Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 9 (2.3.1906)
- Date
- 1906-03-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9. Seite 9. Die Wahrheit Warnung. In Wien treibt sich ein Schwindler herum, der unter Vorweisung von gefälschten Mitgliedskarten der „Israelitischen Allianz zu Wien" Mitgliedsbeiträge einzukassiren versucht. Die P. T. Glaubensgenossen in Wien werden vor diesem Schwindel gewarnt und gleichzeitig ausmerksam gemacht, daß die „Israelitische Allianz zu Wien" gegenwärtig die Mitgliedsbeiträge nicht durch einen Inkassanten sondern mittelst Posterlagscheine einhebt. Zurückgefunden. Novelle von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) „Was für ein Herr denn?" fragte die Großmutter neugierig. Hedwig wurde bei diesen Worten des vorlauten Kindes feuerror. Sie hatte es ihrem Stolze nicht abringen können, die Kinder zu bitten, ihre Begegnung mit dem Polen zu verschweigen; setzt war sie verraten, und ihr blieb nichts anders übrig, als die Wahrheit einzugestehen. „Wir begegneten einem Herrn, der mit einer Deputation aus Krakau angekommen war, und der mich auf den Weg fragte. Wir gingen dann mitsammen bis zur Pfortea. Es ist dies ein sehr seiner Herr, ein Doktor der Philosophie und Professor der slavischen Sprachen." „Und der Herr war so freundlich gegen uns," ergänzte Zdenka, „under kömmt Abends zum Wasserturm, wo das Fräulein auf ihn warten soll." Hedwig war totenbleich geworden, als sie die Wirkung sah. welche diese Worte auf die alte Frau ausübten. Diese stemmte die Hände in die Seiten und eine Flut von Vorwürfen ergoß sich aus das arme junge Mädchen. Hedwig wagte keine Entgegnung. Sie fühlte sich schuldig, ließ daher Alles über, sich ergehen, auch ,das. Verbot, Abends auszugehen. Es schien ihr nicht anders, als drehe sich das Zimmer mit ihr im Kreise herum. Sie wußte, daß die Kündigung ihres Postens bevorstehe, selbst wenn sie sich in das an sie ergangene Verbot fügte, und für einen Moment kam ihr die Idee, dem Verbote zu trotzen und ihr dem Fremden gegebenes I Wort einznlösen. Was konnte ihr in diesem Falle anderes | bevorstehen, als Entlassung, die ohnehin unvermeidlich war? i Sie hatte ja so harmlos geplaudert, meist von Politik, nicht! ein Wort war zwischen ihnen gefallen, das die strengste Sittenrichterin nicht hätte hören können, sie sprachen ja meist über Sprachenverhältnisse und über die Zustände in den slavischen -Ländern. Aber etwas war in der Stimme dieses jungen Fremden, in allen seinen Bewegungen, überhaupt in seinem ganzen Wesen, was sie so seltsam vertraut anmutete. Sie, die bisher unverj standen durchs Leben ging, Niemanden hatte, mit dem sie ein vernünftiges Wort aufrichtig sprechen konnte, sie fand in diesem interessanten Fremdling eine ihr verwandte Seele. Und dennoch sträubte sich ihr innerstes Gefühl dagegen, eine Handlung zu begehen, welche böswillige Menschen als Anlaß nehmen würden, auf ihre weibliche Ehre einen Schatten zu werfen. Unter heimlich vergossenen Tränen entschloß sie sich, aus die verabredete Zusammenkunft zu verzichten. „Lebe wohl, Doria, Du schöner Stern! Du bist an dem trüben Himmel meines einsamen Lebens für einen Moment aufgetaucht, um auf Nimmerwidersehen unter dem schwarzen Gewölle, welches mein Leben umgibt, zu verschwinden."- Dr. Dansky hatte sich zum Orte des Stelldicheins von einem Knaben geleiten lassen, weil er sich Abends in der ihm fremden Stadt nicht zurechtfinden konnte. In regelmäßigen Schritten, wie eine Schildwache, schritt er die Front vor dem Wasserturme ab; neun Uhr, die verabredete Stunde, war schon längst vorüber, es schlug von dem Turme herab zehn, es schlug Halbelf, es schlug elf Uhr. Die Lichter in den Fenstern verlöschten allmählich, die Transparente und Bilder wurden aus den Ladentüren entfernt, und letztere geräuschvoll geschlossen; nur die spärlichen Straßenlaternen beleuchteten wie allabendlich die schlechtgepflasterten Seitengassen. (Fortsetzung folgt.) Notizen. K. k. priv. allgemeine österreichische Boden-Kredit-Anstalt. Zufolge Beschlusses der ausserordentlichen General-Versammlung vom 6. Februar d. J. räumt die österreichische Boden- Kredit-Anstalt den Inhabern ihrer bestehenden Aktien-Interimsscheine das Bezugsrecht auf die neu zur Ausgabe gelangenden 80.000 Aktien mit Dividenden Berechtigung ab 1. Jänner 1906 zum Preise von _K 1000 pro Aktie zuzüglich 4ü/0 Zinsen ab 1. Jänner 1906 bis zum Zahlungstage in der Weise ein, dass auf je vier Interimsscheine eine neue Actie entfällt. Behufs Geltendmachung des Bezugsrechtes sind die Interimsscheine in der Zeit vom 27. Februar bis inklusive 12. März d. J. bei sonstigem Verluste des Bezugsrechtes bei der Kassa der österr. Boden-Kredit-Anstalt in Wien, I., Teinfaltstrasse Nr. 8, zur Abstempelung einzureichen, und hiebei der Betrag von K 300 samt 4u/0 Zinsen ab 1. Jänner 1906 zu erlegen. Gegen Entrichtung des Restbetrages per K 700 pro Actie samt 4°/0 Zinsen vom 1. Jänner d. J. werden in der Zeit vom 25. April bis spätestens 30. Juni d. J. bei sonstigem Verluste des Bezugsrechtes und der ersten Einzahlung die neuen Aktien ausgeolgt Zufolge weiteren Beschlusses der ausserdentlichen General- Versammlung werden durch TJebertrag von lv 12,000.000 von dem ausserordentlichen Reservefonds B auf den Aktien Kapital Konto die bestehenden Aktien-Interimsscheine liberiert und gegen mit K 300 voll eingezahlte definitive Aktien vom 15 Mai d. J. angefangen bei der Kassa der österr. Boden-Kreditanstalt umgetauscht. Die Dividende des Jahres 1906 wird nur gegen den an den definitiven Aktien haftenden Coupon ausbezahlt. Nähere Mitteilungen enthalten die ausführlichen Kundmachungen, welche bei der österr. Boden-Kredit-Anstalt kostenlos erhältlich sind. Allgemeine Depositen-Bank. Der Verwaltungsrat beehrt sieh hiermit, die stimmberechtigten Aktionäre der Allgemeinen Depositen-Bank zur vierunddreissigsten ordentlichen Generalversammlung, welche Samstag den 3. März 1906 vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaale des Anstaltsgebäudes (I. Schottengasse 1) stattfinden wird, einzuladen. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht und Bilanz für das Geschäftsjahr 1905. 2. Bericht der Revisoren. 3. Beschlussfassung über die Verwendung des Reingewinnes. 4. Wahl eines Mitgliedes des Verwaltungsrates. 5. Wahl des Revisionsausschusses, bestehend aus drei Mitgliedern und einem Ersatzmanne. 6. Statutenänderung. Die Herren Aktionäre, welche ihr Stimmrecht ausüben wollen, werden eingeladen, nach § 18*) der Gesellschaftsstatuten ihre Aktien wenigstens acht Tage früher, das ist bis spätestens inklusive 23. Februar 1906 bei der Allgemeinen Depositen-Bank in Wien (I. Schottengasse 1) zu hinterlegen. Der Rechnungsabschluss pro 1905 wird den zur Generalversammlung legitimierten Herren rechtzeitig zugesendet werden. *) § 18. Jeder Aktionär ist in der Generalversammlung zu so vielen Stimmen berechtigt, so vielmal er 10 Aktien besitzt. — Aktien, auf Grund deren in einer Generalversammlung ein Stimmrecht ausgeübt werden soll, müssen samt den noch nicht fälligen Coupons wenigstens 8 Tage von dem Tagen der Versammlung an einem vom Verwaltungsrate kundgemachten Orte deponiert werden. Jerzeicknis der Kerllsrtzenen Vom 18. Februar bis 24. Februar 1906. Ferdinand Fasal, Privatbeamter, 66 I. Julie Bauer, Hausierersgattin, 65 I. Julie Rosenfeld, Private, 37 I. Rosa Beuesch, Dienstmagdskind, 14 Tage. Klara Pineles geb. Leide, Selchwarenverschleißerin, 56 I. Rudolf Lang, Kaufmannskind, 4 Monate. Jeanette Klein geb- Tauber, Private, 71 I. Sandor Back, Agenrenssohn, 12 I. Franziska Taussig geb. Wellner, Agentensgattin, 43 I. Anna Turteltaub geb. Riesling, Agentenswitwe, 78 I. Anna Wollner geb. Ländler. Prediaerswitwe, 81 I. Renzi Hartmann geb. Scheiner, Psrnndnerin, 30 I. Hermann Wollner, Schuhwarenerzeuger, 60 I. Leon Thieberg. Buchhalter, 69 I. Gisela Geiringer geb. Galitzenstein, Agentensgattin, 35 I. Ignaz Pollak, Gemischtwarenhändler, 55 I. Sarah Schneer, Kind. 12 I. Jakob Axelrad, Privat, 67 I. Leopold Lederer, Privatier, 57 I. Josef ChinkeS, Taglöhner, 25 I. Philipp -Fleischer, Getreidehändler, 66 I. Mayer Lanzner, Dienstmann, 30 I. Moses Heim, Wasserträger. 57 I. Simon Kopf, Hausierer. 81 I. Moriz Tandler. Agent, 47 I. Anton Ebenholz, Privatenskind,? Karoline Pinkas geb. Ornstein, Pfründnerin, 75 I. Gisela Jwry geb. Glück. Kaufmännsgattin. 72 I. Alexander Löwy, Studierender, 21 I. Aron Stotter, Riemergehilfe, 23 I. Josefine Mendl geb. Bachrach, Fabrikantensgatttn, 39 I. Heinrich Salomon Basch, Kaufmann, 56 I. Regine Weiß, Hausiererskind, 1 I. Samuel Herschberg. Verkäufer, 72 I. Moriz Stern, Schriftsetzer, 28 I. Peppi Thorn geb. Keßler, Agentensgattin, 55 I. Moses Weiß, Glasermeister, 87 I. Adolf Weiß. Kaufmann, 52 I. aus Frischen Kokosnüssen flTT ^IjaranHerhBriärechlßs feinstes= Pflanzen- Feit.