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Die Wahrheit · 1906-03-09 · Heft 10 (9.3.1906) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1906
Issue
Heft 10 (9.3.1906)
Date
1906-03-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 10. Die Wahrheit Seite 9. Hinter mir, in denen ich nichts anderes gefunden, als Kränkung And Enttäuschung." Doktor Dansky war als Jude geboren. In einem Dorfe, in welchem seine Familie die einzige jüdische war und von dem Erträgnisse einer kleinen Krema*) lebtewar er unter den christlichen Kindern ausgewachsen, hatte mit ihnen die Volksschule besucht und nur von seinem Vater, der in seiner Jugend einmal Bachur gewesen, den notwendigen Religionsunterricht genossen. Sonst war er ganz auf den Verkehr mit seinen Altersgenossen, mit denen er die Schule besuchte, angewiesen. Nicht nur durch Kleidung und Physiognomie unterschied er sich auffallend von diesen, sondern auch durch einen höheren Grad von Intelligenz, durch einen Lerneifer und eine Ausdauer, welche den Dorfkindern gänzlich ab ging. Bei einer Inspizierung der Schule war der katholische Seelsorger des Ortes auf den kleinen Judenknaben aufmerksam geworden und fragte ihn scherzend, was er werden wollte. „Ein Doktor," antwortete keck der Knabe. ,Ei, da willst Du ja hoch hinaus, Junge! Was für ein Doktor willst Du denn werden?' „Ein solcher, was den Leuten die Finger abschneidet," mar die Antwort. Einen anderen Ausdruck und einen anderen Begriff hatte Josef Dan von einem Mediziner nicht. „Also ein Mediziner willst Du werden? Ist so übel nicht," meinte gut gelaunt der freundliche Herr, „aber dazu muß man 'Latein kennen. Kannst Du es, Bub?" „Ich werde es lernen." „Eine gescheite Antwort das, aber wo willst Du es lernen?" „In der Schule," war des Kleinen Antwort. Sie gefiel dem geistlichen Herrn. Der kindliche Verstand des Jungen wußte nur von einem Orte, wo man lernen konnte — die Dorfschule. Tags darauf schickte der Pfarrer ins Haus des Juden Dan und ließ ihm sagen, der kleine Josa möge auf die Pfarrei kommen. Die Eltern brachen in Klagen und Jammern aus, fürchtend, daß ihrem einzigen Sohne im Pfarrhause irgend ein Un- Heil zustoßen könne. Doch klein Josa trat furchtlos den Gang an. „Ich habe ja nichts Böses getan," sagte er unerschrocken, .„was kann mir dann Böses zukommen?" Und so war es auch. Dort angelangt, wurde er von dem Hochwürdigen Herrn gefragt, ob es ihm ernst mit dem Lateinlernen sei. Als Josa es bejahte, erbat sich der menschenfreundliche Herr, ihm täglich je nach Möglichkeit ein oder zwei Stunden Unterricht zu erteilen. Freudestrahlend kehrte Josef heim, den Eltern die frohe Botschaft überbringend. Doch fand seine Freude nicht den erwarteten Widerhall in deren Herzen. Papa Kremar brach händeringend in heftiges Weinen und Schluchzen aus. „Mein Kind, mein Kind soll zur Kfire (Taufe) gebracht werden." Nur die Furcht, den im Dorfe so einflußreichen Pfarrer zu beleidigen, hielt den alten Dan davon ab, seinem Sohne den Besuch des Pfarrhauses zu verbieten, er ließ es nur mit Widerwillen zu. So wuchs der kleine Josa Dan zu einem kräftigen Josef Dansky, wie ihn der Pfarrer nannte, heran, und als er mit geistiger und materieller Unterstützung seines geistlichen Wohläters nach Krakau an ein Obergymnasium kam, machten seine Eltern solch ein Jammergeschrei, als hätten sie ihren Liebling bereits verloren. Daß sie mit ihren Befürchtungen nicht Unrecht Hatten, bewies die Folge. Die Empfehlungen, die der Pfarrer seinem Schützlinge mitgegeben, waren meist an Herren gerichtet, welche für die panslavische Idee schwärmten und für diese Propaganda machten. Es waren das Gesinnungsgenossen des Pfarrers im Geburtsorte Josefs. *) Wirtshaus. Als Josef die llniversität beziehen sollte und seinem in der Kindheit bereits gefaßten Plane, Medizin zu studieren, folgen wollte, veranlaßren sie ihn dazu, diesen Plan aufzugeben, weit er in diesem Falle für die nationale Sache, für welche sie ihn so allmählich vorbereitet hatten, verloren gewesen wäre. Ihren Gründen nachgebend, studierte er Philosophie, und zwar widmete er sich der Erlernung fremder Sprachen, was ihm bei seiner eminenten Begabung hierfür leichter als alles andere ankam. So hoffte er, nach der Ansicht seiner Freunde, es weit eher zu einer ruhmreichen Existenz zu bringen, als wenn er Medizin studierte. Bei der Richtung^ welche sein ganzes Denken und Fühlen genommen hatte, ist es selbstverständlich, daß er die slavischen Sprachen zu seinem Studium erwählt hatte. Durch Unterrichterteilen in den Häusern, wo er empfohlen wurde, brachte der junge Dansky die Mittel zu seiner mehr als bescheidenen Lebensweise auf. Alles ging wie am Schnürchen. Die Prüfungen legte er in den vorgeschriebenen Zwischenräumen ab, wurde Professor, Doktor gar, jedoch als es dazu kam, eine Anstellung an einer Anstalt der Stadt zu erlangen, da stellte sich ihm ein Hindernis in den Weg, an welches er niemals gedacht hatte — seine Konfession. Was also hatte ihm all sein Streben genützt, all sein Jagen nach einem bestimmten Ziele, für die panslavistische Idee mit Wort und Tat zu wirken, wenn ihm kein Wirkungskreis gegönnt war, wo er seine Ideen in die Tat umsetzen konnte. Ueberall, wo eine Stelle zu besetzen war, wurde von dem Petenten ein Taufschein verlangt, und eben dieses eine Attest fehlte ihm in der Reihe der vielen vorzüglichen Zeugnisse, die er besaß.! Fortsetzung folgt.! Yotiz. K. k. privilegierte österreichische Länderbank. Die fünfundzwauzigste ordentliche General-Versammlung der Aktionäre der Kais. kön. privilegierten Oesterreichischen Länderbank findet am Mittwoch, den 4. April d. J., 6 Uhr abends im Anstaltsgebäude (I., Hohenstaufengasse 3' statt. Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Bericht des Gouverneurs über das abgelaufene Geschäftsjahr. 2. Bericht der Zensoren über die Geschäftsgebarung im Jahre 1905. 3. Beschlussfassung über die Verwendung des Beingewinnes des Jahres 1905. 4. Bestimmung des Wertes der Anwesenheitsmarken für die Verwaltungsräte (§ 35 der Statuten). 5. Wahlen in den Verwaltungsrat (§§ 21, 22 und 24). 6. Wahl der Zensoren und deren Ersatzmänner für das Jahr 1906 (§ 38) sowie Wertbestimmung der Anwesenheitsmarken für dieselben (§ 40). Die stimmberechtigten Aktionäre (§§ 42, 43), welche an der Generalversammlung teilzunehmen wünschen, werden hiermiteingeladen ihre Aktien spätestens am 21. März d. J. zu deponieren und zwar: in Wien bei der Kais. kön. privilegierten Oesterreichischen Länderbank; in Prag bei der Filiale der Kais. kön. privilegierten Oesterreichischen Länderbank; in Berlin bei der Deutschen Bank und Dresdner Bank; in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Vereinsbank; in Stuttgart bei der Württembergischen Vereinsbank; in Paris bei der Banque imp. Boy. Privileg!ee des Pais Autrichiens, Succursale de Paris, 12, rue du quatre Septembre und bei der Societe Generale pour tavoriser le developpement du Commerce et de l’Industrie en France, 54, rue de Provence; in Lyon bei der Societe Lyonnaise de Depots de Comptes Courantes et de Credit Industriel. Die Aktien sind arithmetisch geordnet in Wien mittels einer einfachen, bei den anderen Erlagstellen mittels doppelter Konsignation einzureichen und wird dem Einreicher hierüber eine Empfangsbestätigung ausgefolgt, gegen welche nach abgehaltener General-Versammlung die Aktien rückgestellt werden. Wünscht ein Aktionär sein Stimmrecht durch einen anderen stimmberechtigten Aktionär auszuüben, so hat er die betreffende, auf den Namen des gewählten Vertreters lautende Vollmacht auf der Bückseite der Legitimationskarte auszustellen und eigenhändig zu unterschreiben. Ausnahmsweise können jedoch Minderjährige durch ihren Vormund. Kuranden durch ihren Kurator, Frauen durch einen Bevollmächtigten. Handelsgesellschaften durch einen ihrer Firmaführer, Gesellschaften überhaupt durch ein hiezu bevollmächtigtes Mitglied, Körperschaften, Institute u. dgl. durch einen ihrer Vorstände vertreten werden, wenn auch diese Vertreter nicht selbst Aktionäre sind. Woll-u.Seidenkleider reinigt man am besten mit Schic h rs Schwan seife sie gibt auch die schönste WEISSWÄSCHE (feste Kaliseife) Ültt

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