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Die Wahrheit · 1906-03-09 · Heft 10 (9.3.1906) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 10 (9.3.1906)
Date
1906-03-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Ocherr.-uiiMr. Kantoren -Zeitung. Die geehrten Herren Kantoren werden höflich st und dringend ersucht, die restlichen Abonnvmrntsbeiträge umgehend rinrusenden, dainit wir der fortwährenden Mahnungen enthob eie werden. Die Administration. Jahresbericht des österr. «ngar. Kaataren-Kereines. Hebung und Förderung der sozialen und materiellen Lage der Berufsgenossen waren die Leitmotive der bisherigen Tätigkeit des österr. ungar. Kantoren-Bereines und diese beiden Gesichtspunkte finden auch in dem Rechnungs-Ausweis des abgelaufenen Vereinsjahres, der in den beiden Vorstandssttzungen vom 22. Februar und 1. März vorgelegt und genehmigt wurde, ziffernmäßigen Ausdruck. Die eingehende hieran anknüpfende Debatte über die gesamte Vereinstätigkeit und über jene Schritte, die in nächster Zeit im Interesse des Vereines und der Berufsgenossenschaft einzuleiten wären, gibt Anlaß, über diese beiden Sitzungen, an welchen außer dem Vorsitzenden, Präses I. Singer, die Vorstandsmitglieder Ph. Bassel, I. Bauer, S. Dünmann, B. Guttmann, S. Jurberger, I. Löwit, E. Regner, I. Schiller, I. Schlesinger teilnahmen, ausführlicher zu berichten: Im Einlaufe befindet sich eine Zuschrift des Vereinsmitgliedes, Oberkantor M. Schorr-Wien, mit welcher derselbe eine Spende von 75 K als Mehrerlös seines Werkes „Hallel wesimroh" der Vereinskasse für die Wohltätigkeitszwecke des Vereines übermittelt; ferner eine Zuschrift des Chormeisters Professor Josef Sulzer-Wien, der ..als Andenken an seinen verewigten Vater und als Zeichen seiner besonderen Wertschätzung" ein Exemplar der neuen Ausgabe des „Schi r-Z i o n" der Vereinsbibliothek widmet und die Zusendung weiterer 5 Exemplare dieses Werkes in Aussicht stellt, mit der Bestimmung, daß der aus denselben zu erzielende Erlös wohltätigen Vereinszwecken zugewendet werde. (Den Spendern wird der Dank des Bereinsvorstandes votiert). Nach einem ehrenden Nachrufe, den der Vorsitzende dem kürzlich verschiedenen Vereinsmitgliede und ehemaligen Vorstandsmitgliede, I. Kantor Moriz Schlesinger, Wien-Ottakring, widmet, gelangt das Unterstützungsgesuch eines vormals in einer großen ungarischen Gemeinde wirkenden Kantors zur Behandlung und wird beschlossen, der notleidenden Familie des gegenwärtig in Wien postenlos weilenden Petenten, die sich noch in Ungarn befindet, eine Unterstützung von 25 K sofort einzusenden. Nach Erledigung des Einlaufes legt der Vereinssekretär den von den Revisoren geprüften und richtig befundenen Rechnungs- Ausweis pro 1905 vor, indem er zunächst nach Aufzählung der einzelnen Posten im Einnahms- und Ausgabskonto einen Vergleich mit den Ergebnissen des Vorjahres anstellt und der Befriedigung Ausdruck leiht, daß trotz der mannigfachen starken Inanspruchnahme der Vereinskasse das Jahr 1905 mit einem Ueberschusse abgeschlossen hat. Dies ist in erster Reihe der hochherzigen, großen Spende des Herrn Baron Albert von Rothschild aus dem Nachlasse des verewigten Baron Nathaniel von Rothschild zu verdanken, die nicht nur eine bedeutende Vermehrung des Vereinsvermögens herbeiführte, sondern auch znm Teile die Möglichkeit schuf, den Anforderungen, die an den Verein bezüglich Unterstützung von Mitgliedern und deren Hinterbliebenen gestellt werden, gerecht zu werden. Die im Vorjahre ziemlich bedeutende Einnahmspost aus den von einigen Vereinsmitgliedern in ihren Gemeinden vorgenommenen Sammlungen ist im heurigen Jahre leider ganz minimal geblieben und beziffert sich blos auf 76 K, die durch Vermittlung der Kollegen Heymann-Amsterdam und Weiß- Tobitschau aufgebracht wurden. Ihnen sowie den geehrten Spendern sei an dieser Stelle nochmals öffentlicher Dank abgestattet. Die Mitgliederbeiträge und die Zinsen des Vereinsvermögens hielten sich ans ungefähr gleicher Höhe wie im Jahre 1904, doch muß mit Bedauern auch heuer wieder konstatiert werden, daß der Rückstand an Mitgliederbeiträgen nahezu den. Einzahlungen gleichkommt. Der dadurch bedingte Ausfall in den Einnahmen erschwerte besonders jene Tätigkeit des Vereines, die auf ausgiebige Hilfeleistung in Fällen momentaner Notlage bei Mitgliedern und Berufsgenossen abzielt. Jedes mit den Einzahlungen säumige Mitglied sollte sich darum vor Augen halten, daß es mit feiner Nachlässigkeit das kollegiale Hilfsmerk des Vereines schädigt, und in Erkenntnis der bei allen kollegialem Vereinigungen maßgebenden Devise ..Alle für Einen" seinen Verpflichtungen dem Vereine gegenüber pünktlicher Nachkommen^ Im Ausgaben-Konto sei zunächst auf die in zwei Fällen bewilligten Witwen- und Jnvaliditätsbeiträge von 530 K verwiesen. Dauernde Hilfe kann wohl mit solchen verhältnismäßig geringen Beträgen nicht geleistet werden, aber immerhin sind sie geeignet, die erste Not, die in solchen Fällen eintritt, einigermaßen zu lindern. Für die Zukunft eröffnet sich, wenigstens was die jüdischen Kultusbeamten, der diesseitigen Reichshälfte betrifft, eine etwas erfreulichere Perspektive. Während bisher die Kultusgemeinden, abgesehen von einigen wenigen Großgemeinden,, für die Alters- und Witwenversorgung ihrer Angestellten keinerlei Fürsorge getroffen haben und auch, falls nicht diesbezügliche vertragsmäßige Bestimmungen Vorlagen, zu derlei Leistungen gesetzlich nicht verpflichtet werden konnten, werden sich die Verhältnisse der jüdischen Kultusbeamten nach dieser Richtung schon in nächster Zeit zum Besseren wenden. Im österreichischen Parlament ist nämlich das Gesetz betreffs obligatorischer Versicherung der Privatangestellten auf Invalidität und Ableben bereits angenommen worden, und nach den vom Vereine an kompetenter Stelle eingeholten Informationen unterliegt es keinem Zweifel, daß auf Grund dieses Gesetzes auch den jüdischen Kultusgemeinden diese Fürsorge für ihre Angestellten zur Pflicht, gemacht werden wird. Im übrigen wird der österreichischungarische Kantoren-Verein nicht ermangeln, bei der Regierung, die nötigen Schritte einzuleiten, um den jüdischen Kultusbeamten die Wohltaten dieses Gesetzes sicherzustellen. Vorläufig ist diese eminent segensreiche, soziale Reform bloß für Oesterreich in Aussicht, jedoch sind wir der sicheren Ueberzeugung, daß auch, die ungarische Regierung, sobald sich in Ungarn die gegenwärtig, trüben Verhältnisse einigermaßen geklärt haben werden und normale Zustände wieder eintreten, im ungarischen Abgeordnetenhause eine derartige Gesetzesvorlage unterbreiten wird. Hiemit geht eine der auf dem letzten allgemeinen. Kantorentage in Wien aufgestellten Forderungen der Verwirklichung entgegen, daß. nämlich die Alters- und Witwenversorgung für jüdische Kultusbeamten nicht aus eigenen Mitteln der Kultusbeamten bestritten und auf der schwanken Basis kollegialer Hilfeleistung errichtet, sondern unter Beitragsleistung der Gemeinden auf Grund gesetzlicher Bestimmungen geregelt werde. An anderweitigen Unterstützungen wurden 229 K verausgabt, wobei an dem statutarisch bedingten Prinzipe festgehalten wurde, daß zunächst nur Vereinsmitglieder zu berücksichtigen sind. An Unterstützungsgesuchen von Nichtmitgliedern, die oft der Berücksichtigung im höchsten Maße würdig waren, hat es auch im abgelaufenen Jahre nicht gefehlt, aber der Vereinsvorstand mußte sich im Einklang mit den Bestimmungen der Statuten nach dieser Richtung die größte Reserve auferlegen,- da statutengemäß Unterstützungen nur an Mitglieder oder deren tinterbliebene verabfolgt werden sollen. Mögen die geehrten ollegen hieraus eine Lehre ziehen und sich an den österr.-ungar. Kantoren-Verein erinnern, solange sie noch in Amt und Stellungsind, nicht aber erst, wenn Not und Elend an ihre Türe klopfen. Was die Unterstützungen im allgemeinen betrifft, wurde die eigentümliche Wahrnehmung gemacht, daß der größte Teil der Unterstützungswerber sich aus ungarischen Kollegen rekrutierte-

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