Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 9 (2.3.1906)
- Date
- 1906-03-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 9. stände veranlaßte Aenderungen Vorbehalten.) — Samstag, den 24. Februar, fand in der Toyubee-Halle wohl einer der gelungensten Konzertabende statt. Hkrr Oberkantor Bela -G u t t m a n n hatte nicht nur seine große Kunst in den Dienst der guten Sache gestellt, sondern das Arrangement des ganzen Abends übernommen. Er sowohl, als auch die anderen Mitwirkenden, u. zw. die Damen Frl. Freistädt (Gesang), Frl. Birnbaum (Deklamation) und Frl. Vetschenig (Klavier) ernteten für die trefflichen Darbietungen stürmischen Beifall und mußten sich immer wieder zu Zugaben bequemen. Wien. Sonntag, den 11. März 1906, 11 Uhr vormittags, findet im Festsaale der israelitischen Kinderbewahranstalt, II., Schiffamtsgasse 15, die Hauptversammlung des Vereines „Israelitische Kinderbewahranstalt" (gegründet im Iahe 1843) statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die Bereinstätigkeit. 2. Bericht über die finanzielle Lage des Vereines. 3. Ernennung eines Ehrenmitgliedes. 4. Wahl des Vorstandes. 5. Anträge von Bereinsmitgliedern. Wien. Sonntag, den 25. Februar, fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Julius Klar mit Frl. Selma Schwarz, Tochter des Präsidenten des Vereines zur Bekleidung armer alter Männer, statt. Der Brautvater ist im H. Bezirke eine außerordentlich bekannte und beliebte Persönlichkeit, und hatte sich im Tempel aus diesem Anlasse ein ungewöhnlich zahlreiches Publikum aus allen Kreisen eingefunden. Unter den Gästen bemerkte man: den Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer, die Tempelvorsteher Waffervogel, Dr. Löwy und Ad. Schrämet, Börsenrat Breitner, den Präsidenten des „Bnei Brith" Dr. Samuely, Vertreter verschiedener humanitärer Vereine, Bezirksrat Mensch, Armenrat Jos. Pollak rc. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner Doktor S ch m i e d l und Oberkantor Guttmann. Der Chor stand unter Leitung des Professors Jos. S u l z e r. Wien. (Scholem-Alejchem in Wien.) Die „Jüdischen Abende, Borträge aus der Literatur dar altjüdischen Sprache" führen sich Heuer mit einer Darbietung ersten Ranges ein. Sonntag, den 4. März d. I., wird im Ballsaale Ronacher, I., Schellmggaffe, der berühmte jüdische Dichter Scholem-Alejchem (S. R a b i n o w i c z) aus Kiew eigene humoristische Skizzen vorlesen. In der Erwartung, daß die seltene Gelegenheit, den hervorragendsten Kenner des Lebens und der Seele der östlichen Juden zu hören, gerne benützt werden wird, ladet das Komitee l Mathias Acher, Dr. I. Schalit, Reichsratsabgeordneter Dr. Straucher) zum Besuche dieser Vorlesung ein und hofft auf zahlreiches Erscheinen. Beginn präzise 9 Uhr abends. Das Reinerträgnis fließt einem wohltätigen Zwecke zu. Preise der Plätze: I 10, K 6, K 4, I 3, K 2, K 1, K 0 50. Wien Sonntag, den 11. März, veranstaltet der „Humanitäts- Verein der Trebitscher in Wien" im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 4, ein geschloffenes Elite-Kostümkränzchen. Zur Förderung dieses Festes wurde die Aktivierung eines Jung-Dameu- sowie -Herren- Komitees beschloffen. Wien. (Literarischer Geselligkeits-Verein jüdischer Mädchen „Moria".) Sonntag, den 4. März, wird der bekannte Schriftsteller Herr H. Jork-Steiner seine neue Dichtung „Der verkaufte Kadisch" (Manuskript) zur Vorlesung bringen. Beginn präzise 3'/, Uhr nachmittags, im Kongreßsaale, DL, Türkenstraße 9. Gäste herzlich willkommen. Piruitz. Am 12. Schwat verschied Frau Emilie Furcht, die Gründerin und langjährige Präsidentin unseres Frauenvereines, welches Amt dieselbe bis ans Lebensende in musterhafter Weise verwaltet hatte. An dem Leichenbegängniffe, welches am 14. Schwat stattfand, beteiligte sich die gesamte Kultusgemeinde, sowie die Gemeindevertretung der Christengemeinde und eine Abordnung der Beamten der fürstlich Collaltischen Gutsherrschaft. Im Trauerhause hielt Herr Rabbiner Abr. Kurzweil einen tiefergreifenden Nachruf, in welchem er die Verstorbene als Muster jüdischer Weiblichkeit schilderte und die Haupttugenden derselben, nämiich Zdoko und Gmilus-Chesed, welche die Verstorbene zeitlebens in hervorragendem Maße betätigte, besonders hervorhob. Herr Kantor Gottfried Kornstreicher verrichtete die üblichen Trauergebete. Möge das gute Andenken, welches unser Frauenverein, sowie die Freunde und Bekannten der ftüh Verstorbenen derselben stets bewahren werden, den tiefbetrübten Leidtragenden zum Tröste in ihrem herben Schmerze gereichen. Juugbuuzlau. Die Bereinigung junger israelitischer Handelsangehöriger veranstaltete am 17. d. M., im Saale „Zur Traube", eine, musikalisch-deklamatorische Akademie, die überaus gelungen ausfiel. An der Durchführung des trefflich gewählten Programmes beteiligten sich: Fräulein Ullmann mit dem sehr gut gesprochenen Prolog, Fräulein Horschitz mit einem launig gehaltenen Solo-Auftritt „Ich tanze nicht", Herr Beranek mit dem Rezitativ und der Cavatina des Max aus „Freischütz" und der 12jährige Erwin Singer mit zwei überaus seelenvoll vorgetragenen Stücken von Smetana und Schumann, welche von seinem Vater am Klavier begleitet, stürmischen Beifall ernteten. Hierauf wurde ein lustiger Einakter von den Damen M. Reis, Haurovitz. Weseli und Nobel und den Herren M. Pollak, Weiß und Meißner sehr flott gespielt. Nach Schluß der Borträge wurde bis zum Morgengrauen getanzt. Um die Veranstaltung des sehr schönen Abends machtemsich besonders verdient: Herr Lehrer Sigf. Glaser, Herr Max Pollak und Herr Jul. Haurowitz. Troppau. Der zweite Kantor der hiesigen Kultusgemeinde, Herr Jakob Herz, feiert am Samstag, den 3. März, das 40jährige Jubiläum seiner ununterbrochenen Tätigkeit in der hiesigen Gemeinde. Der hiesige Kultusvorstand beschloß, den Jubilar zu dieser selteuen Feier an diesem Tage zu beglückwünschen und ihm ein entsprechendes Geschenk zu überreichen. Budapest. (Stiftungsfest.) Das 111. Stiftungsfest der Pester Chewra-Kadischa hat im Tempel in der Rombachgasse stattgefunden. Der festlich. beleuchtete Tempel mar in allem Räumen mit Andächtigen gefüllt. Anwesend waren: Präsident Jakob Boschan, Vizepräsident Eduärd Fleischmann, Anwall Dr. Franz Mezcy, die Vorstandsmitglieder Jakob Deutschs I. M. Weiß, Moriz Lindenbaum, Abraham Nagler, Ludwig und Julius Adler, Enterich Birnbaum, Dr. Emil Farkas,. Dr. Salomon Eulenberg, Joseph Brody, Arnold Kobn. Berthold- Herzmann, Jakob Eisler, Alexander Tstch der Notär der Pesterisr. Gemeinde Dr. Julius Weißburg, Rabbiner Dr. Julius- Fischer, Prof. Oberkantor Adolf Lazarus und andere. Die Feierlichkeit begann und endete mit den Gesängen des Kantors Israel Tkücs. Rabbiner Moses Feldmann hielt eine weihevolle Rede, in der er die Bedeutung der Wohltätigkeit der Chewra- Kadischa schilderte und Gottes Segen auf die Leiter und Mitglieder des humanitären Vereins erflehte. Budapest. Im großen Tempel in der Tabakgasse fanden in den jüngsten Tagen zwei vornehme Traufeierlichkeiten vor einer zahlreichen und glänzenden Schar von Festgästen statt. Der hauptstädtische Arzt Dottom Alexander Marberger führte Fräulein Lily Läufer, Tochter des Budapester Großhändlers Alexander Läufer, unter das Trauzelt. Sowohl die Braut als auch der Brautvater sind durch ihre unermüdlichen Wohltätigkeitsakte ungemein populär und haben sich ganz besonders durch ihr erfolgreiches Wirken im Ferinkolonienverein einen geachteten Namen gemacht. — Im selben Gotteshouse reichte der Leutnant in der Reserve und Ingenieur der kön. ung. Staatsbahnen, Herr Theodor F ü l ö p, dem. Fräulein Margarethe Brau n, Tochter des hauptstädtischen Advokaten Dr. jux. Philipp Braun, die Hand zum ewigen Bunde. Unter den zahlreich Erschienenen bemerkten wir eine Abordnung der kön. ungarischen Staatsbahnen mit dem Oberingenieur Josef Ofner an der Spitze, welcher mit dem Stern von Rumänien geschmückt war, ferner den Kommerzialrat Eduard Saborsky, Kammerrat Gabor Kohn. die Familie Schwarz, de Okany, Deputationen des Ersten Mädchen-Ausstattungsvereines geführt vom Direktor Arnold Kohn, und des Humanitätsvereines „Kosiuth Lajos" mit deffen Präsidenten, viele Rechtsanwälte, Richter u. A. Beide Trauungen vollzog Rabbiner Dr. Julius Fischer, welcher nach den gediegenen Ansprachen beiden Paaren die Weihe der Religion erteilte. Den kantoralen Teil beider Traufeierlichkeiten besorgte Oberkantor Prof. Adolf Lazarus, dem der Tempelchor assistierte. v. II. S. Budapest. Sonntag, den 4. März, ^3 Uhr nachmittags, findet im Tempel in der Tabakgaffe die Trauung des Herrn Adolf Schlesinger mit Fräulein Elsa Gelb statt. Berlin. Der „Verein zur Pflege hebräischer Musik", der es sich zum Ziel gesetzt hat, in den Kreisen, wo der jüdische Geist den Heiligtümern unserer Vorfahren sich zu entfremden beginnt, durch die Erweckung des jüdischen Kunstlebens wieder belebend auf die Religiosität zu wirken, veranstaltete am 19. Februar einen Vortragsabend. Herr Rabbiner Dr. Ackermann-Brandenburg a. H. hielt eine mit großem Beifall aufgenommene Rede über die Originalität der synagogalen Melodien und wies besonders auf den Unterschied zwischen polnischem und süddeutschem. Chasonus hin. Dieser Unterschied wurde durch Gesangs-Beispiele des Herrn Hauptkantors A. Rosenthal in wirkungsvoller Weise erläutert. Den Schluß des Abends bildeten Chorvorträge,. Gesänge für Rosch Haschonoh und Jom Kippur, die in der feinsinnigen Bearbeitung des Vereins-Dirigenten, Herrn Kapellmeisters Albert Kellermann, von dem Vereinschor in trefflichster Weise zu Gehör gebracht wurden. London. Vor einigen Wochen feierte der Oberkantor Rev. M. Hast seine goldene Hochzeit und gleichzeitig sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum. Er fungiert in der hiesigen Great Synagogue seit 35 Jahren, nachdem er vorher als Kantor in Breslau amtiert hatte. Anläßlich dieser Feier überreichte ihm die Gemeinde ein herrliches silbernes Teeservice mit einem Scheck, und der Vorsteher. Herr Rosenfeld, hob in einer Ansprache die Talente und Verdienste des ehrwürdigen Herrn Oberkantors hervor. Auch Herr Hermann Landau, der Herrn Hast von Breslau aus kannte, rühmte die vielfachen Vorzüge desselben in seiner begeisterten Anrede. Der Jubilar ist in Polen geboren, besuchte in seiner Jugend hervorragende Jeschiboth. woselbst er sich gediegene talmudische Kenntnisse erwarb.. Später bildete er sich in der Musik aus und erreichte durch seine melodische Stimme die Vollkommenheit eines Meisters. Er komvonirte Synagogalmusik und auch einige Oratorien, welche hier in der Queen’s Hall. und in Glasgow zur großen Befriedigung des Auditoriums aufgeführt wurden. Die hiesige Choral-Gesellschaft und der Synagogenchor überreichtem ihm kunstvoll ausgestattete Adressen als Zeichen ihrer Verehrung. Aus allen Stadtteilen eilten am Sonntag die vielen Freunde, darunter Gelehrte, Professoren der Musik (auch nichtjüdischeu Glaubens), in die Privatwohnung des Jubelpaares, um ihre Gratulationen darzubringen. Das- Haus war von Blumenkörben und verschiedenartigen Geschenken überfüllt- Die ganze Gemeinde wetteiferte, den verehrten Ehegatten Beweise ihrem Liebe und Anerkennung zu geben.