Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 10 (9.3.1906)
- Date
- 1906-03-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 10. Kr das durch die Wahl erwiesene Vertrauen und hierauf schließt der Vorsitzende die Versammlung Wien. (Tempelbau-Verein des YHL B ezirkes.) Samstag, den 3. d. M., feierten Herr Samuel Hirsch und seine Ehegattin Julie das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Eine ansehnliche Zahl von Verwandten und Bekannten versammelte sich aus diesem Anlasse im Josefstädter Tempel, VIII., Neudeggergasse 12. In Vertretung des Herrn Bürgermeister war Herr Magistratsrat Asperger erschienen. Als der Jubilar zur Thora gerufen wurde, rezitierte Herr Obeckantor Kwartin einen vom Herrn Rabbiner Dr. Bauer verfaßten, dem Anlasie entsprechenden Mischeberach. Nach Schluß des Mussaphgebetes begab sich auch die Jubilarin mit den weiblichen Festgästen in die Männersynagoge und wurde von den Borstandsdamen Fvau Amalie Beck und Frau Bercha Rosenbaum zum Altäre geleitet. Herrn Hirsch führten die Herren: Präses Hermann Beck und erste Vizepräses Architekt Jakob Modern. Während Herr Kwartin und der Tempelchor „Gepriesen sei die Stunde" exekutierten, nahmen die Jubilanten auf mit Rosen geschmückten Sesieln Platz. Herr Rabbiner Dr. Bauer hielt an das Jubelpaar eine gehaltvolle Ansprache, in der er die Bedeutung des Tages in geistvoller Weise würdigte und dem Jubelpaare den Segen erteilte. Mt dem Absingen zweier Festlieder fand die überaus erhebende und seltene Feier ihren würdigen Abschluß. Wie». Vom Bethausvorstande der „Spiegelschule", Ü., Hammer- Purgstallgasse, wurd^ am 25. Februar d. I., zum Rabbiner an diesem Bethause Herr Michael Leopold Goldstein, gewählt. Derselbe hielt schon in verschiedenen Bechäusern Vorträge, die gute Aufnahme fanden, wie auch der Probevortrag, der der Wahl vorausging. Man setzt die schönsten Hoffnungen auf den jungen und doch sehr erfahrenen Redner und Lehrer seiner neuen Gemeinde. Wien. Montag, den 12. März 1906, 9 Uhr abends, veranstaltet der Wiener Synagogensänger-Berein in Herlingers Festsaale „zum goldenen Widder", II., Taborstraße 36, eine intime Purim-Feier. Zur Aufführung gelangen: Männerchöre von Sulzer, Weintraub und Mozart, ferner Vokal-Oktette, Terzette. Duette und humoristische Einzel-Vorträge unter gefälliger Mitwirkung des Herrn Richard Waldemar, Mitglied des k. k. priv. Karltheater. Zum Schlüsse Tanz-Kränzchen. Tanz-Arrangement aus Gefälligkeit: Herr Rudolf Heimann. Karten k 1 Krone sind zu haben: An der Kaffa des Cafe Reklame, II., Praterstraße 34, im Restaurant Herlinger, EL, Taborstraße 36, sowie bei allen Mitgliedern. Baden. (Einweihung der Zeremonienhalle.) Sonntag, den 4. März 1906 (7. Addar), dem Sterbetages Moses, fand unter lebhafter Beteiligung der Mitglieder der Kultusgemeinde Baden die feierliche Schlußsteinlegung in der neu erbauten Zeremonienhälle des dortigen Gemeindefriedhofes statt. Um 4 Uhr nachmittags versammelten sich die Gemeindemitglieder am Friedhofe, woselbst durch den Oberkantor Seifert die Gebete für die im Vorjahre Verstorbenen verrichtet und das „El moleh rachamim" rezitiert wurde. Nunmehr begaben sich die Versammelten in den neuen Zeremoniensaal zur Vornahme det Schlußsteinlegung. Hier hielt zuerst Baurat Stiaßny eine Ansprache an die Versammlung. worauf Kultusvorsteher Herr Moriz L eititer dem Erbauer mit herzlichen, wärmen Worten für seine aufopferungsvolle Tätigkeit und für das im ganzen, sowie in allen seinen Teilen vollendete Kunstwerk dankte, ebenso dankte er seinem getreuen Mitarbeiter Herrn Architekten Reiser, für besten werktätige Unterstützung. Diese Worte fanden allseitige Zustimmung und nun hielt Rabbiner Wilhelm Reich die Weiherede, die auf alle Anwesenden einen mächtigen Eindruck ausübte. Hierauf nahm Baurat Stiaßny in üblicher Weise die Schlußsteinlegung vor. Der Schlußstein, welcher in Jerusalem gebrochen ist, deckt die in eine Metallkapsel ruhende Urkunde, die von dem Gemeindesekretär Herrn Jnfeld in schwungvollen Worten verfaßt ist und in Kürze die Geschichte der Chewra Kadischa und der später entstandenen Kultusgemeinde Baden enthält. Zum Schluffe rezitierte der Oberkantor einen Trauerpsalm und das Kadischgebet, womit die Feierlichkeit ihr Ende erreichte. Abends versammelten sich die hervorragendsten Gemeindemitglieder und Gäste im „Hotel Rausnitz" zu einem Chewramahle, welches bis in die späten Abendstunden seinen harmonischen Verlauf nahm, und bei welchem dem Kultusvorsteher Herrn Leitner, Herrn Baurat Stiaßny und der Gattin des letzteren die herzlichsten Ovationen dargebracht wurden. . , St. Pölten. (Jüdischer L i t e r a t u r v e r e i u). Am 4. d. M. sprach.Herr Adalbert Jungwirth-Heertrost, ein christlicher junger Philologe aus St. Pölten, über „Jeremia, sein Leben und seine Schriften." Auch Stücke von Emil Frida und Henrik Sienkiewicz brachte derselbe zu Gehör. Einleitend gab der Präsident, Herr Rabbiner Dr. Schächter, ein übersichtliches Bild von der altisraelitischen Literatur und würdigte in der Diskussion die Verdienste nichtjüdischer Gelehrten um die Hebung des jüdischen Schrifttums. Das überaus zahlreiche Auditorium, in welchem sich diesmal viele Christen befanden, lohnte Herrn phil. Jungwirth durch Ueberreichung eines Kranzes und einer prachtvollen Schreibgarnitur. — Am Purim veranstaltet der Literaturverein einen Theater-Abend mit anschließendem Tanzkränzchen. Die Mitwirkenden sind sämmtlich Vereinsmitglieder. Troppau. Das 40 jährige Amtsjubiläum unseres zweiten Kantors Herrn Jakob Herz wurde am Samstag und Sonntag in einer für den Jubilar sehr ehrenden Weise gefeiert, die nicht nur dem Jubilar, sondern auch unserem, Kultusvorstand . zur Ehre gereichte. In erster Reihe gebührt unserem verdienstvollen Präses, dem Herrn k. k. Landesschulrat Dr. Sonnenschein, der sich diese Würdigung eines im Amte ergrauten Funktionärs besonders angelegen sein ließ, ehrende Anerkennung. Am Samstag Parschath Trumah erschienen eine große Anzahl Vorstandsmitglieder mit ihrem zweiten Vorsteher Herrn Dr. Wolf zum Gottesdienst. Der Jubilar wurde zur Thora aufgerufen und Oberkantor Sing erm ann rezitierte einet: von ihm zu dieser Feierlichkeit verfaßtem hebräischen Mischeberach. worauf der Chor mit Orgel einen entsprechenden Psalm mit Kantor-Solo vortrug, welches einen sehr würdigen und feierlichen Eindruck machte Am Sonntag darauf versammelten sich der Kultusausschuß mit seinen beiden Vorstehern sowie viele Angehörige Und Freunde des Jubilars in dem prächtig dekorierten Gemeinde-Sitzungssaale. Der Jubilar wurde sodann von zwei Vorstandsmitgliedern in den Saal eingeführt, und der Präses, Herr Dr. Sonnenschein, hielt an den Jubilar eine warmempfundene Ansprache, in der er die treue und eifrige- Pflichterfüllung des Herrn Kantor Herz hervorhob und ihm die Wünsche des Gesamtvorstandes und der ganzen Gemeinde übermittelte, dann ersuchte er den Kassier der hiesigen Gemeinde, dem Jubilar das vom Vorstande bewilligte Ehrengeschenk in „klingender Münze" zu überreichen^ Der Herr Kassier kam dieser Aufforderung nach und begleitete die Uebergabe mit herzlichen Worten. Der 75 jährige, rüstige Jubilar dankte nun in tiefempfundenen Worten dem Vorstande und der ganzen Gemeinde fürdie ihm erwiesenen Ehren, die ihn tief ergriffen und hochbeglückt haben, und flehte um Gottes reichen Segen für das Wohl unserer ganzen Gemeinde. Damit schloß die würdige und schöne Feier. Berlin. Anläßlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares hat der deutsch-israelitische Gemeindebund Sr. Majestät von dem Beschlüsse des Ausschusses Meldung gemacht, auf dem von der Stadtgemeinde Beelitz bei Potsdam geschenkten Terrain mit den von jüdischen Gemeinden und Privatleuten gespendeten Mitteln als Jubiläumsstiftung eine „Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene israelitische Kinder" ans ganz Deutschland zw begründen. In einer Anlage zur Adresse sind die Namen der Spender aufgeführt worden. Die bisher gestifteten Summen betragen insgesamt 35.0lX> Mark. Es steht zu hoffen, daß es gelingen wird, die zum Bau noch fehlende beträchtliche Restsumme zusammen zu bringen. Wie schon früher bei patriotischen Anlässen hat der deutsch-israelitische Gemeindebund auch diesmal zum Gebrauche beim Festgottesdieuste eine von einem Berliner Rabbinerverfaßte Festpredigt durch Vermittlung des „Verbandes der jüdischen Lehrervereine" und des provisorischen Vorstandes des „Kantorenverbandes"' den eines Predigers entbehrenden kleinen Gemeinden zugestellt. Hamburg. Der bisherige Oberkantor der orthod. Gemeinde Preßburg, Herr Josef Rosenblatt, wurde, nach einem mit großem Beifall aufgenommenen Bortrage, für die hiesige neuerbaute orthodoxe Synagoge ausgenommen. Herrn Rosenblatt ging ein guter Ruf als Chasen voraus- Derselbe hat schon als 12jähriger Knabe durch sein hervorragendes Talent Aufsehen erregt, besitzt eine kräftige Teuorstimme und versteht meisterhaft: zu „Sagen", mit einem Worte ein vorzüglicher Chasen. Oberkantor Rosenblatt hat sich auch gediegenes musikalisches Wissen angeeignet und im vorigen Jahre mehrere Gesänge und Rezitationen der Oeffentlichkeit übergeben. Bukarest. Seitens des Vorstandes der Autarkster Gemeinde wird' uns mitgeteilt, daß Herr Oberkantor Friedrich nicht widerrechtlich entlasten wurde,, sondern überhaupt nur auf 1 Jahr akzeptiert war. Chicago. Die „Jüdische Gesellschaft zur Förderung des Ackerbaues"' ^Jewish Agricultural Society) hat, wie der soeben ausgegene Verwaltungsbericht mitteilt, im Jahre 1905 nicht weniger als 42 Familien .mit 183 Seelen als Farmer angesiedelt, von denen 25 aus Rußland, 9 aus Rumänien, 6 aus Galizien stammen, 2 in Amerika als Söhne russischem Immigranten geboren sind. Siebzehn dieser Farmer haben sich in Süd- Dakota auf. Homrstöads (Regierungsland) im Umfange von 160 Acres niedergelassen: 20 haben Farmen gekauft, 3 gepachtet; 2 Unverheiratete sind bei jüdischen Landwirten in Michigan als Taglöhner untergebracht worden.. Die Jnstallationskosten beliefen sich auf 600—70HDollars pro Familie; einzelne werden bis zur vollen Selbständigkeit noch 300—400 Dollars erhalten müssen. Man sieht, daß die Kolonisation in Nordamerika erheblich billiger ist, als in Ärgentinien. Während der letzten fünf Jahre hat die Gesellschaft 202 jüdischen Familien dazu verholfen, sich auf Homestead» niederzulassen. Dieselben besitzen jetzt insgesamt 25.000 Acres Land, Vieh,. Gebäude, Geflügel, Maschinen. Die inzwischen von ihnen ausgeführten Ameliorisationen haben den Wert ihres Bodens auf 400.000 Dollars gesteigert, während die Kosten sich nur auf 75.000 Dollars beliefen. Den Bericht macht denreichen Juden in Amerika den Vorwurf, daß sie die Möglichkeit, jüdische Einwanderer auf Regierungsländereien, die zu Zehntausenden von Acres zur Berfügungsstehen, anzusiedeln, nicht benutzt haben. In Nord-Dakota allein seien gegenwärtig nach 7000 Acres frei, die ganz. <gut in jüdischen Besitz übergehen könnten. D?r Bericht schließt mit der Bemerkung, daß die Gesellschaft keine philanthropische sei, daß vielmehr das Geld gegen hypothekarische Sicherheit geliehen ist und mit 3'/z°/g verzinst wird. Die Farmer sind also durchaus keine Almosenempfänger. Zurückgefunden. Novelle von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) Fröstelnd zog Dansky den Mantel fester zusammen undrüstete sich, seine Wohnung aufzusuchen, welche ein polnischem Student, der in Tabor die landwirtschaftliche Hochschule besuchte, seinen Landsleuten zur Verfügung gestellt hatte. Von der prächtigen Illumination hatte er bloß die wenigen Kerzen gesehen, die in den Fenstern der niedrigen Häuser in der Nähe des Wasserturms flackerten. „Wieder eine Enttäuschung," sagte er sich mit einem Seufzer. „Unseliges Tabor, o hätte ich schon Deine Mauern