Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 11 (16.3.1906)
- Date
- 1906-03-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 11. <2 tiaßny, die Verdienste des großen Meisters um die Kunst und um die Gesellschaft. In ähnlicher Weise sprach der Vizepräsidenr, Hofrat Professor Politzer, worauf der Gefeierte in ebenso herzlicher Weise den erschienenen Kollegen und Freunden dankre. Nebst den beiden Genannten, waren noch die Kuratoren Professor Brüll, Professor Ehr mann, Baurat v. Goldschmidt, Hofrat Taussig und Dr. Bela Tnussig erschienen. Nunmehr gelangt eine beschränkte Anzahl von Exemplaren zum Verkaufe, und zwar: Plakette in Silber zum Preise von X 20.—, Plakette in Bronze zum Preise von X 10.— per Stück. Reflektanten wollen sich an das Bureau der Gesellschaft I., Krugerstraße 8, an das Jüdische ANuseum II., Praterstraße 23, oder an 'die Buchhandlung R. Löwit I., Rotenturmstraße 20, wenden. Wien (I ü d i s ch.e s M u s e u m.) Donnerstag, denlö.März 1906, :7V2 Uhr abends, präzise, findet im Festsaale des Oesterreichischen Jngenieuruud Architekten-Vereines I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Universitäls-Professors Dr. S. E h r m a n n über Marannen-Aerzte aus Spanien und Portugal im XVI. und XVII. Jahrhundert unter Vorführung von Skioptikonbildern statt. Wien. (Jüdische T o y n b e e - H a l l e, XX., Othmargasse 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge: an Wochentagen um V28 Uhr, Samstag. Sonn- und Feiertage um 7 Uhr abend. Wochenprogramm: Samstag, den 17. März: Konzert. Sonntag, den 18. März': Literarischer Abend. Montag, den 19. März: „Oesterreichischcs Berfassungsrecht". Herr Dr. Josef Jerusalem. Dienstag, den. 20. März: „Geschichte der Juden in Polen". Herr M. Fuchsgelb. Mittwoch, den 21. März: „Ueber erste Hilfe" (III). Herr Dr. I. Samuely. Donnerstag den 22. März: „Neue Philosophie" (Schluß). Herr Dr. Bernhard Wachstein. Freitag, den 23. März: Bibelvortrag. Herr Religionslehrer Leopold Weiß. Samstag, den 24. März: Konzert. — Samstag, den 10. d. M. fand in der Toynbee- Halle ein von Frl. Dora Popper arrangiertes Konzert statt, das einen glänzenden Verlauf nahm. Die Mitwirkenden Frl. Dora Popper (Klavier), Frl. Wreschinsky (Gesang) und Herr Biermann (Violine) ernteten für ihre vorzüglichen Darbietungen stürmischen Beifall. Eine Purim-Festjause versammelte Sonntag den 11. d. M. 300 der ärmsten Kinder zu einem fröhlichen Nachmittage in der Toyubee-Halle. Die Zöglinge des Baron Springerschen Waisenhauses unter Leitung des Herrn Direktor Hecht entfesselten durch ihre exakten musikalischen und turnerischen Vorführungen den Jubel der kleinen Gäste, der sich noch steigerte, als jedem der anwesenden Kinder ein praktisches Geschenk als Purimgabe überreicht wurde. Herr Religionslehrer Isidor Oehler schilderte in schwungvollen Worten die Bedeutung des Purimfestes. Freudestrahlend schieden die Kleinen aus der Toynbee-Halle und werden gewiß noch lange die Erinnerung an die glücklichen Stunden bewahren, welche ihnen gute Menschen liebevoll bereiteten. Wien. Sonntag, den 25. d. M., 10 Uhr vormittags, findet in den Räumlichkeiten des isr. Humanitätsvereines „Wien", B'nai B'rith, I., Universitätsstraße 4, die ordentliche Generalversammlung des „Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung Galiziens mit folgender Tagesordnung statt: 1. Verlesung des Protokolls der letzten ordentlichen Generalversammlung. 2. Bericht über die Bereinstätigkeit in der seit dieser Versammlung abgelaufenen Zeit. 3. Bericht über die Einnahmen und Ausgaben und über den Vermögensstand des Vereines. 4. Bericht des Aufsichtsrates über die Gebarung der Vereinsleitung. 5. Anträge der Vereinsleitung und der Ortsgruppen, a) der Vereinsleitung: Aenderung der §§21 und 23 der Bereinsstatuten (Erhöhung der Zahl der Mitglieder der Vereinsleitung und des engeren Ausschusses); b) der Ortsgruppen. 6. Wahlen: a) in die Vereinsleitung (10 Mitglieder); b) in den Aufsichtsrat (7 Mitglieder); c) in das Schiedsgericht (10 Mitglieder). 7. Eventualia. Wien. Sonntag, den 18. März präzise 3 Uhr nachmittags findet im Sitzungssaale II., Leopoldsgasse Nr. 29, die ordentliche Generalversammlung des israelitischen Synagogen-Bereines „B e t h - I s r a e l" nach polnisch-jüdischem Ritus statt. Tagesordnung: 1. Verlesung des Rechenschafts- und Kassaberichtes. 2. Bericht der Rechnungsrevisoren. 3. Neuwahl von 9 Bereinsvorstehern, 6 Bethausvorstehern, 3 Rechnungsrevisoren und 3 Schiedsrichtern. 4. Eventualien. Im Sinne des § 18 der Statuten sind die ausgetretenen Vereins- und Bethausvorsteher wieder wählbar. Anträge, welche bei der Generalversammlung verhandelt werden sollen, müssen drei Tage vorher dem Vorstande schriftlich mitgeteilt werden. Wien. Sonntag den 25. März 10 Uhr vormittag findet im Sitzungs-Saale der Redaktion des „Gambrinus", V., Wienstraße 12, eine außerordentliche Generalversammlung des Israel. Tempelbau-Vereines für. Wieden und Margarethen statt. Tagesordnung: 1. Bericht über den Stand der Tempelbau-Angelegenheit und Vorlage eines Erlasses des Vorstandes der israel. Kultusgemeinde in der Tempelbausache. 2. Eventueller Rücktritt des gesamten Vorstandes des Tempelvereines. Wie«. (Akt der Wohltätigkeit am Jahrzeitstag.) Am 6. und 7. d. M. wurden anläßlich des Sterbetages nach der hochherzigen Stifterin, Frau Rosa Hildesheimer geborene Brodsky, Begründerin der im XX. Bezirk Kluckygasse bestehenden Volksküche, 2200 Arme ohne Unterschied der Konfession mit einer vorzüglichen reichlichen Mittagskost gespeist. Die Präsidentin Frau Dr. Bertha Krüger, die Küchenpräsidentin Frau Hermine Kadisch, Frau Dr. Weiß, und Herr Adolf Singer als Vorsteher leiteten sorgsam und taktvoll diese mühevolle Verpflegung, während Frau Lina Rosen blatt als Küchenverwalterin dafür Sorge trug, daß alle diese verabreichten Speisen in vorzüglicher Güte und Reinheit geliefert werden konnteu. Der allerschönste Dank gebührt dem würdigen Sohne der seligen Stifterin, dem Philanthropen Herrn Dr. Arnold Hildesheimer, Enkelkind des allgemein bekannten Gelehrten Dr. Hildesheimer in Berlin. Das Andenken des Mildtätigen fei zum Segen! Albert L ö w. Wien. (Wohltätigkeits-Vorstellung): Es gibt keine schönere Aufgabe für Wohltäter, als dem Elend armer, hoffnungsvoller Schulkinder zu steuern, sie vor den rauhen Unbilden des Winters zu schützen, ihre Gesundheit. und Lernfähigkeit zu erhalten und sie zu anständigen Mitgliedern der Menschheit unterziehen zu helfen. Not und Elend wächst immer zu, hemmen lassen sie sich wohl nicht, nur lindern kann man sie, und eben dazu ist der humanitäre Gefelligkeitsverein „Rudolfsbund" da, sich diese Aufgabe zur moralischen Pflicht zu machen. Alljährlich werden eine stattliche Anzahl armer, bedürftiger Kinder bekleidet und so groß die Zahl auch ist, sie wird von Jahr zu Jahr größer und größer. Woher aber die Mittel nehmen, wenn die Allgemeinheit nicht hilft? Die Wohltätigkeit des Einzelnen ist ein Tropfen un Meere. Wie alljährlich veranstaltet der Verein (Obmann Armenrat Josef Pollak) eine Wohltätigkeits- Vorstellung und gelangt am Sonntag, oen 1. April d. I. im Wiener Bürgertheater das bekannte und beliebte Studentenstück „Film Hospitalis" mit der besten Besetzung znr Aufführung. Karten sind zu haben bei: Pollak & Neuron, H, Zirkusgasse 42, Em. Taub, II., Glockengasse 13, Tobms Poeck, I., Salzgries 21, S. Goldsarb, II., Praterstraße 56, Kaffee Orient, II.. Praterstraße 66, Kaffee Poechhacker, H., Taborstraße 10, und vom 26. März an auch an den Tageskassen rc." Wien. Sonntag, den 11. d. M. fand im Ballsaale des Etablissements Ronacher die heurige Purim-Redoute des Brigittenauer israel. Unterstützungsvereiues statt, die sich seit einer Reihe von Jahren großer Beliebtheit in der Wiener jüdischen Gesellschaft erfreut und auch diesmal sehr gut besucht und vortrefflich arrangiert war. Von beit hübschen und charakteristischen Gruppen und Einzelmasken seien hier nur einzelne erwähnt: „Fiakergesellschaft" Frl. Mütz, Frl. Rosa Kurzholz, Agnes Kurzholz, Dr. Hupert, Architekt Seidler, Alfred Kohn. „Eine Tarokpartie aus dem Kaffee Körner" Frau Kaiser, Frau Pomeranz, Frau Grab, Herr Grab, Herr Hauser. „Strandgigcrl" Frau Ernestine Politzer, Frau Gusti Brunn, Frl. Fmi und Elsa Körner. Ferner Frau Adele Stern als Engländerin; Frau Schönberger, schwarzer Atlas-Domino mit Veilchen garniert. Frl. Johanna Kohn und Dina Karpel als Wäschermadl; Frl. Frida Hauser als Pretzlbub, Frl. Ema Beck französische Edeldame, Frl. Regnie Deiches, japanisches Kostüm; Frl. Emi Chlamtasch als Rastelbinder, akademischer Maler Steiger, als Pülcher; Lehramtskandidat Jg. Märik als Kartenaufschlägerin. Es gelangten 7 Grupvenpreise 3 ä II 15 und 4 ä X 10 und 3 Einzelpreise zur Verteilung. Preise wurden' zuerkannt den Gruppen: „Fiakergesellschaft", „Strandgigerl", und „Teufelsgruppe" je X 15, und den Gruppen „Tarokpartie aus dem Kaffee Körner", „Zigeuner", „Richter", und „Pülcher" je X 10. Ferner erhielten: Frl. Ema Beck, gold. Damenuhr, 1. Preis, Frl. Irma Körner, gold. Armband, 2. Preis, Frl. Frieda Hauser, gold. Ring, 3. Preis. Das Reinerträgnis dürste ein recht namhaftes sein. R. Ch. . Wien. Anfangs dieses Jahres hat der Verein „Jehuda Halevy" in seinem Bereinslokale II., Rembrandtstraße 7. einen hebräischen Kurs für Anfänger errichtet, welcher in der kurzen Zeit bedeutende Erfolge aufzuweisen hat. Infolgedessen schreitet die Bereinsleitung zur Errichtung eines neuen h eb r ä i s ch e n Kurs es für Anfänger, welcher am Dienstag den 20. März beginnt. Auch können Damen und Herren an dem bereits bestehenden hebr. Kurse für Vorgeschrittene teilnehmen. Beide Kurse stehen unter bewährter Leitung des hebr. Lehrers I. Berkowicz aus Palästina (früher hebr. Lehrer an der Allianz-Schule jn Saffad). Anmeldungen und Auskünfte im Vereinslokale II., Rembrandtstraße 7, täglich von 6—9 Uhr abends. Wien.Sonntag den 18. d. M. findet im Leopoldstädter Tempel, die Trauung, des Frl Regine D e u ch e s, Tochter des im II. Bezirke Zirkusgasse bekannten Restaurateurs Herrn Moritz D e u ch e s statt. Boskotvitz. In voller geistiger Frische feierte kürzlich Frau Fanni Prager ihren lOOsten Geburtstag. Wenn die Jubilarin auch infolge ihres Fußleidens an's Bett gefesselt ist, so vergißt sie nie ihre Gebete dreimal des Tages andächtig zu verrichten. Drohobycz. (Das Märchen vom Ritualmord.) Der Lehrer der polnischen Sprache am hiesigen Realgymnasium, Biegan 0 vsky, ein Mann, dem es offenbar darum zu tun ist, angesichts des herannahenden Osterfestes das Märchen vom Ritualmord wieder aufzufrischen, stellte es während der Unterrichtsstunde, die er am 5. März, in der 5. Klasse abhielt, als eine „historisch f e st st e h e n d e" T a t s a ch e hin, daß die Juden zu rituellen Zwecken Christenblut verwenden, und führte für diese Behauptung den Prozeß Hilsner ins Treffen. Wenn der Beweis hiefür nur in verhältnismäßig wenig Fällen erbracht worden sei, so sei dies lediglich darauf zurückzuführen, daß die Juden bei Entdeckung derartiger Geschehnisse die Richter zu beeinflussen wissen. Ein jüdischer Schüler sprang nach diesen giftigen Worten des Herrn Professors von seinem Sitze auf und wies die gemeine Anschuldigung desselben zurück. Professor Bieganovsky ließ sich aber durch diese Zurückweisung nicht beirren, schrie den Studenten barsch an: „Du setz' dich, was ich sage, ist wahr!" und fuhr dann fort: „Der Ritualmord der Juden ist längst bewiesen!" Nach dem Bortrage begaben sich sämtliche jüdische Studenten in korpore zum Oberrabbiner Dr. Margulies, der, nachdem er vom Vorfälle Kenntnis genommen hatte, in Begleitung aller Studenten den Direktor Staromicisky aufsuchte und von ihm die eingehende Untersuchung des Vorfalles und die Bestrafung des Professors forderte. Der Direktor versprach das Seinige zu tun. Eine am selben Abend abgehaltene Konferenz der Väter der jüdischen Studenten entsendete ebenfalls eine Deputation, bestehend aus den Herren Dr. Schuster, Sigmund Horowitz und Dr. Wilder an den Direktor, um die sofortige Suspendierung des antisemitischen Professors zu verlangen. Diese Bitte wurde auch sofort erfüllt. Da die Erregung in der hiesigen Gemeinde immer mehr anwuchs und es bekannt wurde, daß Professor Bieganovsky sich wiederholt diese Anwürfe gegen die