Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 12 (23.3.1906)
- Date
- 1906-03-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063316-3063328--04172-3070990- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 8. Die Wahrheit Nr. 12. vor 400 Jahren in Spanien. Nur festes Zusammenhalten und Rückkehr, zum rechten Judentum seien die Mittel zur Besserstellung. Herr Dickstem, Obmann des Vereines „Schomre Haddath", in welchem der Minhag Sephard kultiviert wird, berührte die Schwierigkeiten, welche seinem Vereine seitens des Kultusvorstandes entgegengesetzt werden, obwohl derselbe laut Statut verpflichtet ist. für die religiösen Bedürfnisse dieses, was die Population anbelangt, zweitgrößten Wiener Bezirkes genügend zu sorgen. Herr Komet vom „Machsike Haddath" regte die Erinnerung einer Mikwe in der Brigittenau an, wo aber noch ein religiöses Oberhaupt zu rituellen Entscheidungen notwendig wäre. Biele Erschienene erklärten ihren Beitritt zu diesem löblichen Verein. —n. Brünn In der am 4. d. M., unter Vorsitz des Obmannes Seiner Ehrwürden Herrn Landesrabbiner Dr. B. Placzek stattgehabten Vorstandsitzung des israel. Proseminarveremes, bei welcher auch die Vertreter der Brunner Kultusgemeinde und des mähr. jüd. Landesmast'afondes, die Herrn Bezirksschulrat Vizepräsident Leopold Bauer und Regierungsrat Landessanitäts-Jnspektor Dr.. Salomon Spitzer, anwesend waren, wurde unter anderem der Bericht des Direktors der Kantoren-Bildungsanstalt, Herrn Oberkantor Joses Heller, über die 10jährige Tärigkeir desselben mit vesonderer Befriedigung eutgegengenommen, und erhielt Herr Oberkantor Heller folgende Zuschrift: Euer Wohlgeboren! Der Vorstand des israel. Proseminarvereines in Brünn hat in seiner Sitzung vom 4. d. M. Ihren Bericht über die Leistungen der von Ihnen geleiteten Kantorenschule mit Genugtuung zur Kenntnis genommen und einhellig beschloflen, als Zeichen seiner Anerkennmig und zum bleibenden Andenken an Ihre diesfällige Wirksamkeit Ihr musikalisch-liturgisches Werk Köl-T’hilloh in drei Exemplaren anzuschaffen, wovon eines der Vereinsbücherei einverleibt wird, die zwei anderen den Unterrichtszwccken zu dienen haben. Der obgenannte Vorstand findet sich zugleich angenehm veranlaßt, Euer Wohlgeboren Dank und Anerkennung für' die ausgezeichnete Leitung der Kantorenschule und die Hoffnung auszusprechen, daß der Stand der Schule sich auch fürder auf gleicher Höhe halten wird. Für den Vorstand des isr. Proseminarvereines: Der Obmann: Dr. B. Placzek, Landesrabbiner; der Obmaun-Stellvertreter und Schriftführer: Dr. Jakob Korez, Oberfinanzrat. Brünn, am 6. März 1906. Siklos. In der Sonntag, den 18. d. M. stattgehabten Generalversammlung wurde Herr Spitzer Döczi, einstimmig zum Präses der Kultusgemeinde gewählt. Der bisherige Präses, Herr Max Weiß, amtierte durch volle. 9 Jahre und hat sich große Verdienste erworben; namentlich den Beamten der Gemeinde war er ein warmer Freund. Schon vor Jahren erhielt der abgetretene Präses vom hiesigen Rabbiner Dr. Klein in Würdigung seiner Verdienste den „Moreno"-Titel. Szeuicz. Am 18. März wurde hier die allgemein geachtete Frau Emanuel Deutsch im Alter von 72 Jahren, unter zahlreicher Beteiligung der hierortigen Bewohnerschaft ohne Unterschied der Konfession, zu Grabe getragen. Das imposante Leichenbegängnis bezeugte die Achtung und Verehrung, welcher sich die Familie Deutsch erfreut. Alle Kinder waren an der Bahre versammelt. Herr Bezirksrabbiner Marmor st ein schilderte in trefflichen Worten die Vorzüge und die edlen Eigenschaften der Verblichenen. fiO'aMTi M. O. Feuilleton. IrrrüLgefunderr. Novelle von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) Hoch aufgerichtet stand er da, die Hand befehlend ausgestreckt. Dem gebeugten, zerknirschten Sohne schien es nicht anders, als wäre es ein Patriarch, der da so eindringlich zu ihm sprach, und doch vermochte es dieser würdige Mann nicht, den Sinn seines Sohnes zu beugen. „Ich kann nicht!" sprach dieser, am ganzen Körper bebend. „Hinaus mit Dir, Du schlechter, ungeratener Sohn. Du Ben saurer umaure (widerspenstiger Sohn). Hinaus mit Dir, daß mein frommes, jüdisches Haus nicht von einem solchen Appikaures (Gottesleugner, kommt von Epikuräer her) verschmutzt wird!" Der Doktor wandte sich an seine Mutter: „Mutter, auch Du jagst mich von Dir fort und gibst mir kein gutes Wort auf den Weg?" „So geh' mein Kind, wenn Du glaubst, nicht bleiben zu können, wenn Du aber einst Deiner Familie und Deinen ehemaligen Glaubensbrüdern einen Dienst erweisen kannst, so tue es, mir zu Liebe!" Josef beugte sich über die Hand der gütigen Frau, um diese zu küssen. Die Mutter zog dann das Haupt des geliebten Sohnes an sich, um einen Kuß auf die hohe, weiße Denkerstirne zu drücken, dann legte sie die Hände segnend auf sein Haupt und murmelte die Worte vor sich hin: „Es segne Dich der Herr und behüte Dich; es lasse: leuchten der Herr sein Antlitz Dir zu und. gebe Dir Frieden!" Das war der letzte Segen, den Doktor Dansky in seinem Elternhause empfangen hatte. Ohne einen Blick auf Vater und Schwester zu werfen, verließ Dansky hocherhobenen Hauptes, beglückt durch den Segen seiner Mutter, das Vaterhaus, um nie mehr in dasselbe zurückzukehren. Er lenkte seine Schritte geradeaus' dem Pfarrhause .zu, woselbst er von dem greisen Pfarrer auf's herzlichste empfangen, wurde. Der Entschluß des Doktors, die Taufe anzunehmen, wurde sehr beifällig ausgenommen und die weitgehendste Unterstützung versprochen. So war Dr. Dansky Christ geworden. Nun stand seiner Carriere nichts mehr im Wege. In Krakau selbst erhielt er die so lange vergeblich ersehnte Anstellung und bald wurde er die Seele der panslavistischen Bewegung, die im Lande entstanden war. Als an die slavischen Vereine der Stadt die Einladung aus Tabor erging, der Enthüllung des Ziskamonumentes beizuwohnen, wurde Dr. Dansky, welcher der czechischen Sprache vollkommen mächtig war, zum Führer der dahin entsendeten Deputation ernannt. Voller Hoffnung für eine glorreiche Weltherrschaft des gewaltigem Slavenreiches, in welchem sein engeres Vaterland, Polen, dieerste Rolle spielen sollte, hatte er diese Reise angetreten; die Rede, die er vor den versammelten Vertretern der großen slavischen Nation, seinen Brüdern, halten wollte, war ein Meisterstück der Rhetorik, diese sollte zünden und zu großen Taten begeistern. Aber entmutigt durch die deutschen Worte, welche zur Verständigung zwischen den Gästen und den Bürgern der Stadt dienen mußten, hatte er auf seine Rede verzichtet. Die sachlichen, unbefangenen Auseinandersetzungen mit einer einfachen Lehrerin hatten alle seine stolzen Entwürfe wie ein leichtes Kartenhaus übereinandergeworfen. Die Bekanntschaft mit diesem Mädchen schien ihm einigermaßen Ersatz bieten zu wollen fürdas politische Fiasko, welches unausbleiblich schien. Aber auch da mußte er eine mächtige Enttäuschung erfahren. Sie hatte ihm eine Zusammenkunft versprochen und nicht Wort gehalten, hatte ihn einfach genarrt. Mit einem tiefen Seufzer verließ er die Stadt, welche das Grab aller seiner Ideale geworden war. Nach seiner Rückkunft nahm der Doktor wohl wieder seinefrühere Beschäftigung auf, aber über seinem ganzen Wesen lag: ein Zug von Schwermut gebreitet, der ihn von allen seinen früheren Freunden und Gesinnungsgenossen fern hielt. Er wußte es vielleicht selbst nicht, was ihn schmerzlicher berührte, ob das Aufgeben seiner politischen Ideale, oder die Enttäuschung, die ihm das schöne Judenmädchen bereitete. .Vier Jahre waren verflossen, seit in Tabor die Denkmalsenthüllung des Nationalhelden mit so großem Pompe gefeiert wurde. Notiz. Wiener Modeynd Reise-Ausstellung in London. Die bestbekannte Firma für Synagogenornate, Rudolf Gold stein, Wien, II., Taborstraße Nr. 54,. wird ihre Erzeugnisse, die sich eines großen Renommees erfreuen, auf der Londoner Ausstellung in, Prachtausführung exponieren^ Es ist das erstemal, daß aus einer Ausstellung Synagogenkleider exponiert werden und darum dürfte es weitere Kreise, besonders aber die geehrten Herren Vorsteher, Rabbiner und Kantoren interessieren, daß die Schauobjekte, drei Tage vor Absendung im Wiener Modeklub zu sehen sein werden. Wir werden darüber noch seinerzeit berichten. ' ^•P^SJaaranl-iertnarurechtes feinstes äfgraKraN. Pflanzenr«|+J aus frischen Kokosnüs!