Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 12 (23.3.1906)
- Date
- 1906-03-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12. Dre Wahrlieit ■Seite 7. In der abgelaufenen Woche bot die Toynbee-Halle ihren Besuchern ein ganz auserlesenes Programm. Mittwoch, den 14. d. M., erschien Herr Direktor Adolf Weisse des Deutschen Volkstheaters am Vorlesetische, um seine große Kunst der Vorlesung jüdischer Poesien zu widmen. Stürmischer Beifall lohnte die Meisterleistungen des Künstlers. Reichlichen Genuß hat das Samstag, den 17. d. M., abgehaltene Konzert der Zuhörerschaft geboten. Die Mitwirkenden: Frl. Hohenberg und Frl. Helmer (Gesangsduette von Mendelsohn und Dwoi^ak), Frl. Kruna (Klavier), Frl. Weißberger (Gesang), Herr Buchbinder (Violine), Frl. Petroff (Gesang) und das Streichquartett des Herrn Aurel Nemes de Alamor und die Arrangeurin des Abends, Gesangslehrerin Frl. Freund, ernteten für ihre Darbietungen lebhafteste Anerkennung. Sonntag, den 18. d. M., las Herr Schriftsteller Paul Wilhem eine Auswahl eigener Dichtungen und Novellen und wurde von den Zuhörern durch starken Beifall bedankt. — Heber besonderes Ersuchen des Vorstandes der Toynbee-Halle wird Herr Rabbiner Dr. Simon Mandl aus Neutirschein, Sonntag, den 25. d. M., In der Toynbee-Halle einen Vortrag halten, dessen Thema „Moderne .Kulturfragen im Lichte unseres Schrifttums" lautet. Wien. (Doppelhochzeit.) Im festlich mit Blumen geschmückten Tempel in der Seitenstettengasse hat Sonntag, den 18. d. M., mittags, die seltene Feier einer Doppelhochzeit stattgefunden. Zwei Söhne des hervorragenden Arztes und Kultusvorstehers Dr. Josel Breuer ivaren die Bräutigame. Dr. Robert Breuer führte Fräulein Hanna Brüll, die Tochter des Komponisten Ignaz Brüll, heim, und Dr. Hans Breuer Fräulein Käthe Mautner, die Tochter des Großindustriellen Kommerzialrat Isidor Mautitet. Das Gotteshaus war von einem distinguierten Publikum dicht gefüllt. Unter den Gästen waren zu sehen: Minister a. D. Dr. Wilhelm Ritter v. Härtel, Reichratsabgeordneter Geheimer Rat Dr. L i h a r z i k, Sektionschef Dr. Wilhelm E x n e r, die Hofrüte C h r o b a k, Sigmund Exn e r, Regierungsrar Dr. Gersuny, Primarius Dr. Schnitzler, fast der gesamte Vorstand der Kultusgemeinde unter Führung des Präsidenten Dr. Alfred Stern und der beiden Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n und kais. Rat Hirsch, zahlreiche Aerzte, Großindustrielle, Kaufleute, Schriftsteller und Künstler. Oberrabbiner Dr. G ü d e m a u n hielt an die Brautpaare eine tiefempfundene Ansprache und Oberkantor Singer exekutierte unter Harfenklang und Begleitung des Chores die üblichen Hochzeitsgesänge in überaus feierlicher Weise. Wien. Am 18. d. M. verschied hier nach längerem Leiden der Regimentsarzt und Abteilungs-Chefarzt des Garnisonsspitales in Budapest, Dr. Gabriel H v r w i tz, ein Enkel des Rabbiners H o r w i tz s. A. und Sohn des Amtsleiters der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Simon Horwitz. Bei dem Leichenbegängnisse, das ain 20. d. M. stattfand und bei dem über Wunsch des Verblichenen der übliche militärische Kondukt unterblieb, waren eine Offiziersdeputation aus Budapest, Sekretär Dr. Adler, Amtsleiter F r e i st a d t l, zahlreiche Beamte der Kultusgemeinde und viele Freunde der trauernden Familie anwesend. Die kantorale Funktion versah Kantor Smotritzky in erhebender Weise und Rabbiner Dr. Abeles hielt uls Militärseelsorger dem Dahingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf. Wien. (Verein I s r. Kinderbewahranstalt.) Am 11. März d. I. fand unter dem Vorsitze der Vizepräsidentin, Hosrätin Elise Gomperz, die erste Hauptversammlung des seit dem Jahre 1843' bestehenden Vereines „Jsr. Kinderbewahranstalt" statt, unter deffen Leitung die Jsr. Kinderbewahranstalt, II., Schiffamtsgasse 15, deren Filiale, der .Jsr. Volkskindergarten, XX., Klosterneuburgerstraße 14, ein Bildungskurs für Kindergärtnerinnen (mit dem Oeffentlichkeitsrechte) und ein Bildungskurs für Kinderpflegerinnen stehen. Der bisherige Vorstand unter Führung der Frau Sara von Stern wurde durch Akklamation wiedergewählt. Im Rechenschaftsberichte wurde hervorgehoben, daß trotz der erhöhten Ansprüche, die an den Verein gestellt werden, und den vermehrten Leistungen, .die er aufweist, die Mitgliederzahl seit 40 Jahren in steter Abnahme begriffen ist. Wien. Sonntag, den 25. März 1906, halb 3 Uhr nachmittags, findet im k. k. priv. Karltheater, zugunsten des Vereines zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer israel. Konfession, eine Wohltätigkeits-Vorstellung statt. Zur Aufführung gelangt: „Der Rastelbiuder", Operette in 3 Akten von Franz Lehar, mit Herrn Heinrich Eisenbach als Wolf Beer Pfefferkorn. Karten sind ausschließlich beim Vorstandsmitglied Herrü Ignatz Beckmann, II., Kaiser Josefstraße Nr. 10 und an der Tageskaffä des Karltheatets zu haben. — Die diesjährige General- Tversammlung findet Sonntag, den 1. April, in der Restauration Sohr statt. Wistt. Dienstag, den 20. b. M. fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Risä Deuches, Tochter des Restaurateurs Moritz D eu ch es, mit Herrn Alexander Popper, statt. In Anbetracht der großen Beliebtheit, deten sich der Brautvater in den weitesten Kreisen des zweiten Bezirkes erfreut, hatte sich zu dem Trauungsakte, den Rabbiner Dr. Schmied! und Oberkkntor Guttmann vollzogen, ein außerordentlich zahlreiches Publikum elngefunden. Unter den Anwesenden bemerkte man äüch Hettn Bezirtsvbrsteher N i e b a u e r. Böiett. SoNsttag, oeti 2i>. März 1906, präzise 7 Uhr abends, ffindet im Beth Hämidcasch, II.,. Große. Schiffgaffe Nr. 8, die ordentliche . GeneralversaNtmlüttg j)e4 Uttttrstützungsvereines „Tomech Ewjonim" statt. Tagesordnung : 1... Erstattung des Rechenschaftsberichtes; 2. Wahl des Vorstandes ÜNd 2 Revisoren; 3. Eventuelles. Wiest Der Vrlgitttnqüer Verein zur Bekleidung armer Schulkinder .„Die BrÜdet", der seit 6 Jährett unter der Aegyde des Realitätenbesitzers Herrn Heinrich Weiner stützt, hielt Mittwoch den 14. d. M. 8 Uhr abends im Restaurant Schldärz, XX. Bezirk Klosterneuburgerstraße 10 seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Obmann Herr Weiner gedachte in feister Eröffnungsansprache zunächst des im vorigen Jahre verstorbenen treuen Mitgliedes Herrn Jakob O t t e und des vor einige» Tagen aus dem Leben geschiedenen Philantropen, des Großindustrielle» Rudolf Aus Pitz mit tiefempfundenen Motten, deren Andenken seitens der Versammlung durch Erheben von den Sitzen geehrt wurde. Aus dem gedruckt vorliegenden Rechenschaftsberichte hob Redner hervor, daß im verflossenen Winter 190 Kinder vollständig bekleider und 162 mit Schuhen beteilt wurden, zu welchem Zwecke ein Betrag von X 5125 verausgabt wurde; überdies erhielten weitere 76 Kinder über seine Intervention von anderer Seite Kleidung. Dies war aber nur dank der munifizenten Subvention seitens der löbl. israel. Kultusgemeinde pr. X 700 und dem namhaften Beitrag des Brigittenauer Frauen-Wohltätigkeitsvereines pr. X 1200, möglich. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen tadelte Herr Weiner die Indolenz der Brigittenauer dem Vereine gegenüber und erklärte, aus diesem Grund eine Wiederwahl nicht akzevticren zu können Es entspann sich hierauf eine sehr lebhafte und interessante Debatte, in deren Verlauf Herr Sekretär Josef K o y n mit der ihm eigenen Beredsamkeit die Wichtigkeit der Kinderbekleidung darlegte und als Antwort auf den vom Vorsitzenden erhobenen Vorwurf die Publikation eines Buches über Wienerwohttätigkelt ankündigte, in dem er statistisch den Nachweis erbringen will, daß in der Brigittenau verhältnismäßig naü» dieser Richtung das meiste geleistet wird. Es sprachen noch die Herren Adolf Schreiber, Hermann Eltbogen, Berthold Kaiser, Ingenieur E. Hirsch, Frau Dr. Emilie Weiß u. a. Alle Reden aber kulminierten in dem Llppell an Herrn Weiner, an der Spitze des Vereines zu verbleiben, zumal dessen Rücktritt zahlreichen armen Kindern dieses Bezirkes zum Schaden gereichen würde. Herr Weiner bestand jedoch darauf, eine Wiederwahl vorläufig nicht anzunehmen, und refüsierte auch die Zumutung als Ehrenpräsident zu fungieren; er wollte einmal ein „Gemeiner" sein, um als solcher den Verein nach Kräften zu fördern, vielleicht wird dieses Beispiel auch auf andere aneifernd wirken. Der abgettetene Vorstand wurde unverändert neu gewählt. Beim Punkt Eventualia wurde über Antrag des Herrn Sekretär Josef Kohn der Beschluß gefaßt, Herrn Weiner in Würdigung seiner Verdienste um die Brigittenauer armen Kinder, eine künstlerisch ausgeführte Adreffe zu überreichen. Wien. Am 12. d. M. fand in Herlingers Festsaal die Purimfeier des Wiener Synagogensänger-Bereines statt, die in jeder Beziehung glänzend verlief. Aus der Fülle des Gebotenen muß in erster Linie Salomon Sutzers großer Festchor „Hallelujah", für Mäunerchor eingerichtet von Prof. Josef Sulzer, wegen der tiefen künstlerischen und weihevollen Wirkung, die er erzielte, hervorgehoven werden. Der aus 50 wohlgeschulten Stimmen bestehende Chor, der Solist Herr M. Striks, der Organist Herr Mentzer an dem schönen, vom Hoflieferanten Kohn zur Verfügung gestellten Harmonium und Herr I. Zellnik am Dirigentenpult entledigten sich ihrer schwierigen Aufgabe in tadelloser Weise und ernteten viel Beifall. Ein kleiner, dem Feste entsprechender, flott gesungener „Schoschanas Jakow" von Herrn Porth für vierstimmigen Männerchor arrangiert und geleitet, mußte wiederholt werden und auch Mozarts Jsischor aus der „Zauberflöte", dirigiert von Herrn I. Heimann, gefiel dem zahlreichen Auditorium ungemein. Herr I. Rosenstech dokumentierte sich mit dem Borttage von Bach-Tauffigs „Toskata und Fuge" und Rubinsteins „Tarantella" als ein feinfühliger Pianist von großer technischer Fertigkeit und warmer Empfindung, und die Herren I. Lemberger (Obmann des Vereines) mit Herrn M. Reich in dem Duette aus der „Verkauften Braut" als musikalisch sichere Sänger von gutem. Geschmack, deren schöne Stimuiea prächtig zusammenklangen. Einen schönen Separaterfolq holte sich das aus den Herren Thiemann, Sttiks, Kreißler, Mestler, H. Reich, Ballaban. Kischner und Lemberger bestehende Doppelquartett mit Genös „Goldene» Lebensregeln" und Mendelssohns „Wafferfahrt", während das humoristische Terzett Hirschmann, Eskreis und Schorr das Publikum in die heiterste Stimmung versetzte, die sich noch steigerte und sich in nicht endenwollende» Applaussalven Luft machte, als der bekannte Komiker vom Karktheater,! Herr Richard Waldemar, der sich uneigennützig in den Dienst der humani- ' tären Sache gestellt hatte, seine köstlichen Wiener Kouplets zum Beste»! gab. Ein animiettes Tanzkränzchen, von Herrn Heimann jun. arrangiert, j beschloß diese, schöne gelungene Veranstaltung. Wien. (Letzten Montag wurde der Fabrikant Jakob Frankel unter zahlreicher Beteiligung von Leidtragenden und Bekannten im Alter von 73 Jahren zu Grabe getragen. Der Verblichene stammte aus München und hat es verstanden, hier zu Wohlstand und Ansehen zu gelangen und sich durch religiösen Sinn einen guten Namen zu verschaffen, worin ihn auch seine Gattin Marie, der frommen Familie Bettelheim aus Preßburg mütterlicherseits entstammend, unterstützte. Deren Vater war der als Philanthrop bekannte Max Spitzer. Schwiegersohn des Heimgegangene» ist der pensionierte Magistrats-Settetär Dr. Löwy. In der Trauerrede hob Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang besonders das patriarchalische Familienleben des Verstorbenen hervor, wie auch dessen Wohltätigkeitssinn, vermöge dessen er dem Namen des Stammvater- Jakob Ehre machte. Sei» Haus war stets geöffnet für die Sache des Judentums und die gute» Werke, die er hienieden geübt, werden seine Fürsprache sein vor Gottes Thron! Er ruhe in Frieden! Die trauernde Witwe und Hinterbliebene Tochter mögen Trost finden in der allgemeinen Teilnahme. Die kantorale Funktion versah erster Kantor Serebrenik in erhebender Weise. Wie». Die zweite Generalversammlung des national-jüdische» Vereines „Achduß" fand am jüngsten Samstag, unter Vorsitz des Herr« Dr. Fink, im Cafs Fritz bei sehr großer Teilnahme seitens der Brigitteuauer konservativen Glaubensgenossen statt, unter diesen die Vertreter des Vereinsvorstandes der beiden Bethäuser „Bene Brith" und „Schomre Haddath". Rabbiner Dr. Fink schilderte die ttauriqe Lage der Juden im Mittelalter, während der Jnquisitionszeit bis zum Jahre 1848. Nach der Emanzipation wiederholten sich die furchtbaren Zustände in Rußland, wie