vorbeugung von Insolvenzen, Gewährung von Rechtsschutz. Förderung des Exportes und Ausnützung des Erfindungsschutzes. Dienstag, am 3. April d. I., 7 Uhr abends, findet im Saale des Hotel Guth, H., Stefaniestraße 14, eine Vorbesprechung wegen Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung statt, zu der ernstliche Interessenten sich recht zahlreich einzufinden eingeladen werden. Besondere Einladungen werden nicht versendet. Dr. Sigmund Zins, Hof- und Gerichtsadvokat. Das beste Gelränk u.Nahrungsmiltel fürfiebernde Kranke ist Ceres-Apfelsaft de r Nä h r m i H*e 1 w e r k e „ GE R ES" Aus.$%, I I j fmaäm

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