Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 12 (23.3.1906)
- Date
- 1906-03-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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-unqflr. Kantoren Schir Zion. -Gesänge - für den islaelirischen Gottesdienst von S a l 0 m v u Sulzer. Revidiert und herausgegeben von Josef Sülze r. Besprochen von Oberkautor Josef Singer in Wien. Das vorliegende Werk bedarf keines Geleitbrieses und keiner -Empfehlung, es wird unter der neuen Flagge sich selbst die Wege ebnen, wie der Schir Zion I und II die Reise um die Welt gemacht hat. Was bezüglich der Tendenz und des musikalischen Wertes -es Schir Zion I und II zu berichten war, das fand vor mehr nls 20 Jahren in diesen Blättern entsprechenden Ausdruck, und ist auch unser Haar mittlerweile gebleicht, vielleicht das Auge infolge Betrachtung, das Ohr infolge Anhörens so mannigfacher zu Markte gebrachter Synagogenkompositionen nicht heller geworden — wenn es sich um den Schir Zion handelt, so erheitert sich der Blick; denn ..Lenzesdüfte erfüllen die Lüfte und unser noch nicht alterndes Herz beginnt mächtig zu schlagen, roie in jungen Tagen." Wir wiesen ja schon eingangs darauf hin, daß wir unserer Rezensentenpflicht dem Schir Zion I und II gegenüber bereits vor mehr als 20 Jahren genügten und was wir dazumal über ^Inhalt und Wert des Werkes eröffneten, das unterschreiben wir nuch heute voll und ganz. Wer sich für den Stoff interessiert, der möge jene Artikelserie „Ueber die Entwicklung des Synagogen- ^esanges" nachschlagen, er wird dort erschöpfenden Bericht über Bedeutung und Inhalt des Schir Zion I und II, sowie über weiland Salomon Sulzer und feine berühmten Mitarbeiter finden. Jetzt, dieser neuen Edition des Schir Zion gegenüber, erfüllen wir ausschließlich eine künstlerisch-historische Pflicht, indem wir es uns zur Aufgabe stellten, zwei Kardinalfragen, die allenthalben auf den Lippen schweben, fachmännisch, d. h. den Tatsachen entsprechend zu beantworten, n. zw.: I. War eine Neu-Ausgabe des Schir Zion im Sinne feines einstigen Schöpfers geboten? und H. Mit welch künstlerischen Mitteln ist diese Edition von dem jetzigen Herausgeber, Herrn Josef Sulzer, im Geiste seines großen Vaters besorgt worden? Die erste Frage muß mit einem entschiedenen „Ja" beantwortet werden; schon mit Bezugnahme darauf, daß die Auflage des I. Bandes Schir Zion ganz und die des II. Bandes beinahe ganz vergriffen war, und ein solches Werk, welches Nicht nur für die Epoche seines Jnslebentretens, sondern für alle Zeiten richtunggebend war, nicht so schlankweg der Vernichtung! anheimgestellt werden dürfte. Für alle Zeiten? hören wir fragen und wir antworten seelenberuhigt wieder mit einem entschiedenen „Ja". Wir, die wir seit Jahrzehnten auf der heiligen Wacht des Synagogengesanges stehen und alle Erscheinungen auf synagogal-gesanglichem Gebiete an uns vorüberziehen sehen, können, ja müssen es behaupten, daß von allen der nachsulzerischen Epoche entstammenden synagogengesanglichen Kompositionen, bei der weitgehendsten und vollwichtigen Anerkennung der künstlerischen Darbietungen ihrer Schöpfer, nicht ein einziger zu nennen sei — Lewandowski mitinbegriffen — der einer noch finsteren Zeitströmung gegenüber im titanenhaften Ringen gegen durch Gewohnheit geheiligte Vorurteile gleichsam die bestehende Welt aus ihren Angeln heben mußte, um mit seinen fortschrittlichen Bestrebungen anfangs nur bei einem kleinen Bruchteile seiner Glaubensgenossen Änklang und Anerkennung zu finden. Es ist ja nicht gar so schwer, einen bereits betretenen Weg weiter zu wandeln, aber am Knotenpunkte verschiedener Richtungen sich selbständig eine Richtung zu wählen, das Altgewohnte, Liebe- Heiligscheinende gewaltsam zurückdrängen und das mächtige Parteigetriebe an sich herabgleiten zu lassen, um zu seinem Ziele zu gelangen, diese Tat hat kein einziger der Epigonen Sulzers — nur er und seine Mitarbeiter selbst vollbracht. Und wenn wir Meister Lewandowski als den Schöpfer seiner geradezu unsterblichen Psalmkompositionen auch die Siegespalme von ganzen! Herzen znerkennen müssen, so war es allerdings eine bedeutungsvolle Abart, die durch ihn aus der protestantischen Kirche in die Synagoge verpflanzt wurde — doch keine Eigenart. Verweilen wir einen Augenblick bei den durch Salomon Sulzer seinerzeit geschaffenen Chorresponsorien: Amen Je’h« Kodosch, Schma etc. etc. Wie viele versuchten es bis zur heutigen Epoche diesen geringfügig scheinenden Gesangszweig neu zu gestalten, und wie wenigen ist es gelungen, ihre» Nachahmungen einen dauernden Platz in den Synagogen zu erringen, während die Snlzerschen Responsorien in den jüdischen Gotteshänsern beider Hemisphären eine bleibende Stätte gesunden haben. Die Deutung dieser bemerkenswerten Erscheinung nt ausschließlich in der allgemeinen künstlerischen Tatsache zu suchen, daß der Schöpfer einer neuen Richtung nicht bloß den Kunstinhalt seiner Zeit, beziehungsweise die ihr voransgegangene Entwicklung zu erfassen habe, sondern hauptsächlich den Gottesfunke« besitzen muß, vor ahnend in die Zukunft zu blicke» und künst lerische Möglichkeiten, die erst später in d ie Ersch ei n nn g treten, zn erfassen. Schöpfungen, die solchen Jmpnlsen entstammen, spotten der Flucht der Zeit, und die im Schir Zion I und II niedergelegten Geiamt-Kompositionen sind solche Schöpfungen, deren Qualität über die Grenzen ihrer Zeit weit hinaus geschritten, die immer noch m tiefernster Andacht zu erheben und in beglückendem Frohsinn zu erheitern geeignet sind, falls ihnen — vielleicht, um der Zeitströmnng zu genügen, irgend ein künstlerischer oder etwa sich notwendig erweisender instrumentaler Behelf, vielleicht auch in Berücksichtigung der anerkannten synagogal-traditionellen Tonarten. der national-künstlerische Einschlag verliehen würde, de» ein solch bedeutungsvolles synagogal-gesangliches Werk vo» jüdisch-musikalischem Standpunkte nicht mehr enttaten kann. Somit vermeinen wir erschöpfend nachgewiesen zu haben, daß eine Neu-Ausgabe des Schir Zion I und II nicht nur ein Akt der Pietät, sondern die Erfüllung eines ernsten künstlerische» Gebotes war, und es wird nun unsere ernste Aufgabe sein, de» Nachweis zu erbringen, inwieweit die künstlerische Neugestaltung des -schir Zion I und H dem Herrn Herausgeber geglückt sei. (Fortsetzung folgt.! fOtiblifudioaeu dos ö|ierr aiM(.Jlnntoten~lmnne-'. A uswe i s der Mitgliederbeiträge: Zaller-Breitenbrunn X 8, Samek-Schütten Hofen X Landau-Wr. Neustadt X 4, D. L. Rotcer-Wien X 4, L-Mberger-Wien K 2, Lederer-Eger K 8, Jellinek-Oberhollabrunu K 4. Buxbaum-K, oac. Kreuz X 8. Kurzwei l- Falkenau X 8. Roieineld-Gilising X 6, Löivli-Kolj.uloivitz X 4. Grünfelo- Wien X 4. Friedl-Dürrmaul X 4. Bluiu-Schlun X 4. Rofeubergtr- Komotau X 2. Bruiiiier-Jzlall X 4. Schleifer Wieu X 10, Kohn-Tuciv X 4. Knrziveil-Falkenau X 2. Kohii-Rakonitz X 5, Allenberg-Liesing X 6,! Moor-Prag X 4. Jinger-Juiigbuiizlau X 2, Grünblatt-Jägerndorf X 10, | Schechter-Czernowitz X 4, Haas-L. Szt. Miklos X n, Bassl-Wieu X 4, ' Hirsch-Wlen X 5, Friedl-Klosterneuburg X 4, Dünmann-Wien X 5, ' Regner-Wien X 10, Bauer-Wien X 6, Teltsch-Wien X 8, Sckiller-Wleu j X 15, Schkolnik-Stamslau X 8, Schönfeld-Tab X 2. Weitz-Tobitschau! X 4, Haas-L. Szt. M'klos X 4, Goldenberg-Marienbad X 10. Da durch Anhäufung großer Rückstände eine ersprießliche Vereinstätigkeit unmöglich gemacht wird, werden die P. T.; Vereinsmitglieder hiemit dringend ersucht, die lausenden und rückständigen Vereinsbeitrüge umgehend an den Bereinssekreiär Dr. M. Lö w y, Wien, I., Wipp lingerstr aße Nr. 19 f einzusenden, lvidrigenfalls der Vorstand gegen die säumigen; Mitglieder im Sinne der Statuten Vorgehen müßte. Gleichzeitig wird aufmerksam gemacht, daß bei der im; heurigen Jahre bevorstehenden Neuwahl des Vorstandes nur jene! Mitglieder wahlberechtigt sind, die mit ihren Mitgliederbeiträgen! nicht im Rückstände sind. Der Vereinsvorstand.