Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 10 (9.3.1906)
- Date
- 1906-03-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10. Die Wahrheit Lette 'i, Seinen sehnlicheren Wunsch, als zurück in die Heimat, der sie , eben entflohen, zurück in dieselben Städte, in welchen die! fürchterlichsten Judenmetzeleien stattgefnnden haben, zurück in die! Ortschaften, wo ihnen fortwährend Tod und Verderben droht, > wenn sie nur wieder die heimatliche Erde betreten, die Heimatj liche Luft atmen, das Laub der Heimat sehen, den Gesang der j heimatlichen Vögel hören können.! Es handelt sich, wie gesagt, nicht um vereinzelte Ausl nahmefälle, sondern um tagtäglich sich wiederholende Erscheinungen.! Von Simulation kann keine Rede sein, denn die brächte besten-! falls nichts ein, als eben die Unterbringung auf einem! nach Rußland segelnden Schiffe. Es ist keine Simulation, denn! der angestellte Arzt, Dr. Maurice Fishberg, der diese Mitteilungen macht, untersucht die Bittsteller und findet, daß sie, was die Patienten meist selbst nicht wissen, an Heimweh leiden. Die Bittsteller wissen in der Regel nur zu sagen, daß sie die amerikanische Luft nicht vertragen, daß sie nicht essen, nicht schlafen, nicht arbeiten können u. s. w. und daß sie nach Rußland zurück möchten. Und oft genug endet das Heimweh der russischen Juden, die so wenig Ursache haben, ihre russische Heimat zu lieben, wenn ihnen aus irgendwelchen Gründen die Heimbeförderung versagt wird, in Melancholie, Hypochondrie, Selbstmordmanie und Wahnsinn. Allerdings spielt dei dem Heimweh der Juden auch die Familienanhänglichkeit eine große 'Rolle, was daraus hervorgeht, daß die meisten Bittgesuche gegen Ostern eingehen, um welche Zeit die Juden das größte Familienfest, das Passafest, feiern. In Deutschland wehren sich seit Jahren namentlich auch die Frommen im Lande gegen die Aufstellung eines Heine- Denkmals. Amerika hat bekanntlich ein Heine-Denkmal. Darum ist es interessant, daß ein Geistlicher, der Pastor der Ersten Presbyterianerkirche in Washington, Dr. Donald Mc. Leod, jüngst in einer Massenversammlung zum Proteste gegen die russischen Judenmetzeleien zur Illustrierung der Verdienste der Juden aus der neueren Zeit drei Juden nannte: Mendelssohn, Neander und — Heine. Es muß für einen Mann wie Stöcker, her natürlich auch nichts von Heine wissen will, besonders schmerzlich sein, den bösen Heine neben dem frommen Neander stehen zu sehen. Die Juden, fuhr Pastor Mc. Leod fort, haben her Welt mehr gutes geleistet, als sie von ihr empfangen haben. Die Behandlung der Juden ist der schwärzeste Fleck auf dem Wappenschilde der Christenheit. Urrschiedene Nachrichten. Wien. (P redig t.) Freitag-Abends, den 9. d. M. Predigt im 'Stadttempel und im Tempel, XV., Turnergasse 22, Samstag-Bormittags, den 10. d. M. Predigt im Leopoldstädter Tempel. Wien. /Jüdische Toynbee-Halle, XX.. Othmargasse 46.) Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge: an Wochentagen um V28, an Sonn- und Feiertagen und Samstag um 7 Uhr abends. Wochenprogramm: Samstag, den 10. März: Konzert. Sonntag, den 11. März: „lieber Röntgenstrahlen." (Mit Demonstrationen.) Assistent Herr Dr. N. Dohan. Montag, den 12. März: „Bilder aus der Volkswirtschaft." Herr Leopold Spitzer. Dienstag, den 13. März: „Das nervöse Jahrhundert." Herr Dr G. Kornfeld. Mittwoch, den 14. März: Literarischer Abend. Herr Adolf Weisse, Direktor des Deutschen Bolkstheaters. Donnerstag, den 15. März: „Neue Philosophie." Herr Doktor Beruh. W a ch st e i n. Freitag, den 16. März: Bibelvortrag. Herr H. L ö w- Vogel. Samstag, den 17. März: Konzert. — Samstag, den 3. März d. I., fand in der Toynbee-Halle ein Konzert statt, das einen glänzenden Verlauf nahm. Die Vortragenden: Frau Raja Barber-Waldberg (Gesang), Frl. Helene Wood (Gesang). Herr Professor M e l i o n (Violine) und Herr Alfred Brecher (Deklamation) ernteten für ihre ausgezeichneten Darbietungen stürmischen Beifall. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Am Samstag, den 24. Februar, hielt der Verein eine Plenarversammlung, verbunden mit einer improvisierten A u s st e l l u n g ab. Der Saal war dicht gefüllt und alle Zuhörer waren sichtlich ob des Gesehenen und Gehörten voll des Lobes, lieber die Ausstellung selbst folgt _ ein ausführlicher Bericht. Der Präsident B r o d eröffnete die Versammlung, die einzelnen Vereinsmitglieder sprechen zu ihren Objekten und sodann hielt Schriftsteller Herr Jacques I a e g e r einen glänzenden Vortrag „ll e b e r die geschäftlichen Verhältnisse in Amerika", der allgemeinen Beifall fand. Ausstellung: I. Spielwarenfabrikant Franz Frankl brachte eine reiche Kollektion Wiener Spielzeug zur Ausstellung, welche er seinen für die diesjährige Leipziger Ostermesse bestimmten neuesten Mustern entnahm. Mit berechtigter patriotischer Befriedigung erfüllte uns der Nachweis in dem instruktiven Vorträge dieses Ausstellers, der auch Mitglied der Ausstellungskommission für die bevorstehende Londoner Ausstellung ist, daß Wien mit seinem durchwegs besseren, geradezu erstklassigen Spielwaren in Bezug auf Geschmack und gediegenen Ausführung Hervorragendes leistet, und daß Wiener Spielwaren mit Vorliebe im Auslande verlangt und gekauft werden. Frankl hat sich durch feine 35jährige Tätigkeit auf dem Gebiete der Spielwarenindustrie und deren Exportförderung hohe Verdienste erworben und kann sich der Verein zur Hebung der Gewerbe nur freuen» einen solch tüchtigen Mitberater für gewerbliche Angelegenheiten in seinem Vorstande zu haben. II. Die Firma B. Buchwald & C o. stellte sehr nett ausgeführte Gegenstände in Ledergalanterie und Bronze aus. III. Die Firma Emanuel L ö w p, Uhrenerzeuger, repräsentierte sich in einer überraschend glänzenden Weife. Nebst einer reichen Anzahl selb^ verfertigter Pendeinhren mit reinem, kräftigem Turmglockenton, modern stilgerechten Gehäusen, Standuhren aus Metall und Glas, war eine Uhr bis über 1 Meter Höhe ausgestellt, die nach Mitteilung seitens des Demonstrierenden in dieser Ausführung und Größe das einzige in Wien vorhandene Spezialstück ist. Auch die Taschenuhren des Ausstellers sollen sich wegen ihres exakten Ganges allgemeiner Beliebtheit erfreuen. Die Firma besteht seit 25 Jahren. IV. Die bekannte Firma Michael W i n kl e r L S o h n brachte eine Sammlung moderner Stockwerkstafeln, Briefeinwürfe, T ü r n u m m e r n :c. zur Ausstellung und repräsentierten sich diese Objekte sehr vorteilhaft, so wie sie dem modernen Geschmacke Rechnung trugen. V. Das Atelier für Wohnungsrichtung und Dekoration Sigmund Spitz stellte 1 Herreufauteuil mit Gobelinbezug, Büche rdreht i s ch aus politiertem Spiegeleichenholz mit Korallenholzeinlagen, 2 Wiener Fauteuils, 1 reizenden Sessel in Biedermeierstil, aus Ebenholz mit Metalleinlagen, weiters 1 modernen Speisezimmervorhang aus. In seiner Erklärung zu dieser sehr gelungenen Exposition bekannte sich Herr Spitz als entschiedener Anhänger der Moderne und wies dies auch an seinen Arbeiten nach. VI. Die bekaunte Gesckäftsbücherfabrik A. G r ü n s f e l d & C o. brachte eine Kollektion Geschäftsbücher, die in einem Gewerbebetriebe unbedingt vorhanden sein sollen. Aus den einfachsten Büchern konnte mau ersehen, mir welcher Sorgfalt in dieser Fabrik gearbeitet wird, und so ist es begreiflich, daß die Erzeugnisse dieser Firma großen Ansehens in Wien und der Provinz sich erfreuen. VII. Einige Garderobenstücke für Herren aus dem Atelier der Firma S. Mos ko w itz, Tailor, fanden allseitigen Beifall. VIH. Kunst- und Möbeltischler Friedrich W e l d l e r stellte ein Z i m m e r b u f f e t aus Nußholz aus. Der Marmor bildet eine Spezialität. Das Unterteil ist viertürig, m Kupfer getrieben, Beschläge Messing und patiniert. Die Füllungen sind eingelassen, alles daran sehr sauber ausgearbeitet. IX. Herr Anstreichermeister Hermann B i ß stellte einige Holzimitationen aus, die den Beifall der Versammlung fanden. Wien. Samstag, den 3. Mürz, 7 Uhr abends, fand im Zeremonieusaale des Tempels in der Müllnergasse, die 39. ordentliche Generalversammlung des israel. Bethausverein,'s „Chewra-Beth-Hatfilah" im IX. Bezirke statt. Der Vorsitzende Präsident Gottlieb Bettelheim eröffnete die Versammlung und begrüßte zunächst den Vertreter des Kultusvorstandes, kais. Rat Sigmund K a u d e r s, den Präsidenten des „Vereines zur Hebung der- Gewerbe", S. Brod, sowie die erschienenen Mitglieder, worauf die Verlesung des Protokolls der letzten Generalversammlung durch den Schriftführer Jg. Simon und die Verifizierung desselben erfolgte. Anknüpfend daran erstattete Präsident Bettelheim den Bericht über das Verwaltungsjahr 1905, in welchem eingangs der unglücklichen Opfer der russischeu Judenmafsakres, sowie der im abgelaufenen Jahre verstorbenen Förderer, Ehrenmitglieder und Vereinsmitglieder pietätvoll gedacht und dann ein Bild der erfreulichen zunehmenden Entwicklung des Vereines geboten wurde. Zum Schlüsse wird mit Befriedigung konstatiert, daß der Kultusvorstand in neuerlicher Betätigung seiner Sympathie für das Wirken des Vereines beschlossen hat, bei Beerdigung von Vereins- Mitgliedern, Sitzmietern oder deren Hausgenossen in der Regel die Bereinsfunktionäre, bei allen anderen im IX. Bezirke wohnhaft gewesenen aber dieselben dann zum Kondukte zu berufen, wenn dies von den Hinterbliebenen gewünscht wird. Dieser Bericht, sowie der vom Kassier Julius Koppstein erstattete Kassabericht wird einstimmig zur Kenntnis genommen und hierauf dem Vorstände das Absolutorium erteilt. Kais. Rat Sigmund Kauders dankt dem Vorsitzenden für die freund licke Begrüßung und erblickt eine große Ehre darin, bei einem der vornehmsten Tempelvereine als Delegierter des Kultusvorstandes erscheinen zu können. Er beglückwünscht gleichzeitig den Verein zu seinem ausgezeichneten Präsidenten, deffen Energie auch der jüngste Erfolg betreffs Verwendung der Bereinsfunktionäre bei Leichenbegängnissen zu verdanken sei, und erklärt, daß er gerne beim Kultusvorstande über die musterhafte Führung dieses Vereines Bericht erstatten werde. Bereinsmitglied Jgn. L ö w y sprach dem Vorstände und den Funktionären für die musterhafte Führung des Gottesdienstes Dank und Anerkennung aus. Hierauf wurde zur Neuwahl dreier Vorstandsmitglieder und des Ausschuffes geschritten, wobei die Herren W e ck s l e r und Julius Fürth als Skrutatoren fungierten. In den Vorstand wurde» die ausgeschiedenen Herren Emil Fürth, Adolf Moser und Josef Quittner einstimmig wiedergewählt, und ebenso in den Ausschuß die Herren: Dr. Alfred Glogau, Leopold Hendl, Gerson Koralek. Wilhelm Pappenheim. Joses Steiner und Isidor Trebitsch wieder- und die Herren Dr. Adolf Steiner und Salo Fuchs ueugewählt. Nach Bekanntgabe des Wahlresultates dankt Herr G. Koralek namens sämtlicher Gewählter