Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 13 (30.3.1906)
- Date
- 1906-03-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 8. Die Wahrheit Nr. 13. eine Funktion beim Hilfsvereine erhält, sind sämtliche übrigen Herren wiedergewählte Funktionäre. Hierauf wurde die Generalversammlung geschlossen. Die Redaktion kann aber nicht umhin, die Aufmerksamkeit der Leser auf das eminent wohltätige Wirken des galizischen Hilfsvereines zu lenken; nur dadurch, daß den 600.000 armen galizischen Juden Arbeit und Verdienst zugeführt wird, werden diese unsere Glaubens- und Stammesgenossen nicht nur auf ein besseres materielles, sondern zugleich auch aus ein höheres kulturelles und moralisches Niveau gebracht. Dieser großartige Gedanke, den der Galizische Hilfsverein in die Tat umzusetzen sich bestrebt, bedarf zu seiner Verwirklichung sowohl einer fortgesetzten unermüdlichen Tätigkeit der Vereinsleitung, als auch der reichlichen Unterstützung der Juden in ganz Oesterreich. Wir bitten daher unsere Leser ohne Unterschied des Geschlechtes, diesem Vereine als Mitglieder beizutreten und auf diese Weise dieses segensreiche Werk zu fördern. Der mindeste Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich 4 K; Beitrittserklärungen sind an die Adresse des Hilssvereines, Wien, IX., B e r g g a s s e 4, zu richten. Perlchiedene Nachrichten. Wien. Samstag, den 24. d. M. jährte sich der Todestag der allzufrüh dahingefchiedenen edlen Gattin des Baron Albert v. Rothschild, Bettina Freifrau von Rothschild. Beim Samstag-Gottesdienste im Stadttempel hatten sich aus diesem Anlasie die vier Söhne der Verblichenen in Begleitung des Herrn Religionsinspektors Professor K a n i tz eingefunden, um das Angedenken ihrer edlen Mutter im Kadischgebete zu ehren. Wien. Am 22. d. M. verschied hier allseits tief betrauert Herr Hermann Deutsch, gewesener Kaufmann, im 75. Lebensjahre. Sein Hinscheiden hat bei allen seinen Freunden, die ihn ob seiner wahrhaft jüdischen Herzenseigenschaften verehrten, tiefe Trauer hervorgerufen. Durch viele Jahre Besucher des Stadttempels war er auch einer derjenigen, die stets reges Interesse für alle Vorgänge im Judentum hatten. Er war ein herzensguter Mann. An seiner Bahre trauern desien Gattin, fünf Söhne, drei Töchter und zahlreiche Verwandte. Er ruhe in Frieden. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XX., Othmargasse 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vortrage: an Wochentagen um 1/28, an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. Wochenprogramm: Freitag, den 30 März: Bibelvortrag. Herr Religionslehrer H. Löw-Vogel, Samstag, den 31. März: Konzert. Sonntag, den I. April: „Die großen Welteroberer in ihrem Verhältnisie zu den Juden." Herr Rabbiner Dr. I. M. B a ch. Montag den 2. April: „Jüdische Sozialisten vor 2000 Jahren." Herr Dr. Arnold Ascher. Dienstag, den 3. April: „Jüdisches Volksleben in den Erzählungen jüdischer Poeten," (mit Rezitationen) Herr Dr. Ferd. Kornfeld. Mittwoch, den 4. April: „Die Entwicklung der Lebewesen auf der Erde." Herr Professor Dr. S. Ehrmann. Donnerstag, den 5. April: „Die Erziehung der taubstummen Kinder. — Helen Keller." Herr Dr. I. Samuely. Freitag, den 6. April: Bibelvortrag. Herr Religionslehrer Isidor Ohler. Samstag, den 7. April: Konzert. Schlußfeier. Samstag, den 24. d. M. fand ein von den Damen: Frau Dr. Samuely (Klavier), Frau Dr. Liebstöckl (Gesang) und den Herren: Dr. Wollheim (Klavier und Gesang) und Gloga (Deklamation) bestrittenes höchst gelungenes Konzert statt. Wie«. (Vereinzur Hebung derGewerbe.) Sonntag, den 1. April1906, präzise 7 Uhr abends, findet im großen Festfaale des Nied.-öst. Gewerbe- Vereines, I., Eschenbachgafle Nr. 11, eine Plenar-Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Rudolf Kobatsch, Sekretär des Nied.-öst. Gewerbe-Vereines: „Die Frau, im Gewerbe". 2. 60 Skioptikon- Bilder, die schönsten aus dem Bilderschatz'e der „Wiener Urania" und zwar aus Paris, London, Venedig, ferner aus Tirol, der Schweiz und dem Meere. Damen und Gäste willkommen! Wie«. (Verein Tomech Ewjonim.) Am 25. März d. I. fand die 13. ord. Generalversammlung des Vereines „Tomech Ewjonim" im Bethamidrafch des Adas Israel Vereines (Schiffschul) statt. Nachdem der Obmann, Oberkantor Mayer S ch o r r, die zahlreich Erschienenen freundlichst begrüßt hatte, wurde zur Tagesordnung geschritten. Der vorgelegte Rechenschaftsbericht vom Obmann-Stellvertreter Sig. Figdor verlesen, rief allseitige Befriedigung hervor und wurde dem Gesamtvorstande in Anerkennung seiner Verdienste um den Verein das Absolutorium erteilt und derselbe mit Akklamation wiedergewählt. Zum Schluffe teilte der Obmann einen Beschluß des Vorstandes mit, wonach die Ausspeisung der Armen künftighin, nicht wie bisher in öffentlichen Restaurationen, sondern im eigenen Lokale und in eigener Regie vorgenommen werden soll. Diese Neuerung, die den Zweck hat, den an den Verein gestellten Anforderungen, die sich in letzterer Zeit durch den Maffenzuzug armer Durchreisender bedeutend erhöhen, vollauf gerecht? zu werden, faud bei der Versammlung ungeteilten Beifall und wurde beschloffen, das zu diesem Behufe bereits akquirierte Speifelokal, II., Gr. Schiffgaffe 21, schon am 1. Mai l. I. zu eröffnen und seiner Bestimmung zu übergeben. Wie«. Die antisemitischen Abgeordneten Professor Josef Sturm und Genoffen richteten in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 27. März an den Minister des Innern nachstehende Anfrage: Das Eintreffen jüdischer Auswanderer aus Rußland in Wien hat nicht aufgehört. Diese russischen Juden treiben sich nicht nur beschäftigungs- und subsistenzlos in den Gaffen und auf den Plätzen in Wien herumeinzelne Eltern lassen ruhig ihre Kinder durch die Polizei der Gemeindefürsorge überstellen, ohne sich weiter um dieselben mehr zu kümmern. Andere dieser Auswanderer wollen sich hier seßhaft machen und Gewerbe unmelden, obwohl nach Meinung der Gefertigten die Zulaffung derselben zum Gewerbebetriebe in Oesterreich nicht gestattet werden sollte. Bei dieser Sachlage stellen die Gefertigten neuerlich an Seine Exzellenz den Herrn Minister des Innern die Anfrage: Kennt denn die k. k. österreichische Regierung nicht die Gefahr einer solchen Einwanderung und was gedenkt die k. k. österreichische Regierung zu tun, um endlich die Mißstände abzustellen und die einheimische seßhafte christliche Bevölkerung vor einer solchen Invasion zu schützen? Wie selbstverständlich, sprechen aus dieser Interpellation nur Lüg^ und Gehässigkeit, und hoffentlich wird auch die Regierung derselben kein besonderes Gewicht beilegen. Im Uebrigen ist ja die Wiener Allianz bestrebt, den Zuzug russischer Emigranten nach Wien möglichst hmtanzuhalten. Wien. Der Kantor und Chordirigent der türk.-israel. Gemeinde in Wien, Herr Isidor Löwit, begeht Samstag, den 7. April sein 25jähriges Dirigenten-Jubiläum. An diesem Tage (Sabbat hagadol) werden es nämlich 25 Jahre, daß im hiesigen türkischen Tempel der erste Gottesdienst mit Chor stattfand. Den Chor geschaffen und auf der Höhe künstlerischer Leistung erhalten zu haben, ist ein Verdienst des Jubilars- Seit Gründung des Chores im Jahre 1881 wirkt auch Herr Josef Feldmann ununterbrochen als Bassist im Tempelchore mit. Wien. (Wohltätigkeits-Vorstellung) Sonntag, den 25. d. M. veranstaltete der Verein „zur Bekleidung und Unterstützung, armer, alter Männer isr. Konfession" im Karltheater eine Wohltätigkeitsvorstellung. Zur Aufführung gelangte die beliebte Operetre von Franz Lehar „Der Rastelbinder". Der ausgezeichnete Komiker der Budapester Orpheum-Gesellschaft, stellte sich in den Diensten der Humanität und spielte den Wolf Bär Pfefferkorn. Herr Eisenbach, der das erstemal auf dem Theater eine größere Rolle zur Darstellung brachte, löste seine Aufgabe glänzend und wurde von dem vollbesetzten Theater mit großem Beifall ausgezeichnet. Die ganze Vorstellung war sehr animiert, man merkte dieser Operette die -49. Aufführung gar nicht an, sie wirkte wie eine Premiere. Ausgezeichnet wirkte ebenfalls im Interesse des humanen Zweckes des Vereines Herr Willi Bauer, mit seinem prachtvollem Tenor, dessen Leistungen als unvergleichlich, mit tosendem Beifall quittiert wurden. In den übrigen Rollen zeichneten sich besonders Frl. Merveola, Frl. Wort, die Herren Karl Blasel, Rohr, Waldemar und Binder aus. Um das Arrangement dieser Vorstellung, welche dem Vereine einen beträchtlichen Reinertrag zuführte, haben sich die Herren Vizepräsident Karl Fuchs und der Kassier Herr Edmund Höffmann, sowie die Herren Vorstandsmitglieder Philipp Finkler und Ignatz Beckmann hervorragend verdient gemacht. ' J. L. Wie«. Fräulein Laura K l u g m a n n. Tochter des Kantors Klug mann in Budapest, die ganz unschuldiger Weise gelegentlich eines Besuches in Wien m den Verdacht kam, mit einem Komplizen des berüchtigten Nuchem Schapira im Einverständnis zu sein, und infolge dessen hier verhaftet wurde, wurde nunmehr über Antrag der Staatsanwaltschaft aus der mehrmonatlichen Untersuchungshaft entlassen, da keinerlei Grund zu ihrer gerichtlichen Verfolgung vorliegt. Wien. (I. Wiener Jüdischer Turn-Verein, I., Mölkerbastei 5.) Samstag, den 31. März findet im städtischen Kursalon» Stadtpark, ein Schau-Turnen mit anschließendem Tanz-Kränzchen statt. Saal-Eröffnung 8 Uhr abends, Beginn des Schauturnens: Präzise 9 Uhr. Entree: L 2.—. Karten im Vereinslokal, bei sämtlichen- Vereinsmitgliedern im Kaffee de France, I., Schottenring und an der Abendkasse. Gäste willkommen! Wien. Ueber Ersuchen des Vorstandes des Bethaus- und Unterstützungs-Vereines, „Bn6 Brith" konstatieren wir, daß in der jüngst inder Brigittenau abgehaltenen General-Versammlung des jüd. National-Vereines „Einheit" wohl einzelne Mitglieder dieses obgenannten Vereines anwesend waren, doch nicht als Vertreter desselben und ohne sich mit den oppositionellen Bestrebungen kontra Kultusvorstand irgendwie zu indentifizieren. Wiener-Neustadt. Herr Med. Dr. O. Wilder, der Schwiegersohn unseres Herrn Oberkantors Landau, hat einen schmerzlichen Verlust erlitten- In Lemberg starb Mittwoch den 21. d. M. sein Vater, Herr Markus Wilder, nach langem Leiden; er war langjähriger Adlatus des seligen Oberrabbiners Rabbi Josef Saul Nathansohn gewesen. Herr Dr. Wilder, der erst vor zwei Jahren seine Mutter, im vorigen Jahre seine Schwester verloren, ist durch diesen neuerlichen Schicksalsschlag aufs härteste getroffen. Wiener-Neustadt. Samstag den 24. d. M. feierte der Sohn des ersten Kultusrates, Herrn Adolf Ehrenhaft, Tertianer Wilhelm Ehrenhast das Fest der Barmizwah. Der Konfirmand sagte die Hasthara sehr schön auf und hielt eine Dankansprache an seine Eltern. — Sonntag den 25. März beging der Obmann der Chewrah Kadischa, Herr Dr. Karl Keßler, mit seiner Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit. Aus diesem Anlässe überreichte ihm der Gesamtvorstand des Vereines unter Führung des Herrn Obmannstellvertreters Wilhelm Danzig ein künstlerisch ausgeführtes Ehrendiplom in kunstvollem Rahmen Herr Weiskopf hielt an den Herrn Obmann, der seit den Begründung dem Vorstande angehört, eine Ansprache, worauf Herr Dr. Keßler in bewegten Worten dankte. A. EL L. Boskowitz. Für die hiesige Gemeinde wurde Herr Rabinowitsch aus Marienbad zum 1. Kantor einstimmig gewählt. Kantor Rabinowitsch ist ein tüchtiger Hebräer und Fachmann, und hat ihn die Marienbader Gemeinde, wo er zur allgemeinen Zufriedenheit gewirkt hat, mit Bedauern scheiden gesehen. Andrichau. Der Kultusvorsteher der hiesigen israel. Gemeinde, Herr Starnberger, ist bei der jüngst stattgefundenen Wahl in der politischen Gemeinde zum Bürgermeister-Stellvertreter gewählt worden. Dies gilt als ein offenbarer Beweis dafür, daß sich Herr S t a m b e r g e r