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Die Wahrheit · 1906-03-16 · Heft 11 (16.3.1906) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 11 (16.3.1906)
Date
1906-03-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11. Die Wahrheit. Leite ö. dem Verbände selbst Freunde und politische Gesinnungsgenossen zuführen und schließlich die nationale Kurie, die uns zum Heile gereichen würde, von selbst dekretieren. Zu den weiteren Forderungen des Polenklubs, betreffend die Sonderstellung Galiziens, wollen wir im Rahmeil dieses Artikels nicht das Wort ergreifen, allein es soll schon hier betont werden, daß diese Sonderstellung gegen die vitalsten Interessen unserer galizischen Stamnresgenoffen nach jeder Richtung hin verstoßen würde. Ich erlaube mir diesbezüglich den Präsidenten der Lemberger Kultusgemeinde und gewesenen Präsidenten des Vereines „Schomer Israel", Herrn Reichsrats- Abgeordneten Dr. Byck, daran zu erinnern, daß diese bereits 1873—1874 von allen denkenden Juden aus das entschiedenste bekämpft wurde und daß heut zu Tage die politischen Ansichten darüber keine Aenderung erfahren haben. Gott behüte Israel vor einer Stellung, in welcher jüdisches Gut und Blut, die Rechtspstege und alles andere dem Verdikt einer inappellablen, polnischen letzten Instanz unterworfen wäre. Die Inden Galiziens, vielleicht mit Ausnahme der drei jüdischen Klubmitglieder, müssen dagegen Arm in Arm mit den Ruthenen protestieren und demonstrieren. Wir haben bereits die bittere Schule der polnischen Hegemonie durchgemacht und wollen nur unter der Oberhoheit der österreichischen Zentralbehörden stehen. Gott behüte uns vor unseren polnischen Freunden, vor unseren österreichischen Feinden — werden wir uns schon selbst zu schützen wissen. _ V»lrint-Grii»nerimgen. Bon Moriz Mandl, Rabbinats-Verweser in Ledetsch (Böhmen). Wer jemals Gelegenheit gehabt, einen Purim in einer der alten Judengemeinden zu verleben, der wird, auch in eine nüchterne Umgebung versetzt, mit innigem Behagen an diesen Tag zurückdenken. Die Freude und Wonne, welche Groß und Klein aneinem solchen Tage erfüllen, wird ihren goldigen Schimmer auch auf die späteren Tage werfen. Schon mit dem Einzug des Monates Adar findet man an den. Türen frommer Leute den Satz augekreidel: ..Mit Beginn des Monates Adar soll man die Freude erhöhen." In den jüdischen Häusern werden vor allem für den heranuahenden Purim die nötigen Vorkehrungen getroffen. Ueberall wird reichlich eingekauft, gebacken, gebraten, hergerichtet und vorbereitet. Der sinnige Brauch, an einem Feste einander zu beschenken, vorzüglich aber das Herz der Armen, Witwen und Waisen durch Zuwendung von Spenden zu erfreuen, ist, wie alles Edle, jüdischen Ursprunges. Nur daß leider unsere modernen Juden, um etwas schön zu finden, es unter allen Umständen aus der Fremde entlehnt wissen müssen. Wo solche noch vorhanden sind, bereiten die Thorajünger ein wohldurchdachtes, von launigem Humor sprühendes Purimspiel vor, welches sie sodann am Purimabend nach der ..Sude" im Hause des Rabbis und der anderen Häupter der Gemeinde zur Aufführung bringen. Die Kleiderverleiher haben alle Hände voll zu tun, um den bunten Maskenstaat in Ordnung zu bringen. Mit einer kaum verhaltenen Spannung sehen die Kinder dem Purimtage entgegen. Auch diejenigen, welche sonst im Religionsunterrichte nur mir halbem Ohre hinhören, horchen gespannt auf, wenn der Lehrer von dem großmächtigen Achaschwerosch und seinen Ministern erzählt. Im Stillen werden hier und da geheime Verabredungen über das Verhalten beim ..Leinen der Megilla" gehalten. Mag die Synagogenordnung noch so streng gehandhabt werden, ganz ohne Klopsen und „Ratschen", so oft der Vorleser den Namen Hamans erwähnt, geht es nun einmal nicht ab. Der Chasen muß nicht selten minutenlang im Vorlesen innehalten, bjs sich der tosende Lärm, den der Name des Vorläufers aller Antisemitenhäuptlinge unter den Zuhörern verursacht, wieder gelegt hat. Die Freude hat jedoch hier ein ernstes Vorspiel. Der 13. Idar hat uns zuvörderst die weniger erfreuliche Bekanntschaft mit dem „Fasten Esther" vermittelt. Die Erinnerung an die schwere Not verdient für alle Zeit verewigt zu werden. Denn auch diese dürfte schwerlich jemals gänzlich von der Tagesordnung abgesetzt werden. Es ist für uns tröstlich und erhebend, daß der Allgülige unser Beistand in dem Gedränge der Not ist, so wir es nur nicht verschmähen, in uns zu gehen und vom ganzen Herzen uns zu Gott zu bekehren. Auch wir leben jetzt in einem echten Haman-Zeitalter. Nur schade, daß wir es noch nie mit dem von altersher erprobten jüdischen Hausmittel versucht haben. Das Hamaniden-Programm ist bis aus den heutigen Tag unverändert geblieben. Gleich jenem i wollen auch sie ihre politische Machtstellung dazu ausnützen, t „lehaschmid uleharog“, alle Inden zu vertilgen und ihr Hab j und Gut plündern. „Welaiiielech. en scliowe lehanichom“; i sie geben vor, im Interesse des Staates und der Krone zu handeln. Ein Land könne nur ohne Juden gedeihen, Beweis dessen — Spanien, „wees paschsegen ksov hados“ und so mißbrauchen sie dann die göttliche Kunst des Schreibens weidlich, um durch die schmutzigsten Anwürfe und Verleumdungen in ihren Pressen die tvhesten Instinkte und wildesten Leidenschaften attfzuwiegeln. Angesichts dessen jedoch, erwacht in tins Esther, die bessere Einsicht, die zunächst und in erster Linie fordert: „Ideell kenos! es kol hajhudim“, „Sammle mir alle Juden." Erkennet Euch selbst, haltet fest zusammen. Jeder von uns suche mit dem glaubensstarken Mordochai um die Weue zu eisern. Wie hatte doch dieser wackere Jude ohne Falsch und Tücke am Tore des Königs seinen Sitz aufgeschlagen und dem Judenfeinde Haman mutig die Stirne geboten!. Nur die edle, unverwüstliche Kerntrnppe des Judentums ist imstande, jedem noch so gewaltig anstürmenden Feinde zu trotzen, und die Erkenntnis muß wieder durchbrechen: d, s vieltausendjährige, wetterfeste Judentum, das schon unzähligen Stürmen getrotzt, wird von einer unsichtbaren höheren Macht gelenkt. Israel ist und wird daher ein ewiges Wahrzeichen göttlicher Allmacht bleiben. Gott und nichts anderes ist die einzige Bürgschaft seines Daseins. Nur muß es auch an seinem Gotte festhalten, und kein Volk wird imstande sein, ihm den Boden unter den Füßen zu entziehen. Und nun nach dieser Abschweifung zum eigentlichen Purimfeste zurück. Am Vormittage herrscht in den Gassen der Judenstadt eine gehobene, feiertägige Stimmung. Ueberall fröhliche Gesichter. Kinder mit glückstrahlenden Augen ziehen umher, in der Rechten eine in Taschenform znsammengehaltene Serviette, das übliche Schlachmones in das befreundete Haus tragend, erzählen sie einander von den großen Erträgnissen, welche der heutige Tag auch für sie abgeworfen, auch von der großen ..Barches mit Rosinen" und den delikaten „Mohn- und Nußkindeln", welche die gute Mutter gebacken hat Am Purim wird ausnahmsweise schon vor Tisch Mincha gebetet. Alsdann begibt man sich zur „Sude", welche gewöhnlich bis in die Nacht hinein dauert. Die Armen werden allgemein reichlich beschenkt. Es zeigt sich hier wie allerorten, daß die jüdische „simcho“ kein profanes Festgelage bedeutet — Wohltnn ist stets das leitende Motiv dabei. Die Familienmitglieder sind vollzählig versammelt, das Mahl kann beginnen. Heller Lichterglanz erstrahlt an der reichbesetzten Tafel, an welcher nicht selten ganze Gesellschaften in ungezwungener Gemütlichkeit teilnehmen. Das Ganze nimmt allmählich freiere Formen an und löst sich in ein intimes Familienfest auf. Ernste und heitere ..Purimstückchen wechseln anregend und erheiternd ab, auch an kernigen Diwre Thora fehlt es bei diesen Gelegenheiten nie._ Verschiedene Nachrichten Wien. lEiue Z o n ne nrhal - Plakette.) Anläßlich des siebzigsten Geburtstages Adolf v. S o n n e n t h a l s hat das Kuratorium der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums beschlossen, eine Plakette seines Vizepräsidenten auzus>'rtigen. Diese Plakette, vom Bildhauer Eduard Telcs in Budapest meisterhaft ausgeführt, ist nunmehr vollendet und gibt die Züge des Künstlers mit überraschender Aehnlichkeit wieder. Samstag, den l0. d. M. hat die Ueberreichung des kleinen Kunstwerkes durch das Kuratorium m der Wohnung des Künstlers stattgefunden. Es wurde ihm der erste Abdruck in Silber, seiner Tochter, der Schriftstellerin Hermine v. S o n n e n t h a l, der erste Abdruck in Bronze überreicht. In einer kurzen, herzlichen Ansprache würdigte der Präsident der Gesellschaft, Baurat

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